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Interview mit Yung Chin

22. Januar 2012 von Chris


(Yung Chin, NYC)

Yung Chin ist ein international anerkannter Bogenbauer- und händler sowie einer der weltweit besten Bogenexperten. Er erstellt Expertisen betreffend antike Violinen- und Cellobogen.

Yung Chin studierte zunächst Violine in den USA, u.a. bei Louis Krasner, und begann dann auf Rat eines Professors den Bogenbau zu erlernen. »First I was more interested in violin making. But he told me: make bows. You’re better for bows. So, I followed his advice.«

Inzwischen fertigt Yung Chin seit ca. 30 Jahren hochwertige Bogen und erweitert dabei stetig seine Fertigkeiten und Erfahrung: »Actually I’m still learning. You never stop.«

Er arbeitet seit langer Zeit für die besten Geiger und Cellisten weltweit. D.h. er erstellt Bogen
in Handarbeit, die jeweils ganz genau auf die persönlichen Anforderungen der Musiker abgestimmt sind. Jeder Bogen ist daher einzigartig und Yung Chin hat seine besondere Vorgehensweise, um die speziellen Anforderungen für den einzelnen Bogen zu finden.

Seit inzwischen fast 30 Jahren reist er außerdem regelmäßig und insbesondere nach Europa, um antike Bogen, hauptsächlich aus Privatsammlungen, in Augenschein zu nehmen und so
sein Wissen und seine Erfahrung stetig zu erweitern. Man kann sich nur ungefähr vorstellen, wie viele Bogen man innerhalb all der Jahre begutachten bzw. wie viel Wissen man darüber sammeln kann. Yung Chin nennt es kurz: »You have to build up your own library.«

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No matter what your field of study is, you got to have this kind of thirst. Interview 1
You have to learn the hand of the maker.
Interview 2

Seit einiger Zeit fertigt er zusätzlich Expertisen über die Echtheit antiker Bogen und profitiert dabei von seiner immensen Erfahrung im Bogenbau. Da Bogen auch als Geldanlage dienen und dieser Aspekt in den letzten Jahren auch für Sammler ohne professionellen musikalischen Hintergrund an Bedeutung gewinnt, ist die Arbeit von Yung Chin äußerst wichtig, um mehr Sicherheit bezüglich der Bogen und damit Investitionen zu gewährleisten sowie Fälschungen zu enttarnen.

Yung Chin lebt und arbeitet in New York City. In den letzten Jahren unterrichtete er
außerdem Bogenbau am Oberlin College.

Er engagiert sich für die International Pernambuco Conservation Initiative. Die Vereinigung arbeitet daran, Pernambucobäume an der Atlantikküste Brasiliens aufzuforsten und zu erhalten. Pernambucobäume wachsen nur in Brasilien. Ihr Holz wird u.a. für hochwertige Bogen verwendet. Die IPCI fördert bezüglich Erhaltung und Aufforstung u.a. Forschung und wissenschaftlichen Austausch. Ein ins Leben gerufenes Jugendorchester spielt mit aus Pernambuco gefertigten Bogen, um insbesondere in Brasilien selbst darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig das Holz als Natur- und Kulturgut ist.

Das Interview mit Yung Chin entstand während einer seiner Europareisen, im Rahmen seines Besuchs bei Andy Lim, Cellist und Verleger außergewöhnlicher Kunstbücher. Da man nicht oft die Gelegenheit bekommt, gleich zwei Experten im Gespräch zu haben, sind zwei Inspiration Lounge Videos entstanden:

Im ersten Interview schildert Yung Chin seinen Weg und seine Erfahrungen im Bogenbau. Das zweite Interview zeigt Yung Chin und Andy Lim zum Thema Vorgehensweisen in der Expertise.

Die im Video zu sehenden Bogen stammen von verschiedenen Bogenbauern.

