Tag: Ideen

Ein Teil vom Ganzen_Teil 2

31. Januar 2012 von Kerstin

(stille | sein | denken)

Was also passiert, wenn man unsere bekannten und genutzten Weisen der Ideenfindung auf das Bewusstsein für unsere ökologischen Einbindungen hin betrachtet?

Es fällt auf, dass wir uns weitgehend daran gewöhnt haben, unsere Ideenentwicklungen in Büroräumen stattfinden zu lassen. Manche gehen auch in Café, um mithilfe von Brainstorming oder Mindmapping auf die passenden Gedanken zu kommen. Eines haben all diese Situationen gemeinsam: man sitzt längere Zeit, bewegt sich wenig und hält sich überwiegend in geschlossenen Räumen mit wenig Frischluft und Sonnenlicht auf. Einziger Bezug zur ökologischen Einbindung sind da bestenfalls ein paar Topfpflanzen. Wen wundert, dass in solchen Umgebungen so viele entstehende Produktideen nur zur weiteren Überflusserzeugung beitragen, statt sich unserer echten Herausforderung von Produktion in Einklang mit Leben und Umwelt anzunehmen.

Wie wäre es, wenn wir uns aufmachen, neue Wege zu finden, wie wir Ideenentwicklungen mehr mit einem tatsächlichen Bewusstsein für unsere ökologischen Einbindungen verknüpfen können? »Es lohnt sich in diesem Zusammenhang genauer zu betrachten, auf welche Lebensweisen und Umgebungen wir als Menschen bis heute angepasst sind«, sagt dazu unser Inspiration Lounge Partner Felix Klemme. Wir sind für ein aktives Leben in und mit der Natur gemacht. Frische Luft, d.h. Sauerstoff unterstützt unsere gesamten Körperfunktionen, natürliches Licht kurbelt beispielsweise die Produktion von Vitamin D an, Bewegung löst auch geistige Verspannungen und bringt uns insgesamt mehr »in Fluss«. Der Blick bis zum Horizont statt auf den Bildschirm oder die nächste Wand und der direkte Kontakt zum Grün um uns herum bringen die Gedanken in andere Richtungen.

Ich bin immer wieder selbst erstaunt, wie viel klarer die Dinge dann erscheinen können, wie viel selbstverständlicher Ideen plötzlich da sind. Und es sind oft die ganz naheliegenden, einfachen und reduzierten Wege und Lösungen, die auf einmal zu sehen sind, während man sonst alles gerne verkompliziert und sozusagen noch einen Schnörkel zusätzlich anbringt. All das zeigt, dass wir als Teil des Ganzen nicht dafür gemacht sind, uns viele Stunden lang sitzend oder sogar grübelnd in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Wir haben uns das lediglich als Lebens- und Arbeitsweisen angewöhnt, die uns über viele Jahre Praxis heute selbstverständlich erscheinen, es aber nicht sind.

Nach vielen Jahren unzähliger Ideenentwicklungen drinnen und im Gegensatz zu unseren ökologischen Einbindungen – wäre es nicht wert auszuprobieren, ob wir mit der Zeit andere, bessere und an sich einfache Ideen und Lösungen für unsere drängenden Produktionsfragen finden, wenn wir statt weiter nur über einzelne »Kreativitätstechniken« nachzudenken mal die ganze Art und Umgebung unserer Ideenentwicklungen verändern?

Und wie soll das in größeren Unternehmen oder im städtischen Umfeld dauerhaft funktionieren, höre ich da schon fragen. Wer soll das organisieren?

Brechen wir doch unsere Routinen auf und gehen raus. Ich bin sicher, uns fällt was ein.

Ein Teil vom Ganzen

29. Januar 2012 von Kerstin

(Was wollen wir mehr, oder?)

Wenn man sich intensiv mit einem bestimmten Thema befasst, stellt sich gerne selektive Wahrnehmung ein. Genau diese ließ mich vor einiger Zeit das Buch Small is Beautiful des Wirtschaftswissenschaftlers Ernst Schumacher entdecken – ein echtes Gesamtkunstwerk, wie ich finde.

Bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts beschrieb Schumacher darin eindringlich eine aus seiner Sicht grundlegende Ursache für die Tatsache, dass wir einerseits Wohlstand, Lebensqualität und Sicherheit erstreben, während wir dadurch andererseits zunehmende Fehlentwicklungen lostreten: wir haben unser Bewusstsein für unsere sozialen und ökologischen Einbindungen aus den Augen verloren. Ausgestattet mit Wissen und Technik seien wir so überzeugt von unserer herrschenden Position, dass wir dabei über Jahrhunderte einen wesentlichen Aspekt vergessen hätten: wir sind nur ein Teil des Ganzen.

Als ich das las, begann ich mir vorzustellen, wie wir auf die Dinge und Abläufe in unserem Alltag blicken würden, wenn wir das Bewusstsein für unsere Einbindungen wieder mehr kultivierten. Was könnte passieren? Ich fing bei einem Gedanken an, der ebenfalls auf Ernst Schumachers Werke zurückgeht: »Wir könnten uns endlich von der Ansicht befreien, wir hätten unsere Probleme betreffend die Produktion von Gütern seit Jahrzehnten gelöst.« Tatsächlich leben wir hier und heute im Güterüberfluss und sind, mit dem Verweis auf unser Mantra Wirtschaftswachstum angehalten, mehr zu kaufen und zu konsumieren. Auf dem Weg zur Arbeit nehmen wir einen Coffee to go, im Supermarkt wählen wir zwischen Tausenden Produkten, wir nutzen Autos, Computer und Smartphones, bestellen Bücher im Internet. »Es herrscht an nichts Mangel. Es geht uns gut. Was wollen wir mehr, oder?«

Tatsächlich stößt man relativ schnell auf eine Mangelsituation, wenn man unsere sozialen und ökologischen Einbindungen sowie uns selbst als Teil des Ganzen in die Situation hineindenkt. Angenommen, jeder von uns betrachtet für nur einen Tag die Dinge, die ihn umgeben, die er zu sich nimmt etc.; wie viele davon beruhen auf erneuerbaren Rohstoffen und Energien und belasten nicht, sondern erhalten die Welt. Bei welchen wissen wir genau, dass sie unter sozialen Bedingungen hergestellt werden, die zumindest in Ordnung sind? Angenommen unsere Aufgabe wäre jetzt, ausschließlich Dinge zu verwenden, die diesen Anforderungen genügen – wäre es immer noch so völlig problemlos und alles wie gewöhnt, das zu beziehen, was wir kennen, brauchen und haben wollen. Die Antwort ist einfach: Nein. Denn erstens ist es oft schwierig, solche Güter zu finden. Sie stehen nur selten im Supermarkt an der Ecke und ihre Namen werden nicht durch die Medien in unsere Augen und Ohren gespült. Zweitens: es gibt hier und heute unglaubliche Lücken, in denen nicht nur die entsprechenden Güter fehlen. Es gibt auch keine ernsthaften Anstrengungen, daran wirklich etwas zu ändern. (Wem jetzt dazu kein Beispiel einfällt, der schaue einfach das Produkt an, vor dem er gerade lesend sitzt.)

Ganz offensichtlich trifft zu, dass wir die grundlegenden Produktionsfragen trotz aller Technik, allem Fortschritt und allem Wissen über die Fehlentwicklungen bis heute nicht gelöst haben. Seltsam, dass wir uns nicht viel mehr darüber wundern. Noch seltsamer, mit welcher Geduld (oder Desinteresse?) wir zuschauen, während immer weiter Produkte entwickelt werden, die nur den schon bekannten Überfluss befördern. Am seltsamsten allerdings ist, dass wir nicht viel mehr darüber nachdenken, an welcher Stelle man selbst eine Lücke schließen und mal zu echtem Fortschritt beitragen könnte.

