Tag: Qualität

kreativ unternehmen_Teil 2

19. Februar 2012 von Kerstin

(thomas fuhlrott_zait)

K: Wann bist Du denn zum ersten Mal mit dem Thema Entrepreneurship in Berührung gekommen?

T: Das war während meines Studiums in Berlin. Ich habe Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert, und im Rahmen des Studiums gab es regelmäßig Gastvorlesungen von Professoren aus anderen Studienfächern. Dadurch besuchte ich eines Tages eine Vorlesung von Professor Faltin, der schon damals an der FU Berlin den Arbeitsbereich Entrepreneurship aufgebaut hatte und leitete. Inzwischen gibt es natürlich mehrere Universitäten, die diesen Bereich anbieten. Doch Günter Faltin hatte lange Zeit den einzigen Lehrstuhl für Entrepreneurship in Deutschland. Er hat maßgeblichen Anteil daran, dass das Thema Entrepreneurship hier und heute zu einem wichtigen Thema geworden ist.

Ich habe jedenfalls seine Vorlesung besucht und schnell entdeckt, dass mich das Thema fasziniert. Das lag zum einen daran, dass mir bewusst wurde: es gibt für jeden die Möglichkeit, mit einer wirklich guten Idee und einem runden Konzept ein Unternehmen zu gründen. Gerade heute setzen Gründungen nicht mehr unbedingt große Kapitalmengen und aufwändige Produktionsstätten voraus. Dazu kam, dass ich schon damals ein großes Interesse an kreativen, innovativen Prozessen hatte. Ich interessiere mich sehr für kulturelle Bereiche wie Kunst und Musik, in denen eine Avantgarde immer wieder die Grenzen des bis dahin Bekannten hinterfragt und bricht. Wäre ich nicht auf das Thema Entrepreneurship gestoßen, ich hätte mir gut vorstellen können, nach dem Studium im Kulturbereich zu arbeiten. Doch es kam anders.

Ich begriff, dass Entrepreneurship der Weg ist, das Hinterfragen und Aufbrechen von konventionellen Denk- und Handlungsweisen in die Ökonomie zu tragen. Dass Kreativität auch in der Ökonomie eine ungemein wichtige Rolle spielt und nicht nur der Kunst oder Musik vorbehalten ist. Überhaupt, wie ich mit meinen Ideen im ökonomischen Feld etwas bewegen und Dinge positiv verändern kann – zeigen kann, wie es anders geht, gerade auch indem ich meine kreativen Interessen und Fähigkeiten kombiniere.

Als Entrepreneur kreativ zu sein, hat außerdem noch einen Vorteil: du erwirtschaftest deine finanziellen Mittel selbst. Läuft es gut, kannst du deine Tätigkeit weiter ausbauen und in neue Ideen investieren. Läuft es nicht, merkst du das unmittelbar. Viele Kunst- und Kulturschaffende hängen dagegen mit ihren Projekten von Fördermitteln ab und verbringen daher viel Zeit mit dem Stellen von Anträgen und mit Warten. Darauf hätte ich keine Lust. Noch dazu: ohne die Ökonomie geht es eben nicht. Auch die gesamte Kulturförderung hängt letztlich an einer funktionierenden Wirtschaft. Sieht man dies zusammen mit der Tatsache, dass wir nicht weiter auf ein unbegrenztes Wirtschaftswachstum mit steigendem Ressourcenverbrauch setzen können, finde ich umso wichtiger, in diesem großen Bereich Ökonomie endlich mehr qualitative, zukunftsfähige Entwicklungen auf den Weg zu bringen. Dazu beizutragen macht mir große Freude.

K: Herzlichen Dank für das Interview.

Interview Teil 1

KATZAGSCHROI

(katzagschroi_schwäbisches heiligtum)

Zum Abschluss stellen wir dieses Mal ein Rezept vor, dass zwei Dinge aus unterschiedlichen Regionen vereint: bestes Olivenöl aus Katalonien/Spanien und schwäbischen Erfindergeist. Das Gericht heißt original Katzagschroi.