In the last 25 years Yung Chin, a Chinese-American award winning bowmaker, has developed himself into one of the world’s foremost experts in rare bows of the violin family (violin, viola and cello). The bows from the beginning of the 19th century till ca. 1970 have reached today a tremendous investment value, so there is more need than ever for trustable and sincere experts. Beside the main established french experts Bernard Millant and Jean-François Raffin from Paris (France is the »motherland« of the bow in its final form as known today, as Italy is the »motherland« of the violin), and the younger generation like Yannick Le Canu from Lille and Sylvain Bigot from Lyon, Yung Chin from New York City can be seen as one of the very, very few american experts, whose integrety and expertise can be trusted.

As one of the founders of IPCI he also invests a considerable amount of time and energy in the protection and the afforestation of The Pernambuco Tree, from which the bows are made, needed to make any violin, viola or cello sound. Here we present Yung Chin, visiting Andy Lim and his bow collection in Cologne for the first, but certainly not the last time.

Inspiration Lounge Interview: Andy Lim

schöner, erhaltend, erweiternd – das Finanzierungsmodell_II

18. November 2011 von Kerstin

(Das Finanzierungs-Interview_Kerstin Döweler | Thomas Fuhlrott)

Kerstin: Ihr blickt ja heute auf über zehn erfolgreiche Jahre zurück. Aber wie war das denn im ersten Jahr? Ihr brauchtet Startkapital für das Öl, hattet Zinsen und Ölpreise kalkuliert, aber wusstet ja nicht, ob auch wirklich viele Kunden Öl bei Euch kaufen werden. Wie seid Ihr denn mit diesem Risiko umgegangen bzw. was wäre passiert, wenn Ihr zu wenig Öl verkauft hättet?

Thomas: Auch das hatten wir natürlich mitbedacht. Die von uns angekaufte Ölmenge war damals noch nicht so groß. Hätten wir zu wenig davon verkauft, hätten wir das geliehene Geld aus der eigenen Tasche aufbringen müssen. Weil die Geldbeträge nicht so hoch waren, hätte das auch funktioniert. Allerdings wären wir damit wahrscheinlich damals länger als ein Jahr beschäftigt gewesen. Darüber waren unsere Geldgeber genau informiert. Der Fall ist aber nicht eingetreten, weil wir die zu verkaufenden Ölmengen von Anfang an gut, d.h. realistisch kalkuliert haben. Es ist eben auch wichtig, sich nicht zu überschätzen.

Kerstin: Du sagtest vorhin, Freunde, denen Du das Zait-Konzept vorgestellt hast, hätten Dein Engagement gespürt, dem Olivenölhandel neue, positive Impulse zu geben. Inwieweit war und ist denn Euer Ansatz, neue Impulse für die Ökonomie und speziell den Olivenölhandel zu geben, grundlegend für das gute Funktionieren des Finanzierungsmodells gewesen?

Thomas: Unsere Ausrichtung von Zait war und ist ganz wesentlich für den Erfolg. Unsere Ideen und unser gesamtes Konzept beruhen eben nicht auf einem üblichen Marketingkalkül nach dem Motto: wie machen alles wie andere auch, müssen dabei aber irgendwie auffallen. Es ging uns im Gegenteil von Anfang an darum, die Art, in der konventionell Olivenöl gehandelt wird, kritisch zu hinterfragen, Missstände zu erkennen sowie die Dinge, die schlecht sind und einen selbst ärgern, anders und gut zu machen. Im Olivenölhandel gab und gibt es eine Notwendigkeit für mehr Qualitätskontrollen, mehr Transparenz für die Verbraucher und überhaupt für bessere Qualität. Nativ Extra ist auf dem deutschen Markt nur ein Mindestqualitätsstandard. Das wissen die meisten Verbraucher gar nicht und kaufen solches Öl oft viel zu teuer ein. Daher war unser Ziel, hochwertiges und streng kontrolliertes Olivenöl zu vernünftigen Preisen auf den deutschen Markt zu bringen. Vernünftig heißt dabei vor allem, die Produzenten für ihre hochwertige Arbeit angemessen bezahlen zu können, so dass sie auch weiterhin besondere Qualität auf ökologisch sinnvolle Weise produzieren werden. Es heißt auch, strenge Qualitätskontrollen von unabhängigen Laboren durchführen lassen zu können, auch wenn wir dazu nicht gesetzlich verpflichtet sind. Wir wollen das so, weil dadurch beste Qualität gewährleistet wird.

