Tag: Interview

Interview mit Katja Bäder

28. Oktober 2010 von Kerstin
YouTube Preview Image

»In unserer Generation gibt es klare Entscheidungen: will ich Wein machen – ja oder nein.«

Das Weingut Bäder in Wendelsheim – mitten in der rheinhessischen Schweiz gelegen, wurde im Jahr 2009 von Katja und Jens Bäder gegründet. Hervorgegangen ist es aus der Villa Bäder in Eckelsheim. Jens und Katja Bäder haben mit der Gründung ihres Weinguts den Entschluss getroffen, konsequent ihren eigenen Weg des Weinanbaus und der Weinherstellung zu gehen. Sie erwarben einen alten Gutshof in Wendelsheim, den sie mit viel Energie und Eigenarbeit umgebaut und renoviert haben. Die wichtigste Weinlage des Guts ist »La Roche« – steil, steinig, mit mineralischen Böden.

Der eigene Weg von Katja und Jens Bäder beinhaltet nicht nur das klare Bekenntnis zur Qualität und Lagencharakteristik ihrer Weine. Er umfasst vor allem auch die bewusste Entscheidung, an Weinanbaufläche künftig nur so begrenzt zu wachsen, dass dauerhaft alle wichtigen Arbeitsschritte – von der Arbeit im Weinberg und Weinkeller bis hin zu Vermarktung und Verkauf der Weine – von ihnen persönlich durchgeführt werden können. Den kompletten Produktionsprozess in den eigenen Händen zu haben, ist für sie sowohl eine Frage der permanenten Qualitätskontrolle als auch insbesondere eine echte Herzensangelegenheit. Mit Spaß und Freude in jedem Jahr besondere Weine in die Flasche zu bringen und dabei das eigene Know-how, die eigene Perfektion immer noch weiter auszubauen, ist deutlich spürbar der Antrieb der beiden. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf die traditionellen Weinsorten, die in ihren Lagen ausgezeichnet gedeihen.

Da das Weingut Bäder Mitglied bei der Vereinigung Message in a Bottle ist, sprachen wir mit Katja Bäder auch darüber, warum aktuell junge Winzer so vehement auf hohe Qualität statt Quantität setzen und viel Wissen, Zeit und Arbeit dafür aufwenden, hochwertigen deutschen Wein nicht nur in Deutschland selbst, sondern auch international noch bekannter und gefragter zu machen. Gibt es Dinge und Haltungen, die sich zu früheren Jahren geändert und diese Entwicklung bewirkt haben? Wird heute anders zusammengearbeitet, nicht nur im eigenen Betrieb – auch überbetrieblich? Und wenn ja, welche Faktoren haben diese Veränderungen bewirkt?

Katja und Jens Bäder sind mit ihrem noch jungen Weingut selbst ein schönes Beispiel für die Energie, die junge Winzergenerationen heute mit Erfolg und tollen Ergebnissen investieren. Work in progress – absolut wert, auch künftig aufmerksam verfolgt zu werden. Also, auf nach Wendelsheim, um die rheinhessische Schweiz endlich auch mit eigenen Augen und Gaumen kennen zu lernen.

FacebookTwitterGoogle+

Interview mit Fritz und Peter May

21. Oktober 2010 von Kerstin
YouTube Preview Image

»Wer ist denn Winnetou?«

Der Name Karl May steht schon lange für besondere Geschichten und ausgeprägte Charaktere. Das gilt nicht nur für den allseits bekannten Schriftsteller aus Radebeul:

Das Weingut Karl May blickt ebenfalls zurück auf eine lange Tradition, in der jeder einzelne Verantwortliche seinen besonderen Fingerabdruck hinterlassen hat. Das Weingut liegt in Osthofen im südlichen Rheinhessen – genauer gesagt, mitten im Wonnegau. Mit Fritz und Peter May übernimmt inzwischen die 7. Generation das Gut.