Für 4 Personen braucht man 500 g gekochtes Rindfleisch, das man in schmale Streifen schneidet. 2 größere Zwiebeln schneidet man in dünne Ringe, einen säuerlichen Apfel sowie eine gelbe und rote Paprika ebenfalls in schmale Streifen. Wer mag, kann außerdem noch eine Karotte in dünne Stifte schneiden.

Als nächstes rührt man aus einem Teelöffel scharfem Senf, aus Salz, schwarzem Pfeffer, Essig und Olivenöl eine Vinaigrette, die man mit dem Saft einer halben Orange abschmeckt.

Nun gibt man alle Zutaten in die Vinaigrette, mischt ordentlich durch, verteilt das Katzagschroi auf vier Tellern und streut klein geschnittenen Schnittlauch darüber.

Fertig.

Dazu passt am besten Weißbrot und ein Schnaiter Wartbühl.

kreativ unternehmen_Teil 1

16. Februar 2012 von Kerstin

(thomas fuhlrott, zait_neue olivenöle)

Mit Thomas Fuhlrott, dem Gründer von zait, sprachen wir bereits über seine Auffassung von Produktqualität und haben erfahren, inwiefern für ihn bei der Entwicklung des Konzepts von zait auch Gedanken des Sozialreformers John Ruskin wesentlich waren. Nach vielen Fakten über Qualität und Haltung fanden wir, jetzt ist die Zeit, einmal ganz zum Anfang zu gehen. Wir haben Thomas Fuhlrott deshalb gefragt, warum er vor über zehn Jahren beschloss, das Konzept von zait zu entwickeln, durch dessen Umsetzung in die Tat er zum Entrepreneur wurde.

K: Thomas, wie war das damals? Wolltest Du schon lange vorher in diese Richtung gehen?

T: Ich hatte nicht schon ganz lange Zeit den Gedanken, ein Unternehmen zu gründen. Das hängt damit zusammen, dass man nicht einfach so plant, Entrepreneur zu werden, wie man vielleicht planen würde, später einmal Anwalt oder Angestellter zu sein. Eine Gründung, wie unsere bei zait, hängt unmittelbar mit der Tatsache zusammen, eine eigene Geschäftsidee zu haben und diese in die Realität bringen zu wollen. Wer keine Idee hat, kommt gar nicht auf den Gedanken einer Gründung. Wozu auch? Es braucht schon eine Art Initialzündung, um Entrepreneur zu werden. Und sicher kommt ein grundlegendes Interesse dazu, selbstständig zu arbeiten.

K: Allerdings gibt es auch genügend Menschen, die sich viele Jahre vornehmen, ein Unternehmen aufzubauen. Sie schauen sich genau den Markt an und gründen dann im Stil von etwas, das es bereits gibt. Anders gesagt, sie kopieren es auf ihre Art mit mehr oder weniger Erfolg.

T: Ja, das gibt es natürlich, aber das hätte uns gelangweilt, und mir hätte dazu auch der Antrieb gefehlt. Der wesentliche Unterschied bei dem Thema Entrepreneurship ist eben: man bringt tatsächlich eine neue Idee, ein neues Konzept sowie andere Sicht- und Vorgehensweisen in die Welt. Man bricht auf, um zu sehen, ob eine bestimmte Sache, und bei uns ist das der Handel mit Olivenöl, anders funktionieren kann und damit gegenüber der bestehenden Situation neue Potenziale aufzeigt. Das ist eine völlig andere Motivation als beispielsweise etwas, das bereits da ist, einfach nur etwas günstiger oder ein bisschen besser anbieten zu wollen. Etwa so, wie in den bekannten Waschmittelwerbungen, in denen die Firmen seit Jahrzehnten behaupten, sie hätten ihr Produkt jetzt noch besser gemacht. Unter uns: wie unglaublich gut müssten diese Produkte heute sein? Außerdem ändert dieser Weg kaum etwas bis gar nichts an den konventionellen Vorgehensweisen. Wir wollten dagegen von Anfang an neue Impulse setzen.