Die Leute, und damit meine ich auch unsere Geldgeber, haben das verstanden und finden gut, dass wir diesen Weg gehen. Sie merken, dass es uns wichtig ist. Dass es uns um mehr geht als den Profit, das rein Wirtschaftliche, nämlich um sinnvolle, nachhaltige Vorgehensweisen mit dem Blick auf alle Aspekte des Handels, der Qualität, der Zusammenarbeit mit unseren Produzenten, des Umgangs mit Ressourcen und des Miteinander leben und arbeiten an sich. Es geht uns darum, neue Potenziale aufzuzeigen, wie wir heute und in Zukunft vernünftig wirtschaften können, d.h. in Einklang mit Mensch und Umwelt qualitativ Ökonomie betreiben. Ohne Ökonomie wird es nämlich nicht gehen, aber die Art, in der wir Ökonomie betreiben, muss sich angesichts der heutigen sozialen und ökologischen Verwerfungen dringend ändern. Es wird uns nichts bringen, dabei auf andere zu warten. Wir müssen selbst aktiv werden, und genau das ist für uns bei Zait wesentlicher Antrieb.

Hätte ich dagegen ein Konzept präsentiert, dass mich einfach so schnell wie möglich reich macht, völlig egal mit was, es ginge mir nur um Geld – keiner meiner Freunde oder Bekannten hätte mir Geld geliehen, da bin ich absolut sicher. Die hätten gedacht: warum soll ich Thomas unterstützen? Damit er schnell reich wird? Ich glaube, der spinnt.

Kerstin: Zum Abschluss noch die Frage, zu welchem Zeitpunkt im Jahr Ihr das Geld von den Geldgebern braucht.

Thomas: Das ist regelmäßig zu Anfang eines Jahres, damit wir dann das von unseren Produzenten aus der aktuellen Ernte hergestellte Olivenöl frisch einkaufen und hier anbieten können. Für alle, die für uns Geldgeber sein wollen, heißt das: bald ist es wieder soweit. Wer Interesse hat, sollte sich  bei uns melden.

Kerstin: Gut, dann haben wir jetzt alle wichtigen Fakten besprochen, oder fehlt noch was?

Thomas: Ja, eine Sache möchte ich zum Abschluss gerne noch sagen. Ich kann Gründern nur raten, bei Bedarf ebenfalls eine solche Art von Finanzierungsmodell für sich zu erarbeiten, schon weil es eine bestimmte Unabhängigkeit von Banken mit sich bringt. Überhaupt ist es hilfreich, das eigene Unternehmenskonzept den Freunden und der eigenen Familie vorzustellen. Die Erfahrung zeigt: Wenn du diese Menschen überzeugst, dann helfen sie dir auch. Es ist außerdem ein wunderbarer Test. Wenn du nämlich nicht einmal diese dir nahe stehenden, zugewandten Menschen von deinem Konzept überzeugen kannst, wie willst du erst andere Menschen für das Vorhaben gewinnen?

Kerstin: Thomas, vielen Dank für das Interview.

Zum krönenden Abschluss des Artikels haben wir auch dieses Mal natürlich ein Rezept für einen einfach herzustellenden Leckerbissen mit Zait-Olivenöl.

Weichen Ziegen- oder Schafskäse, Majoran, Kräuter der Provence oder nach Belieben andere Kräuter und Pfeffer mit der Gabel musen

und so viel Öl hinzugeben, bis eine cremige Masse entsteht.

Sehr lecker auf Weißbrot.