Liegt es daran, dass wir die Lücken nicht sehen, obwohl doch so viele nach Marktlücken suchen? Oder liegt es auch an der Art und Weise, in der wir gewohnt sind, Ideen zu entwickeln?

Mehr in Teil 2.

schöner, erhaltend, erweiternd_Entscheidungen (Teil 2)

12. Januar 2012 von Kerstin

(thomas fuhlrott im interview mit kerstin döweler)

K: Wie sehen Eure Produzenten denn generell Eure hohen Qualitätsanforderungen?

T: Unsere Produzenten haben sich, genau wie wir, ganz bewusst hoher Qualität verschrieben. Und es gibt für sie noch einen weiteren, entscheidenden Faktor: über die Jahre unserer Zusammenarbeit haben wir ihnen kontinuierlich bewiesen, dass sie mit zait einen sicheren Absatzmarkt haben. Ihre Olivenöle werden hier geschätzt und nachgefragt. Das ist natürlich ein großer Ansporn, auch künftig beste Qualität zu liefern. Ein Beispiel: Von unseren Produzenten der Cooperative Cabacés ordern wir seit Jahren neben ihrem sowieso ausgezeichneten Öl auch solches in Bio-Qualität und haben dafür einen festen Kundenkreis aufgebaut. Als ich die Cooperative Cabacés kürzlich besuchte, teilten sie mir mit, aufgrund unserer Nachfrage nach Bio-Öl hätten sie beschlossen, wesentlich größere Teile ihrer Anbauflächen auf komplett biologischen Anbau umzustellen. Es freut uns natürlich, dass wir durch unsere Tätigkeit den wesentlichen Impuls für diese Umstellung gegeben haben.

Jetzt stellt sich die Frage: werden sich künftig auch mehr unserer Kunden entschließen, das Öl in Bio-Qualität zu kaufen? Nur dann sind wir nämlich in der Lage, dauerhaft größere Mengen dieses Öls zu ordern und anzubieten. Man muss dazu wissen, dass die Produktion von Bio-Qualität allein aufgrund der noch aufwändigeren Anbaumethoden dazu führt, dass wir das Öl zwei Euro teurer anbieten müssen als das andere Öl der Cooperative Cabacés.

Wir werden unseren Kunden also detailliert erklären, welche Vorteile die Umstellung auf Bio-Anbau mit sich bringt und inwiefern die Anbau- und Produktionsmethoden mehr Aufwand bedeuten. Wahrschlich werden wir sogar eine Umfrage darüber machen, wie groß das Interesse an Bio-Qualität ist. Und dann liegt es an den Verbrauchern. Wir haben durch unser Handeln den Produzenten aufgezeigt, dass es Sinn hat, hohe Qualität in Einklang mit der Natur zu erzeugen und dies weiter auszubauen. Jetzt müssen die Kunden entscheiden, wie weit sie den Weg mitgehen.

K: Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Geschichte weiterentwickelt, denn das ist ja eine sich heute permanent stellende Frage: sind wir wirklich bereit, für natürliche Produktionsmethoden und nachhaltige Vorgehensweisen mehr Kosten zu tragen, um dadurch zur Erhaltung der Umwelt beizutragen? Bitte halte uns auf jeden Fall auf dem Laufenden und vielen Dank für das Interview.

Rezept  PAPPA COL POMODORO ( Tomaten-Brot-Suppe)

Für 4 Personen

200g Weißbrot | 6 EL Olivenöl | 2 Knoblauchzehen | 400 g geschälte Tomaten | 300 – 400 ml Wasser | 1/2 El Tomatenmark | 1 EL gehackter Majoran | Salz, Pfeffer | 100 gr geriebener Pecorino |

(Brot, Tomaten, Knoblauch schneiden)

(2 Esslöffel Öl in Topf geben, Knoblauch bei mittlerer Hitze goldgelb anbraten, danach aus dem Öl nehmen | Tomaten in kleine Würfel schneiden + zusammen mit etwa 3/4 des Wassers, dem Tomatenmark, dem gehackten Majoran und dem Salz im gleichen Topf aufkochen)


(Brotwürfel dazugeben, Suppe unter häufigen Rühren weiterkochen, bis das Brot aufgeweicht ist. Mit Gabel etwas zerpflücken. Die Suppe soll recht dickflüssig sein.)

