Tag: Wissenschaft

Interview mit Prof. Dr. Harald Welzer

22. Januar 2012 von Chris


(Prof. Dr. Harald Welzer im Gespräch mit Kerstin Döweler, le tapir)

»Ich verspreche mir die größten Veränderungen durch Veränderungen.«

Prof. Dr. Harald Welzer ist Soziologe und Sozialpsychologe. Als Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research in Essen leitet er zudem Teilprojekte des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Außerdem ist er Professor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke und Affiliated Member of Faculty am MARIAL-Center der Emory University (Atlanta/USA) und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Beiräte und Akademien.

Die Schwerpunkte seiner Forschung und Lehre sind Erinnerung, Gruppengewalt und kulturwissenschaftliche Klimafolgenforschung.

Lange wurden der Klimawandel und seine Folgen lediglich unter naturwissenschaftlichen Blickwinkeln betrachtet. Ausgehend von seiner eingehenden Forschung über Gruppengewalt, begann Prof. Dr. Welzer vor einigen Jahren, die Folgen des Klimawandels unter kulturwissenschaftlichen Aspekten zu erforschen. Ein Schwerpunktthema ist dabei die Entstehung von Gewaltkonflikten aufgrund sich ändernder Klimabedingungen.

YouTube Preview Image

Die kulturwissenschftliche Klimafolgenforschung beschäftigt sich daher mit Bereichen, die durch die zuvor rein naturwissenschaftliche Betrachtung des Klimawandels keine Beachtung fanden: die Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen, auf die kulturellen Strukturen.

Wie sehen diese Auswirkungen aus und wie kann der Einzelne agieren angesichts der bevorstehenden sowie bereits im Gange befindlichen Klimaverschiebungen und sozialen Umwälzungen? Wo liegen Möglichkeiten, positiv einzuwirken?

Das Interview führten wir in der Europäischen Akademie in Otzenhausen. Zeitgleich fand dort das von Klaus Wiegandt und Harald Welzer geleitete Kolloquium >Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung: Wie sieht die Welt von morgen aus? < statt, bei dem zahlreiche Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen, u.a. Kulturwissenschaft, Sozialpsychologie, Wirtschaftswissenschaft, Biochemie und Astrophysik, zusammentrafen.

Auswahl der Veröffentlichungen von Prof. Dr. Harald Welzer:

· »Opa war kein Nazi!« Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis.
· Täter.
Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden.
· »Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird«

· Zusammen mit Claus Leggewie »Das Ende der Welt, wie wir sie kannten«
· »Apo statt Kalypse«, Handeln in der Krise, (FAZ)

FacebookTwitterGoogle+

Noam Chomsky in Köln

07. Juni 2011 von Kerstin

Im Rahmen seiner Albertus-Magnus-Professur 2011 wird Noam Chomsky heute Abend in der Universität zu Köln eine öffentliche Vorlesung halten, die auch online übertragen wird.

Noam Chomsky wurde in den 1960er Jahren mit seinen Forschungen und Beiträgen zur Sprachwissenschaft bekannt, insbesondere durch die von ihm vorangetriebene Verbindung von Linguistik, Kognitionswissenschaften und Informatik. Seine bis heute nicht unumstrittenen Arbeiten und Standpunkte lösten wissenschaftliche Diskussionen, wie beispielsweise die Linguistic Wars, aus und beeinflussten zahlreiche andere Fachbereiche – neben der Kognitionswissenschaft und Informatik auch die Neurowissenschaften und die Philosophie.

In den 1960er Jahren begann Noam Chomsky, sich stärker politisch zu artikulieren und zu engagieren. In diesem Rahmen wendete er seine in der Linguistik gewonnenen Erkenntnisse auch in der analytischen Betrachtung politisch eingesetzter Sprache an. Als kritischer Betrachter politischer Systeme ist er weit über den Bereich der Linguistik hinaus bekannt. Auch in seiner Vorlesung heute Abend wird er sich insbesondere politischen Perspektiven widmen. Wer die Standpunkte und Impulse des als »meist zitierten Außenseiters der Welt« Bezeichneten bei dieser seltenen Gelegenheit live erleben möchte:

Noam Chomsky, The Evolving Global Order: Prospects an Opportunities, 7. Juni, 19.30, Uni Köln, Aula im Hauptgebäude am Albertus-Maguns-Platz (Es lohnt sich früher hinzugehen – seine Vorlesung gestern war äußerst gut besucht.)

