Tag: Ideen

Gesamtkunstwerk

07. Mai 2012 von Kerstin

(Oliandi, Installation)

Vorgestern waren wir im Zellertal, um dort Thomas Fuhlrott von zait, unseren Inspiration Lounge Partner und das von ihm mitinitiierte Olivenölfest Oliandi zu besuchen.

Es war 12 Uhr mittags, als uns freundliche Helfer des Festes auf einen kurz vor dem Ortseingang von Zell gelegenen Parkplatz lotsten. Kaum waren wir danach einige Schritte in den Ort gelaufen, entdeckten wir eine Haltestelle für die Shuttlebusse direkt bis zum Zentrum des Geschehens. In über zehn Jahren ist es den Initiatoren und Organisatoren des Olivenölfestes gelungen, aus einer anfangs kleineren 2-Tages Veranstaltung ein Maiwochenende in Form eines komplexen Gesamtkunstwerks zu gestalten: 200 Menschen ziehen inzwischen vor und hinter den Kulissen an einem Strang, damit das Olivenölfest mit seinen rund 10.000 Besuchern jedes Mal wieder bestens gelingt, inklusive Infostand und eben auch Shuttle-Service.

Nachdem wir zunächst mitten durch den Ort gelaufen waren, um uns unter die Leute zu mischen und die verschiedenen Blumen- Wein- Olivenöl-, Tee- und Schokoladenstände anzusehen, standen wir mit einem Mal direkt vor der Ausstellung von Oliandi – wie das Fest selbst jedes Jahr ein Highlight im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz. Also hinein in den Ausstellungsraum, einen alten Winzerkeller, rechts und links die Weinfässer, und dann erst mal Dunkelheit. Plötzlich, an der Gewölbewand eine Lichinstallation. Ich lese zahlreiche Worte, die für das stehen, was uns eigentlich zusammenhält. Ich höre ferne Klänge. Weiter geht es zwischen Fässern hindurch, alles im Schein unzähliger Kerzen, bis zum Ende des Raumes, wo noch eine visuell-akustische Installation wartet.

(Oliandi, Installation)

Gesprochener Text, den ich nicht wortgetreu wiedergeben kann. Wohl aber den Inhalt:
wir sind es, die unsere Wirklichkeit gestalten. Es kommt auf uns, auf unsere Ideen, unser Handeln und unsere Entscheidungen an, wenn es um die Fragen geht, wie wir heute und künftig leben wollen. Keine Supertechnik, kein Knopf, auf den wir einfach drücken könnten, wird uns helfen, wenn es um die soziale Skulptur, das Gesamtkunstwerk Kultur und Gemeinschaft geht. Also stellen wir uns den entscheidenden Fragen, statt zu denken, wir könnten nichts ausrichten.

Zurück durch den Winzerkeller, entdecke ich am Ausgang Thomas Fuhlrott. Und als hätten wir unser Treffen genau dort geplant, ist auch schon ein Wein- und Sektstand des Weinguts Wick in der Nähe.

(Kerstin Döweler von le tapir, Thomas Fuhlrott von zait)

Danach geht’s in den gut gefüllten Innenhof des Weinguts zum Essen: Lammragout vom Sternekoch des Freinsheimer Hofs, natürlich mit einem guten Schuss Olivenöl. Der dazu gereichte Jazz ist großartig. Gleiches gilt für die Stimmung. Viele Menschen haben wohl die Ausstellung des Festes auf sich wirken lassen, denn im Unterschied zu den in der Pfalz üblichen Weinfesten gibt es hier deutlich mehr angeregtes und gleichzeitig entspanntes Miteinander statt Nebeneinander. Die Besucher sind interessiert, hinter die Kulissen des Schaffens der sich vorstellenden Entrepreneure und Unternehmen zu schauen. Man kommt überhaupt untereinander schnell in Austausch, weil irgendwie jeder, auch jeder Gast zu spüren scheint, dass er beim guten Gelingen des Ganzen ein bisschen mitwirken kann. Das gesamte 200-Leute-Organisationsteam des Festes wirkt bei alle Aufgaben absolut locker, die Musiker und last but not least die Initiatoren haben viel zu tun und dabei ganz offensichtlich viel Spaß. Und wenn auch die Temperaturen nicht wirklich mediterran waren, die Atmosphäre war es absolut.