(Suppe in die Teller geben, mit schwarzem Pfeffer, Olivenöl und Pecorino bei Tisch servieren)

(fertig.)

schöner, erhaltend, erweiternd_Entscheidungen (Teil 1)

10. Januar 2012 von Kerstin

(interview mit thomas fuhlrott_grünstadt)

Mit Thomas Fuhlrott, einem der kompetentesten Olivenölexperten weltweit, sprachen wir bereits über die Auffassungen des Sozialreformers John Ruskin bezüglich der Qualität von Produkten. Ruskins Ansicht, dass ein Produkt nicht allein deshalb gut sei, weil es sich gut verkauft, sondern den Ausschlag gebe, dass es das Leben erhält und erweitert, ist ein Leitsatz des von Thomas Fuhlrott gegründeten Unternehmens zait. Dementsprechend hat man sich bei zait dafür entschieden, sich dem Handel mit ausschließlich sortenreinem Olivenöl in bester Qualität zu verschreiben

Nun lasen wir vor kurzem Berichte über verfälschtes Olivenöl aus Italien und haben in unserem Umfeld wahrgenommen, dass zahlreiche Olivenölfans irritiert über die Meldungen sind. Das haben wir zum Anlass genommen, mit Thomas Fuhlrott darüber zu sprechen, warum und durch welche Maßnahmen er bei zait kontinuierlich hohe Qualität sicherstellt.

K: Thomas, wie kommt Ihr bei zait Eurem besonderen Qualitätsanspruch nach und warum arbeiten viele andere offensichtlich nicht so wie Ihr?

T: In Bezug auf die Veröffentlichungen über verfälschtes Olivenöl aus Italien möchte ich zunächst etwas Grundsätzliches sagen: viele Menschen wissen bis heute nicht, dass die Bezeichnung nativ extra in Deutschland nur ein Mindeststandard für Olivenöle ist. Nach wie vor kaufen Verbraucher nativ extra-Öle in dem Glauben, sie hätten allein damit eine hohe Qualität, und dem ist eben in den meisten Fällen nicht so. Olivenöl ist innerhalb der EU nach wie vor das meist gepanschte und verfälschte Lebensmittel, und die Politik unternimmt nichts dagegen. Im Gegenteil: allgemeine Qualitätsanforderungen werden weiter gelockert. Das spielt natürlich insbesondere den Profitinteressen der Importeure und Händler in die Hände, die ihre Geschäfte mit großen Mengen billig angebotener Olivenöle machen. Wer beispielsweise im Discounter ein Olivenöl für weniger als drei Euro kauft, bekommt dafür nativ extra, kann aber keine hohe Qualität verlangen. Viele angeblich italienischen Olivenöle sind auch mit billig produzierten Ölen aus Spanien verschnitten. Genau diese meist politisch legitimierten Irreführungen der Verbraucher waren ja für uns ausschlaggebend, zait zu gründen und konsequent einen anderen Weg zu gehen.

K: Jetzt musst Du natürlich erzählen, was Ihr bezüglich der Qualität konkret anders macht.

