Tag: Internet

Mitgesprungen

08. März 2011 von Chris

Der Projektraum Sprungturm präsentiert ab 11.3.2011 (Vernissage 18:00 Uhr) sämtliche Publikationen der jungen Verlage Pogo Books und naivsuper Book aus Berlin.

Seit 2010 publiziert Pogo Books Zines und Büchlein mit den Schwerpunkten Fotografie und Grafik. Der in Berlin ansässige DIY-Verlag ist die greifbare Entsprechung einer sehr vitalen, bereits im Internet existierenden Künstlergemeinschaft. Jeff Luker, Hasisi Park oder Marc Peckmezian finden bei Pogo Books genau so eine Plattform wie geniale Newbies.

Erste und einzige Regel der Verlagspolitik ist es, die Bildinhalte in den Vordergrund zu stellen, entscheidend sind die Geschichten, die die Bilder erzählen. Beispielhaft sind die artifiziellen Bildkompositionen und Versuchsanordnungen von Ting Cheng oder die schlichten, fast traumhaft anmutenden Alltagsnotizen von Adam Revington.

Bildauswahl und Designkonzept der Büchlein und Zines entstehen in einem Austauschprozess zwischen dem Künstler/der Künstlerin und dem Publizisten Claudio Pfeifer. Pogo Books fühlt sich der Tradition anderer DIY-Projekte und Selbstverlage verpflichtet. Dazu gehört auch, die Publikationen für kleines Geld anzubieten. In dieser Weise hat der Berliner Verlag in gerade mal sechs Monaten die Publikation von 22 Titeln vorangetrieben.

Pogo Books ist zusätzlich Distributor des Verlags der Künstlergruppe naivsuper, die seit 2005 mit naivsuper Book ebenso den Spagat zwischen Künstlerbuch und Fanzine wagt. Der Fokus von naivsuper Book liegt in den Bereichen Zeichnung, Grafik und Fotografie.

Neben den Publikationen von Pogo Books und naivsuper Book werden im Sprungturm Fotografien und Zeichnungen der Künstler und Künstlerinnen zu sehen sein, die bereits mit den Verlagen zusammenarbeiten.

Sprungturm bringt damit ein spannendes Crossover auf den Weg: Publikationen mit künstlerischen Arbeiten, die ihren Weg zum kunstinteressierten Publikum bisher in erster Line online finden, werden im Rahmen des Projektraumes nun ganz real world präsentiert und zugänglich gemacht. Gleichzeitig bietet sich vielen Kunstinteressierten, die Begriffe wie DIY bisher eher vom Hörensagen kennen, eine wunderbare Gelegenheit, gleich zwei junge DIY-Verlage samt ihrer Protagonisten, Positionen und Vergehensweisen kennen zu lernen.

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Quo vadis, fluegel.tv_ein Interview mit Robert Schrem

25. Februar 2011 von Kerstin
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Es bringt nichts, im eigenen Saft zu schwimmen.

Als wir Robert Schrem zum ersten Mal interviewten, waren die Diskussionen um S21 auf dem Höhepunkt, ständig fanden Großdemonstrationen statt und fluegel.tv war, wie auch am 30.9.2010 im Stuttgarter Schlosspark, live dabei.

Nach den Schlichtungsverhandlungen und dem Schlichterspruch von Heiner Geißler schien dann, zumindest aus einiger Distanz betrachtet, wieder etwas Ruhe eingekehrt. Zumindest ebbten die Berichterstattungen über das Großprojekt S21 in Fernsehen und Presse deutlich ab, obwohl auch weiterhin regelmäßig Demonstrationen vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof stattfinden.

Wie geht es in dieser Situation nun mit fluegel.tv weiter, fragten wir Robert Schrem in einem Skype-Interview. Wohin wird sich der Online-Sender und Pionier der Live-Übertragung aller wichtigen Geschehnisse um S21 in Zukunft entwickeln? Sind jetzt, nach den Schlichtungsverhandlungen neue Sendeformate und Themen geplant? Wird fluegel.tv weiter ausgebaut?

Und wie ist eigentlich die Stimmungslage in Stuttgart: Sind die S21-Konflikte beigelegt oder schwelt es weiter? Besteht nach wie vor Interesse und Engagement für mehr Bürgerbeteiligung und neue Formen politischen Austauschs?

Robert Schrem schildert im Interview, warum die Auseinandersetzung der S21-Gegner mit den politisch Verantwortlichen so schwierig ist und es wohl länger als gedacht dauern wird, politische Beteiligungs- und Kommunikationsstrukturen zu ändern. Er erklärt außerdem, warum sich fluegel.tv jetzt, kurz vor der Wahl in Baden-Württemberg, zu zahlreichen Landpartien aufmacht, ganz gemäß dem Motto: es bringt nichts, im eigenen Saft zu schwimmen.

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Im Süden was Neues

31. Januar 2011 von Kerstin

Letzten Freitag führten wir ein neues Interview mit unserem Kommunikationspartner Robert Schrem via Skype. Direkt nach der Übertragung einer »auf den sack«-Sendung und kurz vor der nächsten Großdemo an Stuttgarter Hauptbahnhof, schilderte er uns, wie es mit fluegel.tv weitergeht.

Nach Abschluss der Schlichtungsverhandlungen um S21 scheinen die großen Sender und Zeitungen in üblicher Manier weitergezogen zu sein. fluegel.tv bleibt dran.

