Tag: Inspiration Lounge

Unsere neuen Projektpartner.

06. November 2010 von Kerstin

Wir freuen uns, Euch heute drei neue Projektpartner der Inspiration Lounge zu präsentieren : das Weingut Sander in Mettenheim, Weingut Karl May in Osthofen und das Weingut Becker-Landgraf in Gau-Odernheim. Alle drei Weingüter liegen in Rheinhessen und lohnen mehr als nur einen Ausflug in die Region.

Mehr Informationen über die Weingüter und jede Menge persönliches Know-how der Winzer über ökologischen Weinbau gibt es in den Inspiration Lounge Interviews mit Stefan Sander, mit Julia und Johannes Landgraf sowie mit Fritz und Peter May. Oder hier:

Weingut_Becker-Landgraf
Weingut_Karl May
Weingut_Sander

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Das Weingut Sander

03. November 2010 von Chris


(Stefan Sander)

Weingut Sander bei der Inspiration Lounge

Als wir die Inspiration Lounge im letzten Jahr um den Fachbereich Weinbau erweiterten, starteten wir unsere Serie über junge Winzer und Mitglieder der Vereinigung Message in a Bottle anhand eines Interviews mit Stefan Sander.

Das Weingut Sander, im rheinhessischen Mettenheim gelegen, blickt auf eine lange Weinbautradition zurück: bereits 1726 wurde mit dem Winzerhandwerk begonnen. Seit den 1950er Jahren verzichtete Ottoheinrich Sander, der Großvater von Stefan Sander, konsequent auf den Einsatz chemisch-synthetischer Mittel im Weinbau und auch heute wird der ökologische Weinbau im Weingut Sander groß geschrieben.

Das klare Bekenntnis zu Qualität statt Quantität lässt sich sehen und schmecken. Die Weine sind vielfach ausgezeichnet, und auch unsere erste Vorab-Weinverkostung in Köln ließ Probierende schnell zu Fans werden.

So entstand die Idee einer umfangreicheren Weinprobe im exklusiven Inspiration Lounge Kreis. Gesagt, getan: Stefan Sander kam nach Köln, im Gepäck Sekt, sechs verschiedene Weine sowie sein gesamtes Know-how über ökologischen Weinbau. Nach den letzten Vorbereitungen, einer kurzen Ruhe vor dem Sturm und einem ersten Probeschluck, klingelte es dann auch schon an der Tür. Die ersten Gäste kamen, gespannt auf Weine und Weinbauwissen. Los ging’s…

Gestartet wurde mit einem Rieslingsekt brut – Prestige Cuvée aus dem Weingut Sander. Der Raum hatte sich inzwischen gut gefüllt, die Gäste gruppierten sich in großer Runde um Stefan Sander, der im Mittelpunkt des Interesses stand.

Hatte der Sekt zur Begrüßung bereits die ersten Fragen zum Anbaugebiet Rheinhessen und den Anbaumethoden im Weingut Sander auf den Weg gebracht, warteten danach alle gespannt auf den ersten Weißwein. Der Riesling trocken 2009 überzeugte nicht nur die Runde, er brachte zusätzlichen Gesprächsstoff über die ökologischen Anbaumethoden im Weingut Sander. Anhand eines kurzen Ausflugs in die Familiengeschichte stellte Stefan Sander dar, warum schon sein Großvater von der Wichtigkeit gesunder Böden und Reben so überzeugt war. Klar, dass es dazu jede Menge Fragen gab, zumal in der Probierrunde eine Biologin und eine Gartenbauingenieurin saßen.

Vom Riesling ging es zum Sauvignon blanc 2009, eine Rebsorte, die in Rheinhessen noch nicht allzu lange üblich ist. Das Weingut Sander baut Sauvignon blanc an, seit Stefan Sander im Rahmen seines Arbeitsaufenthalts bei einem Weingut in Südafrika so hervorragenden Sauvignon blanc kennenlernte, dass er einige Reben mit nach Mettenheim brachte. Was für ein Glück, wurde nicht nur allgemein von den Gästen festgestellt. Der Sauvignon blanc hat ganz offensichtlich besondere Fans gewonnen. Und auch die Weinkenner der Runde, die sich noch an manchen Rheinhessenwein der 1970er Jahre zurückerinnern, waren nun überzeugt, dass sich in den letzten Jahrzehnten in Rheinhessen viel an Qualität entwickelt hat.

