Tag: Umwelt

Einfach? Nein danke.

18. Dezember 2014 von Kerstin

buerste(der kleine diktator?)

Eine kurze Begegnung bringt mich diese Woche zu einem neuen Blog-Artikel über die alltäglichen Paradigmen, die unbedingt zu hinterfragen sind. Gestern erzählte mir eine Freundin, ihre KfZ-Versicherung habe sie angeschrieben. Wenn sie bereit wäre, ihre Fahrweise per App überwachen zu lassen und sich dann immer an alle Geschwindigkeitsbegrenzungen halte, könne sie damit ihre Versicherungsprämie reduzieren. Sie überlegte kurz und hat sich dann dagegen entschieden. Der Grad der Überwachung erschien ihr unheimlich.

Wieviele andere hätten umgehend Ja gesagt? Schließlich gibt es Geld zu sparen – fantastisch, wie sehr uns die Technik dabei unterstützt. Und da ist sie: die Vorstellung, dass Technik uns durch stetig neue Entwicklungen dabei helfen wird, alle unsere Probleme zu lösen und uns das Leben so einfach wie möglich zu machen.

Noch ein Beispiel: Die ersten Krankenversicherungen sind dabei, Apps zu testen, die das tägliche Zahnputzverhalten der Mitglieder aufzeichnen. Wer regelmäßig putzt, wie die Zahnbürste es will, spart natürlich Geld. Begeisterte Kommentare von Usern großer Online-Medien: »Toll, wenn das kommt. Ich pflege nämlich meine Zähne immer ordentlich. Wenn andere das nicht richtig tun, müssen sie eben die Konsequenzen tragen.« Was aber ist mit all denen, die einfach nur keine Lust haben auf die täglich wachsende persönliche Überwachung und Bevormundung. Wird denen künftig unterstellt, sie könnten nichts anderes als Gefärdungen für den Straßenverkehr und die allgemeine Gesundheit sein, die schon allein aufgrund dieser Annahme mit höheren Versicherungsbeiträgen etc. bestraft werden müssen?

Die Umweltwissenschaftlerin Donella Meadows, Mitverfasserin des Buches und der Studie Die Grenzen des Wachstums, sagte einst auf die Frage, was sie beispielsweise von Digital- oder von Gentechnik halte: »Wie kann ich eine Antwort darauf geben, solange die eigentlichen Fragen gar nicht geklärt sind? Nämlich, wie wollen wir die jeweilige Technik einsetzen und nutzen? Wer wird davon betroffen sein? Was sind die Folgen des Einsatzes, und zwar aus möglichst allen heutigen und heute für die Zukunft erdenkbaren Sichtweisen? Wie bewerten wir die Vor- und Nachteile der Nutzung, welche Prioritäten wollen wir bei der Bewertung setzen und warum? Wie wirkt sich der Einsatz auf unsere gesamten gesellschaftlichen und ökologischen Systeme aus?«

Fragen über Fragen, großer Diskussions- und Klärungsbedarf. Alles andere als einfach und unaufwändig lösbar.

»Doch warum soviel nachdenken, wenn schnell  gespart werden kann,« ruft es einem zu aus den Reihen der zahlreichen »It’s so simple« Vertreter. Weil es notwendig ist, und schon deshalb, weil es längst nicht die erste »Lösung« ist, die uns als billig verkauft wird, damit wir am Ende die dicke Rechnung bezahlen.

 

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Connected_Part 2

04. Dezember 2014 von Kerstin

zucker(ou_diy)

Heute Morgen las ich über einen neuen Laden in Berlin, der, wie ich finde, sehr gut in die Reihe der Unternehmungen passen würde, die wir im Rahmen unserer Inspiration Lounge mit an Bord haben. Der Name des Ladens ist Programm: im OU, Original Unverpackt, gibt es auf 100 qm Fläche immerhin ca. 400 verschiedene Produkte ohne jede Plastikverpackung. Die OU_Gründerinnen haben nach einer Idee gesucht, wie man den vielen Verpackungsmüll in Supermärkten vermeiden könnte, sie kamen auf OU und haben die Idee u.a. mittels Crowdfunding umgesetzt.

