Tag: Ökologie

insideBIO

03. Juni 2012 von Kerstin

(insightBIO)

Am Center for Economics and Neuroscience in Bonn untersuchten Psychologen und Hirnforscher in letzter Zeit, wer weshalb Bio-Lebensmittel kauft und wie das Label Bio dabei auf unsere Psyche wirkt. Zahlreiche Testpersonen wurden dafür mittels Kernspintomograph untersucht, während sie als Bio ausgezeichnete Lebensmittel probierten oder ihnen Bilder von entsprechenden Obst- und Gemüsesorten gezeigt wurden. Danach wurde der Test mit Lebensmitteln wiederholt, die den Getesteten als konventionell erzeugt beschrieben wurden.

Ergebnis: bereits der Anblick von Lebensmitteln, die mit dem Label »Bio« ausgezeichnet sind, aktiviert die im Gehirn lokalisierten Belohnungssysteme deutlich stärker als ein Blick auf konventionelle Ware. Kein Wunder also, dass die Testpersonen bei anschließenden Befragungen auch angaben, sie seien bereit, für Bio-Ware mehr zu zahlen – und zwar durchschnittlich bis zu 40% mehr.

Dann läuft ja eigentlich alles super, könnte man denken. Menschen fühlen sich von Bio-Produkten deutlich mehr angesprochen und sehen auch ein, dass ökologisch erzeugte Lebensmittel aufgrund des meist höheren Produktionsaufwands und geringerer Produktionsmengen nur für einen höheren Preis zu erwerben sind. Werden sich die Käuferströme daher künftig immer mehr in Richtung derjenigen Produzenten aufmachen, die es wirklich ernst meinen mit ihrem Anspruch, in Einklang mit der Umwelt und dem sozialen Umfeld zu wirtschaften? Oder auf uns Käufer gemünzt: werden wir uns, schon aufgrund unserer Hirnströme, direkt bei den Anbietern mit den besseren und nachhaltigeren Unternehmenskonzepten einfinden?

Ganz so einfach wird es dann wohl doch nicht. Forscher aus den USA fanden nämlich fast zeitgleich heraus, dass unsere Hirne lägst nicht so rational reagieren, wie wir es uns gerne vorstellen. In langfristig angelegten Studien ließ man zahlreiche Probanden verschiedene Lebensmittel, teils als Bio, teils als konventionell ausgewiesen, testen und fragte nach den Geschmackserlebnissen. Der überwiegenden Zahl der Testpersonen schmeckten die mit einem Bio-Label versehenen Lebensmittel deutlich besser als die anderen. Nur: die getesteten Lebensmittel, beispielsweise die Fruchtsäfte einer Testreihe, stammten in Wirklichkeit stets aus ein und derselben Produktion, und diese war in der Hälfte der Tests gar nicht »bio«. Hier also wieder ein Rückschluss auf das Ergebnis des Center for Economics and Neuroscience. Man fühlt sich schon besser, wenn man nur ein Bio-Label sieht, das einem dann auch durch seine positive Belegung suggeriert, man nehme das bessere Lebensmittel mit dem besseren Geschmack zu sich – auch wenn das unter Umständen gar nicht stimmt. Es lebe das Image.

Man kann sicher sein, dass gerade die Verantwortlichen der großen Lebensmittelkonzerne diese Forschungsergebnisse sehr aufmerksam lesen werden. Zeigen diese doch gleich mehrere interessante Fakten: 1. Käufer sind mehrheitlich allein aufgrund eines Bio-Labels schnell überzeugt, ein besseres, gesünderes Lebensmittel zu kaufen und fühlen sich dabei besser ­– auch wenn Bio-Label nicht gleich Bio-Label ist und längst auch die großen Discounter »bio« auf einen Teil ihrer Ware schreiben. 2. Wir können überwiegend nicht am Geschmack unterscheiden, ob wir tatsächlich ein ökologisch sinnvoll erzeugtes Lebensmittel zu uns nehmen. 3., und sicherlich ganz entscheidend: allein aufgrund eines »Bio«-Images sind Käufer bereit, bis zu 40% mehr zu zahlen als für entsprechende konventionell erzeugte Lebensmittel. Es gibt daher ordentlich Geld zu verdienen.

Also werden die Konzerne ihre Marketingmaschinen noch stärker anwerfen als zuvor, um zumindest einem Teil ihrer Produkte ein noch viel grüneres Image zu verleihen. Sie werden alle Medienkanäle nutzen, denn im Gegensatz zu vielen kleineren Unternehmen, die recht neu am Markt mit ihren ökologisch ausgerichteten Konzepten tatsächlich einen Unterschied machen, verfügen sie über große Werbebudgets. Und natürlich werden sie jede Menge Produkte entwickeln und auf den Markt bringen, die nur den Bio-Labeln mit den allergeringsten Anforderungen gerade so genügen. So lassen sich mit möglichst wenig Aufwand viele Menschen überzeugen, die geschmacklich sowieso keinen Unterschied erkennen. Das, zusammengenommen mit der sowieso vorhandenen Marktposition und Vertriebsstruktur der Konzerne sorgt dann dafür, dass diejenigen Anbieter, die sich mit ihren Gesamtkonzepten bewusst für die Einhaltung strengerer ökologischer und sozialer Anforderungen entschieden haben, auch künftig eher an die Seitenränder verwiesen werden. Also alles wie gehabt?

