Tag: Impulse

bewusst-sein

28. September 2012 von Kerstin

(Inspiration Lounge TALKS | 2012)

Im Rahmen der Inspiration Lounge und der Inspiration Lounge TALKS nehmen wir gerne Bezug auf Albert Einsteins Zitat: »Wir werden unsere Probleme niemals auf der Bewusstseinsstufe lösen, auf der sie entstanden sind.«

Kein anderer Satz bringt aus unserer Sicht so gut die heutige Situation auf den Punkt. Einerseits erkennen wir alle immer besser, wohin uns die ökonomischen und kulturellen Strukturen führen, die wir als »Normalzustand« betrachten. Andererseits tun wir uns doch oft so schwer, uns bessere Alternativen dazu vorzustellen.

Anschauliche Beispiele dafür finden sich jeden Tag in allen Medien. Da geht es beispielsweise um die Finanzkrise und die europäische Krise, doch ständig hört man insbesondere von Vorschlägen und Maßnahmen, die wenig mit echter Zukunftsfähigkeit und sehr viel mit altbekannten Wegen von gestern und vorgestern zu tun haben. Immer weitere bürokratische Ebenen und Institutionen werden geschaffen, die kaum jemand durchblickt, endlose Diskussionen werden über Marktliberalismus oder Regulierung, über mehr Schulden machen oder mehr sparen geführt. Über allem steht nach wie vor der Begriff Wachstum in großen Lettern, weil wir heute offensichtlich noch keine andere Perspektive einzunehmen vermögen, obwohl wir um die Grenzen unserer Welt wissen. Selbst wenn wir nach neuen Lösungen suchen, fallen wir eben meist doch wieder in alte Denkmuster zurück.

Um hier nochmals auf das Zitat von Albert Einstein zurückzukommen: es gibt auch keinen anderen Satz, der treffender aufzeigt, dass der Weg zu besseren Ideen und Strukturen nur darin liegen kann, uns selbst bewusst zu machen, dass wir mit unseren alten Handlungsmustern alleine nicht weiter kommen werden. Wir brauchen vor allem neue Perspektiven, neues Denken, neue Vorgehensweisen und die Offenheit, neue Möglichkeiten zu sehen und aufzugreifen. Denn gute Ideen liegen oft näher als man denkt.

Ein entsprechendes Bewusstsein für neue Wege und Änderungen zu entwickeln, ist dabei keine nie da gewesene Aufgabe. Bewusstseinsentwicklung findet immer und überall statt, weil sie Veränderung voranbringt, die Welt und Leben nun mal ausmacht. Man denke alleine, wie sich in den letzten Jahrzehnten unser Denken über die Energiegewinnung geändert hat. Wer hätte Anfang der 1980er Jahre, als die Grünen mit ihrer Anti-Atomkraft-Politik erstmals in den Bundestag einzogen, gedacht, dass binnen 30 Jahren eine Kanzlerin! von der CDU aus Angst vor der Wählermeinung den Atomausstieg einläutet. Und wer hätte damals geglaubt, was Joschka Fischer heute beruflich tut? Anderer Bereich: hätte man Anfang der 1920er Jahre, als man über den Kubismus noch oft den Kopf schüttelte, vermutet, dass Pablo Picasso der weltweit bekannteste Bildende Künstler des 20. Jahrhunderts werden wird? Wohl kaum.

Das Schöne ist: man kann direkt in der eigenen Umgebung jeden Tag etwas für die Entwicklung des eigenen Bewusstseins tun. Denn neben allen Denk- und Handlungsstrukturen von gestern und vorgestern gibt es immer wieder Menschen, die mit guten Ideen und neuen Perspektiven schon längst vorausgehen und Zukunftsfähiges auf den Weg bringen, das heute nicht mehr auf blindes Wachstum setzt. Einzelne, die gängige Vorgehensweisen und Haltungen hinterfragen, die uns überraschen und genau deshalb inspirieren können.

Diese Menschen und die von ihnen ausgehenden Ideen und Impulse bewusster wahrnehmen zu können, um dadurch selbst neue Blickwinkel zu gewinnen – eine gute Voraussetzung, um selbst Lust auf die eine und andere Veränderung zu bekommen.

Voilà, der Grundgedanke der Inspiration Lounge Talks.

Denn: »Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.« (Zum Schluss noch ein Zitat, diesmal von Francis Picabia.)