FacebookTwitterGoogle+

Edge

06. Juni 2011 von Kerstin

Gerne stellen wir Menschen vor, die mit ihren Ideen und ihrer Arbeit interessante, besondere Projekte hervor- und voranbringen.

John Brockman ist ein echter Querdenker und -macher. Früher Aktionskünstler, Wirtschaftsberater, heute Verleger und Literaturagent, wird er gerne als »einer der besten intellektuellen Katalysatoren unserer Zeit« bezeichnet. 1996 gründete er die Non-Profit-Organisation Edge.org, die auf einem Gedanken John Brockmans und des Künstlers James Lee Byars fußt: »Um Außergewöhnliches zu erfahren, um darauf zu kommen, muss man außergewöhnliche Leute suchen.« Damit verbunden kam James Lee Byars auf die Idee, »die 100 geistvollsten Menschen einzuladen und in einem Raum zu versammeln, um sie einander die Fragen stellen zu lassen, die sie sonst nur sich selbst stellen.« Das gab schließlich den Ausschlag für den Aufbau von Edge.org.

Edge.org vereint heute insbesondere führende Wissenschaftler aus Fachbereichen von Mathematik, Physik, Psychologie, Evolutions- und Molekularbiologie über Neurologie und Informatik bis hin zu Archäologie, Anthropologie, Sprach- und Wirtschaftswissenschaften. J. Craig Venter, Freeman Dyson, Eric Kandel und viele andere teilen in zahlreichen online veröffentlichten Conversations und Essays ihre Ideen mit und diskutieren darüber. Ein Mal im Jahr stellt John Brockman den Edge-Teilnehmern außerdem eine besondere Frage, so beispielsweise 2009: »welche Idee wird alles verändern?«

Die Antworten, wie die Conversations insgesamt, sind so unterschiedlich wie oft verblüffend und sorgen garantiert für eine Menge neuer Perspektiven. Von der rasanten Entwicklung künstlicher Intelligenz, der radikalen Änderung unserer Lernsysteme und der Suche nach dem Gedächtnis bis zur Entwicklung von grünem Öl. Reichlich Hirnfutter, ganz im Sinne des Zitats von Francis Picabia: der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.

FacebookTwitterGoogle+

Abgeschaut_das Mimikryprinzip

29. März 2011 von Kerstin

In der Inspiration Lounge geben wir immer wieder Einblick in verschiedene Fachbereiche und stellen Menschen vor, deren Ideen und Schaffen wir als inspirierend und Impuls gebend empfinden.

Ich möchte daher heute auf eine sehr interessante Reihe bei arte verweisen, die ein Thema zum Gegenstand hat, das mich schon lange fasziniert: Bionik oder Biomimikry. Die arte-Reihe hat vier Teile, besonders spannend fand ich den Film über die Stoffe der Zukunft.

Janine Benyus, Gründerin des Biomimikry Institutes in den USA, leitet durch die verschiedenen Themen. Angefangen bei Wasser- und Schmutz abweisenden Pflanzen wie dem Lotus, deren Oberflächenstruktur beispielsweise Pate für heute entwickelte Bekleidungsstoffe stand, über Haie, deren Hauteigenschaften als Vorbild für Schiffsimprägnierungen dienen bis hin zum Apothekerskink und seine Bedeutung für die künftige Gewinnung von Solarenergie in der Sahara.

Neben Janine Benyus berichten auch Wissenschaftler wie der deutsche Bionik-Pionier Prof. Dr. Ingo Rechenberg oder Prof. Dr. Wilhelm Barthlott, der schon früh auf die Nutzbarkeit des Lotuseffekts aufmerksam machte, von ihrer Arbeit und ihren Ergebnissen. Neue Potenziale nicht nur hinsichtlich künftiger, schlauer Alternativen zum hauptsächlich stattfindenen Einsatz fossiler Grundstoffe, sondern inspirierend auch bezüglich der Betrachtung des Menschen innerhalb von Natur/Umweltabläufen.

FacebookTwitterGoogle+