T: Erst einmal ist es so: wenn Du die entscheidest, die Dinge bewusst anders und besser zu machen, musst Du das konsequent tun. Der Entschluss hat Auswirkungen auf das gesamte Unternehmenskonzept und sämtliche Arbeitsschritte. Bei uns beginnt die Qualitätssicherung damit, dass wir alle unsere Produzenten im Mittelmeerraum persönlich ausgesucht haben und inzwischen seit Jahren persönlich kennen. Ich bin jedes Jahr wieder bei all unseren Produzenten vor Ort, kenne ihre Betriebe genau und weiß, wie dort produziert wird. Jedes Jahr zur Olivenernte bzw. kurz danach fahre ich nach Italien, Spanien, Griechenland und Portugal, um Proben der frisch produzierten Öle zu ziehen und mich mit den Produzenten auszutauschen. Wieder zuhause, teste ich die Öle ein zweites Mal. Anschließend folgt der Test durch das Olivenöl-Panel (Prüfgruppe von professionellen Olivenölexperten), bei dem die einzelnen Öle natürlich anonymisiert sind. Wird auch dort die Qualität bestätigt, folgt als nächster Schritt die Kontrolle durch ein unabhängiges Labor, die wir für alle unsere Öle durchführen lassen. Nur wenn auch dort sämtliche Werte beste Qualität bestätigen, ordern wir die von uns benötigten Mengen bei den Produzenten. Um zu kontrollieren, dass das gelieferte Öl auch tatsächlich der getesteten Probe und Qualität entspricht, ziehe ich stets mehrere Proben, die von mir versiegelt werden. So können wir hier untersuchen, ob Übereinstimmung vorliegt, was übrigens in all den Jahren immer der Fall gewesen ist.

(kerstin döweler_inspiration lounge)

K: Das heißt aber, dass Du jedes Jahr sehr viel reisen musst, um Eurem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Wäre es nicht auch möglich, dass Ihr Euch von den Produzenten die verschiedenen Proben nach Deutschland schicken lasst?

T: Das wäre der konventionelle Weg. Wir sind aber davon überzeugt, dass das nicht reicht. Wenn du hervorragende Qualität haben willst, musst du dich intensiv darum kümmern. Der persönliche Kontakt zu den Produzenten ist dafür äußerst wichtig, auch wenn das wesentlich mehr Aufwand bedeutet. Übrigens gibt es dazu eine schöne Geschichte: Vor einigen Jahren besuchte ich die Cooperative Cabacés, unsere Produzenten in Katalonien. Ich zog Ölproben aus den Tanks und stellte schnell fest, dass das Öl aus einem der Tanks ganz klar die beste Qualität von allen Ölen aufwies. Natürlich wollte ich genau dieses Öl ordern, doch man sagte mir, es sei gar nicht zu verkaufen, da es für einen Wettbewerb bestimmt war. Nun sind wir seit Jahren gute Kunden der Cooperative, und deshalb beschloss der Geschäftsführer dann beim gemeinsamen Mittagessen spontan, dass wir dieses Öl doch bekommen. Wäre ich aber nicht dort gewesen und hätte mit ihm gesprochen, ich hätte von diesem Öl niemals erfahren. Sie hätten mir keine Probe davon geschickt, und das zeigt: du musst selbst vor Ort sein und mit den Menschen reden.

K: Gab es eigentlich auch schon den Fall, dass das Öl von einem Eurer Produzenten mal nicht Euren hohen Anforderung entsprochen und eine Kontrolle nicht bestanden hat?

T: Den Fall hatten wir leider unlängst. In dem sonst ausgezeichneten Öl unserer Produzentin aus Sizilien fanden wir eine zu hohe Konzentration an Weichmachern. Wir haben das Öl dieser Jahresernte daher nicht in unser Programm genommen und unseren Kunden auch gesagt, warum wir das tun. Wenn man sich hoher Qualität verpflichtet, ist diese bewusste Form der Transparenz aus unserer Sicht unerlässlich. Besonders schwierig an der zu hohen Konzentration von Weichmachern war die Tatsache, dass keiner genau sagen konnte, woher sie rührt. Die Produzentin hatte alles so wie in den Jahren zuvor gemacht, und wir fürchteten, dass die Weichmacherbelastung schlicht durch eine Luftverschmutzung aus unbekannter Quelle entstanden sein könnte. Dann hätte die Gefahr bestanden, dass sich die Weichmacherbelastung auch künftig fortsetzt und man nichts dagegen unternehmen kann.

