Tag: Wissen

Inspiration Lounge goes ART COLOGNE presents: Wilhelm Schlote

11. April 2012 von Kerstin

(Wilhelm Schlote mit Bert Brecht)

Für den ersten Tag unserer Inspiration Lounge goes ART COLOGNE am Donnerstag, 19. April 2012 haben wir das getan, was uns im Rahmen der Inspiration Lounge schon immer sehr viel Spaß macht: konkrete, kreative Zusammenarbeit initiieren und neue Ideen auf den Weg bringen.

In diesem Fall bringen wir im Rahmen der Live-Performance frame-less zwei Künstler zusammen, deren Arbeit und Blickwinkel uns ans Herz gewachsen sind. Der erste hier vorgestellte von beiden,

Wilhelm Schlote, wurde 1946 in Lüdenscheid geboren und wuchs in Essen auf. Sein erster Kunstlehrer war Heinz Mack (Mitglied der Künstlergruppe ZERO), der bereits früh das zeichnerische Talent von Wilhelm Schlote erkannte. Philosophisch prägend war bis zum Abitur sein Mentor und Freund Prof. Albert Schulze-Vellinghausen, der als Literaturkritiker bei der FAZ der Vorgänger von Marcel Reich-Ranicki war. Nach dem Abitur studiert Wilhelm Schlote bis 1968 Philosophie in Bonn und anschließend bis 1972 Kunst an der Kunsthochschule Kassel.

1968 publizierte er sein erstes von insgesamt 35 Kinderbüchern. Ab 1976 veröffentlichte er Cartoon-Postkarten – die sogenannten »Schlote-Karten«, die weltweit vertrieben und geschätzt wurden – und erhielt im selben Jahr den Deutschen Jugendbuchpreis. Seit 1980 erstellte Wilhelm Schlote eine Vielzahl von Plakaten, Postern und Auftragsarbeiten. 1991 erhält er die Auszeichnung der Académie Calvet; den Preis überreichten Catherine Deneuve und Claude Chabrol. Wilhelm Schlotes Cartoons und Zeichnungen erscheinen unter anderem in Zeitschriften wie DIE ZEIT, Die Welt, FAZ am Sonntag, The New Yorker, Le Monde und Le Figaro. Er selbst bezeichnet seinen Zeichenstil als „Krikelkrakel“ und verleugnet nie sein Hauptmotiv, das Strichmännchen. Das Besondere an Wilhelm Schlotes Arbeiten ist die gelungene Mischung aus Poesie, Philosophie, Farben und Buntstiftstrichen.

(Paris)

Wilhelm Schlote im Inspiration Lounge Interview: »Ich habe schon sehr früh mit dem Zeichnen begonnen. In der Quinta (6. Klasse) bekamen wir Heinz Mack als Kunstlehrer. Er ließ uns keine Bilder malen, wie man das sonst von Kunstlehrern kennt, sondern Muster zeichnen, und mit diesem Griff zu den Buntstiften war meine Leidenschaft endgültig geweckt. Meine besondere Faszination gilt auch heute noch den Kinderzeichnungen, weil sie so ungemein gerade heraus sind – unverstellt durch Gedanken sind wie: »das geht doch nicht«. Kinder denken noch nicht, dass alles logisch und stimmig sein muss. Wir Erwachsene wollen alles perfekt. Dabei ist das Perfekte tot. Leben, Bewegung und Entwicklung liegen im Unperfekten, im Spontanen. Hier schließt sich in meiner Arbeit auch der Kreis zu den Strickmännchen und dem Krikelkrakel.

(Wilhelm Schlote – Plakat)

Mit Cartoons bin ich schon als kleiner Junge in Berührung gekommen, denn wir mochten alle die damals weit verbreiteten Comic Strips. Ich bin mit den Classics Illustrated groß geworden, einer Buchreihe, in der die großen Literaturklassiker als Comics dargestellt wurden. Dadurch haben wir schon als Kinder Romane wie beispielsweise Robinson Crusoe, Moby Dick, Don Quixote oder Les Miserables kennen gelernt.

