Tag: Film

In eigener Sache (1)

28. September 2010 von Chris

Unser Inspiration Lounge Blog geht ins zweite Jahr. Zwölf erfolgreiche Monate mit intensiven Recherchen, vielen Interviews und noch mehr Gesprächen rund um unser Projekt liegen hinter uns. Drei Fragen sind uns in der Zeit oft gestellt worden: »Warum macht ihr die Interviews, wohin führt das Projekt und gibt es schon ein Fazit

Wir denken daher, dies ist der richtige Zeitpunkt, den Grundgedanken der Inspiration Lounge und deren neue, leicht modifizierte konzeptionelle Ausrichtung in einer kleinen Serie noch einmal klar zu erläutern.

Die Inspiration Lounge zeigt und dokumentiert die speziellen Fach- und Themenbereiche, die  Positionen, Ideen und Vorgehensweisen von Menschen, die wir außergewöhnlich, interessant und gut finden. Die wir daher auswählen, um ihnen hier auf dieser einzigartigen Plattform einen besonderen Platz zu geben.

Es geht uns darum, diese Menschen, so unterschiedlich ihre Tätigkeiten sein mögen, über die Aspekte Qualität, Ideenreichtum und Austausch von Blickwinkeln und Know-how in Verbindung zu bringen. Vernetzungen herzustellen, die wiederum zu neuen Ideen oder Projekten führen – das ist, was uns antreibt. Für uns ein wichtiges Fazit.

Aufgrund dessen und der hervorragenden Resonanz während des letzten Jahres, werden wir diese Aspekte noch weiter ausbauen. Vor allem werden wir auch unsere Interviews mehr darauf fokussieren, die individuellen Themen, persönlichen Know-how-Bereiche und Hintergründe von besonderen Vorgehensweisen zu zeigen, die aus unserer Sicht viel mehr gesehen und gehört werden müssen.

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enter the void

16. September 2010 von Chris

Ich bin geflasht. Von einem Film. Und das kommt eher selten vor. Warum?

Enter the void, der neueste Streich von Gaspar Noé. Die Story: Ein Bruder schwört seiner kleinen Schwester, sie nie zu verlassen. 20 Jahre später. Ort: Tokio. Bei einer Drogenrazzia wird der Bruder erschossen, seine Seele kann keinen Frieden finden und schwebt im Raum, ist bei den Geschehnissen der Protagonisten dabei. Man erlebt als Zuschauer die Auswirkungen seines Todes und deren unmittelbaren Folgen und Reaktionen durch seine Augen mit. Seine Schwester, inzwischen auch in Tokio, Stripperin in einem Table Dance Schuppen, zerbricht fast an der Situation. Das Ende … ja, fast versöhnlich. Im Erzählstil von Memento wird rückwirkend fragmentiert berichtet und zusammengeführt. Das Ganze als heftiger Trip in die eigene Innenwelt. Soweit, so gut.

Die eigentliche Faszination aber beginnt in den ersten Minuten: Der Trailer. Hier wurde eine neue Anwendung geschaffen, die ihresgleichen sucht. Titel, Filmverleih, Akteure bis hin zu den Special-Effects, alle sonst für den Produzenten so wichtige Informationen, werden in einer typographischen Explosion gezündet. Jeder Name in einer neuen Schrift, maximal eine 2/10 Sekunde sichtbar. Das Ganze eng mit einem harten Electronic Beat verknüpft. Das Geniale: Man sieht die Namen, erfasst sie aber kaum. Was bleibt ist ein visueller Gesamteindruck. Und das ist neu. Das letzte Mal, dass so eine bahnbrechende, rein typographische Trailerlösung den Film revolutionierte, war  für mich bei Woody Allen. Der Texttrailer war einfach negativ. Schwarzer Fond und weiße Typo. Ganz einfach. Danach wurde diese Idee oft kopiert.

Und da ist es wieder. Eine Sache funktioniert besonders gut, wenn man die Liebe im und zum Detail erkennt und auch umsetzt. Der Trailer von enter the void ist ein schönes Beispiel dafür. Das Ergebnis bleibt im Kopf hängen. Vielleicht mehr als der Rest des Films.

