Tag: Verbindungen

Inspiration Lounge TALKS 2015_Sonja Bäumel

10. September 2015 von Kerstin

sonja baeumel(bioartist_wien, amsterdam)

Wir freuen uns, Sonja Bäumel, Künstlerin und Designerin an den Schnittstellen zur Wissenschaft als Interviewpartnerin bei unseren Inspiration Lounge TALKS am 27. November in Köln dabei zu haben.

Sonja Bäumel lebt und arbeitet in Wien und Amsterdam. Ihre Werke verbinden und vermitteln zwischen Kunst, Design und Wissenschaft, zwischen Kleidung und Körper, zwischen Fakten und Fiktion. Ihre Arbeiten entwickelt sie in ständiger Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Ergebnissen und Daten, die sie in Forschungslaboratorien meist selbst anhand von Experimenten und Studien gewinnt.

Sonja Bäumel studierte Mode-Design am Fashion Institute Wien und danach Kunst an der Kunstuniversität in Linz. Es folgte ein Studium in Conceptual Design an der Design Academy Eindhoven, das sie mit dem Master abschloss. 2012 wurde sie vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur in Wien für ihr Projekt Textile Anatomy mit dem Outstanding Artist Award Experimental Design ausgezeichnet.

Ihre Arbeiten werden international ausgestellt, beispielsweise im Ars Electronica Center und im MAK Museum für angewandte Kunst in Österreich, in den Anthology Film Archives in New York, im Museum für zeitgenössische Kunst in Taipei sowie auf der Biennale für Social Design in den Niederlanden. Ihr Projekt Textured Self wurde in die ständige Sammlung des Textilmuseums in Tilburg (NL) aufgenommen. Auch Dokumentationen, beispielsweise BioArt – Kunst aus dem Labor (ORF/ARTE) bzw. Wir sind Planeten (servusTV_Terra Mater) widmeten sich bereits ihren Vorgehensweisen und Arbeiten.

Als Mitbegründerin der Kollektive WNDRLUST und Dunbar´s Number arbeitet Sonja Bäumel stets interdisziplinär. In ihren eigenen Arbeiten schafft sie ganz besondere Perspektiven auf unsere permanenten Verbindungen mit der Biosphäre und den Mitmenschen, auf die lebenswichtigen Organismen, mit denen wir leben.

Welche positiven Veränderungen wären möglich, wenn wir uns dieser notwendigen Zusammenhänge bewusster wären, wenn wir besser verstehen würden, dass jeder von uns besonders und gleichzeitig Teil eines größeren Ganzen ist?

Wir freuen uns auf das Live-Interview mit Sonja Bäumel und Einblicke in ihre Arbeiten bei den Inspiration Lounge TALKS.

 

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Eine Rose ist eine…

06. Juli 2015 von Kerstin

rosen(diesmal kein Zusammenhang mit  G. Stein)

Wunderschön, dachte ich gestern, als ich die Rosen sah. Dann fiel mir ein, wie ich mich vor einiger Zeit mit dem Hirnforscher und Inspiration Lounge Interviewpartner Dr. George Berbari über wissenschaftliches Arbeiten unterhalten hatte. Er sagte mir damals, dass sie sozusagen hinter jeder Tür, die sie anhand ihrer Forschung öffnen, stets unzählige neue Türen vorfinden. Dass dieser Umstand nicht frustrierend sei, sondern eine besondere Motivation, die allerdings nicht den Unterschied zwischen zu erlangendem Wissen und Verstehen verwischen dürfe.

Stell Dir vor, Du untersucht eine Rose bis in ihre kleinsten atomaren Bestandteile, Du erforscht alles akribisch, förderst enormes Wissen über Einzelheiten und Funktion zutage. Doch was hast Du am Ende nicht mehr: die Rose in dem, was ihre Gesamtheit, ihre Bedeutung und ihren Zusammenhang zur Umgebung, also auch zu Dir selbst ausmacht.

Der chilenische Wirtschaftswissenschaftler Manfred Max-Neef kommt in seinen Barefoot Economics zu ähnlichen Schlüssen: Noch nie zuvor haben wir innerhalb von nur 100 Jahren soviel Wissen angesammelt wie all das, über welches wir heute verfügen. Was wir allerdings brauchen, ist mehr Verstehen, auch um eine ökonomische Entwicklung zu schaffen, die den Menschen dient, statt die Menschen der Ökonomie. Solange ein Mensch seine permanenten Verbindungen zu anderen und zur Umgebung nicht begreift, solang er sich als jeweils getrennt von allem und allen betracht, wird er immer nur Wissen erlangen können.