(Buchcover)

Die Form und ganz eigene Ausdrucksweise von Comics/Cartoons, die Kästen und Sprechblasen haben mich immer fasziniert. Diese Reduktion auf das Wesentliche. Bei meinen philosophischen Comics, die ich im Rahmen der Live-Performance zeichnen werde, geht es mir darum, nicht nur die spezielle Ausdrucksweise von Cartoons zu verwenden, sondern vor allem stringente Erzählmuster aufzubrechen. Ich finde, es gibt gerade heute zu viele Geschichten, deren Anfang und Ende man ganz genau kennt, bei denen ein Bild stets logisch auf das andere folgt. Vielleicht wünschen wir Menschen uns das genau so, auch für unsere Realität, unser eigenes Leben. Die Erfahrung zeigt aber: es ist nicht so. Deshalb erzählen meine Comics keine eindeutige, stringente Geschichte. Es gibt vielmehr einzelne, lose Zusammenhänge zwischen den Comickästen, aus denen die Betrachter für sich selbst eine Bedeutung machen können. Verbunden mit meinen philosophischen Comics ist sicher der Gedanke, wie spannend es wäre, wenn wir auch aus den eigenen, fest umrissenen Denk- und Handlungsweisen, aus unseren eigenen »Kästen« mehr aussteigen könnten, um neue Zusammenhänge zu finden.«

(Wilhelm Schlote, Florian Zwissler)

Als Wilhelm Schlote uns bereits zugesagt hatte, für die Inspiration Lounge goes ART COLOGNE live zu zeichnen, zeigten wir ihm einen Filmausschnitt von einem Konzert des Komponisten und Musikers Florian Zwissler. Aus Wilhelm Schlotes spontaner Äußerung »ich bin fasziniert, dass heute Leute in diesem Alter diese Musik machen« entstand unsere Idee, die beiden für eine visuell-akustische Live-Performance zusammenzubringen.

Wilhelm Schlote in der visuell-akustischen Live-Performance frame-less mit dem Komponisten und Musiker Florian Zwissler am 19. April 2012, 20.15 Uhr in der

Emmanuel Walderdorff Galerie |  Jülicher Str. 27 |  Köln

(Inspiration Lounge goes ART COLOGNE; 19.4 bis 20.4. 2012)

Anschließend folgt ein kurzes Live-Interview mit beiden Künstlern.

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Interview mit Dirk Scheuring_part III – V

02. April 2012 von Chris

(dirk scheuring)

»Ich bin gelernter PunkRocker.«

Es gibt Menschen, die machen Dinge immer ein wenig anders als die anderen.

Und das ist gut so.

Wir führten das Interview mit Dirk Scheuring, DJ, Journalist, Schriftsteller, Programmierer und gelernter PunkRocker, in einem japanischen Museum. Dirk lebt und arbeitet momentan in Madrid.

Nur Wenige bringen in zahlreichen Gebieten nicht nur großes Interesse auf, sondern entwickeln auch konsequent mit Eigeninitiative immer wieder weiter. Dirk Scheuring ist so jemand. Mit der Haltung des PunkRock als Basis, ließ er seine Ideen in die Arbeit als Co-Herausgeber des Musikmagazins SPEX einfließen. Als früher Insider digitaler Welten, gab und gibt er uns immer wieder vielfältige Perspektiven auf deren Chancen und Risiken.

Heute lebt und arbeitet er hauptsächlich von Spanien aus.

Der im gesamten Interview geschilderte Zeitraum reicht von ca. 1980 bis heute. Gesplittet haben wir jeweils nach Dirk Scheurings Zeit als Mitherausgeber von SPEX, den Zeiten bei Miss Vogue in München bis hin zu dem von ihm entwickelten HipHop-Format und seiner Arbeit bei VIVA, der VIVA-Zeit nach Gorny und schließlich dem musikalischen Schaffen mit seinem DJ-Kollegen Hans Nieswandt.

Part III
Anfang 90 – 92. Die Zeit als freier Journalist | DJ Projekte | die Arbeit mit Hans Nieswandt |

Part IV
Ab 92 – 94. POPKOMM| Gorny |VIVA | Fernsehen |

Part V
Ab 94. Die Nach_VIVA-Zeit | Das Music Biz ist tot | Neue Produktionsmittel | Alles bleibt anders | New Music |

Auszüge aus und von Dirk Scheurings künstlerischen und journalistischen Arbeiten

telepolis | taz | zfm | Interview_Part I | Interview Part II

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Interview mit Dirk Scheuring_part II

20. März 2012 von Chris

(dirk scheuring)

»Ich bin gelernter PunkRocker.«

Die Münchner Zeit bei Miss Vogue, babalu und der Soundexperimente  mit HipHop, House und Techno.