 

Als nächstes folgte ein Weißburgunder Mettenheimer Michelsberg, dicht gefolgt von einer kleinen Diskussion über die Verwendung von Weinkorken bzw. den zunehmenden Einsatz von Drehverschlüssen. Kurz bevor sich eine richtiggehende Expertenrunde einstellte, gab es dann den nächsten Weißwein, einen Riesling Mettenheimer Michelsberg, der natürlich zahlreiche Fragen zur genauen Lage, zu Klima und Bodenbeschaffenheit aufbrachte.

Kurze Pause, Brot und Käse verteilt – weiter ging’s zu den Rotweinen. Zunächst wurde der Merlot 2009 probiert, gefolgt von einem Mettenheimer Spätburgunder-S-. Spannend zu beobachten, wie sich die gesamte Probierrunde in drei Gruppierungen aufteilte. Die erste Gruppe diskutierte eingehend, ob der Merlot oder der Spätburgunder noch besser sei, die zweite war einfach begeistert, ausgezeichnete deutsche Rotweine kennen zu lernen. Die dritte Gruppe tauschte die inzwischen gefundenen, individuellen Weinfavoriten aus und setzte dies ausgiebig beim anschließenden Buffet fort.

Es war ein toller Abend mit viel Know-how, Spaß und guter Resonanz von allen Seiten. Vielen Dank nochmals an das Weingut Sander und Stefan Sander, der, ich zitiere aus Mails, die wir nach der Weinprobe erhielten, »sehr guten Wein macht, Gott sei Dank auf Qualität statt Quantität setzt, ein unterhaltsamer Erzähler ist und besonders beeindruckt durch seinen Enthusiasmus für das, was er macht.«
Zum Abschluss
und besonders auch für alle, die dieses Mal leider nicht dabei sein konnten:

Die Weinverkostung 1. Teil inklusive Fotos
Die Weinverkostung 2. Teil inklusive Fotos
Mehr über die Weine und Rebsorten des Weingut Sander

INSPIRATION LOUNGE INTERWIEW MIT STEFAN SANDER

»Wenn man es so sieht, ziehen wir viele Kinder groß«

Die Geschichte des Weingut Sander in Mettenheim (Rheinhessen) geht bis in das Jahr 1726 zurück.  Schon seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde auf das gesetzt, was es zu einem der führenden Weingüter der Region werden ließ: den konsequenten Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel. Gemäß der Überzeugung des Großvaters Ottoheinrich Sander »… Gesunde Reben wachsen nur auf gesunden Böden« wird auch heute zugunsten der Weinqualität bewusst auf hohe Erträge verzichtet.

Aufgrund intensiver Beobachtungen war Ottoheinrich Sander zu der Überzeugung gekommen, dass der bisherige Weg der Weinbergsbewirtschaftung früher oder später in die Sackgasse führen musste. Die Probleme der Monokultur, der Bodenerosion und Humusverarmung sowie der Anfälligkeit der Trauben für Schädlinge begriff er schon damals als Herausforderung. Seit mehr als 50 Jahren werden die Weinberge daher ausschließlich ökologisch bearbeitet. Der Grundgedanke von Nachhaltigkeit im Sinne des Umweltschutzes sowie die Schonung natürlicher Ressourcen sind damit im Weingut Sander schon zu einer Zeit selbstverständlich, in der an vielen anderen Orten voll auf Kunstdünger gesetzt wurde.

Seit fünf Jahren führen Stefan Sander und seine Frau das Weingut. Selbstverständlich erfolgt der Ausbau der Weine auch heute nach den modernsten Erkenntnissen der Önologie. Höchste Aufmerksamkeit wird darauf verwendet, die Reben wie den Wein in ihrer gesamten Entwicklung zu begleiten, jedem Weinjahrgang seine besondere Qualität zu verleihen und dabei den jeweils spezifischen Lagencharakter immer weiter herauszufeilen.

Auch der Austausch mit anderen Winzern ist Stefan Sander sehr wichtig. Schon sein Vater Gerhard, der den Betrieb seit 1979 leitete, vertrat den Standpunkt: der Blick über den Tellerrand ermöglicht »Maßstäbe, nach denen man sich streckt«. Dementsprechend ist Stefan Sander ein Gründungsmitglied der Initiative junger WinzerInnen »Message in a bottle.«

Das Weingut Sander ist außerdem Mitglied der internationalen Gruppe La Renaissance des Appellations, in der über 153 Spitzenweingüter aus vielen Ländern vertreten sind. Die Betriebe arbeiten alle seit mindestens drei Jahren zertifiziert ökologisch, die meisten – wie das Weingut Sander – biodynamisch. La Renaissance des Appellations gastierte in den letzten Jahren stets mit großem Erfolg, u.a. in Bordeaux, New York, Tokio und Los Angeles.