Auch nicht ganz, denn Nischen kann man nutzen und ausbauen. Das gilt einmal in der Hinsicht, dass wer wirklich besser produziert und liefert, es auch ohne Riesenbudget transparent machen kann. Es gibt zahlreiche wissenswerte Fakten, die uns Käufern mitgeteilt werden können und nicht nur lediglich »Hintergrundinformationen« sind, sondern uns die oft erheblichen Unterschiede in Denk- und Vorgehensweisen besser begreifen lassen. Also das konsequent und interessant zeigen, was kein Konzern, kein Discounter je zeigen könnte. Und wir Käufer? Wir können natürlich aus der Bequemlichkeit aufbrechen, um zumindest besser über die verschiedenen Bio-Labels Bescheid zu wissen, wir können deutlich bewusster auswählen und hinterfragen. Doch wie oft ist der Geist willig, aber das Fleisch schwach. Oder es fehlen uns tatsächlich entscheidende Informationen. Eines jedenfalls machen wir Interessierten heute schon überzeugend: wir erzählen unserem Umfeld gerne spannende Geschichten über Menschen, die mit besonderen Ideen Wege finden, auch in Produktion und Handel, die für uns, unser Umfeld, ihr Umfeld, die Umwelt, die Welt selbst tatsächlich besser und schöner sind als diejenigen, die wir bereits nutzen.

Wie wäre es, wenn wir Wege entwickeln, dieses Ergebnis aus der eigenen »Verhaltensforschung« künftig einfach noch viel besser in unserem Sinne und mit unseren Mitteln einzusetzen als bisher?

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Inspiration Lounge goes ART COLOGNE presents: Weingut Sander

16. April 2012 von Chris

(Weingut Sander)

Am 19. und 20. April wird das Weingut Sander unsere Inspiration Lounge goes ART COLOGNE mit ausgesuchten Weinen begleiten.

Die Geschichte des Weingut Sander in Mettenheim (Rheinhessen) geht bis in das Jahr 1726 zurück und beinhaltet so manche Pioniertat. Stefan Sander und seine Familie verbinden seit vielen Jahren ihr Bewusstsein für die eigene Weinbaukultur und den eigenen Weg mit guter Beobachtungsgabe und Querdenken.

Bereits der Großvater von Stefan Sander, Ottoheinrich Sander, war vor mehr als 50 Jahren zu der Überzeugung gekommen, dass der bisherige Weg der Weinbergsbewirtschaftung früher oder später in die Sackgasse führen musste. Die Probleme der Monokultur, der Bodenerosion und Humusverarmung sowie der Anfälligkeit der Trauben für Schädlinge begriff er als Herausforderung. Gemäß seiner Überzeugung »Gesunde Reben wachsen nur auf gesunden Böden« wagte er daher etwas Neues und setzte auf naturgemäßen Weinbau, um die negativen Folgen der Monokultur zu reduzieren. Eine Arbeitsweise, die damals oft belächelt wurde.

(Stefan Sander)

Auch heute wird im Weingut Sander zugunsten der Weinqualität ganz bewusst auf hohe Erträge verzichtet. Stefan Sander verwendet höchste Aufmerksamkeit darauf,  jedem Weinjahrgang seine besondere Qualität zu verleihen und dabei den jeweils spezifischen Lagencharakter immer weiter herauszufeilen. Selbstverständlich erfolgt der Ausbau der Weine damals wie heute nach den modernsten Erkenntnissen der Önologie. Es zeugt gleichzeitig von einem Sinn für Tradition, wenn Stefan Sander sich heute in der Verantwortung gegenüber den vorangegangenen und den kommenden Generationen sieht. »Ich habe ungefähr 30 Jahre, um hervorragende Weine zu machen. Das ist nur ein kleiner Stein in unserer Weinbaugeschichte. Und ja, wenn man bedenkt, dass unsere Reben mit zur Familie gehören, kann man wirklich sagen: wir ziehen hier viele Kinder groß.«

Dass Leidenschaft und Qualitätsdenken ein guter Weg sind, lässt sich im Weingut Sander bestens ablesen: zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen sprechen für sich. Wer sich gerne selbst überzeugen will, fährt nach Mettenheim und kostet. Oder er kommt am 19. und 20. April ab 19.00 Uhr zu unserer Inspiration Lounge goes ART Cologne. Stefan Sander hat für uns ausgezeichnete Weine ausgewählt.

