Tag: Umsetzung

Wo und Wie statt Warum nicht

23. Mai 2011 von Kerstin

Wer hat sich nicht schon mal gefragt, warum man nicht selbst auf die eine oder andere tolle Idee gekommen ist. Ich kenne nicht Wenige, die sich damit geradezu quälen können.

Seit Beginn der Inspiration Lounge sprechen wir mit Menschen über ihre Ideen und Vorgehensweisen bei der Realisierung. Mir ist dabei immer deutlicher geworden, dass Ideen einerseits tatsächlich in der Luft liegen, andererseits aber immer einen gewissen Blick auf ein Thema, eine eingehende Beschäftigung damit verlangen, um sich ins Bewusstsein vorzuarbeiten oder sogar aufzudrängen. Immer wieder finde ich es einen spannenden Vorgang, wenn sich aus der Erzählung einer unserer Interviewpartner mehr und mehr ein Bild davon zeichnet, warum, aufgrund welchen Umfelds und welcher Tätigkeiten bestimmte Ideen entstanden sind. Es sind persönliche Geschichten und Erlebnisse, die Thomas Fuhlrott zum Olivenöl, die Yung Chin zum Bogenbau oder Robert Schrem zu fluegel.tv brachten.

Manchmal wird einem auch ganz ohne Kenntnisse über eine Vorgeschichte offensichtlich, wie Ideen und ihre Realisierungen entstehen. Als ich neulich an einem nordholländischen Strand unterwegs war, traf ich auf ein paar Jungendliche, die mit voller Konzentration versuchten, das wirklich sehr kalte Wasser zu ignorieren, um beim Baden völlig locker zu wirken. Mir fiel dabei sofort die Fotografin Rineke Dijkstra ein, die ebenfalls am Meer auf die Idee ihrer bekannten Strandportraits gekommen war.

Wie immer Ideen auch entstehen, es ist manchmal ein Trost, sich sagen zu können, dass man Dinge nicht entwickeln konnte, weil einem der persönliche Bezug, die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Sujet oder einer räumlichen Umgebung einfach fehlt. Der Gedanke, dass jede Idee aus ihrer Umgebung, ihren verbundenen Themen und Fragestellungen heraus in der jeweiligen Situation die Person braucht, die den Blick hat, zur Tat schreiten kann und schreitet, ist mir sympathisch. Er legt nah, sich mit Augenmerk auf das eigene Umfeld und die eigenen Themen zu fragen, an welchen Stellen man selbst zum Realisierer werden kann, statt sich über nicht gehabte Ideen zu grämen.

FacebookTwitterGoogle+

Ideen und Initiatoren

15. Juni 2010 von Kerstin

(click the pix)

Wer kennt nicht Carl Spitzwegs »Der arme Poet«, der zurückgezogen in seiner Kammer mit den Versen ringt? Oder das Klischee vom einsamen Wissenschaftler, unermüdlich in seinem Labor vor sich hin bastelnd?

Sicher, es gibt kreative Köpfe, die dieses gerne bemühten Bilder bestätigen. Andererseits legen eingehende Forschungen über das Auftreten von Kreativität deutlich näher: Kreativ ist man besonders dann, wenn auch andere im Umfeld kreativ arbeiten. Eine solche Atmosphäre ist ganz offensichtlich ein großartiger Katalysator für besondere Ideen und deren Realisierung. Das gilt umso mehr, wenn Menschen aufeinander treffen, deren Ideen, Arbeit und Know-how Überschneidungen aufweisen, die zu neuen Blickwinkeln und Lösungen führen.

Faszinierend an den neuesten Animationsfilmen, wie zuletzt Avatar, finde ich daher, dass James Cameron zur Realisierung seiner Ideen jahrelang mit Hard- und Softwareentwicklern zusammenarbeitete. Ohne sie hätte der Film nicht entstehen können, mussten doch zunächst erst einmal die technischen Voraussetzungen für den graphischen Aufbau des Films geschaffen werden. Nicht nur Cameron und der FIlm profitierten von diesen Entwicklungen. Alle einbezogenen Entwickler erhielten reichlich Ideen und Motivation für das Voranbringen der neuen Technologien und der eigenen Fertigkeiten.

Noch ein Beispiel: Unser Interviewpartner Oliver Matter, der für die Herstellung seiner Absinthes nur die besten Rohstoffe verwendet, weiß, dass kurze Transportwege die besondere Frische von Kräutern und anderen Zutaten ausmachen. Da er viele Kräuter für die Absintheherstellung bereits von Bauern aus seiner direkten Umgebung bezieht, kam ihm die Idee, auch den Anbau von Koriander zu initiieren. Tatsächlich wurde Koriander zuvor nicht in der Schweiz angebaut, weil einfach niemand auf die Idee gekommen war. Es brauchte Oliver Matter und sein Bedürfnis nach erstklassigen Koriandersamen.