Mich freut an OU nicht allein, dass der Laden ein Idee ist, die zum Erhalt der Umwelt beiträgt und offensichtlich gut funktioniert. Ich sehe die Geschichte von OU auch als Beispiel für genau die Verbindungen zwischen Menschen und ihrem Umfeld, die in der Übung am Ende des letzten Artikels beschrieben wurden und die uns im Alltag in ihrer Tragweite oft so wenig bewusst sind.

Das OU-Team hat einen Schritt gewagt und damit etwas in die Welt gebracht, das aus üblichen Alltagspositionen herausragt, das heute gewohnte Denk- und Handlungsweisen überwindet. Ganz so wie jemand in der genannten Übung, der die Anfangsposition aufbricht und sich in eine neue, bestimmte Richtung bewegt. Er ist damit immer auch mitursächlich für die Positionsänderungen und Bewegungen der anderen »Mitspieler«. Seit der Öffnung von OU kommen daher Menschen unterschiedlichen Alters in den Laden und bringen eigene Behältnisse – von Kanne bis Deckelglas – mit, um gekaufte Waren nach Hause befördern zu können. Auch haben sie das Ladenlokal schon nach kurzer Zeit als Treffpunkt entdeckt. Soziale Initiativen finden sich ein, zum Austausch beim Einkauf. Kunden schlagen Produkte vor, die es demnächst im Angebot geben sollte. Klingt fast wie Tante Emma, nur ganz neu entdeckt und mit heutigen Mitteln, nicht angestaubt und mit verklärtem Blick in den Rückspiegel auf die »gute alte Zeit«. Wie schön, dass sich auch schon die ersten Interessenten einfinden, um die Idee auch in andere Städte zu tragen. Ich wünsche viel Erfolg.

Und: Ich kann die Aussage einer der Geschäftsführerinnen von OU gut nachvollziehen, in der sie davon spricht, dass sie sich manchmal klein fühlt. Auch oder vielleicht sogar gerade eine wirklich gute Idee bringt in der Umsetzung viel Arbeit mit sich. Man ist nicht jeden Tag total begeistert und überzeugt. Es ist nicht leicht, mit den normalen und besonderen Widrigkeiten klar zu kommen. Je größer sie wirken, je… Ihr wisst schon. ABER: Es gibt eben auch jede Menge Momente, in denen einem die Verbindungen um einen herum bewusst werden, weil Menschen auf das, was man tut, positiv reagieren, mithelfen, Neues einbringen, Man sieht auf einmal, dass neue Konstellationen entstehen und Möglichkeiten aufgehen, an die man selbst noch gar nicht dachte, als man begann, sich aus der Routine herauszubewegen. Wie sehr das motiviert, ist fast unglaublich. Sara von OU sagt es so: »Manchmal, nach einem dieser langen und produktiven Tage, fühlt es sich so an, als könnte ich die Welt verändern.«

 

 

 

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Connected

24. November 2014 von Kerstin

connected(aufbruch aus paradigmen)

In der Inspiration Lounge geht es schon immer um neue, zukunftsweisende Ideen, um das Bewusstsein für Denk- und Handlungsroutinen und das Aufbrechen aus ihnen. Wir wollen deshalb ab heute einige gängigen Paradigmen hinterfragen, die unsere Vorstellungen und unsere Realität prägen. Vor allem wollen wir herausfinden, was passiert, wenn man beginnt, die Dinge anders zu betrachten.

Also, auf zum ersten Paradigma: Der Mensch ist ein von seiner Umgebung getrenntes, einzelnes Individuum. Ein Bild, das in seiner eigenen Logik zum Ausblenden existierender Vernetzungen, Systeme und Synergien führt. Es sorgt dafür, dass wir viele lebensnotwendige Verbindungen mit der Umwelt zu wenig bis gar nicht bewusst wahrnehmen und wertschätzen.

