Tag: Veränderung

Sein und Werden_Teil 2

27. August 2013 von Kerstin

gemeinschaft

Schon bald starten wir hier unsere Preview zu den nächsten Inspiration Lounge TALKS, die am 29. November 2013 in der Art68 in Köln stattfinden werden.

Die Zeit bis dahin nutzen wir, um zu drei oft gehörten Fragen Stellung zu nehmen. Heute Nummer eins und zwei: »Warum ist Euch so wichtig, Ideen und Vorgehensweisen ins Blickfeld zu bringen, die zukunftsweisend und jenseits des Gewohnten zu finden sind? Warum baut Ihr im Rahmen der Inspiration Lounge und der TALKS an einer Gemeinschaft von Vorausdenkern, Machern und Interessierten?

Es gibt einfach einige Dinge, die wir nicht akzeptieren, und dazu gehört ganz vorneweg die in letzter Zeit von vielen einflussreichen Menschen immer wieder verbreitete »Alternativlosigkeit« heute herkömmlicher Sicht- und Vorgehensweisen. Sachzwänge à la »das macht man so, das kennt man so« sind eben oft nur ein Ausdruck von Ideenlosigkeit. Und auch der gerne damit einhergehenden Zukunftsverdossenheit muss aus unserer Sicht endlich Positives, Evolutionäres und Inspirierendes entgegengesetzt werden.

Warum fällt es vielen von uns überhaupt so schwer, veränderte Situationen und damit verbundene, neue Herausforderungen bewusst wahrzunehmen und entsprechend zu agieren? Warum sagte schon Dostojewski »Neue Schritte zu gehen – das ist, was Menschen am meisten Angst macht.«? Ich denke, es hat sehr damit zu tun, dass die Geschwindigkeit von Veränderungen um uns herum zugenommen hat. Anders gesagt: unser Bewusstsein ist oft zu langsam, um auf alle Änderungen und damit verbundenen Informationen angemessen zu antworten. Also stülpen wir neuen Situationen weiter das alte Denken und Handeln auf und wundern uns, warum sich zunehmend das Gefühl breit macht, dass irgendetwas nicht stimmt.

Veränderte Situationen, ob im eigenen Umfeld oder weit darüber hinaus, in das eigene Bewusstsein zu bringen und für sich daraufhin ein neues »inneres Modell« der Realität zu erzeugen, verlangt außerdem viel von uns. Es bedeutet, alte Sicht- und Denkweisen, jahrelange Überzeugungen zu verlassen, um Neues, Unbekanntes zu entdecken. Es heißt damit auch, ein Stück eigene Identität aufzugeben, die uns bis dahin Sicherheit vermittelte. Und obwohl diese Sicherheit letztlich immer nur eine Vermeintliche sein kann, wir hängen an ihr. Das hält uns an Gewohnheiten, auch wider das bessere Wissen, dass alles in Bewegung ist und wir besser dran sind, wenn wir mitbewegen, statt uns dagegen zu stemmen.

Ja, wir machen mit der Inspiration Lounge und den TALKS Ideen und Wege jenseits des Gewohnten bekannter. Jede und jeder von ihnen regt nämlich zu einem ganz bewussten Blick auf ein bestimmtes Thema an und zeigt dabei auf, dass man die Dinge immer auch anders sehen und tun kann. Wir wollen damit Lust darauf machen, offen zu sein für zukunftsweisende Alternativen, die zu gegebenen Veränderungen und zu heutigem Wissen und Erkenntnissen über Mensch und Welt passen.

Wir bauen an einer wachsenden Gemeinschaft von Vorausdenkern und –machern sowie Interessierten, weil wir überzeugt davon sind, dass es in Gesellschaft zahlreicher motivierter, entwickelnder Menschen einfach mehr Freude macht und inspiriert, den Schritt ins Ungewohnte zu wagen, Neuland zu entdecken und auch selbst neue Wege und Dinge auszuprobieren. Man kann sich austauschen, Verbindungen knüpfen, Erfahrungen teilen und vor allem: die Welt der »Alternativlosigkeit« getrost dort lassen, wo sie hingehört.

FacebookTwitterGoogle+

23. April 2013 von Chris

einladung_TALKS 2013

Wir laden Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei. Art68, U-Bahnhaltestelle Ebertplatz

FacebookTwitterGoogle+

kreativ bewegen_Kettenreaktion_2

19. Oktober 2011 von Kerstin

Doch mal an euch: ihr esst jetzt anders und macht dabei keinen angestrengten Eindruck. Oder täusche ich mich?