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Inspiration Lounge TALKS 2012

09. September 2012 von Chris

(Inspiration Lounge TALKS_17. November 2012)

Am 17. November 2012 finden im Kulturraum Art68 in Köln die ersten von uns initiierten Inspiration Lounge TALKS statt, an denen neben zait und dem Weingut Sander u.a. die Unternehmen investinlife, BioGourmetClub, Moogoo sowie OutdoorGym teilnehmen werden. Die Inspiration Lounge TALKS haben wir als Forum initiiert, in dem Entrepreneure in Live-Interviews inspirierende Einblicke in ihr Denken, ihr Know-how, ihre Ideen, Konzepte und Erfahrungen gewähren.

Es wird heute immer deutlicher, dass unsere Ökonomie und Kultur, d.h. die meisten unserer Lebens- und Arbeitsweisen, nicht mit einer begrenzten Welt und ihren endlichen Ressourcen zusammenpassen. Schon Albert Einstein erkannte, dass wir unsere Probleme niemals auf der Bewusstseinstufe lösen werden, auf der sie entstanden sind. Es geht daher nicht nur um die Suche nach neuen Ideen, sondern darum, uns bewusst zu machen, dass zukunftsweisende Ideen erst entstehen, wenn wir unsere Denk- und Handlungsstrukturen hinterfragen, aufbrechen und verändern. Wie gut, dachten wir uns, dazu Anregungen von Menschen zu erhalten, die mit ihren Sicht- und Vorgehensweisen bereits erfolgreich vorausgehen.

Unter diesen Aspekten haben wir deshalb die Teilnehmer für die Inspiration Lounge TALKS ausgewählt und setzen dabei gerne auf ungewöhnliche Perspektiven, um allen TALKS-Besuchern möglichst viele verschiedene Denk- und Handlungsimpulse zu geben. Es geht natürlich um Ökonomie, aber eine Ökonomie, die unser aller Leben berührt und daher zu wichtig ist, um sie einfach den Ökonomen zu überlassen. Und, wie immer im Rahmen der Inspiration Lounge, werden selbstverständlich auch Kunst und Musik nicht fehlen. Der Zeichner und Künstler Wilhelm Schlote sowie der Komponist und Musiker Florian Zwissler sorgen für außergewöhnliche Hör- und Seherlebnisse.

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Kunst und Wahrnehmung – die Veranstaltung_Part II

06. November 2011 von Kerstin

(Matthias Beckmann | live zeichnend bei Kunst + Wahrnehmung)

Wer denkt, der Abend sei damit schon beendet gewesen – weit gefehlt. Ausgehend und inmitten der zuvor betrachteten Zeichnungen hatten unsere Gäste zahlreiche weitere Ideen und Fragen. Wie ist das denn mit den einzelnen Zeichnungen, sind alle Gegenstände und Räume darauf immer perspektivisch korrekt wiedergegeben? Matthias Beckmann erklärt: »Mir ist wichtig, dass die Gesamtkomposition des Bildes stimmt und gut aussieht. Ich zeichne Räume und Gegenstände so, wie ich sie sehe. Wenn ich beispielsweise eine Figur betrachte und sehe davon den Kopf und einen stark verkürzten Rumpf, zeichne ich das genau so. Wenn ich anfangen würde, mich damit zu beschäftigen, dass die Figur ja auch noch Beine und Füße hat, die ich nur gerade aus meiner Position nicht wahrnehmen kann, wäre es mit meiner Konzentration auf die Darstellung des für mich zu Sehenden vorbei. Ich arbeite auch nicht mit Fluchtpunkten, um ganz korrekte Perspektiven zu erstellen. Das wäre für mich unnatürlich, denn dieses Fluchten entspricht gar nicht unserer eigentlichen Wahrnehmung. Wir sind nicht starr an einem Punkt mit einer festen Perspektive, sondern bewegen uns, unseren Kopf und unsere Augen permanent.«

(Konzentration)

Nächste Frage: »Verwendest Du für Deine Zeichnungen neben Stift und Papier auch andere Hilfsmittel, beispielsweise bestimmte Zeichensoftware?« »Nein, mache ich nicht. So praktisch solche Möglichkeiten für andere sein mögen, ich bin mit meinem Bleistift schneller und direkter als ich mit solchen Programmen je sein könnte. Auch für meinem zweiten Film double world, der hier im Rahmen der Ausstellung zu sehen ist, habe ich daher keine anderen technischen Hilfsmittel verwendet.« (Anmerkung der Redaktion: das war, logisch, auch schon im ersten Film von Matthias Beckmann so. Der Film heißt bezeichnenderweise No tricks.)