Beispiele solcher wichtiger Verbindungen: Positive, soziale Kontakte stärken unser Immunsystem. Fehlender Kontakt macht Menschen nachweislich krank / Jeder Mensch atmet pro Tag ca. 10.000 Liter Luft – ein ständiger Austausch mit der Umwelt, unseres Inneren und Äußeren. / Der menschliche Darm ist pro Milliliter Inhalt mit ca. einer Billion Bakterien besiedelt, ohne die wir nicht überleben. Das Gesamtgewicht dieser Bakterien beträgt ca. 2 Kilo und ist damit schwerer als das menschliche Hirn.

Betrachtet man das Paradigma mal als das, was es (nur) ist, und stellt sich möglichst offen der Vielfalt existierender Verbindungsstrukturen, in die wir sozial und ökologisch integriert sind, verändern sich Blickwinkel nachhaltig:

So sieht man beispielsweise, dass übliche Appelle an das Pflichtgefühl von Menschen, doch bitte zum Wohl und im Sinne anderer sowie für die Umwelt mitzudenken, bis heute nicht nur selten von Erfolg gekrönt sind. Sie werden auch überflüssig, sobald man begreift, dass das Eintreten für z.B. saubere Luft oder bessere soziale Strukturen letztlich auch für einen selbst bessere Lebensbedingungen schafft. Denn so weit weg uns ein Aspekt zu sein scheint – seine Änderung zum Besseren kommt immer, wenn auch erst zeitverzögert, bei uns an. In einem komplexen Gesamtsystem existiert nichts Außenstehendes.

Was passiert noch? Faszinierendes: man bekommt ein Gespür dafür, dass die eigenen Verbindungen viel umfangreicher sind, als man bisher wahrgenommen hat, dass auch das eigene Handeln wesentlich weiter reichen kann, als man zu denken und hoffen wagte. Auf dieser Basis lässt sich eine größere Umsicht, ein genaueres Beobachten des Feedbacks auf das eigene Handeln entwickeln. Man bekommt zudem, wie ich finde, einen äußerst motivierenden Eindruck davon, was man bewegen kann, wenn man bewusst und gemeinsam mit anderen zusammenwirkt und dabei jeder seine Stärken nutzt. Im Rahmen der Inspiration Lounge erleben wir diesen Effekt seit Jahren und wollen ihn nicht missen.

Wer jetzt neugierig ist und Lust darauf hat, das Gespür für Verbindungen sowie das weiterreichende Wirken des eigenen Handelns in einem größeren Zusammenhang live zu erleben, dem empfehlen wir folgende Übung:

Versammele ca. 20 Menschen. Ihr braucht außerdem einen größeren Raum oder freien Platz draußen. Nun sage allen Personen, sie sollen sich bitte jeweils ca. 1 ½ bis 2 Meter voneinander entfernt im Raum bzw. auf dem Platz verteilen. Du selbst nimmst ebenfalls eine Position im Raum ein. Nun bittest Du alle, sich zwei der anderen Personen im Raum auszusuchen, die nicht beide unmittelbar in ihrer Nähe stehen. Auch Du suchst Dir zwei Personen aus. Jetzt sagst Du als Nächstes an, dass jeder sich zum Mittelpunkt der Strecke zwischen seinen beiden ausgesuchten Personen hinbewegen soll. Und nicht nur das: egal, welche Bewegungen sich insgesamt ergeben: jeder soll sich ständig am jeweiligen Mittelpunkt orientieren und versuchen, diesen einzunehmen. Schon nach wenigen Minuten merkt man, wie stark gegenseitige Verbindungen wirken und wie sehr wir alle als Akteure sowohl andere beeinflussen als auch von ihnen beeinflusst werden.

Man muss es einfach selbst erleben. Probiert es aus.

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Seeing yourself see

12. November 2014 von Kerstin

blickwinkel(Ich sehe was, das Du nicht siehst)

Es nähert sich das Ende des Jahres und damit auch die Frage: Wie geht es weiter in der Inspiration Lounge?

