Tag: Initiative

Interview mit Frank Dehner

08. Juli 2010 von Kerstin
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»Das ist meine Reality-Soap«

Frank Dehner absolvierte seine Schauspielausbildung in Göttingen und spielte am dortigen Schauspielhaus, bevor es ihn nach Köln zog. Hier überlegte er, den Weg zu Film und Fernsehen einzuschlagen und kam davon wieder ab, als er merkte, dass viele Produktionen vor Ort in Köln vor allem in schnellem Durchlauf gefertigt werden und nicht seinen Vorstellungen von Qualität entsprechen: »Gute Dinge brauchen einfach ihre Zeit.«

So blieb er dem Theater treu. Engagements ließen ihn zwischen Hamburg, dem Ruhrgebiet und Köln pendeln. »Irgendwie hatte ich damals so eine jugendliche Angst, dass ich nicht 25 werde. Als ich es dann doch geworden bin, wollte ich auch etwas Besonderes auf die Beine stellen – beispielsweise ein Theaterstück schreiben oder die Regie übernehmen.«

Doch wie das oft so ist, wenn man Pläne macht, schlägt das Leben gerne einen anderen Weg ein. In einem Hamburger Café stößt Frank Dehner zum ersten Mal auf ein vielen Menschen damals noch nicht bekanntes Erfrischungsgetränk namens Bionade. Er beschließt, es an seinem Wohnort heimisch zu machen. Neben seiner Schauspieltätigkeit beginnt er, die Belieferung von Gastronomien in der eigenen Nachbarschaft im Belgischen Viertel in Köln aufzubauen. Dabei leistet er mit viel Eigeninitiative Pionierarbeit für das Erfrischungsgetränk und schafft sich selbst nach und nach seinen heutigen Job, den Vertrieb in NRW.

In seiner freien Zeit entwickelt und baut Frank Dehner, zusammen mit einem Nachbarn, außergewöhnliche Leuchtobjekte. In einem kleinen Kellerraum, in dem auch unser Interview statt fand, entstehen Unikate, die ihre Fans und Abnehmer vor allem per Mundpropaganda im Freundes- und Bekanntenkreis finden. Auch darüber hinaus setzt Frank Dehner die Dinge ins rechte Licht. Mit viel Engagement, Know-how in Beleuchtung und feinem Gespür für Atmosphäre unterstützt er immer wieder Veranstaltungen in der Kölner Nachbarschaft.

Aus unserer Sicht steht die Geschichte von Frank Dehner als wunderbares Beispiel dafür, dass die oft so verschieden Dinge, die man im Leben lernt und tut – die vielen Facetten und Stärken des Einzelnen – sich letztlich auf einzigartige Weise ergänzen.

»Schauspiel ist für mich eine Konstellation auf eine Situation, auf eine Figur, und man wird, während man sich damit beschäftigt, ein anderer. Insofern ist es fast egal, in was ich mich hineinstelle, es zählt immer die Auseinandersetzung mit der Sache.«

Ideen und Initiatoren

15. Juni 2010 von Kerstin

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Wer kennt nicht Carl Spitzwegs »Der arme Poet«, der zurückgezogen in seiner Kammer mit den Versen ringt? Oder das Klischee vom einsamen Wissenschaftler, unermüdlich in seinem Labor vor sich hin bastelnd?

Sicher, es gibt kreative Köpfe, die dieses gerne bemühten Bilder bestätigen. Andererseits legen eingehende Forschungen über das Auftreten von Kreativität deutlich näher: Kreativ ist man besonders dann, wenn auch andere im Umfeld kreativ arbeiten. Eine solche Atmosphäre ist ganz offensichtlich ein großartiger Katalysator für besondere Ideen und deren Realisierung. Das gilt umso mehr, wenn Menschen aufeinander treffen, deren Ideen, Arbeit und Know-how Überschneidungen aufweisen, die zu neuen Blickwinkeln und Lösungen führen.

Faszinierend an den neuesten Animationsfilmen, wie zuletzt Avatar, finde ich daher, dass James Cameron zur Realisierung seiner Ideen jahrelang mit Hard- und Softwareentwicklern zusammenarbeitete. Ohne sie hätte der Film nicht entstehen können, mussten doch zunächst erst einmal die technischen Voraussetzungen für den graphischen Aufbau des Films geschaffen werden. Nicht nur Cameron und der FIlm profitierten von diesen Entwicklungen. Alle einbezogenen Entwickler erhielten reichlich Ideen und Motivation für das Voranbringen der neuen Technologien und der eigenen Fertigkeiten.

Noch ein Beispiel: Unser Interviewpartner Oliver Matter, der für die Herstellung seiner Absinthes nur die besten Rohstoffe verwendet, weiß, dass kurze Transportwege die besondere Frische von Kräutern und anderen Zutaten ausmachen. Da er viele Kräuter für die Absintheherstellung bereits von Bauern aus seiner direkten Umgebung bezieht, kam ihm die Idee, auch den Anbau von Koriander zu initiieren. Tatsächlich wurde Koriander zuvor nicht in der Schweiz angebaut, weil einfach niemand auf die Idee gekommen war. Es brauchte Oliver Matter und sein Bedürfnis nach erstklassigen Koriandersamen.

Sein Kräuterlieferant baute daraufhin unter Einsatz all seines Know-hows Koriander an, und siehe da: das Ergebnis war so hervorragend, dass heute niemand mehr den Korianderanbau in der Schweiz in Frage stellt. Oliver Matter hat den Koriander, den er braucht. Es resultieren geschmacklich einzigartiger Absinthe und ein Bauer, der ein neues Produkt verkaufen kann.

Gelungene Realisierungen brauchen gute Ideen. Ideen brauchen oft Initiatoren. Diese initiieren meist, weil sie etwas realisieren möchten, wozu sie die Hilfe anderer benötigen.

Daher: Statt mit Argusaugen die eigenen Ideen zu hüten – ist es nicht schlauer, sich öfter mal zu fragen: Was will ich wirklich realisieren? Wo kann ich initiieren?