Zum Abschluss unseres Wahrnehmungsaustauschs noch eine Aussage, die eine wunderbare Anknüpfung zu seinem Beginn darstellt: »Die Zeichnungen haben, wie ich finde, etwas wirklich Philosophisches, und auch ich hatte die ganze Zeit den Begriff Poesie im Kopf. Da es hier gerade um exakte realistische Darstellung und ganz korrekte Perspektiven ging: ich würde einen Teufel tun, mir zu wünschen, die gezeichneten Motive beispielsweise als Fotografie zu sehen. Das würde alle Poesie zerstören.«

(Austausch)

Genau der richtige Moment, damit Matthias Beckmann unserer Runde die Zeichnungen zeigt, die er während des gemeinsamen Abends gefertigt hat. Wir sind erstaunt, wie man einzelne Situationen eines recht kurzen Zeitraumes so stimmig einfangen kann. Klasse auch, dass ebenfalls unsere Gäste die während des Abends von ihnen gezeichneten Eindrücke zeigen. Und interessant, dass verschiedene Personen, jeder auf seine Weise, ganz ähnliche Momente und Bilder festgehalten haben.

(Die Live-Zeichnungen von M. Beckmann | entstanden während des Abends)

(Emmanuel Walderdorff und Gäste)

Dann kam das, was kommen musste. Nach eingehender visueller und akustischer Wahrnehmung folgen diejenigen für den Gaumen. Emmanuel Walderdorff hatte auch hier den richtigen Riecher für’s Außergewöhnliche. Zu erstklassiger Salami von Reh und Wildschwein wurden ein Himbeer- und ein Pflaumenschnaps gereicht, beide von einem Bauern in Frankreich hergestellt, der jegliches Obst für seine Schnäpse selbst sammelt. Klar, dass der nächste Austausch darüber stattfand, wem, was, warum am besten schmeckt.

(Im Reich der Sinne | Wildschwein versus Reh)

Ein inspirierter Abend lebt durch seine Gäste. Danke an Euch. Schon bald gehen wir in die nächste Runde von »Kunst und Wahrnehmung«.

So long.

Ausstellung »Der Gast« Matthias Beckmann, zu Gast: Hans Pfrommer
Galerie Emmanuel Walderdorff, Jülicher Str. 27, Köln
Ausstellungsdauer 4.11.2011- 14.01.2012

Kunst + Wahrnehmung | > Part I

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Kunst und Wahrnehmung – die Veranstaltung_Part I

04. November 2011 von Kerstin

(inspiration lounge | Emmanuel Walderdorff Galerie _Kunst + Wahrnehmung)

Bekannte Sicht- und Vorgehensweisen bewusst wahrzunehmen, zu hinterfragen und zu ändern, um dadurch zu neuen Blickwinkeln, Ideen und Wegen zu gelangen – darum geht es uns in der Inspiration Lounge.

Da wir seit vielen Jahren Kunstausstellungen und Galerien besuchen, begannen wir vor einiger Zeit, unser Verhalten während dieser Besuche genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei fiel uns immer wieder auf, wie sehr wir (und längst nicht nur wir) damit beschäftigt sind, eine unglaubliche Fülle an Kunstwerken und Eindrücken in kurzer Dauer aufzunehmen – geschuldet insbesondere der heute alltäglichen Vorliebe für Zeiteinsparung. Überall Terminstress und Optimierungsdruck – Leben in Eile.
Nun mag es Meister der Simultanwahrnehmung geben, wir kamen dagegen zu dem Ergebnis, dass wir auf diese Weise vor allem flüchtige Einblicke mitnehmen. Kann man das nicht auch anders machen, haben wir uns deshalb gefragt. Schön wäre die Form der Entschleunigung: sich bewusst mehr Zeit für das Betrachten einzelner Werke zu nehmen, die Dinge tatsächlich auf sich wirken zu lassen und auch mit anderen in Austausch darüber zu treten.

Unsere Idee: eine Veranstaltungsreihe, die das bekannte Multi-Tasking beiseite lässt, um Raum für eine eingehendere Wahrnehmung von Kunst und Miteinander zu schaffen. Mehr Konzentration, mehr Intensität.

