Tag: Unternehmen

Amsterdam_By the Sea_By the Way

21. Juli 2015 von Kerstin

de waag1(objekt der neugier | de waag)

Immer erfreulich ist es, wenn uns, während wir auf etwas anderes konzentriert sind, vermeintlich nebenher gute Ideen über den Weg laufen, die wir hier gerne mit-teilen. So ging es uns gerade in Amsterdam, wohin wir gefahren waren, um eine unserer Interviewpartnerinnen für die nächsten Inspiration Lounge TALKS zu treffen und dabei erstmals eines ihrer Werke live zu sehen. Das Live-Erlebnis war, kurz und knackig formuliert: faszinierend. Wir freuen uns sehr darauf, dieses Thema bei den TALKS ins Blickfeld zu bringen.

Was und wer genau es ist – demnächst mehr.

de waag2(de waag, amsterdam)

Als wir also am nächsten Tag aus unserem Hotel am Westerdoksdijk auscheckten, sagte ich, dass wir gerne wiederkommen, weil uns die Lage direkt im Hafengebiet sehr gut gefallen habe. Die Antwort:»dann müssen Sie allerdings innerhalb des nächsten Jahres wieder hier sein, denn danach sind wir weg.« Und tatsächlich: Das Good Hotel ist ein aus Containermodulen erschaffenes Non-Profit-Hotel, das auf Pontons montiert im Amsterdamer Westdock »vor Anker liegt« und im Inneren äußerst modern und ökologisch durchdacht gestaltet wurde. Es ist ein Pilotprojekt, eröffnet wurde es erst vor einem Monat. Viele der Angestellten waren vordem arbeitslos und wurden im Rahmen des Gesamtprojekts in einem extra entwickelten Lernprogramm eingehend ausgebildet. In einem Jahr, zu den Olympischen Spielen, wird das Hotel komplett nach Rio de Janeiro verschifft. Dort wird es in einem Hafengebiet bleiben und künftig bezahlbare Unterkunft für Reisende bieten sowie Arbeitsplätze für vordem arbeitslose Menschen in Brasilien. Weitere Pläne für den Ausbau der Hotelidee in Süd- und Mittelamerika stehen bereits, man hat allerdings beschlossen, die Sache organisch, d.h. Schritt für Schritt aufzubauen.

good hotel(good hotel | westerdoksdijk)

Superidee, dachte ich mir also, während ich an der Rezeption stand und die Geschichte hörte. Nicht so gut allerdings, dass es dann das Hotel in Amsterdam nicht mehr gibt. Doch es gibt gute Aussichten: wenn das Konzept aufgeht, wird an anderer Stelle im Hafengebiet ein neues Good Hotel entstehen.

Wir wünschen viel Erfolg

 

 

 

 

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Connected_Part 2

04. Dezember 2014 von Kerstin

zucker(ou_diy)

Heute Morgen las ich über einen neuen Laden in Berlin, der, wie ich finde, sehr gut in die Reihe der Unternehmungen passen würde, die wir im Rahmen unserer Inspiration Lounge mit an Bord haben. Der Name des Ladens ist Programm: im OU, Original Unverpackt, gibt es auf 100 qm Fläche immerhin ca. 400 verschiedene Produkte ohne jede Plastikverpackung. Die OU_Gründerinnen haben nach einer Idee gesucht, wie man den vielen Verpackungsmüll in Supermärkten vermeiden könnte, sie kamen auf OU und haben die Idee u.a. mittels Crowdfunding umgesetzt.

Mich freut an OU nicht allein, dass der Laden ein Idee ist, die zum Erhalt der Umwelt beiträgt und offensichtlich gut funktioniert. Ich sehe die Geschichte von OU auch als Beispiel für genau die Verbindungen zwischen Menschen und ihrem Umfeld, die in der Übung am Ende des letzten Artikels beschrieben wurden und die uns im Alltag in ihrer Tragweite oft so wenig bewusst sind.