Es gibt Menschen, die machen Dinge immer ein wenig anders als die anderen.

Und das ist gut so.

Wir führten das Interview mit Dirk Scheuring, DJ, Journalist, Schriftsteller, Programmierer und gelernter PunkRocker, in einem japanischen Museum. Dirk lebt und arbeitet momentan in Madrid.

Nur Wenige bringen in zahlreichen Gebieten nicht nur großes Interesse auf, sondern entwickeln auch konsequent mit Eigeninitiative immer wieder weiter. Dirk Scheuring ist so jemand. Mit der Haltung des PunkRock als Basis, ließ er seine Ideen in die Arbeit als Co-Herausgeber des Musikmagazins SPEX einfließen. Als früher Insider digitaler Welten, gab und gibt er uns immer wieder vielfältige Perspektiven auf deren Chancen und Risiken. Heute entwickelt er seine Codes von Spanien aus.

Wir haben uns entschlossen, das Interview in seiner vollen Länge zu zeigen.

Don’t panic. Nicht am Stück, sondern in 5 user-kompatiblen Teilen.

Der im Interview geschilderte Zeitraum reicht von ca. 1980 bis heute. Gesplittet haben wir jeweils nach Dirk Scheurings Zeit als Mitherausgeber von SPEX, den Zeiten bei Miss Vogue in München bis hin zu dem von ihm entwickelten HipHop-Format und seiner Arbeit bei VIVA, der VIVA-Zeit nach Gorny und schließlich dem musikalischen Schaffen mit seinem DJ-Kollegen Hans Nieswandt.

Ende PART II

Auszüge aus und von Dirk Scheurings künstlerischen und journalistischen Arbeiten

telepolis | taz | zfm

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Interview mit Dirk Scheuring

18. März 2012 von Chris

(dirk scheuring)

»Ich bin gelernter PunkRocker.«

Es gibt Menschen, die machen Dinge immer ein wenig anders als die anderen.

Und das ist gut so.

Wir führten das Interview mit Dirk Scheuring, DJ, Journalist, Schriftsteller, Programmierer und gelernter PunkRocker, in einem japanischen Museum. Dirk lebt und arbeitet momentan in Madrid.

Nur Wenige bringen in zahlreichen Gebieten nicht nur großes Interesse auf, sondern entwickeln auch konsequent mit Eigeninitiative immer wieder weiter. Dirk Scheuring ist so jemand. Mit der Haltung des PunkRock als Basis, ließ er seine Ideen in die Arbeit als Co-Herausgeber des Musikmagazins SPEX einfließen. Als früher Insider digitaler Welten, gab und gibt er uns immer wieder vielfältige Perspektiven auf deren Chancen und Risiken. Heute entwickelt er seine Codes von Spanien aus.

Wir haben uns entschlossen, das Interview in seiner vollen Länge zu zeigen.

Don’t panic. Nicht am Stück, sondern in 5 user-kompatiblen Teilen.

Der im Interview geschilderte Zeitraum reicht von ca. 1980 bis heute. Gesplittet haben wir jeweils nach Dirk Scheurings Zeit als Mitherausgeber von SPEX, den Zeiten bei Miss Vogue in München bis hin zu dem von ihm entwickelten HipHop-Format und seiner Arbeit bei VIVA, der VIVA-Zeit nach Gorny und schließlich dem musikalischen Schaffen mit seinem  DJ-Kollegen Hans Nieswandt.

Ende PART I

Auszüge aus und von Dirk Scheurings künstlerischen und journalistischen Arbeiten

telepolis | taz | zfm

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Warten auf…?

06. Dezember 2011 von Kerstin

(Nachtrag)

Zu unserem letzten Artikel und auf die darauf folgende Resonanz an dieser Stelle noch einige Gedanken:

Ein genauer Plan scheint in unserer als rational, zeitoptimiert und durchökonomisiert geltenden Gegenwart äußerst wichtig zu sein. Wie viele wünschen sich einen Plan für das eigene Leben, für die Karriere, für Ernährung und Gesundheit, für die allgemeine Bewältigung von Klima-, Ressourcen- und Finanzkrisen, für den Weg zu dauerndem Wohlstand und persönlichem Glück?