Interview | Part I | ProjektPartner

schöner, erhaltend, erweiternd – das Finanzierungsmodell_I

16. November 2011 von Kerstin

(Kerstin Döweler im Gespräch mit Thomas Fuhlrott | Entrepreneurship Summit 2011, Berlin)

Beim Entrepreneurship Summit in Berlin trafen sich auch in diesem Jahr wieder viele kreative Unternehmer zu einem Austausch über Ideen und Vorgehensweisen bei der Realisierung ihrer Unternehmensgründungen. Kernfrage der über 1500 interessierten Besucher: eine gute Unternehmensidee finden, ein Unternehmen erfolgreich aufbauen und damit gleichzeitig zum nachhaltigen Wandel in Richtung einer Ökonomie beitragen, die über das rein Wirtschaftliche hinausgeht – wie kann das konkret aussehen?

Unser Projektpartner Thomas Fuhlrott gab darauf im Rahmen gleich mehrerer Veranstaltungen Antworten aus seinem eigenen Erfahrungsschatz. Auf ganz besondere Aufmerksamkeit traf dabei die Darstellung über sein Finanzierungsmodell, das er vor zehn Jahren für die Gründung seines Unternehmens Zait entwickelte.

(workshop mit Thomas Fuhlrott)

Da auch wir immer wieder großes Interesse bemerken, sobald wir hier in unserem Umfeld über das Finanzierungsmodell von Zait sprechen, stellten wir fest: höchste Zeit, ein Interview mit Thomas Fuhlrott darüber zu machen. Gesagt, getan.

Kerstin: Thomas, warum brauchte es bei der Gründung von Zait eine besondere Finanzierungsidee?

Thomas: Bei den meisten Unternehmensgründungen gibt es ja einen Kapitalbedarf, um die Idee, das Unternehmenskonzept realisieren zu können und an den Markt zu gehen. Unsere Idee bei Zait war, erstklassiges, streng kontrolliertes Olivenöl hier in Deutschland auf eine andere als bis dahin für Olivenöl übliche Art zu handeln – nämlich basierend auf der Idee des Jahresvorrats. Direkt nach der Olivenernte und der Ölerzeugung durch unsere Produzenten in Italien, Spanien, Griechenland und Portugal holen wir das Öl hierher. Unsere Kunden bestellen ihren Jahresvorrat Olivenöl vorwiegend genau zu diesem Zeitpunkt, d.h., eine große Menge des Öls verkaufen wir direkt nachdem es hier eingetroffen ist. Dadurch brauchen wir nicht das ganze Jahr größere Lager- oder Verkaufsflächen. Für uns ein Kostenvorteil, den wir als Preisvorteil an unsere Kunden weitergeben.

Da ich damals auch schon als Gründungsberater tätig war, wusste ich, dass die Chancen für eine Gründungsfinanzierung des Unternehmens durch eine Bank gleich Null standen – obwohl das Geschäftskonzept absolut rund war. Ich habe es aus Neugier trotzdem versucht, natürlich mit ausgearbeitetem Business-Plan. Das Ergebnis entsprach komplett meinen Erwartungen. Bereich Einzelhandel, Olivenöl mit einem dafür neuen Handelskonzept – viel zu risikoreich aus Sicht der Banken. Wir brauchten aber das Startkapital, um die erste Menge Olivenöl ankaufen und hierher bringen zu lassen.

Kerstin: Wie bist Du also vorgegangen, um das Startkapital zu bekommen?

Thomas: Wir haben uns auf etwas besonnen, was eigentlich ganz logisch erscheint: wir haben das Geschäftskonzept Freunden und Bekannten im Detail vorgestellt, unsere Situation erklärt und gefragt, wer bereit ist, uns Geld für den ersten Ankauf von Olivenöl zu leihen. Ich sage »eigentlich logisch«, weil es tatsächlich nahe liegen müsste. Wenn ich darüber erzähle, stelle ich aber immer wieder fest, dass viele Menschen offensichtlich weniger Probleme damit haben, einen Banker um Geld zu bitten als den eigenen Freundeskreis. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass wir hier so sehr auf Individualismus und Autarkie eingeschworen sind, dass es uns schwer fällt, unser soziales Umfeld um Hilfe zu bitten. Eventuell noch den engsten Familienkreis, aber Freunde? Und dann auch noch um Geld, wo doch gerade da sprichwörtlich die Freundschaft aufhört. Das gibt vielen offensichtlich ein ungutes Gefühl.