Obwohl beide von klein auf hautnah das Wein machen miterlebten, entschieden sie sich erst nach der Schule dafür, Weinbau in Geisenheim zu studieren. Umso mehr sind sie heute Winzer aus Überzeugung und Leidenschaft. Seit 2007 werden die Weinberge von ihnen nach ökologischen Richtlinien bewirtschaftet. Der konsequente Verzicht auf Herbizide und chemisch-synthetische Mittel hält Flora und Fauna so gut im Einklang, dass mittlerweile auch mehr und mehr junge Rehe in den Weinbergen anzutreffen sind.

Wenn es 65.000 Rebstöcke zu pflegen gilt, fällt viel Arbeit an. Diese wird bei Fritz und Peter May fair aufgeteilt: »Jeder von uns muss mal schwere, nervige Sachen machen und bekommt dafür auch mal ein Sahnestück.«

Bei soviel brüderlicher Kooperation in Kombination mit dem Namen Karl May und einem besonderen Know-how für hochwertige Rotweine lag es nah, mit einer außergewöhnlichen Idee aufzuwarten: dem neuen Rotweinlabel Blutsbruder, das über den Weinhandel vertrieben wird. Die größte Blutsbruder-Flasche fasst stattliche 12 Liter, ist handabgefüllt und erlaubt völlig neue Assoziationen zu der bekannten Einladung »Lass uns doch mal abends auf eine Flasche Wein treffen.«

Steht das Weingut Karl May schon seit vielen Jahren für hochwertige Weine, arbeiten Fritz und Peter May, seit drei Jahren Mitglieder bei Message in a Bottle, auch heute daran, jedes Jahr wieder ausgezeichnete Qualität in die Flasche zu packen und den Ruf Rheinhessens als Weinregion weiter nach vorne zu bringen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Aus dem Jahrgang 2009 erreichten allein neun Weine des Weinguts die Auszeichnung mit Gold, fünf wurden mit Silber prämiert. Das brachte darüber hinaus zum wiederholten Mal den Staatsehrenpreis als eines der zehn erfolgreichsten rheinhessischen Weingüter.

Und nicht nur Wein wird im Weingut Karl May mit außergewöhnlichen Ideen und Qualität an- und ausgebaut. Direkt neben dem über 300 Jahre alten Fachwerkhaus entsteht derzeit eine schon aufgrund der architektonischen Kombination sehenswerte Vinothek. Alles in allem viele Gründe, den Liebenauer Hof in Osthofen auf der nächsten Rheinhessentour zu besuchen, um die Brüder und ihre Weine persönlich kennen zu lernen.

FacebookTwitterGoogle+

Interview mit Julia und Johannes Landgraf

14. Oktober 2010 von Chris
YouTube Preview Image

»Jeder Boden, jedes Klima, jedes Jahr ist anders, das ist ja das Schöne an unserem Beruf.«

J2 – das sind Julia und Johannes Landgraf, Winzerehepaar mit viel Leidenschaft für Wein und Weinbau. Seit 2006 betreiben sie gemeinsam ihr Weingut Becker-Landgraf in Gau-Odernheim, Rheinhessen. Was die beiden teilen, sind ihre Ideen, ihr Engagement für Qualität und ihr Bewusstsein für die besondere Charakteristik ihrer Weinlagen und Böden. Ein wichtiger Schwerpunkt ist der verantwortungsvolle, ökologische Weinbau – ganz im Einklang mit der Natur. Ziel von J2 ist es, jedes Jahr wieder hervorragende Weine zu produzieren und dabei jedem einzelnen Jahrgang seine besondere Prägung zu verleihen – mit allen Ecken und Kanten.

Die Geschichte des Weinguts ist bis ins 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Seit 2006 wird nun das Gut der Familie Becker von Johannes und Julia Landgraf gemeinsam geführt. Sie starteten ihre Zusammenarbeit mit dem Jahrgang 2005 unter dem Namen Becker-Landgraf.