Das OU-Team hat einen Schritt gewagt und damit etwas in die Welt gebracht, das aus üblichen Alltagspositionen herausragt, das heute gewohnte Denk- und Handlungsweisen überwindet. Ganz so wie jemand in der genannten Übung, der die Anfangsposition aufbricht und sich in eine neue, bestimmte Richtung bewegt. Er ist damit immer auch mitursächlich für die Positionsänderungen und Bewegungen der anderen »Mitspieler«. Seit der Öffnung von OU kommen daher Menschen unterschiedlichen Alters in den Laden und bringen eigene Behältnisse – von Kanne bis Deckelglas – mit, um gekaufte Waren nach Hause befördern zu können. Auch haben sie das Ladenlokal schon nach kurzer Zeit als Treffpunkt entdeckt. Soziale Initiativen finden sich ein, zum Austausch beim Einkauf. Kunden schlagen Produkte vor, die es demnächst im Angebot geben sollte. Klingt fast wie Tante Emma, nur ganz neu entdeckt und mit heutigen Mitteln, nicht angestaubt und mit verklärtem Blick in den Rückspiegel auf die »gute alte Zeit«. Wie schön, dass sich auch schon die ersten Interessenten einfinden, um die Idee auch in andere Städte zu tragen. Ich wünsche viel Erfolg.

Und: Ich kann die Aussage einer der Geschäftsführerinnen von OU gut nachvollziehen, in der sie davon spricht, dass sie sich manchmal klein fühlt. Auch oder vielleicht sogar gerade eine wirklich gute Idee bringt in der Umsetzung viel Arbeit mit sich. Man ist nicht jeden Tag total begeistert und überzeugt. Es ist nicht leicht, mit den normalen und besonderen Widrigkeiten klar zu kommen. Je größer sie wirken, je… Ihr wisst schon. ABER: Es gibt eben auch jede Menge Momente, in denen einem die Verbindungen um einen herum bewusst werden, weil Menschen auf das, was man tut, positiv reagieren, mithelfen, Neues einbringen, Man sieht auf einmal, dass neue Konstellationen entstehen und Möglichkeiten aufgehen, an die man selbst noch gar nicht dachte, als man begann, sich aus der Routine herauszubewegen. Wie sehr das motiviert, ist fast unglaublich. Sara von OU sagt es so: »Manchmal, nach einem dieser langen und produktiven Tage, fühlt es sich so an, als könnte ich die Welt verändern.«

 

 

 

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Gute Freunde

21. Oktober 2013 von Kerstin

freunde

Im Rahmen der Inspiration Lounge TALKS am 29. November 2013 wird zum ersten Mal ein Projekt der Freunde der Inspiration Lounge Teil des Programms sein.

Seit geraumer Zeit bauen wir mit der Inspiration Lounge an einer wachsenden Gemeinschaft von Menschen, die das eigene Denken und Handeln gerne durch zukunftsweisende Ideen, andere Blickwinkel und interessantes Wissen und Know-how inspirieren lassen. Leute, die Bereitschaft und Lust haben, Gewohnheiten zu hinterfragen und für sich selbst sowie auch darüber hinaus etwas zu bewegen, positiv zu verändern und mitzugestalten.

Die ersten von uns ausgewählten Freunde der Inspiration Lounge – Christian und Stefan Feike von investinlife, Claudia Warda von zweiTnuTz ,Thomas Fuhlrott von zait sowie Sabine Röser und Wilfried Nißing von StadtwaldHolz – helfen uns nun, diese Gemeinschaft und ihre Netzwerke noch stärker und vielfältiger werden zu lassen.

Die Freunde der Inspiration Lounge, das sind Menschen, die in ihren eigenen Bereichen gute, zukunftsweisende Ideen umgesetzt haben bzw. einbringen und damit auch für viele andere Menschen, für Ökonomie und Gesellschaft ganz konkrete, inspirierende Wege aufzeigen. Sie sind der Inspiration Lounge schon seit längerer Zeit verbunden, unterstützen ihre Ausrichtung und sind natürlich auch ein fester Part der Inspiration Lounge TALKS.

Das erste Projekt der Freunde der Inspiration Lounge wird an 29. November 2013 in der Art68 in Köln die ganz individuellen Positionen der Freunde zu einem von uns ausgewählten Gesamtthema versammeln. Doch mehr wird hier noch nicht verraten.