Warum sollten wir uns wünschen, dass man uns einen genauen Plan gibt? Weil ein konkreter Plan seine Einhaltung fordert und uns Disziplin beibringt? Sind wir nicht imstande, eigenen Willen und Beharrlichkeit für etwas aufzubringen, das wir anstreben, weil wir es für wichtig und richtig halten, oder wünschen wir uns Zwang zu einer Sache, die wir eigentlich gar nicht wollen? Doch wenn wir nicht wollen, warum sollten wir uns zwingen lassen?

Glauben wir, dass wir es nicht schaffen, wichtige Ziele zu erreichen ohne eine konkreten Plan, verabreicht von irgendwem, der sagt, er wisse ganz sicher, was gut für uns alle ist? Vertrauen wir so wenig in uns selbst und die Tatsache, dass wir auf der Basis eines wacheren Bewusstseins für Zusammenhänge allein und gemeinam gute Ideen und Antworten auf die sich uns stellenden Herausforderungen finden? Oder geht es darum, wenigstens etwas Konkretes zu erhalten, das man wie einen Plan »hat«, da wir doch bei Richtungsänderungen auch etwas verlieren, das wir haben – nämlich Gewohnheiten? Dann hängen wir wohl mehr am Haben und bringen nur wenig auf für die Frage: »wie könnte es für mich und andere besser und sinnvoller sein

Vielleicht ist Bequemlichkeit die Antwort, denn statt selbst zu forschen, zu überlegen, ein tieferes Verständnis für Zusammenhänge zu erarbeiten, ist es einfacher, fertige Lösung zu übernehmen. Das spart Mühe und Zeit, entledigt der Verantortung, lästiger eigener Zweifel oder Kritik von außen. Und ist es nicht effizient, Zeit und Aufwand zu sparen – it’s so simple, it’s so easy? Ist das am Ende nicht auch der Grund, warum Fertigpizza Deutschlands liebstes Konsumprodukt ist? Problem ist nur: wer weiß eigentlich noch, was er da isst? Bequemlichkeit bringt weitgehenden Kontrollverlust – egal mit wessen und welchem Plan.

Ich finde, statt all dem brauchen wir vor allem tieferes Verständnis für Zusammenhänge, nicht nur flüchtige Blicke hinter die Kulissen. Nicht mehr, sondern bessere Informationen, ob es um Bewegung, Ernährung und Gesundheit, um Bildung, Energiefragen, Ressourcenverbrauch, Klima-, Wirtschafts- oder Europapolitik geht. Es muss darum gehen, Abläufe besser nachzuvollziehen, um zu verstehen, welche Wege für den Einzelnen und für uns gemeinsam interessanter, intelligenter, gesünder, mehr in Balance und gangbar sind. Und dann – müssen wir über den eigenen Schatten springen, um die Wege für uns selbst voranzugehen und zu verantworten. Es hat keinen Sinn, auf den großen Plan zu warten, wenn es uns nicht gehen soll wie Wladimir und Estragon.

Wie lange schon hören wir auf einflussreiche Menschen, die uns sagen, sie wüssten Bescheid, hätten alles im Griff, und ständiges Wirtschaftswachstum löse an Ende alle Probleme – die des Einzelnen und die der kompletten Welt. Was davon hat sich wirklich als wahr erwiesen? Nichts, im Gegenteil, die Probleme häufen sich. Wir werden immer dicker während andere hungern, wir veranstalten einen nach dem anderen Klimagipfel, während der C02-Ausstoß noch nie so hoch war wie 2011. Jahre vergehen, Veränderungen im ökonomischen System zu diskutieren, und täglich wird fröhlich weiter gewettet.

Keine Zeit mehr für diese Menschen mit ihren »sicheren« Plänen. Zeit, selbst aktiv zu werden. Doch wie in so vielen Bereichen das tiefere Verständnis für Zusammenhänge erarbeiten, das uns als Grundlage für eigene oder gemeinsame Veränderungen dient? Wie schaffen wir es, wacher zu sein?

Schauen wir uns um. Antworten werden wir wohl nicht dort finden, wo altbekannte, glatt gefönte Medien am Werk sind. Wir werden sicher fündig bei Menschen, die in ihren Themenbereichen tatsächlich engagiert sind und bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrung mit uns zu teilen – ohne zu behaupten, sie hätten den Plan. Setzen wir nach langer Zeit doch mal auf uns selbst, auf unsere Ideen, unser Know-how, auf unsere Entscheidungskraft und die Wege, die wir finden. Die Möglichkeiten zu Austausch und Vernetzung waren nie besser.

Worauf warten wir noch?

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