Mit den beiden hat sich ein Team gefunden, dass das große Glück hat, die Begeisterung für hochwertige Weine und Anbaumethoden als gemeinsame Arbeits- und Lebensphilosophie zu teilen. Gemeinsam tragen sie die Verantwortung für ihre Arbeit und entscheiden auch gemeinsam, was gut für sie und ihre Weine ist. Darüber hinaus ist ihnen natürlich auch der Austausch mit anderen Winzern wichtig. Aus diesem Grund sind sie Mitglieder von »Message in a Bottle«. Hier ihr Wissen zu teilen hilft dabei, Qualitätsstandards stetig weiterzuentwickeln.

Ausschlaggebend für die Qualität der Weine von J2 sind Johannes und Julias besonderes Verhältnis zur Region, zur Natur sowie ihre eigene Art der Vitalisierung der Weinbergböden. J2 hat sich komplett vom »Golfplatzrasen« in den Weinbergen verabschiedet. Mit ihrem eigenen Kleegemisch als Weinbergbegrünung erreichen sie, dass der Boden durch die tief verlaufenden Wurzeln des Klees aufgelockert und mit reichlich Sauerstoff angereichert wird. Im blühenden Klee siedeln sich viele wertvolle Nützlinge, wie beispielsweise Bienen und Schmetterlinge an, die Schädlinge auf natürliche Weise in Schach halten. Durch den kompletten Verzicht auf künstliche Bewässerung und Mineraldünger, nur mit der Hilfe von natürlichem Humus, wird eine tiefe Verwurzelung der Reben erreicht. So entsteht beste Qualität in ausgewogenem Gleichgewicht, eine Überlastung der Rebstöcke wird vermieden.

Das Weingut Becker-Landgraf befindet sich mit seinen Weinlagen rund um den Petersberg, der eine ganz besondere Lagencharakteristik aufweist. Seine südliche Seite hat markante und unregelmäßige Ausbuchtungen von 10 bis 30 Grad Abdachung, die vor starken Nordwinden schützen. Beste klimatische Bedingungen, um mit viel Know-how und Energie großartige Weine zu machen.

Angesichts all dessen können wir uns Johannes Landgrafs Tipp nur anschließen: »Leute, fahrt mal nach Gau-Odernheim, schaut Euch die Lagen an, schaut Euch die Reben und die Böden an, macht Euch selbst einen Eindruck von Wissen und Vorgehensweisen beim Weingut Becker-Landgraf und vor allem natürlich: probiert dann den Wein.«

Es lohnt sich.

FacebookTwitterGoogle+

Interview mit Stefan Sander

07. Oktober 2010 von Chris
YouTube Preview Image

»Wenn man es so sieht, ziehen wir viele Kinder groß«

Die Geschichte des Weingut Sander in Mettenheim (Rheinhessen) geht bis in das Jahr 1726 zurück.  Schon seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde auf das gesetzt, was es zu einem der führenden Weingüter der Region werden ließ: den konsequenten Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel. Gemäß der Überzeugung des Großvaters Ottoheinrich Sander »… Gesunde Reben wachsen nur auf gesunden Böden« wird auch heute zugunsten der Weinqualität bewusst auf hohe Erträge verzichtet.

Aufgrund intensiver Beobachtungen war Ottoheinrich Sander zu der Überzeugung gekommen, dass der bisherige Weg der Weinbergsbewirtschaftung früher oder später in die Sackgasse führen musste. Die Probleme der Monokultur, der Bodenerosion und Humusverarmung sowie der Anfälligkeit der Trauben für Schädlinge begriff er schon damals als Herausforderung. Seit mehr als 50 Jahren werden die Weinberge daher ausschließlich ökologisch bearbeitet. Der Grundgedanke von Nachhaltigkeit im Sinne des Umweltschutzes sowie die Schonung natürlicher Ressourcen sind damit im Weingut Sander schon zu einer Zeit selbstverständlich, in der an vielen anderen Orten voll auf Kunstdünger gesetzt wurde.