Stefan Sander und seine Familie verbinden seit vielen Jahren ihr Bewusstsein für die eigene Weinbaukultur und den eigenen Weg mit guter Beobachtungsgabe und Querdenken. Es kostet Mut und Weitblick, zu einer Zeit auf ein rein »ökologisches Pferd« zu setzen, in der Ökologie für die allermeisten ein Fremdwort war. Es zeugt gleichzeitig von einem Sinn für Tradition, wenn Stefan Sander sich heute in der Verantwortung gegenüber den vorangegangenen und den kommenden Generationen sieht. »Ich habe ungefähr 30 Jahre, um hervorragende Weine zu machen. Das ist nur ein kleiner Stein in unserer Weinbaugeschichte.«

Selbst mit Begeisterung Winzer, gibt Stefan Sander sein Wissen, seine Erfahrung und sein Bewusstsein für die Kombination von Bewährtem und neuen Ideen auch als überbetrieblicher Ausbilder an junge Winzer weiter.

Dass Leidenschaft, Engagement und Qualitätsdenken ein guter Weg sind, lässt sich im Weingut Sander bestens ablesen: zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen sprechen für sich. Wer sich gerne selbst überzeugen will, fährt nach Mettenheim und kostet. Unsere besonderen Favoriten: Riesling und Sauvignon Blanc.

www.weingut-sander
www.message-in-a-bottle

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Das Weingut Becker Landgraf

01. November 2010 von Chris

Das Weingut Becker Landgraf bei der Inspiration Lounge

Nach zahlreicher, tollen Resonanz auf das Interview mit dem Winzerehepaar Julia und Johannes Landgraf war es letzten Freitag endlich soweit. Die beiden kamen zu uns nach Köln, um bei einer Weinprobe im exklusiven Kreis einen Secco, drei Gutsweine, vier Ortsweine und einen Lagenwein aus ihrem Weingut in Gau-Odernheim vorzustellen.

Das Weingut Becker Landgraf befindet sich im Herzen Rheinhessens. Seine Weinlagen Hergottspfad/Petersberg, Rosenberg und Ölberg sind nicht nur wunderschön gelegen, sie prägen die Weine von Julia und Johannes Landgraf auch durch spezifische mineral- und nährstoffreiche Böden, die u.a. Kalk- und Tonmergel sowie Muschelkalk enthalten.

 

Mit dem Weingut Becker Landgraf führen Julia und Johannes seit 2006 die Tradition zweier Winzerfamilien weiter und gehen dabei bewusst ihren eigenen Weg. Ihre Weine machen sie mit großer Begeisterung, viel Know-how und gleich vier besonderen Händchen für verantwortungsbewussten Weinbau im Einklang mit der Natur. Ihr Markenzeichen J2 steht für doppelte Leidenschaft und das Wechselspiel gegenseitiger Inspiration. Die gemeinsame Arbeits- und Lebensphilosophie der beiden zeichnet ihre Weine aus: das klare Bekenntnis zur Qualität.

(click the pix 4 behind)

Schön, dass all das dann am Freitag nicht nur live zu erleben, sondern auch live zu schmecken war. Und logisch, dass die Gäste Schlag auf Schlag eintrafen, um das sympathische Winzerehepaar und seine Weine persönlich kennen zu lernen. Der Abend startete mit einem Secco zur Begrüßung…

Nachdem der Secco zur Begrüßung bereits für gute Resonanz und Stimmung gesorgt hatte, begannen Julia und Johannes Landgraf, den ersten Gutswein des Weinguts Becker Landgraf, einen Riesling trocken 2010 auszuschenken. Dabei erzählten sie von ihrem Engagement für ökologischen Weinbau und über die spezifischen Böden ihrer Weinlagen. Auf dem Petersberg, beim heutigen Gau-Odernheim gelegen, ruhte vor Millionen Jahren eine Kalkplatte, die ein ebenes Plateau, die Landoberfläche des Urrheins bildete. Noch heute geben im Boden auffindbare Muschelschalen Aufschluss über die geologische Geschichte der Gegend.