Lasst Euch sagen: wir haben so einiges vor, an dem wir hinter den Kulissen schon fleißig arbeiten. Dazu gehört u.a., dass wir ab 2015 auch den Bereich Wissenschaft im Rahmen unserer Inspiration Lounge Veranstaltungen und ebenfalls hier mehr ins Blickfeld bringen werden. Wir werden Euch Vorausdenker und -macher näher bringen, die – in guter Inspiration Lounge Tradition – via Interviews Einblicke in ihre Tätigkeit, ihr Wissen und ihre Forschung geben und damit neue Perspektiven auf Leben, Mensch und Welt ermöglichen.

Wir möchten auf diese Weise, neben unseren Interviews mit Machern aus Kunst, Kultur und Ökonomie, noch einen weiteren Weg eröffnen, gängige Pfade und Paradigmen zu hinterfragen sowie zu zukunftsfähigen Blickwinkeln, Ideen, Denk- und Vorgehensweisen aufzubrechen. Anders gesagt: es geht uns darum, jede Menge Inspiration zu einer Bewusstseinsentwicklung und einem nachhaltigen Bewusstseinswandel zu liefern. Schließlich bestimmt die Art, wie wir die Dinge um uns herum wahrnehmen und einordnen, weil wir es lange so gelernt und getan haben, unser Denken und Handeln. Und: wie bekannt, gibt es wirklich genügend »Baustellen« im engeren und weiteren Umfeld, denen nur mit konsequentem Umdenken und Umhandeln beizukommen sein wird. Also, nicht lange gewartet – auf geht’s.

Als Vorgeschmack auf kommende Inspiration Lounge Live- und Onlinebeiträge habe ich den Vortrag Seeing myself see des Neurowissenschaftlers Dr. Beau Lotto ausgesucht. Er liefert, wie ich finde, viele verblüffende Beispiele dafür, dass kein Mensch objektiver Beobachter ist, sondern in seiner Wahrnehmung abhängig vom Umfeld und den eigenen Erfahrungen. Eine gelungene Anregung, die existierende Vielfalt individueller Betrachtungen mehr wahrzunehmen und, auch in der Zusammenarbeit mit anderen, mehr zu schätzen. Noch dazu ein klasse Feedback für den nächsten Menschen, der uns »die eine Lösung«, den ultimativen Tatsachenbericht oder ein Paradigma als die wahre Natur der Dinge verkaufen will.

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Gute Freunde

21. Oktober 2013 von Kerstin

freunde

Im Rahmen der Inspiration Lounge TALKS am 29. November 2013 wird zum ersten Mal ein Projekt der Freunde der Inspiration Lounge Teil des Programms sein.

Seit geraumer Zeit bauen wir mit der Inspiration Lounge an einer wachsenden Gemeinschaft von Menschen, die das eigene Denken und Handeln gerne durch zukunftsweisende Ideen, andere Blickwinkel und interessantes Wissen und Know-how inspirieren lassen. Leute, die Bereitschaft und Lust haben, Gewohnheiten zu hinterfragen und für sich selbst sowie auch darüber hinaus etwas zu bewegen, positiv zu verändern und mitzugestalten.

Die ersten von uns ausgewählten Freunde der Inspiration Lounge – Christian und Stefan Feike von investinlife, Claudia Warda von zweiTnuTz ,Thomas Fuhlrott von zait sowie Sabine Röser und Wilfried Nißing von StadtwaldHolz – helfen uns nun, diese Gemeinschaft und ihre Netzwerke noch stärker und vielfältiger werden zu lassen.

Die Freunde der Inspiration Lounge, das sind Menschen, die in ihren eigenen Bereichen gute, zukunftsweisende Ideen umgesetzt haben bzw. einbringen und damit auch für viele andere Menschen, für Ökonomie und Gesellschaft ganz konkrete, inspirierende Wege aufzeigen. Sie sind der Inspiration Lounge schon seit längerer Zeit verbunden, unterstützen ihre Ausrichtung und sind natürlich auch ein fester Part der Inspiration Lounge TALKS.

Das erste Projekt der Freunde der Inspiration Lounge wird an 29. November 2013 in der Art68 in Köln die ganz individuellen Positionen der Freunde zu einem von uns ausgewählten Gesamtthema versammeln. Doch mehr wird hier noch nicht verraten.

Fortsetzung folgt…

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