Wie das so ist mit der Umsetzung von Ideen: man braucht die richtigen Partner, den richtigen Ort und die richtige Zeit. Ist dazu auch noch Glück im Spiel, trifft man, wie wir, auf Emmanuel Walderdorff, der seit zehn Jahren in Köln seine Galerie betreibt und auf die Schilderung unserer Idee »Ich bin dabei« sagt.

Gesagt, getan. Los ging es mit der Planung. Wie schaffen wir es, im Rahmen einer Veranstaltung in der Galerie einen besonderen Ort für konzentrierte Wahrnehmung von Kunst inklusive Austausch in persönlichem Rahmen zu geben? Wir begannen, Ideen zusammenzutragen. Ein perfekter Anlass für den ersten Veranstaltungsabend war schnell gefunden: die Ausstellung »der Gast, Matthias Beckmann, zu Gast: Hans Pfrommer«, die heute in der Galerie Emmanuel Walderdorff beginnt. Wunderbar, das Thema »der Gast«, wenn wir selbst Gäste einladen wollen, dachten wir uns und entschieden, unser Projekt »Kunst und Wahrnehmung« zwei Tage vor der Vernissage stattfinden zu lassen.

(Matthias Beckmann | der Aufbau)

Letzten Mittwoch war es soweit. Am Vormittag in der Galerie, der Aufbau der Ausstellung ist im vollen Gange, nochmals kurze Absprache mit Emmanuel Walderdorff und Matthias Beckmann über den geplanten Veranstaltungsablauf. Wir entscheiden, den Gästen am Abend ausschließlich die  Werkserie zu zeigen, die Matthias Beckmann während eines Gastaufenthalts bei dem Künstler Hans Pfrommer von dessen Atelier gezeichnet hat. Als Ergänzung zu der Werkserie ist in einem anderen Raum der Galerie sogar ein Teil des Ateliers von Hans Pfrommer aufgebaut, so dass sich immer wieder Bezüge zwischen Zeichnungen und nachgebildeter Real-Ateliersituation herstellen lassen.

(Opening der Veranstaltung | Kunst + Wahrnehmung)

Ab 20.30 Uhr kommen die Gäste. Sie wissen, dass sie Zeichnungen von Matthias Beckmann sehen werden, dass die Ausstellung »der Gast« heißt und es an diesem Abend um eine eingehendere Art der Wahrnehmung gehen wird. Mehr haben wir nicht verraten, um die Wahrnehmung nicht schon vorab in bestimmte Richtungen zu drängen. Alle beginnen damit, die einzelnen Zeichnungen Beckmanns aus der »Gast-Serie« zu betrachten. Zur Unterstützung gibt es Stifte, Papier und die Möglichkeit, das Betrachtete zu zeichnen, um den Werken auf diese Weise noch näher zu kommen. Wir sind sehr gespannt, wer die Möglichkeit nutzt und freuen uns sehr zu sehen, wie viele unserer Gäste es gerne tun. Auch Matthias Beckmann greift zu seinem Stift und Zeichenblock. 30 Minuten vergehen in sehr konzentrierter Atmosphäre, dann bitten wir zu Tisch.

(Emmanuel Walderdorff über die Idee von »der Gast« )

Nach der Vorstellung unserer Veranstaltungsidee schildert Emmanuel Walderdorff, wie sein Gedanke entstand, der Matthias Beckmann zu Hans Pfrommer brachte und damit Ausgangspunkt einer Werkserie wurde, die Beckmann inzwischen in mehr als 60 Berliner Künstlerateliers führte. Matthias Beckmann war zu Gast in Pfrommers  Atelier und hielt Arbeit und Umfeld des Künstlers zeichnerisch fest, auf dass wir beides nun über das Betrachten der entstandenen Zeichnungen wahrnehmen können. Wir also zu Gast bei Emmanuel Walderdorff und sozusagen auch bei Matthias Beckmann und Hans Pfrommer – eine wirklich runde Wahrnehmungssache.

Natürlich wollen wir Matthias Beckmann an diesem Abend nicht davonkommen lassen, ohne dass er einige Fragen beantwortet. Keine Inspiration Lounge ohne Interview. Auf die Frage »Wie war es, zu Gast bei Hans Pfrommer?« startet ein lebhafter Austausch. Was haben unsere Gäste mittels der Zeichnungen von Matthias Beckmann wahrgenommen von dessen Aufenthalt bei Hans Pfrommer?