Beim nächsten Gutswein, einem Grauburgunder trocken 2010, zeigte Julia dann auch auf ein mit Muschelschalen gefülltes Glas: »Das sind keine Mitbringsel aus unserem letzten Urlaub, das finden wir täglich in unserer Weinlagen. Es macht unsere Böden aus, es macht daher auch wesentlich unsere Weine aus, denn wir finden es sehr wichtig, mit jedem Weinjahrgang auch die spezifischen Beschaffenheiten unserer Weinlagen herauszuarbeiten.«

Weiter ging es mit einem Spätburgunder Rosé trocken 2010. Auf das Probieren folgte von vielen ein »oh, der schmeckt nicht nur gut, der bringt, recht ungewohnt für einen Rosé, eine ordentliche Stärke mit ins Glas.« Ein anderer stellte fest: »schön, dass bei euch noch Stärke im Glas ist, bei mir ist leider schon wieder Luft drin.« Es wurde nachgeschenkt, etwas Brot gegessen und kurz darauf…

…kam der erste Ortswein, ein Gau-Odernheimer Riesling, Jahrgang 2009. Dazu die Erklärung, was einen Gutswein eigentlich vom Ortswein und einem Lagenwein unterscheidet. (Lagenwein: beste Lagen, beste Trauben, höchster Aufwand, niedrigste Erträge) Nach dem folgenden Gau-Odernheimer Weißburgunder 2009 wurde von einer Seite der Probierrunde bemerkt, wenn man schon bei Orten und Lagen sei, wäre das doch die Gelegenheit, das Weinanbaugebiet Rheinhessen darzustellen. Gesagt, getan. Nach einer Pause am Buffet erklärten Julia und Johannes die Lage Rheinhessens und die Weinbauentwicklung der letzten Jahre.


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Das Weingut Becker Landgraf ist Mitglied in der rheinhessischen Winzervereinigung Message in a Bottle. Julia und Johannes setzen sich, gemeinsam mit anderen jungen, talentierten Winzerinnen und Winzern, konsequent für besondere Weinqualität ein. »Wir schauen über den Tellerrand und haben gelernt, dass jeder seine individuellen Weine prägt, auch wenn wir untereinander Wissen und Erfahrung austauschen.«

Es folgten die Rotweine: der St. Laurent 2008, LUCA 1, wurde nach dem ersten Sohn von Julia und Johannes benannt. »Beneidenswert – so jung und schon werden einem Weine gewidmet«, raunte es in der Probierrunde. Der 2008er Gau-Odernheimer Spätburgunder unfiltriert war danach kaum in den Gläsern, da war er auch schon getrunken. Natürlich wurde dabei vielfach diskutiert, welcher der beiden Rotweine noch besser sei – es blieb dabei: einfach beide sehr gut.

Ein Lagenwein, 2009 Herrgottspfad Riesling, war schließlich der großartige Abschluss der Weinprobe. Es war ein toller Abend, es hat sehr viel Spaß gemacht und war bestimmt nicht das letzte Mal. Vielen Dank nochmals an Julia und Johannes Landgraf.

Zitate des Abends:
»Das haben Julia und Johannes Landgraf toll gemacht. Ein absolut sympathisches Paar.«
»Schön zu sehen, dass die beiden den Weinbau mit soviel Wissen und Leidenschaft betreiben.«
»Rotwein – geben Sie mir unbedingt mehr von diesem fantastischen Rotwein.«

INTERVIEW MIT JULIA UND JOHANNES LANDGRAF

(interview: scroll down) »Jeder Boden, jedes Klima, jedes Jahr ist anders, das ist ja das Schöne an unserem Beruf.«

J2 – das sind Julia und Johannes Landgraf, Winzerehepaar mit viel Leidenschaft für Wein und Weinbau. Seit 2006 betreiben sie gemeinsam ihr Weingut Becker-Landgraf in Gau-Odernheim, Rheinhessen. Was die beiden teilen, sind ihre Ideen, ihr Engagement für Qualität und ihr Bewusstsein für die besondere Charakteristik ihrer Weinlagen und Böden. Ein wichtiger Schwerpunkt ist der verantwortungsvolle, ökologische Weinbau – ganz im Einklang mit der Natur. Ziel von J2 ist es, jedes Jahr wieder hervorragende Weine zu produzieren und dabei jedem einzelnen Jahrgang seine besondere Prägung zu verleihen – mit allen Ecken und Kanten.

Die Geschichte des Weinguts ist bis ins 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Seit 2006 wird nun das Gut der Familie Becker von Johannes und Julia Landgraf gemeinsam geführt. Sie starteten ihre Zusammenarbeit mit dem Jahrgang 2005 unter dem Namen Becker-Landgraf.

