Tag: Gesellschaft

Viva Community

21. Dezember 2011 von Kerstin

(Community)

Es naht das Jahresende, zu dem bekanntlich viele gute Vorsätze gefasst werden. Dazu eine Anregung:

Ermöglichen uns Online-Kontakte noch so gut, auf dem Laufenden zu bleiben, sie nehmen mittlerweile gerne so viel Raum ein, dass der wirklich persönliche Kontakt mit anderen das eine um’s andere Mal auf der Strecke bleibt. Nichts gegen Facebook, Twitter und Co., wenn es um zusätzliche Wege geht, sich miteinander zu verbinden. Am Ende ist Kontakt aber nicht gleich Kontakt, und es lohnt sich, wesentliche Unterschiede zwischen virtuellen und tatsächlich persönlichen Kontakten unter dem Blickwinkel unserer ursprünglichen Herkunft zu betrachten. Ich habe Felix Klemme gebeten, mir dabei zu helfen, denn als Gründer von Outdoor Gym befasst er sich seit langem mit den Zusammenhängen von ursprünglichem menschlichen Verhalten und gesunden Lebensweisen heute.

K: Felix, welche guten Gründe gibt es, Facebook und Rechner mal Facebook und Rechner sein zu lassen und mehr auf persönlichen Austausch zu setzen? Also mal abgesehen von den ganz offensichtlichen Gründen, wie beispielsweise: man geht mehr nach draußen, um zu einem Treffen zu gelangen und bekommt dabei mehr Bewegung, Licht und Sauerstoff.

F: Ein weiterer guter Grund ist Körperkontakt, und da reicht schon ein Händedruck oder eine Umarmung zur Begrüßung.

K: Was passiert denn dadurch?

F: Körperkontakt führt zu einer Ausschüttung des Hormons Oxytozin, das unser Immunsystem stärkt und uns so hilft, gesund zu bleiben. Wenn wir uns anschauen, wie wir ursprünglich gelebt haben, dann ist vor allem interessant, dass wir schon immer Gemeinschaftswesen waren. Wir haben das Leben in Gruppen, in Miteinander und direktem Austausch bewältigt. Darauf ist unser Körper auch heute noch eingestellt, denn seit unseren menschlichen Ursprüngen haben wir uns genetisch und bezüglich unserer körperlichen Abläufe so gut wie nicht verändert. Wir sind für viel Bewegung im Freien gemacht, für natürliche Ernährung und eben auch für den persönlichen Austausch in Gemeinschaft – nicht für stundenlanges, vereinzeltes Dasein vor einem Rechner.

Natürlich sind Computer hilfreich bei der Arbeit, Online-Kontakte halten uns auf dem Laufenden, doch sie gehen einher mit zahlreichen Verhaltensweisen, die nicht in Einklang mit unseren menschlichen »Wurzeln« stehen. Deshalb wird durch den Austausch mit Facebook-Freunden auch kein Oxytozin ausgeschüttet. Im Gegenteil, je länger wir in unnatürlicher Haltung vor dem Computer sitzen, umso mehr Stress bauen wir körperlich auf. Und je mehr Stress, umso wahrscheinlicher werden wir irgendwann krank.

Dieser komplexe Zusammenhang ist einer der Gründe, warum wir bei Outdoor Gym immer in der Gruppe trainieren. Neben Spaß und Ansporn geht es darum, Übungen auch gemeinsam zu machen, wobei der Körperkontakt dann die Ausschüttung von Oxytozin fördert. Auch über das Training hinaus geht es uns darum, die Outdoor Gym Mitglieder möglichst viel an die frische Luft, in Bewegung und in Gemeinschaft zu bringen. Wir organisieren daher beispielsweise gemeinsame Wanderungen oder gehen zusammen klettern. Es ist uns wichtig, den Menschen ein Bewusstein für an sich einfache, natürliche Verhaltensweisen oder Dinge zurückzugeben, die wir inmitten unseres modernen Lebensstils oft vergessen.