Längst ist geplant, von Stuttgart aus aufzubrechen, um den Pionier der politischen, diskursiven Online-Sender mit Live-Berichterstattung nun mehr in die umliegende Region und weit darüber hinaus zu tragen. Die Vernetzungen in andere Großstädte stehen. Befluegelt von der nach wie vor ausgezeichneten Resonanz, gibt es inzwischen zahlreiche Ideen, vor der kommenden Landtagswahl in Baden-Württemberg als Gegenentwurf zu den gängigen Sendern einfach mal die persönlicheren, bürgernäheren Seiten der »großen Politik« zu beleuchten. Direkt, live und ohne das übliche Mediengeplänkel.

Bottom-up statt Top-down, kein infas, kein dimap. Mehr dazu demnächst hier im Interview.

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Es geht weiter

11. Dezember 2010 von Kerstin

Die Schlichtungsverhandlungen in Stuttgart sind vorbei, die Diskussionen um S21, K21 und eine Demokratie mit mehr Bürgerbeteiligung gehen weiter. Live und direkt aus Stuttgart überträgt fluegel.tv heute zahlreiche öffentliche Stellungnahmen von Teilnehmern der Schlichtungsverhandlungen sowie die Großdemonstration »Stuttgart ist überall«.

Direkt zur Live-Übertragung auf fluegel.tv

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Interview mit Robert Schrem

26. November 2010 von Chris


(Robert Schrem)

(interview: scroll down) »Es war nie geplant, dass wir einen Fernsehsender gründen – das ist einfach passiert.«

Seit inzwischen einigen Monaten verfolgen wir das Projekt S21 in Stuttgart. Immer wieder haben uns Freunde von den Geschehnissen dort berichtet und dabei betont, dass alle Protestveranstaltungen friedlich ablaufen. Dann kam der 30.9., und wir erfuhren zunächst über SPIEGEL Online, dass im Stuttgarter Schlossgarten, wo die ersten Bäume für das geplante Bahnhofsprojekt gefällt werden sollten, ein Polizeieinsatz gegen Demonstranten im Gange war.

Wie das so ist, wenn einer im Team aus Stuttgart kommt und beide die Stadt gut kennen: man will natürlich mehr Informationen über das, was vor sich geht. Wir suchten daher nach mehr Konkretem und stießen auf fluegel.tv. Hier konnten wir die Proteste und Teile des Polizeieinsatzes live online verfolgen. Es resultierten Einblicke, die die eingesessenen Medien in ihren Berichterstattungen nicht lieferten sowie die Tatsache, so manche spätere Stellungnahme der politisch Verantwortlichen dadurch in einem anderen Licht betrachten zu können.

fluegel.tv – was für eine gute Idee, dachten wir uns, fingen an darüber zu recherchieren und stellten fest:

Die Geschichte von fluegel.tv ist wie geschaffen für die Inspiration Lounge. Robert Schrem, Gründer von amplify, hat sein Büro direkt gegenüber der Nordseite des Stuttgarter Bahnhofs. Um den Abriss des Bahnhofnordflügels im Rahmen des Projektes S21 live und online zu dokumentieren, stellte er Anfang August eine Kamera an seinem Bürofenster auf. Der Beginn der Abrissarbeiten ließ die Seitenzugriffe sprunghaft steigen. Fast alle deutschen Fernsehkanäle verwendeten Robert Schrems Filmmaterial von diesem Zeitpunkt an.

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Das Dokumentationsprojekt entwickelte sich schnell zu einer immer umfassenderen Berichterstattung: Live-Übertragungen von den Projekt- und Widerstandsentwicklungen, den Demonstrationen und inzwischen auch den Schlichtungsverhandlungen in Stuttgart sind hinzugekommen. fluegel.tv hat außerdem mit »auf den sack« eine eigene Talkrunde, moderiert von Thorsten Puttentat. Auch von anderen Orten wird gesendet und berichtet. So übertrug fluegel.tv bereits aus dem Wendland rund um die Gorleben-Demos oder direkt aus dem Bundestag. Die Macher haben dabei immer den Anspruch, so objektiv, kontinuierlich  und nah dran wie möglich Bericht zu erstatten. Unser Interview fand dann auch mitten in den Vorbereitungen zur Übertragung einer Großdemo in Stuttgart statt.

Das Team von fluegel.tv besteht aktuell aus ca. 20 ehrenamtlichen Mitmachern, die das Engagement eint, fluegel.tv weiter voran zu bringen und so auch künftig für unabhängige Übertragungen und mehr Transparenz zu sorgen. Aus der ersten Kamera hat sich heute wesentlich mehr entwickelt – vor allem durch die tatkräftige Hilfe und das Know-how der zahlreich dazugekommenen Mitmacher. So verfügt fluegel.tv inzwischen u.a. über einen Boller-Ü-Wagen als mobile Übertragungseinheit. Und auch die Zuschauerzahlen werden stetig ausgebaut.

In den Hochzeiten schalten sich eine halbe Million Menschen in nur wenigen Tagen zu. Nachrichten-Websites wie SPIEGEL Online haben fluegel.tv verlinkt. Das Team erhält permanent zahlreiche Presseanfragen zur aktuellen Situation in Stuttgart.

Längst denkt man bei fluegel.tv auch über S21 hinaus»Das Interessante am Internet ist, dass man mit geringeren Mitteln sehr viel Öffentlichkeit für ein Thema erzeugen kann. Toll ist auch zu sehen, dass dadurch so viel Schwung entstanden ist.

Wir werden im Sinne von mehr Transparenz und Demokratie auf alle Fälle weiter machen, auch wenn das Projekt Stuttgart21 längst begraben sein sollte.«

Wir auch.

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