(Zwischen den Impulsvorträgen)

Kerstin: Und Ihr habt es trotz aller gegenteiligen Redensarten gewagt. Fiel es denn schwer?

Thomas: Nein, und zwar deshalb, weil wir unser Unternehmenskonzept bis zu Ende gedacht hatten. Es war rund, wir waren und sind komplett davon überzeugt. Dadurch konnten wir auch andere davon überzeugen, dass wir eine gute Idee am Start haben. Noch dazu: Erstklassiges Olivenöl nach Deutschland zu holen und es unter strengen Qualitätskontrollen zu handeln – gerade das Lebensmittel, das innerhalb der EU am häufigsten gepanscht und verfälscht angeboten wird – das haben auch vor zehn Jahren viele zügig als gutes Konzept und Ziel begriffen. Damals gab es ja auch schon jede Menge Lebensmittelskandale, Ernährung war auch da ein Thema. Die Menschen, die wir um Geld fragten, haben unser Engagement gespürt, im Bereich Olivenölhandel einen neuen, nachhaltigen und qualitativ besseren Weg zu gehen, der auf den Grundwerten schöner, erhaltend und erweiternd fußt. Und natürlich hatten wir uns auch das Finanzierungsmodell genau überlegt und bis ins Detail durchkalkuliert, welche Zinsen wir vernünftigerweise an die Geldgeber aufgrund unserer Olivenölverkaufserlöse auszahlen können.

Kerstin: Haben dann von Anfang an viele mitgemacht?

Thomas: Wie das zu Anfang so ist, einige Freunde, besonders diejenigen, die uns lange gut kannten, waren schneller dabei. Andere blieben erst mal skeptisch, waren aber dann überzeugt, als sie nach einiger Zeit klar gesehen haben, dass unser Geschäftskonzept mitsamt unserem Finanzierungsmodell gut funktioniert. Heute sind zahlreiche Geldgeber bereits langjährig dabei. Teilweise bieten uns heute pro Jahr sogar so viele Menschen Geld für den Ölankauf an, dass wir Absagen erteilen müssen, weil wir gar nicht so viel Geld brauchen. Wir nehmen kein Geld an, dass wir nicht für den Ölankauf bei unseren Produzenten benötigen. Und Geld nur anzunehmen, um es für andere anzulegen, ohne es in unsere notwendigen Unternehmensabläufe einzubinden – das ergibt für uns keinen Sinn.

Kerstin: Das klingt alles sehr gut. Jetzt will ich natürlich auch wissen, wie das Finanzierungsmodell konkret aussieht.

Thomas: In all den Jahren funktioniert es nach dem gleichen Konzept: Du leihst uns Geld für den Ölankauf, eine Summe ab 5000,- Euro. Nach einem Jahr erhältst Du den Betrag zurück, plus 6 % Zinsen und einem Geschenk aus dem Hause Zait. Geregelt sind diese Konditionen alle übersichtlich und schwarz auf weiß in einem Darlehensvertrag, den Du mit Zait abschließt. Wie schon gesagt, innerhalb von zehn Jahren haben wir alle Darlehensverträge stets erfüllt. Für den Fall, dass Zait einmal die Vertragsverpflichtung tatsächlich nicht einhalten könnte, beispielsweise weil mir etwas Unvorhergesehenes passiert und ich nicht wie gewohnt arbeiten kann, haften laut Vertrag ich und meine Geschäftspartnerin auch persönlich für die Vertragseinhaltung.

