Wenn der Postmann ein Mal klingelt
21. April 2010 von Kerstin
Als ich neulich das Inspiration Lounge Interview von René Tinner bearbeitete, habe ich lange Zeit überlegt, welche Abschnitte der Videoaufnahme Teil des inzwischen veröffentlichten Interviewfilms werden sollen. Da René so viele interessante Dinge erzählt hat, war die Auswahl schwer. Immer wieder habe ich verschiedene Teile in neuen Variationen zusammengestellt. Ein um’s andere Mal wurde der Film auf diese Weise zu lang.
Mitten in diesem Hin- und Herprobieren fiel mir plötzlich auf, dass René während des Interviews etwas erzählt hatte, dass genau zu meiner Situation passte.
»Du hast heute, gerade auch durch die Technik, wahnsinnig viele Möglichkeiten. Es bleibt aber die Frage: wann ist der Song fertig?
So ist das, nicht nur in der Musik. Unglaublich viele Möglichkeiten, Interviewmomente, Gesagtes einzubringen und zusammenzufügen, aber wann kommt der Film raus? Also habe ich mich weiter erinnert, was René sagte:
»Bei CAN war der Song immer um zehn Uhr morgens fertig. Da kam der Bote, um das Material in’s Presswerk zu bringen. Also haben wir immer das Beste getan, das bis dahin möglich war. Wäre der Bote am Tag darauf um zehn gekommen, hätten ich den Song genau bis dahin fertig gestellt. Ob er dann besser gewesen wäre, wer weiß?
Genau das ist es. Man muss einen Punkt finden, an dem es in diesem Moment gut ist. An dem man das getan hat, was bis dahin wirklich wichtig und machbar war. Klar, mit mehr Zeit könnte man immer noch dies oder das tun, noch einen Aspekt einbauen, noch mal überlegen, überarbeiten…unter uns: wann ist es wirklich perfekt? Für wen? Und auch noch nach einigen Tagen, Jahren? Wie oft denkt man selbst, sobald man etwas mit zeitlichem Abstand betrachtet: das würde ich heute anders machen?
So ein Bote ist prima. Er drängt einen, Dinge fertig zu machen, ein Ergebnis zu haben. Nicht zu vergessen, es gibt immer die Möglichkeit, beim nächsten Mal anders oder noch besser zu sein. Plus: man hat dann schon Feedback (wenn man es hören will), und jedenfalls ein Stück mehr Erfahrung. Also besser einen Zeitpunkt bestimmen, an dem ein Projekt raus muss.
Oder noch besser: Boten für alle.
peter kowalsky (mitbegründer von bionade)
emmanuel walderdorff
(emmanuel walderdorff galerie)
thomas fuhlrott (gründer von zait)
dr. george berbari (hirnforscher und psychiater)
oliver matter (inhaber der matter-luginbühl ag)
stefan sander (weingut sander)
manuel odendahl (ruin&wesen)
jochen distelmeyer (musiker)
robert schrem (gründer von fluegel.tv)
Einen Boten wünsche ich insbesondere auch vielen Politikern in diesem Land. Wenn mal jemand ausrechnen würde, wieviel Zeit die vergeuden und am Ende kommt nichts und wieder nichts dabei raus, außer Spesen natürlich.