Tag: Leben

Inspiration Lounge TALKS 2013_Dr. George Berbari

14. Mai 2013 von Chris

dr. berbari(My Way)

Der New Yorker Psychiater und Hirnforscher Dr. George Berbari erklärte im Rahmen seines Interviews, warum wir, selbst wenn wir es besser wissen, immer wieder Schwierigkeiten haben, unsere Denk- und Handlungsroutinen aufzubrechen. Warum ist es oft so schwer, neue Wege zu gehen, die in Einklang mit uns selbst, unserem Umfeld und der Umwelt sind. Einerseits ist natürlich die Anpassung an gesellschaftliche, kulturelle Regeln und Verhaltensweisen ein Faktor, der unser tägliches Leben ganz wesentlich beeinflusst. Er hindert oft, aus gewohnten, allseits bekannten und akzeptierten Wegen auszuscheren und Neues zu probieren. Zu stark ist unsere Befürchtung, »aus dem Rahmen« zu fallen.

dr. george berbari(Dr. George Berbari_Hirnforscher | Psychiater)

Andererseits ist auch unser Gehirn von Denk- und Handlungsroutinen geprägt. Solange wir weitestgehend unbewusst agieren, greift es auf gespeicherte, gelernte Abläufe zurück. Es an neue Vorgehensweisen oder Dinge zu gewöhnen, braucht seine Zeit und damit unsere Geduld sowie beständiges Lernen bzw Einüben. Nur so können neue Abläufe dauerhaft im Gehirn, d.h. seinen Strukturen verankert und »akzeptiert« werden. »Angesichts eines von so vielen heute verspürten, ständigen Zeitdrucks ist es allerdings schwer, den Menschen beizubringen, dass »Self-Awareness«, also »Erkennen des eigenen Wesens und darauf beruhendes Gehen des eigenen Wegs« etwas ist, das man nicht innerhalb einer Woche oder in einem kleinen Seminar lernen kann.«

»Wichtig ist, sich als Mensch selbst kennen zu lernen.« Zu wissen, welche Fähigkeiten, Interessen, Ideen, Blickwinkel und Werte einen besonders ausmachen und sich damit tatsächlich als Individuum zu erfahren. Das klingt zunächst recht einfach, das zu tun, erfordert allerdings immer wieder bewusstes, aufmerksames Betrachten der eigenen Perspektiven, des eigenen, normalerweise überwiegend von Emotionen gesteuerten Handelns. Bewusstes Beobachten und Reflektieren verlangen einen wachen, aufmerksamen Geist. Abgelenkt von zahlreichen Dingen, wie viele Menschen es heute sind, fehlt es natürlich oft an genau dieser Voraussetzung. Dazu kommt, dass man immer, wenn man Neues beobachtet und ausprobiert, natürlich auch Fehler machen kann, und wir haben gesellschaftlich »gelernt«, dass Fehler schlecht sind. Das macht uns zögerlich und verursacht Stress, wenn wir uns nicht entscheiden können, wie wir denken und handeln sollen, ob wir etwas Neues wagen oder nicht. Wir wollen alles richtig machen. Doch wir müssen akzeptieren, dass Fehler auf dem Weg zur »Self-Awareness« nicht nur unumgänglich sind, sondern wichtig, um bewusst daraus unsere Schlüsse zu ziehen und damit auf dem eigenen Weg ein Stück weiter zu gelangen. Ich rate daher allen Inspiration Lounge TALKS-Besuchern: wenn Sie etwas finden, dass Sie wirklich interessiert, eine Idee, die sie vorantreibt, gehen Sie der Sache nach, schreiten sie zur Tat, hadern sie nicht. Unser Gehirn hilft uns auch bei Fehlern weiter, denn wir können nicht nur daraus lernen, wir können letztlich auch vergessen. Eine durchaus wichtige Funktion auf dem eigenen Weg.