Sein Kräuterlieferant baute daraufhin unter Einsatz all seines Know-hows Koriander an, und siehe da: das Ergebnis war so hervorragend, dass heute niemand mehr den Korianderanbau in der Schweiz in Frage stellt. Oliver Matter hat den Koriander, den er braucht. Es resultieren geschmacklich einzigartiger Absinthe und ein Bauer, der ein neues Produkt verkaufen kann.

Gelungene Realisierungen brauchen gute Ideen. Ideen brauchen oft Initiatoren. Diese initiieren meist, weil sie etwas realisieren möchten, wozu sie die Hilfe anderer benötigen.

Daher: Statt mit Argusaugen die eigenen Ideen zu hüten – ist es nicht schlauer, sich öfter mal zu fragen: Was will ich wirklich realisieren? Wo kann ich initiieren?

FacebookTwitterGoogle+

Zwischen den Zeilen

28. Januar 2010 von Kerstin

aufbruchDa wir seit mehr als zwei Jahren Interviews mit kreativen Menschen cross Genre, cross Culture führen, ist die Zeit nun reif für unsere neue Kategorie »Zwischen den Zeilen«.

Hier werden wir über Dinge berichten, die uns während und nach inzwischen doch einigen Inspiration Lounge Interviews und vielen Gesprächen aufgefallen sind, weil sie beispielsweise mehrere Interviews gedanklich verbinden und häufiger auftretende Aspekte rund um kreatives Schaffen widerspiegeln.

Ein solcher Aspekt ist ganz offensichtlich der Anfang, denn jeder hat eigentlich Ideen, doch nicht jeder startet mit der Umsetzung. Die Gründe sind vielfältig: Zeitmangel, keine Lust, zu wenig Geld, nicht die richtigen Projektpartner im Umfeld und so weiter. Viele kennen bestimmt auch das »Warten auf«… heißt: »ich warte nur noch darauf, dass… aber dann kann ich endlich… realisieren.«

Wem das wie mir irgendwie bekannt erscheint oder selbst schon mal vorgekommen ist: hier eine Anregung unseres Interviewpartners Andy Lim: »Wenn dauernd andere Dinge Priorität haben – vielleicht ist die Leidenschaft für eine Idee und ihre Umsetzung dann gar nicht so groß wie gedacht.«

Natürlich gibt es auch immer wieder typische Fragen, die sich vor oder zu Anfang eines Projekts, einer Ideenrealisierung einschleichen können, beispielsweise: »Kann ich das überhaupt? In diesen Fällen verweise ich gerne an Dr. George Berbari: »If we don’t learn, we don’t know.« Auch der Gedanke: »Was passiert, wenn es daneben geht?«, ist offensichtlich vielen gut bekannt. Passend dazu sagte eine unserer letzten Interviewpartnerinnen, die Tänzerin, Trainerin und Schulgründerin Eriko Kopp-Makinose: »Es gibt keine Fehler, es gibt nur unerwartete Ergebnisse.«

So gesehen fällt der Anfang bestimmt leichter, sofern man eine Idee wirklich umsetzen will. Und wenn das noch nicht den Ausschlag zum Aufbruch gibt, dann ist es vielleicht die Sichtweise von Frauke Berg: »Man kann jeden Tag mit etwas anfangen – man muss es nur tun.«

FacebookTwitterGoogle+

Da kommt was

20. Januar 2010 von Kerstin

susanne junker_aufbau exhibition(click the pix) Schon vor einigen Wochen entstand die einzigartige allgäuer-schwäbisch-pfälzisch-shanghaische interkultur-Kooperative (aspsiK), die inzwischen ihre Arbeit aufgenommen hat. Mit Susanne Junker von stageBack gesprochen: »A creative explosive cocktail has been created. Das Vomentieren kann beginnen.«

Und so werfen große Projekte bereits lange Schatten: an gleich drei verschiedenen Orten, Shanghai – Köln – Allgäu, wird massiv geplant und entwickelt. Zielinie 2017.

Wie gesagt, da kommt was!

FacebookTwitterGoogle+

Die Bilder müssen raus

19. Januar 2010 von Chris

susanne junker_for inspiration lounge interview(click the pix) Im Rahmen ihrer Ausstellung Vomiting World sprachen wir mit der Fotokünstlerin Susanne Junker darüber, warum sie Bilder, die sie im Kopf hat, seit Jahren so konsequent und hautnah umsetzt, warum sie dabei immer für sich selbst posiert und permanent zwischen Kamera und Set wechselt.

Demnächst im Interview. Hier.

FacebookTwitterGoogle+