(Fortsetzung folgt)

Interview mit Thomas Fuhlrott

rough style

22. März 2011 von Chris

Letzte Woche trafen wir den Berliner Künstler und Verleger Claudio Pfeifer in Köln bei seiner Ausstellung im sprungturm. Momentan ist er wieder in Berlin. So kam uns die Idee eines Mail-Interviews. Rough und schnell. Voilà.

»Salut Claudio, ready für unser kleines Interview?«

»Hey! Kann losgehen!«

»Fein, dann starten wir einfach. Kannst du kurz den Werdegang von PogoBooks skizzieren.«

»Am Anfang von PogoBooks stand eine Flickr-Gruppe. Diese war eine reine Bildersammlung von Fotografen aus allen Ecken dieser Welt. Die eingereichten Bildinhalte wurden von mir sortiert, also sprich zur Gruppe zugelassen oder nicht. So entstand eine Community und vor allem aber ein ästhetischer Zusammenhalt. Später wurde ein Blog daraus, dann ein Verlag. Den Verlag PogoBooks gibt es nun seit August 2010. Der Flickr-Pool besteht weiterhin, hier tummeln sich mittlerweile ca. 2500 Mitglieder, mit über 16.000 Bildern. Daraus hervorgegangen sind bis heute 22 gedruckte Publikationen.«

»Du erzählst vom ästhetischen Zusammenhalt. Nach welchen Kriterien suchst du Deine Leute aus?«

»Ich bin mit PogoBooks auf der Suche nach einer Fotografie, die jung ist, persönlich, intim, rau, authentisch, schmutzig, vor allem aber jung. Die Bildinhalte haben oft Schnappschuss-Charakter, obwohl sie offensichtlich inszeniert, komponiert und kalkuliert sind. Ich mag diese Reibungspunkte zwischen dokumentarischem Ansatz und Inszenierungen, wie wir sie vielleicht eher aus Fashionmagazinen wie Vice oder Ähnlichen kennen.«

»Rau, schmutzig, authentisch. Alles Aspekte die auch im Punk essentiell angesiedelt waren. Ein wesentliches Ding bei Punk war ja autark zu sein. Weg von fetten Labels, selbst Produzent werden. Mit einfachen und kostengünstigen Mitteln Gleichgesinnte ansprechen, neue Ausdruckswege etablieren, alte Systeme negieren. Welche Bedeutung hat diesbezüglich Punk für dich, wie wendest du das auf PogoBooks im Jahre 2011 an und was willst du erreichen?«

»PogoBooks fühlt sich der Tradition anderer DIY-Projekte und Selbstverlage verpflichtet. Dazu gehört, unabhängig und frei zu produzieren sowie eigene Kanäle für die Distribution zu finden und zu etablieren, um beispielsweise Amazon, den Buchladen-Killer, links liegen zu lassen. Die publizierten Bildinhalte von PogoBooks sind eher mit dem Web verwachsen, sie entstammen einer sehr vitalen Blogszene.
Ich versuche diese Bildinhalte wieder aus dem Web herauszufiltern und Ihnen physische Präsenz zu geben.
Alle Publikationen sind im Format A5, mit Klammerheftung – also das klassische Fanzine-Format. Etwa die Hälfte der Publikationen drucke ich selbst, so wie man früher auch Fanzines gedruckt hat. Das lässt mich schnell handeln und kostengünstig produzieren. Daraus resultiert, dass die fertigen Hefte zu sehr günstigem Geld angeboten werden. Es gehört eben zu PogoBooks, dass die Hefte von und auch für die Künstler gemacht werden. Ich will, dass die Leute, die die Kunst machen, sich auch selbst diese Hefte leisten können und somit auch die Hefte der anderen sammeln. Das finde ich einen sehr wichtigen Aspekt.«

»Ok. … und abschließend:
Was steht bei PogoBooks demnächst an, wie soll es weitergehen?«

»Gerade ist PogoBooks auf Tour. Nach der Ausstellung im Kölner Sprungturm, folgen zwei Ausstellungen in Berlin. Im Juni dann zeigt sich PogoBooks in Venedig bei der »Book Affair«, einer Buchmesse für Independent Publishing im Rahmenprogramm der 54sten Kunst-Biennale. Für den April stehen außerdem vier neue Zines auf dem Programmzettel und zwei neue Books.