Die erste Antwort: »Mich fasziniert absolut die Linienführung in den Zeichnungen von Matthias Beckmann, diese Klarheit, die durch kein Absetzen des Zeichenstiftes unterbrochen wird. Gleichzeitig finde ich in den Zeichnungen eine Poesie, die mir Hans Pfrommer als Mensch nahe bringt.«

Gleich mehrere Gäste stimmen ein, auch bei ihnen sei durch die Betrachtung der Zeichnungen der Eindruck entstanden, Hans Pfrommer bereits gut zu kennen. Wesentlichen Anteil daran habe, dass die Zeichnungen in großem Detailreichtum Gegenstände aus Pfrommers Atelier zeigen und man sich so ein ganz gutes Bild von deren Besitzer machen könne. Darauf kommt ein erster Einwand: »Aber ist das nicht auch Interpretation, weil man die Gegenstände, die man zu kennen denkt, eigentlich nur auf sich selbst und das eigene Erlebte bezieht und so versucht, Bezüge zu Hans Pfrommer herzuleiten?«

Matthias Beckmann schaltet sich ein: »Wenn ich zeichne, versuche ich das Nebeneinander von einzelnen Dingen so wiederzugeben, wie es erscheint. Ich setze einzelne Gegenstände nicht in den Fokus, weil sie mir wichtiger erscheinen als andere, sondern versuche, mir eine gewisse Distanz zu bewahren. Sie erlaubt mir, vermeintlich unbedeutende Dinge gleichwertig zu vermeintlich sehr Bedeutenden zu sehen und festzuhalten. Genau dieses Nebeneinander von wichtig und unwichtig ist ja tatsächlich allgegenwärtig. Ich habe deshalb auch nicht bestimmte Gegenstände im Atelier von Hans Pfrommer auf meinen Zeichnungen hervorgehoben, nur weil sie für mich und mein Erlebtes eine besondere Bedeutung haben. Was ich allerdings mache, sind Einzelheiten zu betonen, indem ich teilweise Beschriftungen mitzeichne, die Gegenstände tragen. Beispielsweise zeichne ich die Schrift auf einen Plattencover oder einem Buch, das in Hans Pfrommers Atelier zu sehen ist. Dadurch bekommt dieser Gegenstand eine Bedeutung und ich spiele ein bisschen mit der Wahrnehmung oder auch der Identifikation des Betrachters, der natürlich geneigt ist, Verbindungen zwischen gesehener Zeichnung und sich selbst herzustellen.«

(Wahrnehmung und Annäherung)

Während Matthias Beckmann und einige Gäste wieder zu Stift und Block greifen, fällt mir ein, dass ich vormittags beim Ausstellungsaufbau drei weitere Zeichnungen von Matthias Beckmann gesehen hatte: ebenfalls wunderbare Beispiele für das Spiel mit gezeichneter Schrift, Wahrnehmung, Bedeutung und persönlicher Assoziation. »Wenn Ihr alle schon wüsstet, welche Zeichnungen übermorgen dort an der Wand hängen werden, wo jetzt nur die Nägel zu sehen sind. Wir hätten zum Thema Schrift und persönliche Einordnungsversuche schier unerschöpflichen Gesprächsstoff.«

»Ja, dann sehen wir uns am Freitag zur Vernissage,« wird sofort beschlossen. Neben den Zeichnungen von Matthias Beckmann werden dann außerdem sein neuer Film double world sowie ausgewählte Werke von Hans Pfrommer zu sehen sein. Übrigens, auch Hans Pfrommer ist dann dabei – zu Gast in der Ausstellung seines Gastes. Da kann einem fast ein bisschen schwindelig werden…

Fortsetzung folgt…

Ausstellung »Der Gast« Matthias Beckmann, zu Gast: Hans Pfrommer
Galerie Emmanuel Walderdorff, Jülicher Str. 27, Köln

Vernissage 04.11.2011, 18-22 Uhr
Ausstellungsdauer 4.11.2011- 14.01.2012

Kunst + Wahrnehmung | > Part II

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schöner, erhaltend, erweiternd_teil 1

07. Oktober 2011 von Kerstin

(thomas Fuhlrott_ zait | kerstin döweler _inspiration lounge)

Als wir im April Thomas Fuhlrott, den Gründer des Unternehmens zait interviewten, stellten wir fest, dass wir mit ihm in vielen Punkten unserer Haltung über notwendigen ökonomischen und kulturellen Wandel übereinstimmen. Wir trafen auf einen Menschen, der dem Bereich Ökonomie, speziell dem Handel, mit seinen Ideen, Konzepten und Wegen zahlreiche neue Impulse gibt. Wir sind der Auffassung, dass diese Impulse wesentliche Grundlagen für positive Entwicklungen und Veränderungen unternehmerischer Denk- und Vorgehensweisen sind und noch mehr wahrgenommen werden müssen. Im Rahmen der Inspiration Lounge werden wir sie daher ab heute unter dem Aspekt schöner, erhaltend, erweiternd eingehender beleuchten.

