Tag: Handel

schöner, erhaltend, erweiternd_teil 3

11. Oktober 2011 von Kerstin

(interview mit thomas fuhlrott_zait | kerstin döweler_inspiration lounge, teil 3)

K: Zur nächsten Frage: Ist es denn vorstellbar, dass sich an dieser von Dir erwähnten Hürde etwas ändert? Dass Menschen einfach gute Produkte im Sinne von Ruskin bevorzugen, auch ohne ausgeprägtes Bewusstsein dafür?

T: Wir haben bei zait natürlich Kunden, die unsere Öle kaufen, weil sie ihnen einfach gut schmecken und gesund sind. Auch insgesamt betrachtet wäre eine niedrigere Hürde ein wichtiger Schritt, um die Nachfrage zu verbreitern und die Weiterentwicklung entsprechender Unternehmen zu ermöglichen. Das würde auch heißen, diese Art ökonomischen Handelns auch für diejenigen interessanter zu machen, die heute beispielsweise noch auf Produktionen unter Verursachung sozialer und ökologischer Missstände setzen. Allerdings müssen dorthin noch Wege entwickelt werden, die bisher in größerem Umfang nicht zu sehen sind.

K: Aber auch in den Personenkreisen, die schon ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Grundwerte »schöner, erhaltend und erweiternd« haben, könnten doch sicher noch mehr Menschen erreicht werden?

T: Ja, stimmt. Dann muss aber mehr dafür getan werden, dass man die Unternehmen schneller finden kann, die nach diesen Wertmaßgaben arbeiten und neue, andere Impulse innerhalb ökonomischer Strukturen setzen. Hinzu kommen andere Fragen der Erreichbarkeit. Ein Beispiel: Sicher ist es gut, wenn jetzt bei Euch in Köln mehr Bio-Höfe am Rande der Stadt ihre Produkte auf dem eigenen Hof verkaufen. Das ist ein neues Angebot, gute Produkte dort zu bekomen, wo es auch Transparenz und den Kontakt zum Produzenten gibt. Doch es ist klar, dass nicht jeder Stadtbewohner raus auf die Bio-Höfe fahren kann. Viele werden das auch in Zukunft nicht tun, schon weil sie daran gewöhnt sind, zum Einkaufen in die Stadt oder nur um die nächste Ecke zu gehen. Die Frage ist daher, wie auch innerhalb der Städte Standorte aufgebaut werden können, die es leichter machen, gute Produkte kennen zu lernen, auszuprobieren und auch im Alltag einfach zu erreichen und einzukaufen. Eines ist doch sicher: es wird diese Produkte nicht mal schnell in den herkömmlichen Supermärkten geben. Dort dominiert die Lebensmittelindustrie.

K: Weil wir gerade bei Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind: wie sieht es denn für Unternehmen aus, die sich wie zait den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« verpflichten? Der Begriff der Grenzen des Wachstums ist ja heute einerseits aktuell, während Politik und Wirtschaft immer noch das permanente Wachstum beschwören.

T: Bei uns und auch anderen Unternehmen, die ich kenne, sind die Möglichkeiten zu wachsen klar begrenzt. Auch das hängt wieder mit den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« zusammen. Wir können nicht immer größere Mengen Olivenöl handeln, schon weil es Zeit und Aufwand bedeutet, Olivenöl in ausgezeichneter Qualität zu produzieren. Wollten wir innerhalb kurzer Zeit viel größere Mengen verkaufen, würde die Qualität leiden. Vieles, was wir heute tun, wofür wir uns engagieren, könnten wir so nicht mehr machen. Und das wollen wir nicht.

K: Ich merke deutlich, wir Verbraucher sollten uns auf folgende Dinge einstellen: wenn wir gute Produkte haben wollen, müssen wir, jedenfalls noch momentan, eingehender danach forschen, wer diese Produkte anbietet. Es kann ja auch richtig Spaß machen, solche Menschen und Produkte zu entdecken und die Entdeckungen mit anderen auszutauschen, statt immer auf denselben Wegen in dieselben Supermärkte zu gehen.

Und was die Definition von »erfolgreich« am Markt angeht, wäre wohl ebenfalls ein Perspektivenwechsel fällig. Neue Impulse, die Einhaltung wichtiger Grundwerte und daran orientiertes Wachstum statt immer nur mehr verkaufen und immer größer werden um jeden Preis. Es wird ja immer deutlicher, wohin uns diese altbekannte Auffassung von Erfolg gebracht hat und bringen kann.

T: Das sehe ich auch so.

K: Thomas, vielen Dank für das Interview.