Inspiration Lounge goes ART COLOGNE

Weine vom Weingut Sander aus Mettenheim (Rheinhessen) am 19. und 20. April 2012, ab 19.00 Uhr

in der Emmanuel Walderdorff Galerie |  Jülicher Str. 27 |  Köln

(Inspiration Lounge goes ART COLOGNE; 19.4 bis 20.4. 2012)

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Ein Teil vom Ganzen

29. Januar 2012 von Kerstin

(Was wollen wir mehr, oder?)

Wenn man sich intensiv mit einem bestimmten Thema befasst, stellt sich gerne selektive Wahrnehmung ein. Genau diese ließ mich vor einiger Zeit das Buch Small is Beautiful des Wirtschaftswissenschaftlers Ernst Schumacher entdecken – ein echtes Gesamtkunstwerk, wie ich finde.

Bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts beschrieb Schumacher darin eindringlich eine aus seiner Sicht grundlegende Ursache für die Tatsache, dass wir einerseits Wohlstand, Lebensqualität und Sicherheit erstreben, während wir dadurch andererseits zunehmende Fehlentwicklungen lostreten: wir haben unser Bewusstsein für unsere sozialen und ökologischen Einbindungen aus den Augen verloren. Ausgestattet mit Wissen und Technik seien wir so überzeugt von unserer herrschenden Position, dass wir dabei über Jahrhunderte einen wesentlichen Aspekt vergessen hätten: wir sind nur ein Teil des Ganzen.

Als ich das las, begann ich mir vorzustellen, wie wir auf die Dinge und Abläufe in unserem Alltag blicken würden, wenn wir das Bewusstsein für unsere Einbindungen wieder mehr kultivierten. Was könnte passieren? Ich fing bei einem Gedanken an, der ebenfalls auf Ernst Schumachers Werke zurückgeht: »Wir könnten uns endlich von der Ansicht befreien, wir hätten unsere Probleme betreffend die Produktion von Gütern seit Jahrzehnten gelöst.« Tatsächlich leben wir hier und heute im Güterüberfluss und sind, mit dem Verweis auf unser Mantra Wirtschaftswachstum angehalten, mehr zu kaufen und zu konsumieren. Auf dem Weg zur Arbeit nehmen wir einen Coffee to go, im Supermarkt wählen wir zwischen Tausenden Produkten, wir nutzen Autos, Computer und Smartphones, bestellen Bücher im Internet. »Es herrscht an nichts Mangel. Es geht uns gut. Was wollen wir mehr, oder?«

Tatsächlich stößt man relativ schnell auf eine Mangelsituation, wenn man unsere sozialen und ökologischen Einbindungen sowie uns selbst als Teil des Ganzen in die Situation hineindenkt. Angenommen, jeder von uns betrachtet für nur einen Tag die Dinge, die ihn umgeben, die er zu sich nimmt etc.; wie viele davon beruhen auf erneuerbaren Rohstoffen und Energien und belasten nicht, sondern erhalten die Welt. Bei welchen wissen wir genau, dass sie unter sozialen Bedingungen hergestellt werden, die zumindest in Ordnung sind? Angenommen unsere Aufgabe wäre jetzt, ausschließlich Dinge zu verwenden, die diesen Anforderungen genügen – wäre es immer noch so völlig problemlos und alles wie gewöhnt, das zu beziehen, was wir kennen, brauchen und haben wollen. Die Antwort ist einfach: Nein. Denn erstens ist es oft schwierig, solche Güter zu finden. Sie stehen nur selten im Supermarkt an der Ecke und ihre Namen werden nicht durch die Medien in unsere Augen und Ohren gespült. Zweitens: es gibt hier und heute unglaubliche Lücken, in denen nicht nur die entsprechenden Güter fehlen. Es gibt auch keine ernsthaften Anstrengungen, daran wirklich etwas zu ändern. (Wem jetzt dazu kein Beispiel einfällt, der schaue einfach das Produkt an, vor dem er gerade lesend sitzt.)

Ganz offensichtlich trifft zu, dass wir die grundlegenden Produktionsfragen trotz aller Technik, allem Fortschritt und allem Wissen über die Fehlentwicklungen bis heute nicht gelöst haben. Seltsam, dass wir uns nicht viel mehr darüber wundern. Noch seltsamer, mit welcher Geduld (oder Desinteresse?) wir zuschauen, während immer weiter Produkte entwickelt werden, die nur den schon bekannten Überfluss befördern. Am seltsamsten allerdings ist, dass wir nicht viel mehr darüber nachdenken, an welcher Stelle man selbst eine Lücke schließen und mal zu echtem Fortschritt beitragen könnte.

Liegt es daran, dass wir die Lücken nicht sehen, obwohl doch so viele nach Marktlücken suchen? Oder liegt es auch an der Art und Weise, in der wir gewohnt sind, Ideen zu entwickeln?

Mehr in Teil 2.

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