übersetzung(Übersetzungen)

Und wie wäre es, wenn Wege zur »Self-Awareness« schon in der Schule gelehrt würden?, wollten wir von Dr. Berbari wissen. Seine Antwort: »Da sehe ich keine Chance, auch wenn das eine gute Idee wäre. Wir haben, von unserem Forschungsbereich ausgehend, so oft Versuche gemacht, auf die Notwendigkeit des Erlernens von »Self-Awareness« hinzuweisen; wir haben deutlich gemacht, wie sehr dieses Selbst-Erkennen Menschen dabei hilft, den eigenen, einzigartigen Weg im Leben zu finden und damit auch die eigenen Fähigkeiten in Anwendung zu bringen und eine größere Lebenszufriedenheit zu erlangen. Wir haben aufgezeigt, wie sehr Selbst-Erkennen dabei unterstützt, ausgehend vom Begreifen des eigenen Wesens, ebenfalls mehr Verständnis für die Eigenarten, Denk- und Verhaltensweisen anderer aufzubringen oder die eigene Einbindung in unsere Welt zu begreifen, was uns allen weiterhelfen würde. Doch niemand von den verantwortlichen, öffentlichen Stellen war und ist bereit, dafür Geld aufzuwenden oder auch nur entsprechende Änderungen in den Bildungssystemen anzudenken.

Und wie kann der eigene, persönliche Weg raus aus Routinen aussehen, die uns meist gegen uns selbst und unsere Lebensgrundlagen handeln lassen? Wie kommt man im Einzelfall und ganz konkret zu mehr Self-Awareness, d.h. Selbsterkenntnis? Die Beantwortung zahlreicher individueller Fragen stand nach dem Interview natürlich in persönlichen Gesprächen an.

Film-Interview_Dr. George Berbari

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Inspiration Lounge TALKS 2013_Christian Feike

09. Mai 2013 von Chris

christian feike(Christian Feike_investinlife // Wasser)

Nach diesen persönlichen und künstlerischen Perspektiven auf die lebenswichtige Ressource Wasser schloss sich das Interview mit Christian Feike von investinlife an, der als Finanz- und Versicherungsmakler bewusst und ausschließlich über grüne Anlage- und Absicherungsmöglichkeiten berät. Da das Interesse und das Engagement für den nachhaltigen Umgang mit unseren wichtigen Lebensgrundlagen Christian Feike sowohl beruflich als auch privat vorantreiben, lag es nah, ihn im Rahmen seines Interviews um seine Blickwinkel und Haltungen zu den aktuellen, weltweiten Entwicklungen zum Thema Trinkwasser zu bitten. Was also geht vor und warum sollten wir aufmerksamer werden und handeln?

Gleich zu Beginn lenkte Christian Feike die Aufmerksamkeit der TALKS-Besucher auf Aussagen des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Nestlé-Konzerns, Peter Brabeck-Letmathe, zum Thema Trinkwasser. In einem Interview hatte Peter Brabeck-Letmathe geäußert, es gebe zwei Auffassungen über Wasser. Die eine, vertreten von vielen NGOs und sehr extrem: Wasser ist ein lebenswichtiges Gut und müsse daher auch ein öffentliches Recht sein. Er persönlich ist dagegen der Meinung, Wasser sei ein Lebensmittel wie jedes andere auch, und daher müsse man ihm einen bestimmten Wert und Preis geben, damit jeder weiß, dass es auch etwas kostet. Für diejenigen, die es sich dann nicht leisten könnten oder die keinen Zugang dazu hätten, könnte man ja irgendwelche speziellen Lösungen finden. (Welche, sagt Peter Brabeck-Letmathe nicht.)

christian feike_wasser(Interviewpartner Christian Feike bei die Inspiration Lounge TALKS 2013)

Warum ist es Christian Feike so wichtig, diese Äußerungen weiterzugeben? »Weil ich darauf hinweisen möchte, dass der Nestlé-Konzern, der größte Abfüller von Trinkwasser weltweit, sich schon seit vielen Jahren insbesondere in bis dahin öffentliche, kommunale Wassernetze einkauft, um Trinkwasser abzuziehen, abzufüllen und es danach unter verschiedenen Markennamen in den Handel zu bringen.« (Beispielsweise Pure Life, inzwischen auch bei uns in vielen Supermärkten erhältlich.)