Zum Interview, wie versprochen, hier das von uns erprobte Rezept für einen wunderbaren, einfach herzustellenden Appetizer oder gleich eine ganze Mahlzeit.

REZEPT

Sehr lecker auf geröstetem Weissbrot ist diese Tomatenpaste mit Knoblauch.


Dazu reibt man frische Tomaten mit einer Handreibe


oder entsprechenden Einsatz im Mixer oder verwendet wie wir einen Pürierstab.


Dem Tomatenbrei gibt man ein Drittel zait-Olivenöl aus Katalonien zu und würzt das Ganze nach Belieben mit Knoblauch aus der Presse, Salz und Pfeffer.

Guten Appetit!

Interview Teil 1

Interview Teil 2

thomas fuhlrott_interview | zait.de | mehr

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schöner, erhaltend, erweiternd_teil 2

09. Oktober 2011 von Chris

(interview mit thomas fuhlrott_zait | kerstin döweler_inspiration lounge, teil 2)

K: Erfordert Eure Vorgehensweise bei den Verbrauchern nicht auch ein besonderes Bewusstsein? Es herrscht ja doch eben die Auffassung über gute Produkte, die Ruskin gerade ablehnte. Dazu kommt, dass am Markt ja oft gerade Produkte Erfolg haben, die billig sind, weil wir zu unglaublichen Schnäppchenjägern getrimmt wurden. Qualität ist da, denke ich, zweitrangig.

T: Es ist schon so, dass für die Auffassung von guten Produkten und die Grundwerte schöner, erhaltend, erweiternd ein Bewusstsein vorhanden sein muss. Genau das steckt ja auch in dem aktuellen Begriff strategischer Konsum, bei dem durch die Kaufentscheidung gute Produkte und ihre Produzenten unterstützt werden und so Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung der Wirtschaft geleistet werden. Das Bewusstsein ist dadurch auch eine Hürde, weil der Verbraucher von diesen Produkten zuerst einmal wissen muss, sich mit der gesamten Situation beschäftigen und sich entscheiden muss, dass es ihm wichtig ist, zu einer positiven Entwicklung der entsprechenden Unternehmen beizutragen.

Für Unternehmen wie zait stellen sich so mehrere Herausforderungen. Die Menschen müssen diese Unternehmen kennen lernen. Doch gerade zu Anfang sind die Budgets für Marketingmaßnahmen sehr klein. Das führt oft dazu, dass die Unternehmen länger brauchen, um einen größeren Bekanntheitsgrad aufzubauen. Man findet sie natürlich, gerade auch im Internet, aber man muss oft etwas länger danach forschen. Die Menschen sind aber überwiegend gewöhnt, Dinge des täglichen Lebens schnell und im Supermarkt um die Ecke zu kaufen.

K: Stimmt, wir sind bequem und glauben oft, dort eigentlich alles in großer Auswahl zu finden. Dabei findet man Unternehmen wie zait dort gerade nicht.

T: Es geht weiter mit der Frage: habe ich mich damit beschäftigt, warum ein Produkt gut im Sinne von Ruskin ist und entscheide ich mich dafür? Ich denke, die meisten wissen heute Bescheid über Produkte, die unter schlechten Arbeitsbedingungen und Schädigungen der Umwelt hergestellt werden. Sie wissen, wie wichtig es ist, sich darum zu kümmern und dass sich nichts ändern wird, wenn nicht wir unser Verhalten ändern. Allerdings: ist das dann auch beim Einkauf immer präsent oder greift man da nicht lieber doch zu etwas, was gerade herumsteht?


(kerstin döweler im gespräch mit thomas fuhlrott)

K: In dem Zusammenhang habe ich übrigens auch schon oft den Satz gehört: »Nachhaltige, gute Produkte muss man sich erst mal leisten können.«

T: Das kenne ich. Ich denke aber, dass es gerade hier bei uns für viele kein Problem wäre. Es hat nur mit Umdenken und einfachen Verhaltensänderungen zu tun. Warum eigentlich nicht lieber gesünder, besser und besser ausgewählt statt den Drang zu großen Mengen billig produzierter Ware in oft fragwürdiger Qualität? »Billig produziert« ja auch zu hinterfragen. Oft bedeutet es, dass dadurch soziale und ökologische Schäden verursacht werden, die sich nicht direkt im Preis der Ware niederschlagen. Die Eindämmung dieser Schäden kostet aber mittel-bis langfristig enorme Summen, die auf die Allgemeinheit umgelegt werden. D.h., wir tragen sie alle. Damit stellt sich doch die Frage des »das muss man sich erst mal leisten können« in einem ganz anderen Kontext.