Also online bleiben – irgendwas ist ja immer!«

Klar, wir bleiben dran. Die Ausstellung im sprungturm läuft noch bis 26.3.2011

Interview mit Lukas Roth

10. Februar 2011 von Kerstin
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»In die Fotografie bin ich reingefallen.«

Lukas Roth ist Architekturfotograf und Künstler. In die Fotografie reingefallen ist er schon in jungen Jahren. »Ich hatte eine für Fotografie begeisterte Großmutter. Es war deshalb nicht schwer, die eigene Faszination für den Bereich zu entdecken.«

Sein zeitgleiches Interesse für Architektur legte schon während seines Studiums an der Ecole Nationale de la Photographie in Arles die Spezialisierung auf Architekturfotografie nahe. Seit 1991 arbeitet Lukas Roth als freischaffender Fotograf. Die Zusammenarbeit mit Architekturbüros wie u.a. Christian Bauer Architects, Paul Bretz Architects, Peter Kulka sowie Massimiliano Fuksas, Peter Zumthor und Sir Norman Foster führt seitdem zu besonderen Fotografien von besonderer Architektur. Für Lukas Roth bedeutet Architekturfotografie dabei, gebaute, dreidimensionale Architektur in zweidimensionale Abbilder zu übersetzen. Die Architektur durch die Fotografie zu erklären heißt für ihn, Charakteristiken, die ein Bauwerk kennzeichnen, anhand des fotografischen Abbilds deutlich zu machen, hervorzuholen – das Wesen eines Gebäudes und damit Ideen und Entwurf des Architekten zu zeigen und nah zu bringen. »Mit meiner Architekturfotografie schaffe ich Dokumente von Bauwerken, die klare und wahre Aussagen über Architektur treffen.«

Seit 2002 nimmt sich Lukas Roth neben der Architekturfotografie auch wieder Zeit für seine künstlerische Arbeit. In seinen Werken geht es Lukas Roth, im Gegensatz zum rein Dokumentarischen darum, seine eigenen Kopfbilder umzusetzen. D.h., er bildet seine persönlichen Eindrücke von Orten und Situationen ab, die mit der normalen Fotografie nicht festgehalten werden können. Um dies zu bewerkstelligen, sind nach dem Entstehen eines Kopfbildes in der Umsetzung zahlreiche Einzelfotografien notwendig, die in aufwändiger Kombination und Bilderbearbeitung zusammengefügt werden. Ziel von Lukas Roth ist es dabei Bilder zu erzeugen, die dem Betrachter zunächst und mit Abstand logisch erscheinen, obwohl nichts stimmt. »Wenn ich ein Bild von einem bestimmten Ort, wie beispielsweise dem Pont du Gard mache, verwende ich daher nur Fotografien von diesem Ort. Bilder mit unbestimmter Ortsangabe kombinieren dagegen häufig Fotos, die ich an verschiedenen Orten gemacht habe. Trotzdem werde ich von Betrachtern dieser Bilder immer wieder gefragt: wo ist das?«

Zeigt die Frage einerseits ein offensichtliches Bedürfnis nach Verortung und Einordnung, weist sie doch gleichzeitig darauf hin, wie sehr das Medium der Fotografie heute noch immer zu dem Gedanken verleitet, die Wirklichkeit werde abgebildet. Und so sehr beispielsweise Lukas Roths Bild vom Pont du Gard begeistert, weil man vielleicht sogar selbst schon ein solches Erinnerungsbild hat, so sehr legt es auch nah, genau hinzusehen, weil nichts so ist, wie es scheint.