Was ist daran zu kritisieren, fragen wir und die Besucher der Inspiration Lounge TALKS. »Es beginnt damit, dass der Nestlé-Konzern ein Vermögen damit verdient, den Menschen Trinkwasser, abgefüllt vor allem in Plastikflaschen, teuer zu verkaufen, während der Konzern beim Zapfen von öffentlichen bzw. ehedem öffentlichen Wasserquellen gemessen daran einen sehr kleinen Preis zahlt. Aber das ist natürlich nur der Anfang. Das große Problem liegt darin, dass durch die Wasserentnahme von Nestlé vielen Anwohnern, die auf eine Versorgung mit ausreichendem Wasser angewiesen sind, genau dieses ausgeht. Das trifft insbesondere Menschen in armen Gegenden der Welt besonders hart und lebensbedrohlich. In südafrikanischen Townships haben die Menschen keinen öffentlichen Wasserzugang mehr, während Fabriken des Nestlé-Konzerns in der Nachbarschaft das Brunnenwasser abziehen und abfüllen. Die Anwohner werden auf die Möglichkeit verwiesen, das Flaschenwasser zu kaufen, das allerdings für die meisten Menschen dort in den benötigten Mengen unerschwinglich ist. In indischen oder südamerikanischen Gemeinden genau das Gleiche, oft verschärft dadurch, dass den ansässigen Bauern auch kein Wasser mehr für ihre Felder zur Verfügung steht. So können sie nichts mehr anbauen, verlieren ihre Arbeit und ihre Lebensgrundlagen, während Nestlé das dort billig eingekaufte Trinkwasser teuer an diejenigen Menschen verkauft, die es sich leisten können. Es ist wichtig, dass mehr und mehr Leute das wissen und es auch wieder in ihrem eigenen Umfeld weiterverbreiten. Es geht darum, diese Entwicklung aufmerksam zu beobachten und entsprechend zu agieren, wenn wir diese Vorgehensweise nicht weiter unterstützen wollen.

christian feike, kerstin döweler(Christian Feike im Gespräch mit Kerstin Döweler_Thema Nestlé)

Was schägt Christian Feike vor? »Da ist erst einmal die Tatsache, dass wir alle diese Entwicklung mit unserem Konsumverhalten unterstützen, solange wir die entsprechenden, abgefüllten Wasser kaufen. Das eben nicht weiter zu tun, ist ein einfacher, für jeden hier machbarer Schritt. Dann geht es darum, davon auch andere Menschen zu überzeugen, jeder in seinem eigenen Umfeld. Nur dadurch können wir etwas in Gang setzen.«

Wie ist es mit den aktuellen Entwicklungen zum Thema Trinkwasser innerhalb der EU, wollten wir weiter wissen. Christian Feike berichtet dem Publikum daraufhin von den EU-Bestrebungen, den Trinkwasserbereich immer weiter zu privatisieren. »Auch hier geht es wieder darum, dass die Infrastrukturen rund um die Trinkwasserversorgung nach und nach in Privathand gebracht werden sollen, weil das angeblich kostengünstiger und besser für uns alle sein soll. Nur: in Gegenden, in denen sich große Privatunternehmen bereits in die Wasserversorgung eingekauft haben, ist die Wasserqualität oft deutlich schlechter geworden, während die Preise steigen. Längst sind einige Kommunen daher dazu übergegangen, ihre Wasserinfrastruktur in aufwändigen Verfahren wieder zurückzuerwerben. Paris und Stuttgart sind solche Beispiele. Noch dazu sind die Gutachten, die innerhalb der EU als Entscheidungsgrundlage für eine Privatisierung dienten, durch ein Gremium erstellt, das ganz überwiegend aus genau den Großunternehmen besteht, die von einer Privatisierung deutlich profitieren. Es geht darum, über diese Vorgänge informiert zu sein und genau zu betrachten, was hier passieren wird, falls es so weitergeht. Die bisher öffentliche Wasserversorgung und damit verbundene Infrastrukturen sind über viele Jahre von uns Bürgern finanziert und sie haben in öffentlicher Hand für uns alle funktioniert. Unsere Wasserqualität ist gut. Nun erzählt man uns, dass Privatunternehmen all das besser organisieren können, weil der Markt es angeblich stets besser richtet. Das müssen wir viel mehr hinterfragen, diesen Konsens des Gewohnten, der uns immer wieder begegnet. Und wir müssen die eigene Bequemlichkeit ablegen und uns aktiv einmischen. Das ist unerlässlich, wenn wir an Entwicklungen etwas ändern wollen, die auf Druck von Konzernen erfolgen, die im Bereich Trinkwasser einfach ein Riesengeschäft sehen. Was wollen wir heute und in Zukunft: Trinkwasser für alle Menschen, weil es unsere wichtigste Lebensgrundlage ist. Oder Wasser als Produkt wie alle anderen, in den Händen von Unternehmen, die ausschließlich mit Profitmaximierungsausrichtung arbeiten und dafür viele Menschen von einem für sie erschwinglichen Zugang zu Wasser abschneiden?«