Seit fünf Jahren führen Stefan Sander und seine Frau das Weingut. Selbstverständlich erfolgt der Ausbau der Weine auch heute nach den modernsten Erkenntnissen der Önologie. Höchste Aufmerksamkeit wird darauf verwendet, die Reben wie den Wein in ihrer gesamten Entwicklung zu begleiten, jedem Weinjahrgang seine besondere Qualität zu verleihen und dabei den jeweils spezifischen Lagencharakter immer weiter herauszufeilen.

Auch der Austausch mit anderen Winzern ist Stefan Sander sehr wichtig. Schon sein Vater Gerhard, der den Betrieb seit 1979 leitete, vertrat den Standpunkt: der Blick über den Tellerrand ermöglicht »Maßstäbe, nach denen man sich streckt«. Dementsprechend ist Stefan Sander ein Gründungsmitglied der Initiative junger WinzerInnen »Message in a bottle.«

Das Weingut Sander ist außerdem Mitglied der internationalen Gruppe La Renaissance des Appellations, in der über 153 Spitzenweingüter aus vielen Ländern vertreten sind. Die Betriebe arbeiten alle seit mindestens drei Jahren zertifiziert ökologisch, die meisten – wie das Weingut Sander – biodynamisch. La Renaissance des Appellations gastierte in den letzten Jahren stets mit großem Erfolg, u.a. in Bordeaux, New York, Tokio und Los Angeles.

Stefan Sander und seine Familie verbinden seit vielen Jahren ihr Bewusstsein für die eigene Weinbaukultur und den eigenen Weg mit guter Beobachtungsgabe und Querdenken. Es kostet Mut und Weitblick, zu einer Zeit auf ein rein »ökologisches Pferd« zu setzen, in der Ökologie für die allermeisten ein Fremdwort war. Es zeugt gleichzeitig von einem Sinn für Tradition, wenn Stefan Sander sich heute in der Verantwortung gegenüber den vorangegangenen und den kommenden Generationen sieht. »Ich habe ungefähr 30 Jahre, um hervorragende Weine zu machen. Das ist nur ein kleiner Stein in unserer Weinbaugeschichte.«

Selbst mit Begeisterung Winzer, gibt Stefan Sander sein Wissen, seine Erfahrung und sein Bewusstsein für die Kombination von Bewährtem und neuen Ideen auch als überbetrieblicher Ausbilder an junge Winzer weiter.

Dass Leidenschaft, Engagement und Qualitätsdenken ein guter Weg sind, lässt sich im Weingut Sander bestens ablesen: zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen sprechen für sich. Wer sich gerne selbst überzeugen will, fährt nach Mettenheim und kostet. Unsere besonderen Favoriten: Riesling und Sauvignon Blanc.

www.weingut-sander
www.message-in-a-bottle

FacebookTwitterGoogle+

In eigener Sache (7)

04. Oktober 2010 von Chris

Konkret – was ist neu und wo geht es hin.

Wir starteten die Inspiration Lounge mit Interviewfilmen, die unsere Interviewpartner stets ausschließlich im direkten Gespräch zeigten. Mit der Zeit haben wir dieses Konzept gelockert, um zusätzlich zu den individuellen Positionen und Vorgehensweisen auch mehr visuelle Einblicke in die verschiedenen Bereiche kreativen Schaffens zu geben. Inzwischen machen wir zunehmend Außenaufnahmen.

So sehr sich die Drehorte verändern, die Genres erweitern, so sehr gebündeltes Wissen und Erfahrung anwachsen, eines wird gleich bleiben: Wir konzentrieren uns darauf, die persönlichen Sichtweisen mitzuteilen, die jeden einzelnen unserer Interviewpartner ausmachen. Das Know-how und die Haltungen, die jeweils die Grundlage für individuelle Vorgehensweisen sind.

Ideen zu zeigen, die die Welt kennen sollte – das ist, worum es geht.

Nicht mehr und nicht weniger.

FacebookTwitterGoogle+