K: In diesem Zusammenhang, ich mache bei unserem Projekt »kreativ bewegen« gerade selbst die Erfahrung einer Umstellung auf andere, gesündere und bessere Lebensmittel. Man bemerkt tatsächlich schnell, dass man anders einkaufen muss. Wenn man den Einkauf aber richtig zusammenstellt und überlegt, was man sonst immer gekauft hat, aber eigentlich gar nicht braucht, muss es nicht unbedingt teurer werden. Und wenn es etwas teurer ist, hat man bei richtiger Auswahl auch den besseren Geschmack. Das ist ja auch wichtig.

(Ende Teil 2. Fortsetzung folgt.)

zu Teil 1

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schöner, erhaltend, erweiternd_teil 1

07. Oktober 2011 von Kerstin

(thomas Fuhlrott_ zait | kerstin döweler _inspiration lounge)

Als wir im April Thomas Fuhlrott, den Gründer des Unternehmens zait interviewten, stellten wir fest, dass wir mit ihm in vielen Punkten unserer Haltung über notwendigen ökonomischen und kulturellen Wandel übereinstimmen. Wir trafen auf einen Menschen, der dem Bereich Ökonomie, speziell dem Handel, mit seinen Ideen, Konzepten und Wegen zahlreiche neue Impulse gibt. Wir sind der Auffassung, dass diese Impulse wesentliche Grundlagen für positive Entwicklungen und Veränderungen unternehmerischer Denk- und Vorgehensweisen sind und noch mehr wahrgenommen werden müssen. Im Rahmen der Inspiration Lounge werden wir sie daher ab heute unter dem Aspekt schöner, erhaltend, erweiternd eingehender beleuchten.

In unserem ersten Gespräch sprach Thomas Fuhlrott davon, dass ihn Gedanken und Äußerungen von John Ruskin bei der Gründung von zait wesentlich beeinflussten. Darüber wollen wir heute mehr erfahren:

K: Thomas, erzähl doch mal genauer über John Ruskin und wodurch er Euch bei zait beeinflusst hat.

T: John Ruskin war ein englischer Schriftsteller, Kunsthistoriker und Sozialreformer. Er wurde 1819 geboren und hat damit die Industrialisierung in England als Zeitgenosse erlebt. Durch seine Beobachtungen kam er schon früh dazu, Fehlentwicklungen aufzuzeigen, mit denen wir uns heute nicht nur immer noch beschäftigen, sondern teils auch denken, es handele sich vorwiegend um zeitgenössische Probleme. Dazu gehört die zunehmende Zerstörung von Natur durch den Menschen. Auch die rein utilitaristische Ausrichtung einer Wirtschaftspolitik, die fördert, was dem Profit dient, während sie immer größere soziale Ungleichheiten entstehen lässt.

Ruskin hat sich genauso auch Gedanken über einzelne Aspekte von Wirtschaft und unternehmerischem Handeln gemacht. Bei der Gründung von zait hat uns beispielsweise beeinflusst, was er über die Qualität von Produkten dachte: »Ein Produkt ist nur dann gut, wenn es die Welt schöner macht, wenn es sie erhält und erweitert. Es ist nicht allein deshalb gut, weil es sich gut verkauft.«

K: Man merkt, wie aktuell das ist. Heute wird ja sehr oft »gut« mit »verkauft sich gut« gleichgesetzt. Und wenn doch Zweifel an der Qualität einer Sache vorliegen, kommt gerne einer meiner Lieblingssätze: »aber der Erfolg gibt ihr/ihm recht.«

(thomas fuhlrott)

K: Wie habt Ihr denn diese Werte »schöner, erhaltend und erweiternd« bei zait umgesetzt?