klare worte_christian feike(»Wir müssen handeln_lasst Nestlé Produkte in den Regalen.«)

Es liegt auch an uns, die wir uns hier alle treffen. Informieren Sie sich, beispielsweise über die Initiative right2water.de. Geben Sie ihr Wissen und ihre Meinungen in ihrem Umfeld weiter. Schauen Sie auf die Entwicklungen in ihrer eigenen Kommune und lassen Sie uns alle legalen Wege nutzen, die möglich sind, damit Wasser eben kein Produkt wird wie jedes andere wird. Es bringt nichts, den Entwicklungen nur zuzuschauen.

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Inspiration Lounge TALKS 2013_Eva Ohlow

07. Mai 2013 von Chris

eva ohlow(Eva Ohlow_Inspiration Lounge TALKS 2013_Wasser)

Im Rahmen dieser Inspiration Lounge TALKS stand gleich zweimal das Thema Wasser im Mittelpunkt des Interesses – und das aus gleich mehreren guten Gründen. Nicht nur, dass die aktuelle Entwicklung in Europa zu diesem Thema, nämlich das EU-Bestreben, die komplette Trinkwasser-Infrastruktur zu privatisieren, klaren Anlass zu aufmerksamer Beobachtung, zu deutlichem Hinterfragen und legalem Protest gibt. Es geht vor allem auch darum, einen bewussteren Bezug zu dieser für uns lebensnotwendigen Ressource Wasser herzustellen und die für uns große Selbstverständlichkeit im Umgang damit aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.

eva ohlow, kerstin döweler(Kerstin Döweler im Gespräch mit der Künstlerin Eva Ohlow)

Wir freuten uns daher, dass sowohl die Künstlerin Eva Ohlow als auch Christian Feike, der Mitbegründer und Mitgesellschafter von investinlife zugesagt haben, den Besuchern der TALKS 2013 wichtige Impulse zum Thema Wasser mit auf den Weg zu geben.

Die Künstlerin Eva Ohlow, die in ihren Arbeiten immer wieder die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Menschen ins Blickfeld bringt, wurde insbesondere während ihrer vielen Reisen mit dem Thema »Lebensgrundlage Wasser« konfrontiert. Sei es in Indien oder in afrikanischen Staaten wie beispielsweise Burkina Faso oder Mali – immer wieder erlebte sie hautnah mit, wieviel Mühe es den Menschen dort bereitet, sich ausreichend mit Wasser zu versorgen. Frauen tragen Wasserbehältnisse, die oft aus alten Autoreifen oder anderem recycelten Materialien gefertigt werden, über viele Kilometer bis zu ihren Wohn- und Arbeitsstätten. Eine zeit- und arbeitsintensive Beschäftigung, die uns – gewohnt nur den Wasserhahn aufzudrehen – völlig fremd erscheint.

gäste(Full House)

