Tag: Kultur

Machen Sie es nicht kaputt, Herr Schlingensief

24. August 2010 von Kerstin

Christoph Schlingensief wurde von vielen Seiten gerne als Provokateur bezeichnet. Schubladen sind eben bequem für den Kopf. Ich habe ihn live erlebt und kam für mich zu dem Schluss, dass er die Dinge einfach so gesagt und menschlich bzw. kulturell ausgedrückt hat, wie er sie wichtig und richtig fand. Wenn das in den Augen vieler Personen eine Provokation darstellt, sagt das vielleicht weniger über Christoph Schlingensief als vielmehr über den geistig-kulturellen Zustand einer Gesellschaft.

Ebenfalls sehr viel zu diesem Thema sagt folgende Begebenheit: Christoph Schlingensief traf 2009, zusammen mit anderen Kollegen der Berlinale-Jury, auf Angela Merkel. Der Berliner Morgenpost berichtete er darüber später:

Das war erschreckend. Da sitzen ihr Henning Mankell und Tilda Swinton beim Kaffeetrinken gegenüber, und sie stellt keine Fragen. Da wird nur gefragt, ob man noch ein Stückchen Kuchen möchte. Im Büro zeigte sie uns so eine potthässliche Marmorplatte mit Kamelen an der Tränke, die ihr irgendein Ölscheich geschenkt hatte. Das mussten wir uns alle angucken. Und als ich mal auf das Adenauer-Porträt von Kokoschka zuging, was wirklich ein schönes Bild ist, dann sagte sie nur: „Ja, aber machen Sie es nicht kaputt, Herr Schlingensief, ha, ha, ha.“ Mankell, Tilda und Wayne Wang haben hinterher unabhängig voneinander gefragt: „Ist die immer so?“

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Inhalt statt Hülle

03. März 2010 von Kerstin

schauspielDemletzt hatten wir an dieser Stelle über das von zahlreichen Kulturschaffenden unterstützte Projekt »Ihr seid Künstler und wir nicht« berichtet, das den nur mit knapper Mehrheit zustande gekommenen Ratsbeschluss über den kompletten und kostspieligen Neubau des Kölner Schauspielhauses als politischen Kultur-dilettantismus kritisiert.

Mit der Forderung, den geplanten Neubau gerade angesichts leerer Stadtkassen und angekündigter Kulturetatkürzungen durch eine kostengünstigere Sanierung zu ersetzen, wurde ein Bürgerbegehren verbunden. In dessen Rahmen wurden inzwischen mehr als 32.000 Unterschriften für den Erhalt und die Sanierung des Schauspielhauses gesammelt – deutlich mehr als gesetzlich notwendig, so dass nun der Kölner Rat schon am 23.03.2010 über das Begehren zu entscheiden hat.

Die Unterschriftensammlung geht bis dahin weiter, um dem Engagement für eine intelligente Sanierungslösung und der Forderung nach mehr Mitverantwortung in kulturpolitischen Entscheidungen deutlich Nachdruck zu verleihen.

Wer sich also beteiligen möchte, weil auch er denkt, dass ein kostspieliger Neubau des Schauspielhauses als schöne Hülle nicht viel bringt, wenn darin aufgrund angekündigter Etatkürzungen die Inhalte immer mehr verloren gehen:

Hier gibt es nähere Informationen über die gesamte Aktion inklusive Unterschriftenliste etc.

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