Bei der neuen Ernte war ich jetzt vor Ort. Wir haben die Oliven gemeinsam zur Mühle gebracht, um die gesamten Herstellungsprozesse genau zu überwachen. Nach den ersten Proben zu urteilen, sind nun wieder sämtliche Werte in Ordnung, und wir haben alle aufgeatmet. Aber man sieht, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit ist, um auch solche Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Und es ist manchmal nicht ganz einfach, wenn man bedenkt, dass dabei Menschen mit unterschiedlichen Sprachen und aus unterschiedlichen Kulturen zusammentreffen.

(Ende Teil 1)

kick your apps and your mind will follow

14. Dezember 2011 von Chris

(2.8 hours later)

Die Frau reißt ihre Augen auf – panisch. Blickt verzweifelt über den dunklen, schmutzigen Platz, rennt los. Dann kommen sie. Blutverschmierte Gestalten wanken auf sie zu, kreisen sie ein, machen die Flucht unmöglich. Der Kreis wird enger – aussichtslos.

Tja, was hier wie eine billige Zombie-Nummer anmutet, ist auch eine – bloß nicht als Film, sondern in Wirklichkeit. Das Ganze spielt in Leeds Ende November und ist ein Highlight des britischen Künstlerduos Simon Johnsons und Simon Evans. Virtuality goes Reality. Das Herz jeden Gamers schlägt höher. Die Jungs hatten eine simple Idee: Hol die Story aus dem Netz, transportiere sie in die Wirklichkeit. Ergebnis: 2.8 hours later. Das Szenario: Die Stadt ist von einem unbekannten Virus infiziert, die Menschen verwandeln sich in blutgierige Zombies, fressen alles, was ihnen in die Quere kommt. Eine kleine Gruppe von Nicht-Infizierten (hier kann man als Teilnehmer mitspielen), muss sich durch Horden von Untoten schlagen, auf der Suche nach einem geheimen Ort, an dem sich die letzte Bastion der noch nicht infizierten Menschen befindet.

Was ist daran so interessant? Viele begeisterte User lassen ihre Rechner Rechner sein und gehen nach draußen. Genauer gesagt: Sie bewegen sich in eine Situation, die sie nicht beherrschen. Die »Treibjagd« findet im öffentlichen Raum statt. Bahnhöfe, leere Fußgängerzonen, unübersichtliche Parkhäuser. Die Gamer müssen dabei während des Spiels live anwenden, was sie sonst nur via Mouse oder Stick erledigen. Sie finden sich in einer geistigen und physischen Interaktion wieder, die sie tatsächlich an ihre Grenzen bringt. Sie müssen rennen, fliehen, schnell agieren und reagieren. Auch können die Teilnehmer viel aus ihren Reaktionen ablesen. Verhalten sie sich teamorientiert oder egoistisch? Wollen sie als Gruppe überleben, oder geht es nur um den Vorteil des Einzelnen? Wie wichtig ist ihnen die Gemeinschaft?

Das britische Künstlerduo Simon Johnsons und Simon Evans hat das Live-Spiel 2.8 hours later erfunden. Gedanklicher Hintergrund: starkes soziales Auseinanderdriften in England führt aus ihrer Sicht langsam aber sicher in den völligen Kollaps. Ob Zombies Bürger jagen oder randalierende Banden anderen die Häuser ausrauben oder iPhones klauen, macht für die Simons keinen großen Unterschied. Schuld ist für sie der Giervirus.

Außerdem bemerkenswert: Gewohnheiten werden aufgebrochen, Neues entsteht und diesmal kommt die Inspiration aus dem Netz. Was ursprünglich als virtual game entwickelt wurde, findet sich auf einmal in der tatsächlichen Welt wieder. Die Menschen haben das Bedürfnis, sich aktiv und persönlich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Und das in Zeiten, in denen uns Apps alles doch vermeintlich abnehmen.

Übringens: auch die Inspiration Lounge wird künftig immer mehr aus den Tiefen der virtuellen Welt in den realen Raum dringen. Live und in echt. Gut, bei uns werdet ihr nicht von Zombies gejagt, aber …

…aber davon an anderer Stelle mehr.