ÜberArbeiten

06. Mai 2010 von Kerstin

(click the pix)

Gerade gestern stieß ich beim Sichten eines aufgezeichneten Inspiration Lounge Interviews auf die Aussage unseres Interviewpartners, er habe sein Hobby zum Beruf gemacht.

Wir führen inzwischen seit über zwei Jahren Interviews mit Menschen aus unterschiedlichen kreativen Bereichen, und es ist beeindruckend, wie oft dieser Satz genau so oder ähnlich gefallen ist. Das ist auch der Grund, warum ich irgendwann begonnen habe, bei unseren Interviewpartnern nachzuhaken, warum sie von »Hobby« sprechen und ob das, was sie tun, denn nicht eigentlich Arbeit sei.

Alle haben ausnahmslos bestätigt, dass die Umsetzung ihrer Ideen, um davon zu leben, mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Trotzdem sei Hobby auch treffend, denn schließlich gehe es ja darum, das zu tun, was einen fasziniert und umtreibt. Das wieder sei ja auch der Grund, warum man viel Arbeit und Anstrengung aufbringen kann, ohne sich lange überwinden zu müssen.

Wenn ich von diesen Aussagen erzähle, gab es,  je nach Umgebung, schon häufiger zwei Reaktionen: Die eine nennt ganz schnell den Begriff der kreativen Selbstausbeutung, die andere spricht davon, dass ein »Hobby« ja offensichtlich keine richtige Arbeit sein kann, sondern viel eher nach Spaß klinge.

Im ersten Fall erzähle ich dann beispielsweise von PUPLIK.ORG, die wir neulich interviewten. Zum Thema kreative Selbstausbeutung antworteten sie: »Wir entwickeln unsere Projekte, weil wir das ständig und gerne tun. Wir machen das nicht nur, weil es um Geld geht. Es geht um die Umsetzung unserer Ideen, und dafür bleiben wir dran – so oder so. Wie kann das aus unserer Sicht kreative Selbstausbeutung sein?

Im zweiten Fall frage ich gerne zurück, wie trostlos die Welt in den Augen derer aussehen muss, in der wir erst »richtig« arbeiten, wenn es nur Pflicht ist, wenn es uns eigentlich widerstrebt, nichts mit den eigenen Ideen zu tun hat und schon gar keine Freude macht.

Auch unseren Interviewpartner Manuel Odendahl habe ich gefragt: »Warum sprichst Du von Hobby?«  Antwort: »Weil das Wort Arbeit, so wie es heute meist verstanden wird, nicht passt. Und tatsächlich, der Begriff Arbeit schein reif für die Überarbeitung. Na, dann mal los.

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