K: Nein, wir waren zu keiner Zeit angestrengt. Im Gegenteil: ich habe die Essensumstellung ein bisschen wie ein Experiment betrachtet. Etwas Neues auszuprobieren ist spannend und nicht in erster Linie anstrengend, finde ich.

F: Was die zeitliche Organisation angeht, denke ich noch dazu: schaut man sich den eigenen Tag genau an, werden viele feststellen, dass sie für besseres Essen und die Zubereitung eigentlich Zeit haben. Gesundes Essen nährt uns ja, d.h. es hält unsere Körperfunktionen dauerhaft aufrecht und sollte uns daher wichtig sein. Es ist aber üblich geworden, sich für das Thema Essen so wenig Zeit wie möglich zu nehmen, weil alles andere wichtiger scheint – bis hin zum Fernsehen.

K: Beim Stichwort Zeit für besseres Essen bin ich voll auf deiner Seite. Wir sind heute alle schnell bei der Aussage, dass wir überhaupt keine Zeit haben. Angefangen vom Thema »gesundes Frühstück/Essen zubereiten« kann man das für sich genauer beleuchten. Man schaut sich seinen Tag an und findet natürlich auch Gewohnheiten, die keine Pflicht sind. Also stellt sich die Frage: ist mir dies wirklich so viel wert, dass ich nichts an meinem Tagesablauf ändere, um das andere ausprobieren zu können? Auch diesen Prozess finde ich spannend und erhellend. Er zeigt, was einem wirklich wichtig ist.


F: Gibt es denn außer der Zeitbetrachtung und der Umstellung auf andere Lebensmittel noch weitere Aspekte, die sich durch euren Frühstücks- bzw. Essens-Veränderungsprozess bewegt haben?

K: Ja, jede Menge. Um mit einer der augenfälligsten Bewegungen zu starten: wir haben schnell bemerkt, dass es sehr viel Spaß machen kann, anders einzukaufen als wir es bisher gewöhnt waren. Allein durch das andere Frühstück brauchen wir heute deutlich mehr Obst. Dadurch fiel mir beim Einkauf im Supermarkt an der Ecke immer mehr auf, dass die Obsttheke keinen guten Eindruck macht. Ich meine nicht die Auswahl, sondern Frische und Qualität. Die Sachen sahen ok aus, schmeckten aber oft irgendwie fad.

Also fingen wir an, nach Alternativen zu suchen, und davon gibt es ja zunächst vermeintlich viele. Wie das aber so ist, wenn man sich mit einer Sache beschäftigt, hat sich dann eine weitere selektive Wahrnehmung eingestellt. Angeregt durch den Film Taste the Waste achten wir jetzt mehr darauf, Obst und Gemüse mehr von regionalen Erzeugern einzukaufen statt im herkömmlichen Supermarkt. Um es kurz zu machen: wir haben schon einige gute Möglichkeiten aufgetan und sind dabei auf den Geschmack weiterer Entdeckungstouren gekommen.

Mehr von unterwegs gibt’s demnächst hier in diesem Lokal.


FacebookTwitterGoogle+

kreativ bewegen_Kettenreaktion_1

18. Oktober 2011 von Kerstin

(Kerstin Döweler im Interview mit Felix Klemme)

Vor einiger Zeit berichteten wir, wie wir von Toast- zum Obstfrühstückern wurden. Seitdem haben uns so viele Fragen und Statements dazu erreicht, dass wir das Thema hier in einem Gespräch mit Felix Klemme vertiefen. Schließlich hat er uns zu unserem gemeinsamen Projekt »kreativ bewegen« inspiriert und uns inzwischen auch reichhaltige Fakten aus seinem Wissensfundus über Ernährung mitgeteilt.

K: Felix, Du hast Chris vor einiger Zeit den Tipp gegeben, auf Produkte mit höherem Anteil an raffiniertem Zucker zu verzichten und stattdessen insbesondere natürliche Lebensmittel zu essen. Daher kam dann auch Deine Anregung, statt dem üblichen Brot oder Toast am Morgen mal über einen längeren Zeitraum gemischtes Obst mit Nüssen zu frühstücken. Tatsächlich haben wir nach kurzer Zeit des Eingewöhnens festgestellt: es schmeckt nicht nur sehr gut, es hält auch länger vor.