Wir nehmen diese Positionen als Herausforderung, im Rahmen der Inspiration Lounge und der TALKS nicht nur Ideen, Wissen, Denken und Handeln ausgewählter Vorausdenker und -macher ins Blickfeld zu bringen, sondern auch die Zusammenhänge zwischen den Arbeiten in verschiedenen Fachbereichen aufzuzeigen. Was verbindet beispielsweise das Schaffen einer Künstlerin mit der eines Molekularbiologen? In welcher Beziehung stehen ihre Erkenntnisse zu uns anderen, zu unseren bisherigen Vorstellungen von uns selbst und der Umwelt? Wenn wir die Beziehungen erkennen: können und werden wir künftig anders, d.h. mit Verstehen und mehr Umsicht denken und handeln?

Viele Fragen. Wir bleiben dran.

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Everything interesting…

01. Juni 2015 von Kerstin

bunker3(bunkerk101)

…happens at the margins, vermerkte einst Richard Florida. Recht hat er, finden wir, und aus diesem Grund suchen wir unsere nächsten Interviewees und Themengebiete nicht dort, wo gerade alle stehen, sondern an Orten, die man als Orte überhaupt erst entdecken muss. Dieses Mal ging es in den bunkerk101. Unter dem Motto Gimme Shelter machten sich dort verschiedene Künstler darüber Gedanken, wer oder was heute schützenswert ist bzw. in welchen Formen ein Schutz Gestalt annehmen kann. Die Antworten reichten von zwischenmenschlicher Interaktion und Berührung bis hin zu filigranen Installationen.

bunker2(gimme shelter)

Was ist uns aufgefallen? Insbesondere, dass zwischenmenschliche Verbindungen sowie die Beziehungen zum näheren und fernen Umfeld offensichtlich so wichtig und schützenswert sind, dass wir sie im Rahmen der nächsten Inspiration Lounge TALKS gleich aus mehreren Perspektiven beleuchten werden.

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Connected_Part 2

04. Dezember 2014 von Kerstin

zucker(ou_diy)

Heute Morgen las ich über einen neuen Laden in Berlin, der, wie ich finde, sehr gut in die Reihe der Unternehmungen passen würde, die wir im Rahmen unserer Inspiration Lounge mit an Bord haben. Der Name des Ladens ist Programm: im OU, Original Unverpackt, gibt es auf 100 qm Fläche immerhin ca. 400 verschiedene Produkte ohne jede Plastikverpackung. Die OU_Gründerinnen haben nach einer Idee gesucht, wie man den vielen Verpackungsmüll in Supermärkten vermeiden könnte, sie kamen auf OU und haben die Idee u.a. mittels Crowdfunding umgesetzt.

Mich freut an OU nicht allein, dass der Laden ein Idee ist, die zum Erhalt der Umwelt beiträgt und offensichtlich gut funktioniert. Ich sehe die Geschichte von OU auch als Beispiel für genau die Verbindungen zwischen Menschen und ihrem Umfeld, die in der Übung am Ende des letzten Artikels beschrieben wurden und die uns im Alltag in ihrer Tragweite oft so wenig bewusst sind.

Das OU-Team hat einen Schritt gewagt und damit etwas in die Welt gebracht, das aus üblichen Alltagspositionen herausragt, das heute gewohnte Denk- und Handlungsweisen überwindet. Ganz so wie jemand in der genannten Übung, der die Anfangsposition aufbricht und sich in eine neue, bestimmte Richtung bewegt. Er ist damit immer auch mitursächlich für die Positionsänderungen und Bewegungen der anderen »Mitspieler«. Seit der Öffnung von OU kommen daher Menschen unterschiedlichen Alters in den Laden und bringen eigene Behältnisse – von Kanne bis Deckelglas – mit, um gekaufte Waren nach Hause befördern zu können. Auch haben sie das Ladenlokal schon nach kurzer Zeit als Treffpunkt entdeckt. Soziale Initiativen finden sich ein, zum Austausch beim Einkauf. Kunden schlagen Produkte vor, die es demnächst im Angebot geben sollte. Klingt fast wie Tante Emma, nur ganz neu entdeckt und mit heutigen Mitteln, nicht angestaubt und mit verklärtem Blick in den Rückspiegel auf die »gute alte Zeit«. Wie schön, dass sich auch schon die ersten Interessenten einfinden, um die Idee auch in andere Städte zu tragen. Ich wünsche viel Erfolg.

Und: Ich kann die Aussage einer der Geschäftsführerinnen von OU gut nachvollziehen, in der sie davon spricht, dass sie sich manchmal klein fühlt. Auch oder vielleicht sogar gerade eine wirklich gute Idee bringt in der Umsetzung viel Arbeit mit sich. Man ist nicht jeden Tag total begeistert und überzeugt. Es ist nicht leicht, mit den normalen und besonderen Widrigkeiten klar zu kommen. Je größer sie wirken, je… Ihr wisst schon. ABER: Es gibt eben auch jede Menge Momente, in denen einem die Verbindungen um einen herum bewusst werden, weil Menschen auf das, was man tut, positiv reagieren, mithelfen, Neues einbringen, Man sieht auf einmal, dass neue Konstellationen entstehen und Möglichkeiten aufgehen, an die man selbst noch gar nicht dachte, als man begann, sich aus der Routine herauszubewegen. Wie sehr das motiviert, ist fast unglaublich. Sara von OU sagt es so: »Manchmal, nach einem dieser langen und produktiven Tage, fühlt es sich so an, als könnte ich die Welt verändern.«