T: Das beginnt mit der Qualität der Olivenöle, die wir permanent kontrollieren lassen. Die Bezeichnung nativ extra ist zunächst mal nur ein Mindeststandard, den Olivenöle bei uns auf dem deutschen Markt erfüllen müssen. Das wissen viele Menschen nicht. Wir dagegen arbeiten nur mit erstklassigen Olivenölproduzenten aus Italien, Spanien, Griechenland und Portugal. Jedes Jahr sind wir dort vor Ort. Wir lassen die für uns produzierten Öle permanent von unabhängigen Laboren analysieren. Sollte die Qualität einmal nicht unseren hohen Anforderungen entsprechen, nehmen wir das Öl dieser Ernte aus dem Programm. Und: wir machen die Analysen transparent. Jeder Kunde bei zait weiß daher genau, was er kauft. So machen wir hier gesunde Olivenöle in Qualität und Geschmack zugänglich, wie sie in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern sehr selten sind. Damit setzen wir uns gleichzeitig dafür ein, dass unsere Produzenten ihre besondere Qualität weiter herstellen können. Dass sie auch künftig ökologisch sinnvoll anbauen können und dass solche Olivenhaine in ihren Ursprungsländern erhalten bleiben. Im Rahmen unserer Olivenölfeste bringen wir unsere Produzenten außerdem mit unseren Kunden und vielen interessierten Menschen hier vor Ort zusammen. So stellen wir Austausch her, der auch wieder Transparenz schafft und den wir bei unseren Festen immer auch mit Kunst, Musik und gemeinsamen Essen verbinden. Es geht schließlich um Kreativität, Qualität und Lebensfreude insgesamt. »Schöner, erhaltend und erweiternd« gilt für uns darüber hinaus in Bezug auf sämtliche unternehmerische Aspekte. Wir wollen auf allen Ebenen andere Wege zeigen als diejenigen, in denen Wirtschaft heute gemeinhin gedacht wird.

(Ende Teil 1. Fortsetzung folgt)

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Brainfood

30. September 2011 von Kerstin


(kerstin döweler_inspiration lounge | thomas fuhlrott_zait)

Nachdem wir unserer Inspiration Lounge unter dem Motto »Change the Game« eine neue Ausrichtung gegeben haben, werden wir immer wieder und gemeinsam mit unseren ProjektPartnern aufbrechen, um durch bewusste Perspektivenwechsel Themen sowie eigene und kulturelle Denk- und Handlungsroutinen aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Um auszuprobieren und zu entdecken, was durch Änderungen von Sicht- und Vorgehensweisen im eigenen Umfeld anders gedacht und gemacht werden kann bzw. welche neuen Ideen dadurch vorankommen. Wir wollen darüber hinaus erkunden, welche Potenziale und Wege existieren, kulturelle und wirtschaftliche Bereiche bewusster zu betrachten und anders (mit)zugestalten. Es geht dabei darum, ökonomische und kulturelle Entwicklungen voranzubringen, die zahlreichen Missständen, Denk- und Handlungsroutinen entgegenwirken und u.a. darauf beruhen, bewusster mit Ressourcen umzugehen, Menschen und ihr Wissen besser zu vernetzen, (sich) mehr zu bewegen, Konsumverhalten zu hinterfragen und sinnvoll zu ändern, gute Antworten auf die Frage zu finden, wie wir in Zukunft leben, arbeiten, Unternehmen und Mobilität entwickeln und organisieren wollen.

Sozusagen im Rahmen eines Selbstversuchs setzen wir uns in dem Projekt »kreativ bewegen« mit der Frage auseinander, wie mehr Bewegung, mehr neues, spielerisches Entdecken urbaner Orte und bewusstere Ernährung alltägliche, altbekannte Handlungs- und Arbeitsroutinen positiv aufbrechen sowie für frische Luft, neue Blickwinkel, Ideen und Energie sorgen.

Zusammen mit unserem neuen ProjektPartner Thomas Fuhlrott starten wir unter dem Motto Brainfood  ein neues Projekt. Es wird um Ideen, Perspektiven und konkrete Wege gehen, Wirtschaft heute und künftig über das Wirtschaftliche hinaus zu gestalten. Passend dazu ein Zitat von Günter Faltin: »Wirtschaft ist zu wichtig und zu spannend, um sie nur Ökonomen zu überlassen.«

Thomas Fuhlrott, Gründer des Unternehmens zait, war im April 2011 unser Interviewpartner in der Inspiration Lounge. Schon während unseres ersten Treffens haben uns sein Unternehmenskonzept und die Art von zait, Olivenöl zu handeln, fasziniert. Seine Herangehensweisen an Themen wie den Aufbau von Vertriebswegen, die Verbindung von Produzenten und Verbrauchern, Finanzierung sowie sein Engagement für Produktqualität und Transparenz finden wir wegweisend. In weiteren Treffen entstand die Idee, in intensivem Austausch, immer ausgehend von konkreten zaitAspekten, zu untersuchen, wie Wirtschaft gestaltet werden kann, die sich nicht allein (wie heute überwiegend) am Wirtschaftlichen ausrichtet, sondern darüber hinaus einer Entwicklung im Einklang mit Mensch, Kultur und Umwelt Rechung trägt.

Und weil es neben Ideen, Perspektiven und Projekten bei uns immer gerne auch um Gespräche bei guter Verpflegung geht (schönen Gruß an Andy), werden wir zusätzlich nicht nur hauseigene Olivenölgerichte entdecken – wir werden sie auch mit Euch teilen.

Ja, so sind wir.

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