Die Situation gestaltete sich folgendermaßen: durch eine veröffentlichte Studie der EU erfuhren wir, dass Olivenöl das meist gepanschte und verfälschte Lebensmittel im EU-Raum ist. Das und natürlich die Tatsache, dass wir selbst Olivenölfans sind, hat uns dazu motiviert, uns in den Mittelmeerländern ein eigenes Bild zu machen. Wir sind dabei auf sehr qualitätsorientierte Ölproduzenten getroffen, die unter den damaligen Bedingungen selbst keine Möglichkeiten sahen, ihre Produkte erfolgreich auf den deutschen Markt zu bringen. Hinzu kam, dass wir immer mehr bemerkten, wie wenig die EU durch ihre handelspolitischen Entscheidungen auf eine bessere Ölqualität hinwirkt. Sie tut bis heute meist das Gegenteil und verhilft damit entsprechenden Interessengruppen zu Vorteilen. Wie du dir wahrscheinlich denken kannst, profitieren wir als Verbraucher nicht davon.

Diese Aspekte waren damals unsere Initialzündung. Unser Antrieb war und ist, an dieser Situation etwas zu ändern, und das wäre nicht möglich gewesen, wenn wir die bis dahin bestehenden Wege genauso wie alle anderen gegangen wären. Unser Anspruch, eine andere Art, Olivenöl zu handeln erfolgreich in die Welt zu bringen, erforderte in jedem Bereich neue Ideen und Vorgehensweisen. Entwicklung und Umsetzung waren deshalb echte Herausforderungen, und auch heute ist es immer wieder spannend, unser Konzept noch weiter voranzubringen.

K: War Dir während der Entwicklung und Gründung von zait bewusst, dass Du als Entrepreneur agierst? Ich frage auch deshalb, weil viele Menschen die Begriffe Entrepreneur und Unternehmer völlig gleichsetzen.

T: Mir war bewusst: die Figur des Entrepreneurs steht für neue Ideen, Eigenverantwortung und innovative Handlungsweisen, die den ökonomischen Bereich, und nicht allein diesen, verändern und voranbringen. Genau das wollte ich. Unternehmer ist der allgemeine Begriff. Um Unternehmer zu sein, muss man nicht zwingend neue Impulse setzen wollen. Die Wörter Unternehmer und Manager sind allerdings deutlich mehr in unserem Sprachschatz verankert, vor allem in gedanklicher Verbindung mit dem Begriff Business Administration. So denken viele Leute, eine erfolgreiche Unternehmensgründung sei kaum möglich ohne einen Studienabschluss in diesem Fach. Dabei liefert Business Administration, wie das Wort schon sagt, vor allem das »Handwerkszeug« zur Verwaltung eines Unternehmens und sagt allein noch nichts über das Vorliegen einer zündenden und innovativen Idee. Zuviel Ausrichtung an konventionellen betriebswirtschaftlichen Denk- und Vorgehensweisen kann bei der Ideen- und Konzeptentwicklung sogar hinderlich sein, wenn es vom Querdenken abhält. Das hat beispielsweise Anita Roddick, die Gründerin von The Body-Shop, in ihrem Zitat zum Ausdruck gebracht: »Hätte ich Business Administration studiert, ich hätte das Unternehmen niemals gegründet.«

Ende Interview Teil 1.

schöner, erhaltend, erweiternd_Entscheidungen (Teil 2)

12. Januar 2012 von Kerstin

(thomas fuhlrott im interview mit kerstin döweler)

K: Wie sehen Eure Produzenten denn generell Eure hohen Qualitätsanforderungen?

T: Unsere Produzenten haben sich, genau wie wir, ganz bewusst hoher Qualität verschrieben. Und es gibt für sie noch einen weiteren, entscheidenden Faktor: über die Jahre unserer Zusammenarbeit haben wir ihnen kontinuierlich bewiesen, dass sie mit zait einen sicheren Absatzmarkt haben. Ihre Olivenöle werden hier geschätzt und nachgefragt. Das ist natürlich ein großer Ansporn, auch künftig beste Qualität zu liefern. Ein Beispiel: Von unseren Produzenten der Cooperative Cabacés ordern wir seit Jahren neben ihrem sowieso ausgezeichneten Öl auch solches in Bio-Qualität und haben dafür einen festen Kundenkreis aufgebaut. Als ich die Cooperative Cabacés kürzlich besuchte, teilten sie mir mit, aufgrund unserer Nachfrage nach Bio-Öl hätten sie beschlossen, wesentlich größere Teile ihrer Anbauflächen auf komplett biologischen Anbau umzustellen. Es freut uns natürlich, dass wir durch unsere Tätigkeit den wesentlichen Impuls für diese Umstellung gegeben haben.