In unserem ersten Gespräch sprach Thomas Fuhlrott davon, dass ihn Gedanken und Äußerungen von John Ruskin bei der Gründung von zait wesentlich beeinflussten. Darüber wollen wir heute mehr erfahren:

K: Thomas, erzähl doch mal genauer über John Ruskin und wodurch er Euch bei zait beeinflusst hat.

T: John Ruskin war ein englischer Schriftsteller, Kunsthistoriker und Sozialreformer. Er wurde 1819 geboren und hat damit die Industrialisierung in England als Zeitgenosse erlebt. Durch seine Beobachtungen kam er schon früh dazu, Fehlentwicklungen aufzuzeigen, mit denen wir uns heute nicht nur immer noch beschäftigen, sondern teils auch denken, es handele sich vorwiegend um zeitgenössische Probleme. Dazu gehört die zunehmende Zerstörung von Natur durch den Menschen. Auch die rein utilitaristische Ausrichtung einer Wirtschaftspolitik, die fördert, was dem Profit dient, während sie immer größere soziale Ungleichheiten entstehen lässt.

Ruskin hat sich genauso auch Gedanken über einzelne Aspekte von Wirtschaft und unternehmerischem Handeln gemacht. Bei der Gründung von zait hat uns beispielsweise beeinflusst, was er über die Qualität von Produkten dachte: »Ein Produkt ist nur dann gut, wenn es die Welt schöner macht, wenn es sie erhält und erweitert. Es ist nicht allein deshalb gut, weil es sich gut verkauft.«

K: Man merkt, wie aktuell das ist. Heute wird ja sehr oft »gut« mit »verkauft sich gut« gleichgesetzt. Und wenn doch Zweifel an der Qualität einer Sache vorliegen, kommt gerne einer meiner Lieblingssätze: »aber der Erfolg gibt ihr/ihm recht.«

(thomas fuhlrott)

K: Wie habt Ihr denn diese Werte »schöner, erhaltend und erweiternd« bei zait umgesetzt?

T: Das beginnt mit der Qualität der Olivenöle, die wir permanent kontrollieren lassen. Die Bezeichnung nativ extra ist zunächst mal nur ein Mindeststandard, den Olivenöle bei uns auf dem deutschen Markt erfüllen müssen. Das wissen viele Menschen nicht. Wir dagegen arbeiten nur mit erstklassigen Olivenölproduzenten aus Italien, Spanien, Griechenland und Portugal. Jedes Jahr sind wir dort vor Ort. Wir lassen die für uns produzierten Öle permanent von unabhängigen Laboren analysieren. Sollte die Qualität einmal nicht unseren hohen Anforderungen entsprechen, nehmen wir das Öl dieser Ernte aus dem Programm. Und: wir machen die Analysen transparent. Jeder Kunde bei zait weiß daher genau, was er kauft. So machen wir hier gesunde Olivenöle in Qualität und Geschmack zugänglich, wie sie in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern sehr selten sind. Damit setzen wir uns gleichzeitig dafür ein, dass unsere Produzenten ihre besondere Qualität weiter herstellen können. Dass sie auch künftig ökologisch sinnvoll anbauen können und dass solche Olivenhaine in ihren Ursprungsländern erhalten bleiben. Im Rahmen unserer Olivenölfeste bringen wir unsere Produzenten außerdem mit unseren Kunden und vielen interessierten Menschen hier vor Ort zusammen. So stellen wir Austausch her, der auch wieder Transparenz schafft und den wir bei unseren Festen immer auch mit Kunst, Musik und gemeinsamen Essen verbinden. Es geht schließlich um Kreativität, Qualität und Lebensfreude insgesamt. »Schöner, erhaltend und erweiternd« gilt für uns darüber hinaus in Bezug auf sämtliche unternehmerische Aspekte. Wir wollen auf allen Ebenen andere Wege zeigen als diejenigen, in denen Wirtschaft heute gemeinhin gedacht wird.

(Ende Teil 1. Fortsetzung folgt)

thomas fuhlrott_interview | zait.de | mehr


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