Fortsetzung folgt…

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Andere Impulse geben

05. Oktober 2012 von Kerstin

(kerstin döweler im gespräch mit thomas fuhlrott)

Wer die Inspiration Lounge seit längerer Zeit verfolgt, der weiß natürlich, dass wir mit Thomas Fuhlrott, dem Gründer von zait, schon einige Interviews über sein unter zahlreichen Aspekten außergewöhnliches Unternehmenskonzept geführt haben.

Eine andere Art des Olivenölhandels zu entwickeln und dabei Produzenten bester Qualität aus dem Mittelmeerraum mit Olivenölfans aus Deutschland zu verbinden, war vor über zehn Jahren die Grundidee von zait. Um diese erfolgreich zu verwirklichen, brauchte es natürlich jede Menge Quer- und Vorausdenken bzw. ebensolches Handeln.

Logisch also, dass wir bei der Interviewplanung mit Thomas Fuhlrott für unsere Inspiration Lounge TALKS 2012 bei dem Thema gelandet sind, dass uns alle angeht, weil es uns alle berührt: wie entwickeln wir Ideen und Wege, die in der Ökonomie endlich andere Impulse geben und damit konsequent eine Wirtschaft voranbringen, die über das rein Wirtschaftliche hinausgeht.

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insideBIO

03. Juni 2012 von Kerstin

(insightBIO)

Am Center for Economics and Neuroscience in Bonn untersuchten Psychologen und Hirnforscher in letzter Zeit, wer weshalb Bio-Lebensmittel kauft und wie das Label Bio dabei auf unsere Psyche wirkt. Zahlreiche Testpersonen wurden dafür mittels Kernspintomograph untersucht, während sie als Bio ausgezeichnete Lebensmittel probierten oder ihnen Bilder von entsprechenden Obst- und Gemüsesorten gezeigt wurden. Danach wurde der Test mit Lebensmitteln wiederholt, die den Getesteten als konventionell erzeugt beschrieben wurden.

Ergebnis: bereits der Anblick von Lebensmitteln, die mit dem Label »Bio« ausgezeichnet sind, aktiviert die im Gehirn lokalisierten Belohnungssysteme deutlich stärker als ein Blick auf konventionelle Ware. Kein Wunder also, dass die Testpersonen bei anschließenden Befragungen auch angaben, sie seien bereit, für Bio-Ware mehr zu zahlen – und zwar durchschnittlich bis zu 40% mehr.

Dann läuft ja eigentlich alles super, könnte man denken. Menschen fühlen sich von Bio-Produkten deutlich mehr angesprochen und sehen auch ein, dass ökologisch erzeugte Lebensmittel aufgrund des meist höheren Produktionsaufwands und geringerer Produktionsmengen nur für einen höheren Preis zu erwerben sind. Werden sich die Käuferströme daher künftig immer mehr in Richtung derjenigen Produzenten aufmachen, die es wirklich ernst meinen mit ihrem Anspruch, in Einklang mit der Umwelt und dem sozialen Umfeld zu wirtschaften? Oder auf uns Käufer gemünzt: werden wir uns, schon aufgrund unserer Hirnströme, direkt bei den Anbietern mit den besseren und nachhaltigeren Unternehmenskonzepten einfinden?

Ganz so einfach wird es dann wohl doch nicht. Forscher aus den USA fanden nämlich fast zeitgleich heraus, dass unsere Hirne lägst nicht so rational reagieren, wie wir es uns gerne vorstellen. In langfristig angelegten Studien ließ man zahlreiche Probanden verschiedene Lebensmittel, teils als Bio, teils als konventionell ausgewiesen, testen und fragte nach den Geschmackserlebnissen. Der überwiegenden Zahl der Testpersonen schmeckten die mit einem Bio-Label versehenen Lebensmittel deutlich besser als die anderen. Nur: die getesteten Lebensmittel, beispielsweise die Fruchtsäfte einer Testreihe, stammten in Wirklichkeit stets aus ein und derselben Produktion, und diese war in der Hälfte der Tests gar nicht »bio«. Hier also wieder ein Rückschluss auf das Ergebnis des Center for Economics and Neuroscience. Man fühlt sich schon besser, wenn man nur ein Bio-Label sieht, das einem dann auch durch seine positive Belegung suggeriert, man nehme das bessere Lebensmittel mit dem besseren Geschmack zu sich – auch wenn das unter Umständen gar nicht stimmt. Es lebe das Image.