Jetzt stellt sich die Frage: werden sich künftig auch mehr unserer Kunden entschließen, das Öl in Bio-Qualität zu kaufen? Nur dann sind wir nämlich in der Lage, dauerhaft größere Mengen dieses Öls zu ordern und anzubieten. Man muss dazu wissen, dass die Produktion von Bio-Qualität allein aufgrund der noch aufwändigeren Anbaumethoden dazu führt, dass wir das Öl zwei Euro teurer anbieten müssen als das andere Öl der Cooperative Cabacés.

Wir werden unseren Kunden also detailliert erklären, welche Vorteile die Umstellung auf Bio-Anbau mit sich bringt und inwiefern die Anbau- und Produktionsmethoden mehr Aufwand bedeuten. Wahrschlich werden wir sogar eine Umfrage darüber machen, wie groß das Interesse an Bio-Qualität ist. Und dann liegt es an den Verbrauchern. Wir haben durch unser Handeln den Produzenten aufgezeigt, dass es Sinn hat, hohe Qualität in Einklang mit der Natur zu erzeugen und dies weiter auszubauen. Jetzt müssen die Kunden entscheiden, wie weit sie den Weg mitgehen.

K: Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Geschichte weiterentwickelt, denn das ist ja eine sich heute permanent stellende Frage: sind wir wirklich bereit, für natürliche Produktionsmethoden und nachhaltige Vorgehensweisen mehr Kosten zu tragen, um dadurch zur Erhaltung der Umwelt beizutragen? Bitte halte uns auf jeden Fall auf dem Laufenden und vielen Dank für das Interview.

Rezept  PAPPA COL POMODORO ( Tomaten-Brot-Suppe)

Für 4 Personen

200g Weißbrot | 6 EL Olivenöl | 2 Knoblauchzehen | 400 g geschälte Tomaten | 300 – 400 ml Wasser | 1/2 El Tomatenmark | 1 EL gehackter Majoran | Salz, Pfeffer | 100 gr geriebener Pecorino |

(Brot, Tomaten, Knoblauch schneiden)

(2 Esslöffel Öl in Topf geben, Knoblauch bei mittlerer Hitze goldgelb anbraten, danach aus dem Öl nehmen | Tomaten in kleine Würfel schneiden + zusammen mit etwa 3/4 des Wassers, dem Tomatenmark, dem gehackten Majoran und dem Salz im gleichen Topf aufkochen)


(Brotwürfel dazugeben, Suppe unter häufigen Rühren weiterkochen, bis das Brot aufgeweicht ist. Mit Gabel etwas zerpflücken. Die Suppe soll recht dickflüssig sein.)

(Suppe in die Teller geben, mit schwarzem Pfeffer, Olivenöl und Pecorino bei Tisch servieren)

(fertig.)

schöner, erhaltend, erweiternd_Entscheidungen (Teil 1)

10. Januar 2012 von Kerstin

(interview mit thomas fuhlrott_grünstadt)

Mit Thomas Fuhlrott, einem der kompetentesten Olivenölexperten weltweit, sprachen wir bereits über die Auffassungen des Sozialreformers John Ruskin bezüglich der Qualität von Produkten. Ruskins Ansicht, dass ein Produkt nicht allein deshalb gut sei, weil es sich gut verkauft, sondern den Ausschlag gebe, dass es das Leben erhält und erweitert, ist ein Leitsatz des von Thomas Fuhlrott gegründeten Unternehmens zait. Dementsprechend hat man sich bei zait dafür entschieden, sich dem Handel mit ausschließlich sortenreinem Olivenöl in bester Qualität zu verschreiben

Nun lasen wir vor kurzem Berichte über verfälschtes Olivenöl aus Italien und haben in unserem Umfeld wahrgenommen, dass zahlreiche Olivenölfans irritiert über die Meldungen sind. Das haben wir zum Anlass genommen, mit Thomas Fuhlrott darüber zu sprechen, warum und durch welche Maßnahmen er bei zait kontinuierlich hohe Qualität sicherstellt.