Mit den beiden hat sich ein Team gefunden, dass das große Glück hat, die Begeisterung für hochwertige Weine und Anbaumethoden als gemeinsame Arbeits- und Lebensphilosophie zu teilen. Gemeinsam tragen sie die Verantwortung für ihre Arbeit und entscheiden auch gemeinsam, was gut für sie und ihre Weine ist. Darüber hinaus ist ihnen natürlich auch der Austausch mit anderen Winzern wichtig. Aus diesem Grund sind sie Mitglieder von »Message in a Bottle«. Hier ihr Wissen zu teilen hilft dabei, Qualitätsstandards stetig weiterzuentwickeln.

Ausschlaggebend für die Qualität der Weine von J2 sind Johannes und Julias besonderes Verhältnis zur Region, zur Natur sowie ihre eigene Art der Vitalisierung der Weinbergböden. J2 hat sich komplett vom »Golfplatzrasen« in den Weinbergen verabschiedet. Mit ihrem eigenen Kleegemisch als Weinbergbegrünung erreichen sie, dass der Boden durch die tief verlaufenden Wurzeln des Klees aufgelockert und mit reichlich Sauerstoff angereichert wird. Im blühenden Klee siedeln sich viele wertvolle Nützlinge, wie beispielsweise Bienen und Schmetterlinge an, die Schädlinge auf natürliche Weise in Schach halten. Durch den kompletten Verzicht auf künstliche Bewässerung und Mineraldünger, nur mit der Hilfe von natürlichem Humus, wird eine tiefe Verwurzelung der Reben erreicht. So entsteht beste Qualität in ausgewogenem Gleichgewicht, eine Überlastung der Rebstöcke wird vermieden.

Das Weingut Becker-Landgraf befindet sich mit seinen Weinlagen rund um den Petersberg, der eine ganz besondere Lagencharakteristik aufweist. Seine südliche Seite hat markante und unregelmäßige Ausbuchtungen von 10 bis 30 Grad Abdachung, die vor starken Nordwinden schützen. Beste klimatische Bedingungen, um mit viel Know-how und Energie großartige Weine zu machen.

Angesichts all dessen können wir uns Johannes Landgrafs Tipp nur anschließen: »Leute, fahrt mal nach Gau-Odernheim, schaut Euch die Lagen an, schaut Euch die Reben und die Böden an, macht Euch selbst einen Eindruck von Wissen und Vorgehensweisen beim Weingut Becker-Landgraf und vor allem natürlich: probiert dann den Wein.«

Es lohnt sich.

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Inspiration Lounge Interview mit Fritz und Peter May

01. November 2010 von Chris

(interview: scroll down) »Wer ist denn Winnetou?«

Der Name Karl May steht schon lange für besondere Geschichten und ausgeprägte Charaktere. Das gilt nicht nur für den allseits bekannten Schriftsteller aus Radebeul:

Das Weingut Karl May blickt ebenfalls zurück auf eine lange Tradition, in der jeder einzelne Verantwortliche seinen besonderen Fingerabdruck hinterlassen hat. Das Weingut liegt in Osthofen im südlichen Rheinhessen – genauer gesagt, mitten im Wonnegau. Mit Fritz und Peter May übernimmt inzwischen die 7. Generation das Gut.

Obwohl beide von klein auf hautnah das Wein machen miterlebten, entschieden sie sich erst nach der Schule dafür, Weinbau in Geisenheim zu studieren. Umso mehr sind sie heute Winzer aus Überzeugung und Leidenschaft. Seit 2007 werden die Weinberge von ihnen nach ökologischen Richtlinien bewirtschaftet. Der konsequente Verzicht auf Herbizide und chemisch-synthetische Mittel hält Flora und Fauna so gut im Einklang, dass mittlerweile auch mehr und mehr junge Rehe in den Weinbergen anzutreffen sind.