Mein Vorschlag:
Wer sich selbst davon überzeugen will, wieviel Spaß es macht, bei einer ganz realen sozialen Skulptur mitzugestalten, der kommt einfach nächstes Jahr mit uns in Zellertal.

Inspiration Lounge went ART COLOGNE_part 3

27. April 2012 von Kerstin

(thomas fuhlrott, zait)

Am Freitag, 20.April 2012 begann unsere Inspiration Lounge goes ART COLOGNE mit einer kurzen Einführung in das Thema des Abends »Ökonomie, Kunst und die Potenziale einer stärkeren Verbindung beider Bereiche«. Anders gefragt: was ist alles möglich, wenn sich der Kunst herkömmlicherweise zugerechnete Sicht- und Vorgehensweisen in die Wirtschaft hinein erweitern?

Zu diesen Fragen hatten wir Thomas Fuhlrott, den Gründer von zait und Mitbrgründer des Deutschen Olivenöl Panels eingeladen, der sich sowohl im Rahmen von zait als auch in seinem gerade erschienenen Buch »Unternehmung« den Verbindungen zwischen Ökonomie und Kunst widmet.

(kleine ölauswahl)

Unser Live-Interview startete mit der Frage, warum sich Thomas Fuhlrott bei der Entwicklung des zait-Konzepts von den Gedanken des englischen Kunsthistorikers und Sozialphilosophen John Ruskin leiten ließ. Welchen Einfluss hatten beispielsweise die Zitate Ruskins »Die Qualität eines Produktes muss sich an seinen Auswirkungen  auf das Leben selbst messen lassen, nicht allein daran, ob es sich gut verkauft« und »Leben ohne eine Spur von Kunst ist Brutalität«?

(zait-raum)

Nach der Erklärung über das Prinzip der Reduktion bei zait, über die permanenten, strengen Qualitätskontrollen und die enge Zusammenarbeit mit  ausgewählten Ölproduzenten im Mittelmeerraum, legte Thomas Fuhlrott dar, dass aus seiner Sicht nicht allein die heutigen Entrepreneure und Unternehmen wie zait, sondern letztlich jeder von uns gefragt sei, auf seine Art neue Ideen und künstlerische, kreativere Vorgehensweisen in das große Feld der Ökonomie einzubringen. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über konkrete Umsetzungswege und Möglichkeiten, die anschließend in zahlreichen persönlichen Gesprächen fortgesetzt wurde.

(live-interview_kerstin döweler, inspiration lounge | thomas fuhlrott, zait)

Inspiration Lounge went ART COLOGNE_part 2

26. April 2012 von Kerstin

(skizzen, julius ordendahler)

Am ersten Tag der Inspiration Lounge goes ART COLOGNE folgte auf die Live-Performance frame-less und unser Interview mit Wilhelm Schlote und Florian Zwissler, die Präsentation des Buches »Skizzen« von Julius Ordenthaler, das soeben bei Lim & Asmuth Publishers erschienen ist und von uns im Rahmen des Projekts Inspiration Lounge meets Edition 20/50 herausgegeben wird.

Der junge Künstler und Zeichner Julius Ordenthaler, sonst eher publikumsscheu, gab anlässlich der Präsentation auch anhand einiger ausgewählter Werke einen Einblick in seine Arbeit.

(edition 20/50 – skizzen, julius ordendahler)

(leporello – julius ordendahler)

(inspiration lounge goes ART COLOGNE_tag 1)

Last but not least gab dann auch Stefan Sander vom Weingut Sander, dem ersten ökologisch arbeitenden Weingut Deutschlands aus Mettenheim/Rheinhessen, eine absolut gelungene Kostprobe seines Schaffens. Einen 2010er Merlot und einen 2011er Riesling hatte er für die Inspiration Lounge goes ART COLOGNE ausgesucht.

(kerstin döweler und thomas fuhlrott von zait am ausschank vom weingut sander)

(weingut sander_merlot | riesling)

Inspiration Lounge went ART COLOGNE_part 1

25. April 2012 von Kerstin

(soundcheck | florian zwissler, kerstin döweler)

Am Donnerstag, 19. April 2012 startete die Inspiration Lounge nach vielen Aktionen im virtuellen Raum nun live und begehbar mit der Veranstaltung Inspiration Lounge goes ART COLOGNE in der Emmanuel Walderdorff Galerie in Köln.