 

 

 

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Connected

24. November 2014 von Kerstin

connected(aufbruch aus paradigmen)

In der Inspiration Lounge geht es schon immer um neue, zukunftsweisende Ideen, um das Bewusstsein für Denk- und Handlungsroutinen und das Aufbrechen aus ihnen. Wir wollen deshalb ab heute einige gängigen Paradigmen hinterfragen, die unsere Vorstellungen und unsere Realität prägen. Vor allem wollen wir herausfinden, was passiert, wenn man beginnt, die Dinge anders zu betrachten.

Also, auf zum ersten Paradigma: Der Mensch ist ein von seiner Umgebung getrenntes, einzelnes Individuum. Ein Bild, das in seiner eigenen Logik zum Ausblenden existierender Vernetzungen, Systeme und Synergien führt. Es sorgt dafür, dass wir viele lebensnotwendige Verbindungen mit der Umwelt zu wenig bis gar nicht bewusst wahrnehmen und wertschätzen.

Beispiele solcher wichtiger Verbindungen: Positive, soziale Kontakte stärken unser Immunsystem. Fehlender Kontakt macht Menschen nachweislich krank / Jeder Mensch atmet pro Tag ca. 10.000 Liter Luft – ein ständiger Austausch mit der Umwelt, unseres Inneren und Äußeren. / Der menschliche Darm ist pro Milliliter Inhalt mit ca. einer Billion Bakterien besiedelt, ohne die wir nicht überleben. Das Gesamtgewicht dieser Bakterien beträgt ca. 2 Kilo und ist damit schwerer als das menschliche Hirn.

Betrachtet man das Paradigma mal als das, was es (nur) ist, und stellt sich möglichst offen der Vielfalt existierender Verbindungsstrukturen, in die wir sozial und ökologisch integriert sind, verändern sich Blickwinkel nachhaltig:

So sieht man beispielsweise, dass übliche Appelle an das Pflichtgefühl von Menschen, doch bitte zum Wohl und im Sinne anderer sowie für die Umwelt mitzudenken, bis heute nicht nur selten von Erfolg gekrönt sind. Sie werden auch überflüssig, sobald man begreift, dass das Eintreten für z.B. saubere Luft oder bessere soziale Strukturen letztlich auch für einen selbst bessere Lebensbedingungen schafft. Denn so weit weg uns ein Aspekt zu sein scheint – seine Änderung zum Besseren kommt immer, wenn auch erst zeitverzögert, bei uns an. In einem komplexen Gesamtsystem existiert nichts Außenstehendes.

Was passiert noch? Faszinierendes: man bekommt ein Gespür dafür, dass die eigenen Verbindungen viel umfangreicher sind, als man bisher wahrgenommen hat, dass auch das eigene Handeln wesentlich weiter reichen kann, als man zu denken und hoffen wagte. Auf dieser Basis lässt sich eine größere Umsicht, ein genaueres Beobachten des Feedbacks auf das eigene Handeln entwickeln. Man bekommt zudem, wie ich finde, einen äußerst motivierenden Eindruck davon, was man bewegen kann, wenn man bewusst und gemeinsam mit anderen zusammenwirkt und dabei jeder seine Stärken nutzt. Im Rahmen der Inspiration Lounge erleben wir diesen Effekt seit Jahren und wollen ihn nicht missen.

Wer jetzt neugierig ist und Lust darauf hat, das Gespür für Verbindungen sowie das weiterreichende Wirken des eigenen Handelns in einem größeren Zusammenhang live zu erleben, dem empfehlen wir folgende Übung:

Versammele ca. 20 Menschen. Ihr braucht außerdem einen größeren Raum oder freien Platz draußen. Nun sage allen Personen, sie sollen sich bitte jeweils ca. 1 ½ bis 2 Meter voneinander entfernt im Raum bzw. auf dem Platz verteilen. Du selbst nimmst ebenfalls eine Position im Raum ein. Nun bittest Du alle, sich zwei der anderen Personen im Raum auszusuchen, die nicht beide unmittelbar in ihrer Nähe stehen. Auch Du suchst Dir zwei Personen aus. Jetzt sagst Du als Nächstes an, dass jeder sich zum Mittelpunkt der Strecke zwischen seinen beiden ausgesuchten Personen hinbewegen soll. Und nicht nur das: egal, welche Bewegungen sich insgesamt ergeben: jeder soll sich ständig am jeweiligen Mittelpunkt orientieren und versuchen, diesen einzunehmen. Schon nach wenigen Minuten merkt man, wie stark gegenseitige Verbindungen wirken und wie sehr wir alle als Akteure sowohl andere beeinflussen als auch von ihnen beeinflusst werden.

Man muss es einfach selbst erleben. Probiert es aus.

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