Anhand von zahlreichen Fotos, die sowohl die seltenen Wasserstellen zeigten als auch vom permanenten Wassermangel geprägte Landschaften und Städte, erläuterte Eva Ohlow während ihres Inspiration Lounge Interviews den Besuchern ihre direkten Eindrücke von einer uns so fernliegenden Welt, in denen täglich und oft ganz im direkten Sinne des Wortes um jeden Tropfen Wasser gekämpft wird. Auf Nachfrage erzählte die Künstlerin auch, wie sie selbst am eigenen Leib die Wasserknappheit erlebte, als bei einem ihrer Afrikaaufenthalte aufgrund einer Stromsperre kein Wasser mehr zugänglich war. »Wie es mir ging? Nach kurzer Zeit und in dieser Hitze kippt ich um. Mein Körper brach einfach zusammen und das hat mir sehr klar vor Augen geführt, wie wichtig Wasser für uns Menschen, für alles Leben ist. Wir haben das hier in unseren Breitengraden nur nicht so unmittelbar vor Augen. Doch wenn sie einmal wirklichen Wassermangel, wirklichen Durst erleben, wenn sie sehen, wie Menschen die Ernte, das Einzige, was sie haben, verdorrt, weil sie ihre Felder nicht mehr bewässern können. dann wissen sie, dass Wasser die wichtigste Lebensgrundlage ist, die wir viel mehr schätzen und auf die wir aufpassen müssenn. Im Interesse von uns allen.«

Geprägt von diesen Gedanken sind auch die künstlerischen Werke von Eva Ohlow, die es dazu im Rahmen der Inspiration Lounge TALKS zu sehen gab: aufwändige Fotoarbeiten von alten Wasserhähnen. Für die Fotos war Eva Ohlow vor allem in alten Kölner Industrieanlagen unterwegs, um Wasserhähne zu finden, die wie aus einer anderen Zeit scheinen und aus denen trotzdem frisches Trinkwasser fließt. Im Gegensatz dazu: Fotografien von vertrockneter Erde in Afrika und ausgetrockneten Brunnen – ein krasser Gegensatz zum hier meist unreflektierten Wasserreichtum.

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Inspiration Lounge TALKS 2013_Weingut Sander

04. Mai 2013 von Chris

stefan sander(Stefan Sander im Gespräch mit Kerstin Döweler_le tapir)

Schon im Rahmen der letzten Inspiration Lounge TALKS waren die Weine vom Weingut Sander aus Mettenheim/Rheinhessen ein großer Erfolg. Umso schöner, dass bei diesen TALKS 2013 der Winzer Stefan Sander zugesagt hatte, uns in einem Interview Rede und Antwort über seine Sicht- und Vorgehensweisen zu stehen.

Das Weingut Sander ist das erste ökologisch arbeitende Weingut in Deutschland, denn die Winzerfamilie blickt nicht nur auf eine Weinbautradition seit 1726, schon in den 1950er Jahren entschloss sich Ottoheinrich Sander, der Großvater von Stefan Sander, angesichts damaliger Probleme, wie beispielsweise der Bodenerosion, etwas Neues zu wagen und auf naturgemäßen Weinbau zu setzen.

Angesichts der Tatsache, dass wir in Köln und damit urban lebend, meist nur noch sehr wenig direkten Bezug zur Natur empfinden, wollten wir von Stefan Sander natürlich nähere Informationen darüber, wie es ist, so nah mit der Natur zu leben und zu arbeiten. Anhand mehrerer direkter Beispiele aus dem Weinbau, beispielsweise der Pflege der Weinbergböden mithilfe spezieller Begrünung, erläuterte Stefan Sander, wie wichtig eine gute Beobachtungsgabe und umfassendes Know-how sind, um die natürlichen Vorgänge im Weinberg immer wieder aufmerksam zu verfolgen und mit den richtigen, stets ökologischen Mitteln darauf zu reagieren. So wird stets mit der Natur, nicht gegen sie gearbeitet, was nicht zuletzt daran zu erkennen ist, dass man sich im Weingut Sander auch auf die Mitarbeit freundlicher Fauna-Helfer im Weinberg, wie z.B. Marienkäfern zur Schädlingsbekämpfung verlässt. Als Dank für die Hilfe ziert der Marienkäfer übrigens seit langer Zeit schon jedes Weinetikett des Weinguts Sander.

der winzer stefan sander(Stefan Sander_Weingut Sander)

Wie macht sich eine solch stärkere Beziehung zur Natur und ihren Abläufen bemerkbar, wollten wir wissen. Die Antwort von Stefan Sander: es macht viel Freude, so zu leben und zu arbeiten, auch wenn der Winzerberuf natürlich viele sehr anstrengende, arbeitsintensive Tätigkeiten umfasst. »Der Erfolg eines gelungenen Weines mit ausgefeilter Lagencharakteristik, der demjenigen, der den Wein genießt wie auch mir selbst einfach Spaß macht, das macht viele Mühe natürlich wieder wett. Außerdem ist es jedes Jahr wieder eine Herausforderung, mit den klimatischen Änderungen gut klar zu kommen und jeden Jahrgang besonders sowie gleichzeitig in unserer langen Weintradition zu gestalten.«