Man kann sicher sein, dass gerade die Verantwortlichen der großen Lebensmittelkonzerne diese Forschungsergebnisse sehr aufmerksam lesen werden. Zeigen diese doch gleich mehrere interessante Fakten: 1. Käufer sind mehrheitlich allein aufgrund eines Bio-Labels schnell überzeugt, ein besseres, gesünderes Lebensmittel zu kaufen und fühlen sich dabei besser ­– auch wenn Bio-Label nicht gleich Bio-Label ist und längst auch die großen Discounter »bio« auf einen Teil ihrer Ware schreiben. 2. Wir können überwiegend nicht am Geschmack unterscheiden, ob wir tatsächlich ein ökologisch sinnvoll erzeugtes Lebensmittel zu uns nehmen. 3., und sicherlich ganz entscheidend: allein aufgrund eines »Bio«-Images sind Käufer bereit, bis zu 40% mehr zu zahlen als für entsprechende konventionell erzeugte Lebensmittel. Es gibt daher ordentlich Geld zu verdienen.

Also werden die Konzerne ihre Marketingmaschinen noch stärker anwerfen als zuvor, um zumindest einem Teil ihrer Produkte ein noch viel grüneres Image zu verleihen. Sie werden alle Medienkanäle nutzen, denn im Gegensatz zu vielen kleineren Unternehmen, die recht neu am Markt mit ihren ökologisch ausgerichteten Konzepten tatsächlich einen Unterschied machen, verfügen sie über große Werbebudgets. Und natürlich werden sie jede Menge Produkte entwickeln und auf den Markt bringen, die nur den Bio-Labeln mit den allergeringsten Anforderungen gerade so genügen. So lassen sich mit möglichst wenig Aufwand viele Menschen überzeugen, die geschmacklich sowieso keinen Unterschied erkennen. Das, zusammengenommen mit der sowieso vorhandenen Marktposition und Vertriebsstruktur der Konzerne sorgt dann dafür, dass diejenigen Anbieter, die sich mit ihren Gesamtkonzepten bewusst für die Einhaltung strengerer ökologischer und sozialer Anforderungen entschieden haben, auch künftig eher an die Seitenränder verwiesen werden. Also alles wie gehabt?

Auch nicht ganz, denn Nischen kann man nutzen und ausbauen. Das gilt einmal in der Hinsicht, dass wer wirklich besser produziert und liefert, es auch ohne Riesenbudget transparent machen kann. Es gibt zahlreiche wissenswerte Fakten, die uns Käufern mitgeteilt werden können und nicht nur lediglich »Hintergrundinformationen« sind, sondern uns die oft erheblichen Unterschiede in Denk- und Vorgehensweisen besser begreifen lassen. Also das konsequent und interessant zeigen, was kein Konzern, kein Discounter je zeigen könnte. Und wir Käufer? Wir können natürlich aus der Bequemlichkeit aufbrechen, um zumindest besser über die verschiedenen Bio-Labels Bescheid zu wissen, wir können deutlich bewusster auswählen und hinterfragen. Doch wie oft ist der Geist willig, aber das Fleisch schwach. Oder es fehlen uns tatsächlich entscheidende Informationen. Eines jedenfalls machen wir Interessierten heute schon überzeugend: wir erzählen unserem Umfeld gerne spannende Geschichten über Menschen, die mit besonderen Ideen Wege finden, auch in Produktion und Handel, die für uns, unser Umfeld, ihr Umfeld, die Umwelt, die Welt selbst tatsächlich besser und schöner sind als diejenigen, die wir bereits nutzen.

Wie wäre es, wenn wir Wege entwickeln, dieses Ergebnis aus der eigenen »Verhaltensforschung« künftig einfach noch viel besser in unserem Sinne und mit unseren Mitteln einzusetzen als bisher?

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