K: Thomas, wie kommt Ihr bei zait Eurem besonderen Qualitätsanspruch nach und warum arbeiten viele andere offensichtlich nicht so wie Ihr?

T: In Bezug auf die Veröffentlichungen über verfälschtes Olivenöl aus Italien möchte ich zunächst etwas Grundsätzliches sagen: viele Menschen wissen bis heute nicht, dass die Bezeichnung nativ extra in Deutschland nur ein Mindeststandard für Olivenöle ist. Nach wie vor kaufen Verbraucher nativ extra-Öle in dem Glauben, sie hätten allein damit eine hohe Qualität, und dem ist eben in den meisten Fällen nicht so. Olivenöl ist innerhalb der EU nach wie vor das meist gepanschte und verfälschte Lebensmittel, und die Politik unternimmt nichts dagegen. Im Gegenteil: allgemeine Qualitätsanforderungen werden weiter gelockert. Das spielt natürlich insbesondere den Profitinteressen der Importeure und Händler in die Hände, die ihre Geschäfte mit großen Mengen billig angebotener Olivenöle machen. Wer beispielsweise im Discounter ein Olivenöl für weniger als drei Euro kauft, bekommt dafür nativ extra, kann aber keine hohe Qualität verlangen. Viele angeblich italienischen Olivenöle sind auch mit billig produzierten Ölen aus Spanien verschnitten. Genau diese meist politisch legitimierten Irreführungen der Verbraucher waren ja für uns ausschlaggebend, zait zu gründen und konsequent einen anderen Weg zu gehen.

K: Jetzt musst Du natürlich erzählen, was Ihr bezüglich der Qualität konkret anders macht.

T: Erst einmal ist es so: wenn Du die entscheidest, die Dinge bewusst anders und besser zu machen, musst Du das konsequent tun. Der Entschluss hat Auswirkungen auf das gesamte Unternehmenskonzept und sämtliche Arbeitsschritte. Bei uns beginnt die Qualitätssicherung damit, dass wir alle unsere Produzenten im Mittelmeerraum persönlich ausgesucht haben und inzwischen seit Jahren persönlich kennen. Ich bin jedes Jahr wieder bei all unseren Produzenten vor Ort, kenne ihre Betriebe genau und weiß, wie dort produziert wird. Jedes Jahr zur Olivenernte bzw. kurz danach fahre ich nach Italien, Spanien, Griechenland und Portugal, um Proben der frisch produzierten Öle zu ziehen und mich mit den Produzenten auszutauschen. Wieder zuhause, teste ich die Öle ein zweites Mal. Anschließend folgt der Test durch das Olivenöl-Panel (Prüfgruppe von professionellen Olivenölexperten), bei dem die einzelnen Öle natürlich anonymisiert sind. Wird auch dort die Qualität bestätigt, folgt als nächster Schritt die Kontrolle durch ein unabhängiges Labor, die wir für alle unsere Öle durchführen lassen. Nur wenn auch dort sämtliche Werte beste Qualität bestätigen, ordern wir die von uns benötigten Mengen bei den Produzenten. Um zu kontrollieren, dass das gelieferte Öl auch tatsächlich der getesteten Probe und Qualität entspricht, ziehe ich stets mehrere Proben, die von mir versiegelt werden. So können wir hier untersuchen, ob Übereinstimmung vorliegt, was übrigens in all den Jahren immer der Fall gewesen ist.

(kerstin döweler_inspiration lounge)

K: Das heißt aber, dass Du jedes Jahr sehr viel reisen musst, um Eurem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Wäre es nicht auch möglich, dass Ihr Euch von den Produzenten die verschiedenen Proben nach Deutschland schicken lasst?