Wenn es 65.000 Rebstöcke zu pflegen gilt, fällt viel Arbeit an. Diese wird bei Fritz und Peter May fair aufgeteilt: »Jeder von uns muss mal schwere, nervige Sachen machen und bekommt dafür auch mal ein Sahnestück.«

Bei soviel brüderlicher Kooperation in Kombination mit dem Namen Karl May und einem besonderen Know-how für hochwertige Rotweine lag es nah, mit einer außergewöhnlichen Idee aufzuwarten: dem neuen Rotweinlabel Blutsbruder, das über den Weinhandel vertrieben wird. Die größte Blutsbruder-Flasche fasst stattliche 12 Liter, ist handabgefüllt und erlaubt völlig neue Assoziationen zu der bekannten Einladung »Lass uns doch mal abends auf eine Flasche Wein treffen.«

Steht das Weingut Karl May schon seit vielen Jahren für hochwertige Weine, arbeiten Fritz und Peter May, seit drei Jahren Mitglieder bei Message in a Bottle, auch heute daran, jedes Jahr wieder ausgezeichnete Qualität in die Flasche zu packen und den Ruf Rheinhessens als Weinregion weiter nach vorne zu bringen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Aus dem Jahrgang 2009 erreichten allein neun Weine des Weinguts die Auszeichnung mit Gold, fünf wurden mit Silber prämiert. Das brachte darüber hinaus zum wiederholten Mal den Staatsehrenpreis als eines der zehn erfolgreichsten rheinhessischen Weingüter.

Und nicht nur Wein wird im Weingut Karl May mit außergewöhnlichen Ideen und Qualität an- und ausgebaut. Direkt neben dem über 300 Jahre alten Fachwerkhaus entsteht derzeit eine schon aufgrund der architektonischen Kombination sehenswerte Vinothek. Alles in allem viele Gründe, den Liebenauer Hof in Osthofen auf der nächsten Rheinhessentour zu besuchen, um die Brüder und ihre Weine persönlich kennen zu lernen.

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Interview mit Katja Bäder

28. Oktober 2010 von Kerstin

»In unserer Generation gibt es klare Entscheidungen: will ich Wein machen – ja oder nein.«

Das Weingut Bäder in Wendelsheim – mitten in der rheinhessischen Schweiz gelegen, wurde im Jahr 2009 von Katja und Jens Bäder gegründet. Hervorgegangen ist es aus der Villa Bäder in Eckelsheim. Jens und Katja Bäder haben mit der Gründung ihres Weinguts den Entschluss getroffen, konsequent ihren eigenen Weg des Weinanbaus und der Weinherstellung zu gehen. Sie erwarben einen alten Gutshof in Wendelsheim, den sie mit viel Energie und Eigenarbeit umgebaut und renoviert haben. Die wichtigste Weinlage des Guts ist »La Roche« – steil, steinig, mit mineralischen Böden.

Der eigene Weg von Katja und Jens Bäder beinhaltet nicht nur das klare Bekenntnis zur Qualität und Lagencharakteristik ihrer Weine. Er umfasst vor allem auch die bewusste Entscheidung, an Weinanbaufläche künftig nur so begrenzt zu wachsen, dass dauerhaft alle wichtigen Arbeitsschritte – von der Arbeit im Weinberg und Weinkeller bis hin zu Vermarktung und Verkauf der Weine – von ihnen persönlich durchgeführt werden können. Den kompletten Produktionsprozess in den eigenen Händen zu haben, ist für sie sowohl eine Frage der permanenten Qualitätskontrolle als auch insbesondere eine echte Herzensangelegenheit. Mit Spaß und Freude in jedem Jahr besondere Weine in die Flasche zu bringen und dabei das eigene Know-how, die eigene Perfektion immer noch weiter auszubauen, ist deutlich spürbar der Antrieb der beiden. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf die traditionellen Weinsorten, die in ihren Lagen ausgezeichnet gedeihen.

Da das Weingut Bäder Mitglied bei der Vereinigung Message in a Bottle ist, sprachen wir mit Katja Bäder auch darüber, warum aktuell junge Winzer so vehement auf hohe Qualität statt Quantität setzen und viel Wissen, Zeit und Arbeit dafür aufwenden, hochwertigen deutschen Wein nicht nur in Deutschland selbst, sondern auch international noch bekannter und gefragter zu machen. Gibt es Dinge und Haltungen, die sich zu früheren Jahren geändert und diese Entwicklung bewirkt haben? Wird heute anders zusammengearbeitet, nicht nur im eigenen Betrieb – auch überbetrieblich? Und wenn ja, welche Faktoren haben diese Veränderungen bewirkt?

Katja und Jens Bäder sind mit ihrem noch jungen Weingut selbst ein schönes Beispiel für die Energie, die junge Winzergenerationen heute mit Erfolg und tollen Ergebnissen investieren. Work in progress – absolut wert, auch künftig aufmerksam verfolgt zu werden. Also, auf nach Wendelsheim, um die rheinhessische Schweiz endlich auch mit eigenen Augen und Gaumen kennen zu lernen.

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