Unsere heutige Gesellschaft setzt sehr auf Vereinzelung, auf die Vermeidung persönlichen Austauschs sowie oft jeglichen Körperkontakts. Warum treffen, wenn wir doch Mail und SMS haben? Warum gemeinsam etwas draußen unternehmen, wenn die Fernbedienung zuhause so nah liegt? Wir sind nicht dafür gemacht, passiv oder lediglich Anwender von Technik zu sein. Es ist deshalb wichtig, in Balance zu bleiben und sich immer wieder auch an unsere »Wurzeln« zu erinnern.

K: Das heißt also: mehr raus gehen, Freunde treffen, offen sein und neue Leute kennen lernen, Gemeinschaft und echten Kontakt pflegen. Ich finde, das passt ganz wunderbar zum Fest der Liebe und einem spannenden neuen Jahr.

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Berlin, Berlin_2

29. November 2011 von Chris

(ein Stern am Himmel)

Entrepreneure, die neue Konzepte im Sinne von Produkten und Leistungen umsetzen und dabei beispielsweise mit weniger Ressourcen auskommen, sind wesentliche Impulsgeber für den dringenden Kurswechsel zu einer Ökonomie, die über das rein Wirtschaftliche hinausgeht. Doch besseres, erfolgreiches Wirtschaften heutiger Entrepreneure auf neuen Wegen und in Balance mit der Umwelt allein wird nicht ausreichen. Macht und Verharrungsvermögen konventioneller Strukturen sind immens. Es braucht daher deutlich mehr Unternehmen mit wegweisenden Ideen, die ihre Denk- und Handlungsweisen inspirierend mitteilen, wir brauchen mehr Impulsgeber. Es braucht gerade in Deutschland wesentlich mehr Menschen, die bewusst den Weg zum Entrepreneurship einschlagen. Und, wie ein Workshop-Teilnehmer beim Summit so schön anmerkte: es reicht eben nicht, etwas zu unternehmen und darüber irgendetwas zu sagen. Konzept, Realisierung, Impulse nach außen – es muss funky sein.

Wie das gehen soll? Ein Beispiel:

Was macht man, wenn man an Tag Eins in Wacken so richtig beim Headbangen ist, zwischen der Crowd die Freundin beim Moshen mit seinem iPhone filmen will und das Teil sagt: »Akku leer?«

(Sebastian Fleiter)

Dieses Ausgangsszenario ließ Sebastian Fleiter nicht ruhen. Seine Fragestellung war einfach: Wie kann ich an unsagbaren Orten Strom erzeugen, mit dem ich dann die Akkus meines Pads, iPhones oder Notebooks einfach aufladen kann. Der Künstler kam auf eine geniale Idee. Er konstruierte das Electric Hotel. Ein silbernes Mobil im Stil von 50ties und Rock’n’ Roll, das sich, gepimpt mit Solar Panels, mobilem Windgenerator und Energy Bikes, einem Grundgedanken verschrieben hat: der Lieferung nachhaltig erzeugter Energie für die Besucher von Großveranstaltungen, Musikfestivals, Messen und sonstiger Orte, an denen dringende Aufladebedürfnisse vorliegen.

(Electric Hotel)

Am Anfang von Banken, Großsponsoren und den zuständigen Ministerien für Wirtschafts- und Kulturförderung verlacht, heute mit Innovationspreisen von besagten Ministerien bedacht, ist das Electric Hotel eine innovative Nische und wird von Festivalveranstaltern mit wachsender Begeisterung gebucht. Stichwort Begeisterung: Wer erleben will, welchen Spaß die Umsetzung eines Konzept wie das Electric Hotel neben aller Arbeit macht, sollte Sebastian Fleiter mal live erleben.

Querdenken – unternehmerisches Engagement, das auf Dauer mehr Bewusstsein und Handeln etabliert, welche unsere Ökonomie in ihrer jetzigen Form aus der Sackgasse bringen: eine große Aufgabe.

Aber wie sagte eine Dame aus Kalifornien am Ende des Summits so treffend zu mir: I’ve been here several times and every Summit was very inspiring, but this year I feel that there’s happening something really great.

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