T: Das wäre der konventionelle Weg. Wir sind aber davon überzeugt, dass das nicht reicht. Wenn du hervorragende Qualität haben willst, musst du dich intensiv darum kümmern. Der persönliche Kontakt zu den Produzenten ist dafür äußerst wichtig, auch wenn das wesentlich mehr Aufwand bedeutet. Übrigens gibt es dazu eine schöne Geschichte: Vor einigen Jahren besuchte ich die Cooperative Cabacés, unsere Produzenten in Katalonien. Ich zog Ölproben aus den Tanks und stellte schnell fest, dass das Öl aus einem der Tanks ganz klar die beste Qualität von allen Ölen aufwies. Natürlich wollte ich genau dieses Öl ordern, doch man sagte mir, es sei gar nicht zu verkaufen, da es für einen Wettbewerb bestimmt war. Nun sind wir seit Jahren gute Kunden der Cooperative, und deshalb beschloss der Geschäftsführer dann beim gemeinsamen Mittagessen spontan, dass wir dieses Öl doch bekommen. Wäre ich aber nicht dort gewesen und hätte mit ihm gesprochen, ich hätte von diesem Öl niemals erfahren. Sie hätten mir keine Probe davon geschickt, und das zeigt: du musst selbst vor Ort sein und mit den Menschen reden.

K: Gab es eigentlich auch schon den Fall, dass das Öl von einem Eurer Produzenten mal nicht Euren hohen Anforderung entsprochen und eine Kontrolle nicht bestanden hat?

T: Den Fall hatten wir leider unlängst. In dem sonst ausgezeichneten Öl unserer Produzentin aus Sizilien fanden wir eine zu hohe Konzentration an Weichmachern. Wir haben das Öl dieser Jahresernte daher nicht in unser Programm genommen und unseren Kunden auch gesagt, warum wir das tun. Wenn man sich hoher Qualität verpflichtet, ist diese bewusste Form der Transparenz aus unserer Sicht unerlässlich. Besonders schwierig an der zu hohen Konzentration von Weichmachern war die Tatsache, dass keiner genau sagen konnte, woher sie rührt. Die Produzentin hatte alles so wie in den Jahren zuvor gemacht, und wir fürchteten, dass die Weichmacherbelastung schlicht durch eine Luftverschmutzung aus unbekannter Quelle entstanden sein könnte. Dann hätte die Gefahr bestanden, dass sich die Weichmacherbelastung auch künftig fortsetzt und man nichts dagegen unternehmen kann.

Bei der neuen Ernte war ich jetzt vor Ort. Wir haben die Oliven gemeinsam zur Mühle gebracht, um die gesamten Herstellungsprozesse genau zu überwachen. Nach den ersten Proben zu urteilen, sind nun wieder sämtliche Werte in Ordnung, und wir haben alle aufgeatmet. Aber man sieht, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit ist, um auch solche Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Und es ist manchmal nicht ganz einfach, wenn man bedenkt, dass dabei Menschen mit unterschiedlichen Sprachen und aus unterschiedlichen Kulturen zusammentreffen.

(Ende Teil 1)

schöner, erhaltend, erweiternd_teil 3

11. Oktober 2011 von Kerstin

(interview mit thomas fuhlrott_zait | kerstin döweler_inspiration lounge, teil 3)

K: Zur nächsten Frage: Ist es denn vorstellbar, dass sich an dieser von Dir erwähnten Hürde etwas ändert? Dass Menschen einfach gute Produkte im Sinne von Ruskin bevorzugen, auch ohne ausgeprägtes Bewusstsein dafür?

T: Wir haben bei zait natürlich Kunden, die unsere Öle kaufen, weil sie ihnen einfach gut schmecken und gesund sind. Auch insgesamt betrachtet wäre eine niedrigere Hürde ein wichtiger Schritt, um die Nachfrage zu verbreitern und die Weiterentwicklung entsprechender Unternehmen zu ermöglichen. Das würde auch heißen, diese Art ökonomischen Handelns auch für diejenigen interessanter zu machen, die heute beispielsweise noch auf Produktionen unter Verursachung sozialer und ökologischer Missstände setzen. Allerdings müssen dorthin noch Wege entwickelt werden, die bisher in größerem Umfang nicht zu sehen sind.