F: Das ist kein Wunder, denn ein Frühstück mit Toast, Butter und beispielsweise Marmelade kommt vom kalorischen Energiegehalt zwar auf ungefähr das gleiche Ergebnis wie das von mir empfohlene Obstfrühstück mit Nüssen und etwas Joghurt. Allerdings liegen große Unterschiede im Gehalt an Vitaminen und Mineralien. Das ist der Grund, warum Ihr jetzt sagt, mit Eurem neuen Frühstück fühlt Ihr Euch noch am Mittag gut und konzentriert, während Euch zuvor oft schon vormittags der Magen durchhing. Um es mal plakativ zu sagen: Wir haben in unserem Körper »Antennen«, die kontrollieren, ob wir ausreichend Vitamine und Mineralien zu uns nehmen. Sind es zu wenig, wird das an unser Hirn gemeldet. Das wiederum gibt uns den Impuls: iss was, damit dein Körper die Nährstoffe bekommt, die er braucht, d.h., man bekommt schnell wieder Hunger. Leider ist es so, dass man aus diesem akuten Gefühl und aus Gewohnheit heraus gerade in Arbeitssituationen leicht wieder zu energiereichen und nährstoffarmen Lebensmitteln greift. Der Keks isst sich vor dem Computer für viele schneller als ein Obstsalat. Nur ändert er nichts an dem Vitamin- und Mineralienmangel, weshalb das Hungergefühl kurze Zeit später schon wieder eintritt.

K: Das klingt nach einem ungesunden Kreislauf, der einen dazu bringt, am Ende vor allem zu viel zu essen.

F: Klar ist das so. Aber das Gute ist ja, dass man das für sich ganz einfach ändern kann. Wenn man sich der Tatsachen bewusst ist und seine Essgewohnheiten hinterfragt, kann man auch, wie Ihr, die eigenen Verhaltensweisen ändern – ohne großen Aufwand.

K: Du sagtest gerade: ohne großen Aufwand. Es ist schon so, dass wir jetzt morgens länger brauchen, um das Frühstück mit Obst zuzubereiten. Und einige unserer Freunde haben schon darauf verwiesen, dass Sie morgens gar keine Zeit haben, Obst zu schneiden.

F: Da kann ich nur sagen: das ist eine Sache des Wollens. Wenn ich ausprobieren will, wie mir ein gesundes Frühstück besser durch den Tag hilft, dann nehme ich mir die Zeit. Ich stehe eine Viertelstunde früher auf, oder besser noch eine halbe Stunde, damit ich in Ruhe essen kann. Ich bereite mir bewusst ein Frühstück zu, das mir gut tut, statt in aller Eile einen Kaffee hinunterzuschütten und ein Brötchen to go reinzustopfen, das ich kaum wahrnehme. Das Brötchen to go ist natürlich für viele eine Gewohnheit. Nicht wenige Menschen denken, dass es sehr anstrengend ist, Gewohnheiten zu hinterfragen, weil das mit bewusstem, aktiven Umdenken und Handeln zu tun hat. Uns wird ja heute allerorten das Gegenteil angepriesen: mach es dir bequem, spar dir Zeit, wir erledigen alles für dich, lehn dich zurück und lass dich unterhalten. Das dient natürlich weniger unserem Vorteil als vielmehr den Verkaufsinteressen der Bequemlichkeitsbeschwörer. Gerade in diesem Zusammenhang ist es gut, sich zu fragen, wieviel Aufwand man sich selbst wert ist. Möchte ich mein Leben und meine Gesundheit anderen überlassen, denen es tatsächlich nicht um mich, sondern um ihren Profit geht?

(Fortsetzung folgt)

FacebookTwitterGoogle+

Charta 08

27. Dezember 2009 von Kerstin

Liu Xiaobo_Quelle-WikipediaVor einigen Tagen berichteten wir über den Künstler Steve Kurtz, dem in den USA eine Verurteilung zu bis zu 20 Jahren Haft droht und dessen Geschichte in dem beeindruckenden Film »Strange Culture« geschildert wird. Mit dem Fall befasste Behörden streben offensichtlich danach, einen Präzedenzfall zur entscheidenden Einschränkung von Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit zu schaffen.

Am 24.12. wurde nun der chinesische Schriftsteller und Philosoph Liu Xiaobo zu 11 Jahren Haft verurteilt, weil er die Charta 08 mitentworfen und unterzeichnet hat. Wir verweisen deshalb heute auf die genauen Inhalte der Charta 08, um transparenter zu machen, welche Ideen und Forderungen nach Veränderung für so gefährlich und staatszersetzend gehalten werden, dass man Verfasser und Unterzeichner staatlich verfolgt.

In diesem Zusammenhang abschließend ein Zitat, das dieses Mal nicht aus einem Inspiration Lounge Interview stammt: »Menschen kann man einsperren, Ideen nicht.»

FacebookTwitterGoogle+