Tagsüber trafen sich die Akteure zwecks Aufbau. Eine gute Gelegenheit, sich persönlich kennen zu lernen, über das jeweilige Schaffen auszutauschen und dabei schon mal eine Probe des von Thomas Fuhlrott mitgebrachten zait-Olivenöls aus Sizilien zu testen.

(projektion_herr zwissler)

Am Abend begann die Inspiration Lounge goes ART COLOGNE nach kurzen Eröffnungsreden mit der von uns initiierten akustisch-visuellen Live-Performance frame-less des Zeichners Wilhelm Schlote und des Komponisten Florian Zwißler. Interessant zu sehen war dabei, wie sich beide in ihren konkreten Aktionen improvisierend mehr und mehr aufeinander einstimmten, während das Publikum die unterschiedlichen Vorgehensweisen und konkreten Handgriffe mitverfolgen konnte.

(florian zwissler, wilhelm schlote)

(wilhelm schlote, frame-less – live)

Besonders freute uns, dass sowohl Wilhelm Schlote als auch Florian Zwißler die Performance im sich anschließenden kurzen Live-Interview als neue Erfahrung beschrieben. Wilhelm Schlote auf eine Frage aus dem Publikum: »Die Musik von Florian macht tatsächlich etwas mit mir und meinen philosophischen Comics. Ich bin natürlich ein großer Fan von Neuer Musik und in dieser Kombination ging gerade eine Tür auf, die ich sonst sicher nicht wahrgenommen hätte. Das ist einfach eine tolle Erweiterung.«

(florian zwissler)

(wilhelm schlote_philosophische comics_1)

(ana, tilman)


Inspiration Lounge goes ART COLOGNE presents: Thomas Fuhlrott und zait

14. April 2012 von Kerstin

(Kerstin Döweler_le tapir | Thomas Fuhlrott_zait)

Am Freitag, 20. April 2012 werden wir im Rahmen der Inspiration Lounge goes ART COLOGNE die Potenziale einer stärkeren Einbringung kreativer Denk- und Vorgehensweisen in die Ökonomie betrachten. Dazu haben wir Thomas Fuhlrott, den Mitbegründer des Unternehmens zait, zu einem Live-Interview eingeladen, weil er sich als Entrepreneur seit langer Zeit ganz konkret mit den kreativen Parallelen von Ökonomie, Entrepreneurship und Kunst befasst.

Als wir Thomas Fuhlrott zum ersten Mal interviewten, lautete seine Antwort auf unsere Frage, was ihn zur Gründung des Unternehmens zait bewegt hatte: »Wir wollen Impulse geben, die oft unhinterfragten Denk- und Vorgehensweisen in der Ökonomie aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Wir wollen Potenziale des Möglichen aufzeigen.« Mit dieser Motivation hat zait eine andere Art Olivenöl zu handeln entwickelt. Anders handeln heißt dabei für Thomas Fuhlrott und seine Geschäftspartnerin Tina Ottmann insbesondere, im Rahmen ihrer Arbeit ökonomische, soziale, ökologische und kulturelle Parametern durch gute Ideen und engagiertes Handeln harmonisch zu verbinden.

(Aus UNTERNEHMUNG)

Ein Schwerpunkt des zait-Konzepts ist der Gedanke der Reduktion. So ermöglicht ein übersichtliches Sortiment von hochwertigen Olivenölen die umfassende Begleitung und transparente Kontrolle der Produkte vom Anbau über Fertigung bis hin zum Versand. In ständiger, enger Zusammenarbeit mit den Produzenten im Mittelmeerraum wird das Naturprodukt Olivenöl in bester Qualität geliefert, statt dem Zeitgeist folgend immer mehr neue, fragwürdige Produkte auf den Markt zu werfen, deren Kosten sich gar nicht durch die Inhaltsstoffe, sondern durch notwendiges Styling und Marketingkosten erklären.