K: Aber auch in den Personenkreisen, die schon ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Grundwerte »schöner, erhaltend und erweiternd« haben, könnten doch sicher noch mehr Menschen erreicht werden?

T: Ja, stimmt. Dann muss aber mehr dafür getan werden, dass man die Unternehmen schneller finden kann, die nach diesen Wertmaßgaben arbeiten und neue, andere Impulse innerhalb ökonomischer Strukturen setzen. Hinzu kommen andere Fragen der Erreichbarkeit. Ein Beispiel: Sicher ist es gut, wenn jetzt bei Euch in Köln mehr Bio-Höfe am Rande der Stadt ihre Produkte auf dem eigenen Hof verkaufen. Das ist ein neues Angebot, gute Produkte dort zu bekomen, wo es auch Transparenz und den Kontakt zum Produzenten gibt. Doch es ist klar, dass nicht jeder Stadtbewohner raus auf die Bio-Höfe fahren kann. Viele werden das auch in Zukunft nicht tun, schon weil sie daran gewöhnt sind, zum Einkaufen in die Stadt oder nur um die nächste Ecke zu gehen. Die Frage ist daher, wie auch innerhalb der Städte Standorte aufgebaut werden können, die es leichter machen, gute Produkte kennen zu lernen, auszuprobieren und auch im Alltag einfach zu erreichen und einzukaufen. Eines ist doch sicher: es wird diese Produkte nicht mal schnell in den herkömmlichen Supermärkten geben. Dort dominiert die Lebensmittelindustrie.

K: Weil wir gerade bei Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind: wie sieht es denn für Unternehmen aus, die sich wie zait den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« verpflichten? Der Begriff der Grenzen des Wachstums ist ja heute einerseits aktuell, während Politik und Wirtschaft immer noch das permanente Wachstum beschwören.

T: Bei uns und auch anderen Unternehmen, die ich kenne, sind die Möglichkeiten zu wachsen klar begrenzt. Auch das hängt wieder mit den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« zusammen. Wir können nicht immer größere Mengen Olivenöl handeln, schon weil es Zeit und Aufwand bedeutet, Olivenöl in ausgezeichneter Qualität zu produzieren. Wollten wir innerhalb kurzer Zeit viel größere Mengen verkaufen, würde die Qualität leiden. Vieles, was wir heute tun, wofür wir uns engagieren, könnten wir so nicht mehr machen. Und das wollen wir nicht.

K: Ich merke deutlich, wir Verbraucher sollten uns auf folgende Dinge einstellen: wenn wir gute Produkte haben wollen, müssen wir, jedenfalls noch momentan, eingehender danach forschen, wer diese Produkte anbietet. Es kann ja auch richtig Spaß machen, solche Menschen und Produkte zu entdecken und die Entdeckungen mit anderen auszutauschen, statt immer auf denselben Wegen in dieselben Supermärkte zu gehen.

Und was die Definition von »erfolgreich« am Markt angeht, wäre wohl ebenfalls ein Perspektivenwechsel fällig. Neue Impulse, die Einhaltung wichtiger Grundwerte und daran orientiertes Wachstum statt immer nur mehr verkaufen und immer größer werden um jeden Preis. Es wird ja immer deutlicher, wohin uns diese altbekannte Auffassung von Erfolg gebracht hat und bringen kann.

T: Das sehe ich auch so.

K: Thomas, vielen Dank für das Interview.

Zum Interview, wie versprochen, hier das von uns erprobte Rezept für einen wunderbaren, einfach herzustellenden Appetizer oder gleich eine ganze Mahlzeit.

REZEPT

Sehr lecker auf geröstetem Weissbrot ist diese Tomatenpaste mit Knoblauch.


Dazu reibt man frische Tomaten mit einer Handreibe


oder entsprechenden Einsatz im Mixer oder verwendet wie wir einen Pürierstab.


Dem Tomatenbrei gibt man ein Drittel zait-Olivenöl aus Katalonien zu und würzt das Ganze nach Belieben mit Knoblauch aus der Presse, Salz und Pfeffer.

Guten Appetit!

Interview Teil 1

Interview Teil 2

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