Kann es sein, dass man in Bewusstsein für die eigenen ökologischen Einbindungen in die Welt und dafür, ein einzelner Part in einer langen Generationenabfolge zu sein, zufriedener lebt, war unsere nächste Frage an Stefan Sander? Da er schon immer im Weingut gearbeitet habe, sei das schwer zu beantworten, war seine Antwort. Allerdings, wenn man in jedem Jahr und Tag etwas Individuelles sehen kann, viel draußen in und mit der Natur arbeitet und gleichzeitig begreift, dass man ein solches Weingut übernimmt, um es weiter zu entwickeln und eben nicht bei den schon erreichten Erfolgen stehen zu bleiben, dann ist das insgesamt einfach eine großartige Aufgabe. Eine tolle Sache, zu der du, wie übrigens auch zu den Endprodukten selbst, immer einen unmittelbaren Bezug hast.«

Bei aller Vielseitigkeit des Winzerberufes: was ist seine liebste Aufgabe im Weingut, wollten wir zum Abschluss in Erfahrung bringen. »Ich lege gerade einen neuen Weinberg an und das ist eine unglaublich spannende, schöne Aufgabe, denn es geht dabei um Entscheidungen, die für die nächsten 30 Jahre getroffen werden. So ist das eben, wenn man wie wir in Wingert- und Weingutsgenerationen denkt. Und natürlich gibt es noch etwas, das ich sehr schätze: den eigenen Wein probieren«, schloss Stefan Sander seine Erläuterungen.

weinverkostung(Weinverkostung bei den Inspiration Lounge TALKS 2013_Weingut Sander/Mettenheim)

Gleich danach gingen wir über zur Verkostung zweier besonderer Weine, die Stefan Sander zusätzlich zu einem Grauburgunder 2011 und dem Cuvée GS trocken 2009 für die Besucher der Inspiration Lounge TALKS 2013 ausgesucht und mitgebracht hatte. Darunter einen Riesling 2009 vom Mettenheimer Michelsberg, der ausgesprochen gut ankam. So waren die Inspiration Lounge TALKS 2013 nicht nur für Augen und Ohren, sondern auch für den Gaumen ein besonderes Erlebnis und eine Anregung, Neues zu entdecken.

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Inspiration Lounge TALKS 2013_StadtwaldHolz

02. Mai 2013 von Chris

Die Inspiration Lounge TALKS brachten auch dieses Mal wieder zahlreiche, kreative Vorausdenker und –macher aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammen, um den Besuchern vielfältige Impulse zu geben.

kerstin döweler(Kerstin Döweler_Inspiration Lounge TALKS 2013)

Kerstin Döweler zitierte in ihrem TALKS-Intro u.a. Albert Einstein, um allen Anwesenden in Erinnerung zu bringen, wie sehr es an uns allen liegt, unsere jeweils individuellen Ideen und Fähigkeiten dafür einzusetzen, neue Denk- und Vorgehensweisen in Einklang mit Mensch und Welt zu finden. Da eben schon Einstein erkannte, dass es der absolute Wahnsinn ist, alles beim Alten belassen zu wollen und dann darauf zu hoffen, dass sich etwas ändert, ist es heute mehr als Zeit, die Welt mit wachen Sinnen zu betrachten und die eigenen Gewohnheiten, den Konsens des Bekannten, ganz bewusst herauszufordern, zu hinterfragen und aufzubrechen.