Das Prinzip des Jahresvorrats einzuführen und die dadurch gesparten Kosten für Lagerhaltung als Preisvorteil an die Kunden weiterzugeben, ist genauso ein weiterer Bestandteil des zait-Konzepts wie regelmäßige Kulturveranstaltungen, beispielsweise das Olivenölfest, bei dem jedes Jahr viele  Besucher persönlich mit den Ölproduzenten, mit Künstlern und anderen innovativen Entrepreneuren zusammentreffen.

Bei der Gründung von zait ließen sich Thomas Fuhlrott und seine Geschäftspartnerin Tina Ottmann durch die Ideen des englischen Kunsthistorikers, Schriftstellers und Sozialreformers John Ruskin inspirieren. Dieser lebte im 19. Jahrhundert und betrachtete auf der Basis seines großen kunst- und kulturhistorischen Wissens auch die Ökonomie und Politik seiner Zeit. So erkannte er früh die negativen Auswirkungen der Industrialisierung, die auch heute noch so aktuell wie damals sind – beispielsweise die zunehmende Zerstörung von Natur, aber auch die utilitaristische Ausrichtung einer Wirtschaftspolitik, die allein fördert, was dem Profit dient, während sie viele soziale Aspekte unberücksichtigt lässt.

(Aus UNTERNEHMUNG)

Mit seinem Leitsätzen »Nur Leben ist Reichtum« und »Leben ohne eine Spur von Kunst ist Brutalität« forderte Ruskin schon damals nicht nur, dass alles unternehmerische Handeln sich an seinen Auswirkungen auf das Leben selbst messen lassen müsse und dieses schöner machen, erhalten und erweitern solle. Er zeigt vor allem auch wichtige, aus seiner Sicht notwendige Verbindungen zwischen Kunst und kreativem Schaffen sowie Ökonomie auf. In England inspirierte er mit seinen Ideen die Arts & Crafts Bewegung, eine unternehmerische Bewegung, der viele Künstler und Kunsthandwerker angehörten. Sie einte die Überzeugung, schöne und sinnvolle Dinge in der Umgebung der Menschen – Gebäude, Möbel, Keramik, Stoffe, etc. – unter menschenwürdigen Bedingung hergestellt, könnten in der Gesellschaft strukturelle Veränderungen für die Menschen – für Produzenten und Verbraucher herbeiführen.

Kunst und kreatives Schaffen sowie Ökonomie zusammenzudenken und daraus entstehende Potenziale zu sehen, dafür steht in der jüngeren Vergangenheit auch die Maxime von Joseph Beuys »Kunst gleich Kapital«, die aus dem von ihm entwickelten, erweiterten Kunstbegriff hervorgeht: jeder Mensch ist ein Künstler. Nach Beuys’ Auffassung galt das gerade auch für den im Rahmen der Ökonomie schöpferisch Tätigen.

Doch so spannend die Gedanken in der Theorie klingen, so wenig sieht man in der Gegenwart konkrete Umsetzungen. Passen Kunst und Ökonomie also tatsächlich und über die uns längst bekannten Verbindungen – über Kunstmarkt, Kunstsponsoring und Wertanlage hinaus zusammen? Wie kann es aussehen, wenn wir uns von der Auffassung entfernen, dass  kreative Denk- und Vorgehensweisen der Kunst in der Ökonomie wenig zu suchen haben?  Entrepreneur und Künstler, der Entrepreneur als Künstler – geht das? Anders gesagt: welche Entwicklungen sind möglich, wenn sich Denk- und Vorgehensweisen der Kunst in die Ökonomie erweitern?

(Aus UNTERNEHMUNG)

Direkt im Anschluss folgt die Präsentation von Thomas Fuhlrotts Buch »Unternehmung«, in dem er seine Blickwinkel auf Ökonomie und Kunst, Entrepreneure und Künstler als Anregung weitergibt. »Unternehmung« erscheint bei Lim & Asmuth Publishers und wird von uns im Rahmen unseres Projekts Inspiration Lounge meets Edition 20/50 herausgegeben.

Inspiration Lounge goes ART COLOGNE

Live-Interview mit Thomas Fuhlrott am Freitag, 20. April 2012 um 20.15 Uhr in der

Emmanuel Walderdorff Galerie |  Jülicher Str. 27 |  Köln

(Inspiration Lounge goes ART COLOGNE; 19.4 bis 20.4. 2012)