Blickwinkel ändern, neugierig sein, Neues wahrnehmen, in Bewegung kommen und dabei selbst etwas bewegen und gute Ideen voranbringen – mit diesem Impuls und Leitfaden starteten die Inspiration Lounge TALKS 2013 direkt mit dem ersten Beitrag: dem Interview mit der Architektin Sabine Röser und dem Schreiner Wilfried Nißing von StadtwaldHolz.

wilfried nißing(StadtwaldHolz_Wilfried Nißing)

Bei unseren Treffen mit den beiden stellten wir begeistert fest, dass sowohl das Konzept von StadtwaldHolz als auch jedes Möbelstück und Accessoire auf besondere, schöne und durchdachte Weise zur Erhaltung unserer Welt beitragen. Davon müssen viel mehr Menschen erfahren, beschlossen wir und freuten uns sehr, dass Sabine Röser und Wilfried Nißing die Teilnahme bei den Inspiration Lounge TALKS 2013 zusagten.

im Gespräch mit StadtwaldHolz(Kerstin Döweler_le tapir | Sabine Röser, Wilfried Nißing_StadtwaldHolz)

Gleich zu Beginn ihres Interviews erzählten sie Näheres über das Konzept von StadtwaldHolz. Das Holz für alle StadtwaldHolz-Produkte stammt ausschließlich aus dem Kölner Forst und hat damit für jeden Kölner und alle in und um Köln »Verwurzelten« einen ganz speziellen Bezug. Das wurde den Besuchern besonders deutlich, da Sabine Röser u.a. einige StadtwaldHolz-Frühstücksbrettchen mitgebracht hatte, die aus einer Platane gefertigt wurden, die im Rahmen dringender Renovierungsmaßnahmen an der Kölner Oper gefällt werden musste. Denn das Holz fand durch seine neue Verwendung nicht nur eine neue, bleibende und praktische Bestimmung, statt entsorgt zu werden. Es besteht so auch die Möglichkeit, sich ein Stück der in Köln bekannten »Opernplatane« in die eigenen vier Wände zu holen. Noch dazu erspart die Verwendung von Kölner Holz obendrein lange Holz-Transportwege und schont so wertvolle Ressourcen.

interviews(Interviews)

Natürlich wollten wir von Sabine Röser und Wilfried Nißing genauer wissen, wie man auf eine solch in sich stimmige Idee wie StadtwaldHolz kommt, für die es bereits den Umweltpreis der Stadt Köln gab. Grundlegend, so Wilfried Nißing, war sein Gedanke, durch den Sturm Wiebke zerstörte Bäume im Kölner Wald nicht dem Schredder des Forstbetriebs zu überlassen, sondern anzufragen, ob das Holz nicht auch angekauft und zu Möbeln verarbeitet werden könne. Von dieser ersten Idee angefangen, entwickelten Sabine Röser und Wilfried Nißing StadtwaldHolz über die Jahre konsequent zu einer einzigartigen Marke, deren Logo auf jedem einzelnen Produkt die gesicherte ökologische Herkunft und Verarbeitung auszeichnet.

Sollte man für die Entwicklung eines Konzept wie das von StadtwaldHolz ein besonderes Umweltinteresse mitbringen, wollten wir weiter wissen? Es hilft ganz sicher, sagte uns Sabine Röser, die sich, wie Wilfried Nißing, schon seit vielen Jahren für zahlreiche gesellschaftliche und ökologische Themen engagiert. »Man muss einfach in Bewegung sein und aufmerksam für das eigene Umfeld, denn gute Ideen liegen oft ganz nah. Natürlich gilt es dann auch, etwas Gutes daraus zu machen. Doch jeder kann in seinem eigenen Bereich schauen, was er tun kann, und auch kleine Ideen und Schritte helfen und bringen uns alle weiter. Wenn wir es schaffen, eine bewusstere Beziehung zu unserer Welt, zu unserem Umfeld aufzubauen, dann wird auch ein Leben und Arbeiten in Einklang mit Mensch und Umwelt für uns den Stellenwert erlangen, den es dringend braucht.

Bewusstes Wahrnehmen von Alternativen zu vielen unserer heutigen Gewohnheiten und eben, in Bewegung zu kommen und zu bleiben, sind dabei wichtige Voraussetzungen.«

TALKS2me(Kerstin Döweler_Sabine Röser)

Geradezu als Sinnbild dafür lenkten wir die Blicke der TALKS-Besucher dann zum Abschluss auf die »Stubenhocker« von StadtwaldHolz, die uns während der gesamten TALKS als Sitzgelegenheit dienten und mit ihrem Design jedem gedanklich ein Bein stellen, der allzu eingefahrene Vorstellungen von dem Begriff Hocker hat.

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