Und für die anderen ist es ein Vorspann.

enter the void_trailer

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Xianglong zhaoi

02. September 2010 von Chris

(click the pix)

Hier wieder eine kleine Kostbarkeit, direkt aus Shanghai, von stageBack. Wer da ist, sollte sich dies nicht entgehen lassen. Wem dies zu weit ist, geht hier direkt zum Interview Susanne Junker.

»Xianglong zhaoi« – fliegender Drache nannten Forscher eine 2007 in China entdeckte Echse aus der Kreidezeit. Vor 125 Millionen Jahren glitt das kleine geflügelte Reptil auf der Jagd nach Insekten im Sinkflug von den Bäumen. Ungewöhnliche Wesen aus der Urzeit finden sich auch im Werk der europäischen Künstlerin Barbara Anna Husar (*1975, Austria): Riesige Echsen entstehen in ihrem Atelier. Mystisch, archaisch und gleichzeitig poppig-bunt sind ihre Urviecher kraftvolle Botschafter zwischen vergangenen Zeiten und der Gegenwart.

Einige ihrer Kreaturen sind Zwitterwesen zwischen Dinosaurier und Architektur. »Guggosauros Bilbao Titan« ist hierfür ein Beispiel, eine Mischung aus einem Reptil und dem Guggenheim Museum in Bilbao. Ob Knochen oder Stein, für Husar sind beide von Interesse als Rückgrat und Speichermedien unterschiedlicher Lebensformen, als Datenträger genetischer – biologischer wie kultureller – Codes, die sich ständig weiterentwickeln und sich im Kern doch gleichen. Gerade die explodierende Metropole Shanghai, deren Wandel durch die Expo 2010 nochmals an Geschwindigkeit gewann, bietet mit ihrer Gleichzeitigkeit von Hypermoderne und traditionellem Leben zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Husar wählt für ihre »Archi saurus«-Transformationen im Rahmen des Artist in Residenz-Aufenthalts bei stageBACK als erstes Motiv das Shanghai Art Museum, ein historisches Gebäude ganz in der Nähe des Platzes des Volkes, in dem heute Chinas führendes Museum moderner Kunst untergebracht ist. (Textauszug: Susanne Laengle, Wien 2010)

Parallel zeigt stageBACK als Weltpremiere den neuen Film von Barbara Anna Husar »core of flock«, sowie Skulptur, Grafik und Fotografie der Künstlerin.

Ausstellungsbeginn: ab 6. September, 2010

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ego-speed

05. August 2010 von Chris

Du musst es aufmachen und auf Vollfläche anschauen –Lautstärke auf Maximum.

Was dann passiert ist unglaublich. Nach kürzester Zeit hat es dich. Du weichst aus, rein in die Kurve, schreckst zurück. Dein Fuß zuckt. Du drückst ihn leicht durch…

Manchmal sind Dinge in ihrer radikalen Konsequenz einfach und genial. Eine Idee, ein Kurzfilm, kompromisslos umgesetzt. Vor 30 Jahren schon außergewöhnlich, heutzutage unfassbar.

PS. Das Ding ist nicht gefaked. Nicht die Geschwindigkeit manipuliert,nichts . Der Typ hat das einfach so durchgezogen.

Merci, Frank.

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Strange Culture

16. Dezember 2009 von Kerstin

strange culture(click the pix) Momentan findet in Köln das Filmfestival »ueber Macht« statt, das davor schon in vielen anderen Städten zu Gast war und weiter durch Deutschland touren wird.

Einer der im Festival vertretenen Filme ist »Strange Culture« von Lynn Hershman Leeson, den wir Euch besonders empfehlen. Er schildert sehr eindrücklich, wie der Künstler Steve Kurtz in die Mühlen von Polizei, Justiz und USA Patriot Act gerät und bis heute mit aller Kraft dagegen ankämpft.

Strange Culture zeigt die immer wieder zutage tretenden Bestrebungen von Machtzentren, die Meinungfreiheit, Kunstfreiheit sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung mithilfe des Arguments der Gefahrenabwehr und der Wahrung von Sicherheit beschränken zu wollen. Die Geschichte von Steve Kurtz in den USA steht daher nicht alleine, ist aber ein sehr gutes Beispiel dafür, wie fragil Freiheitsrechte auch heutzutage sind.

Zahlreiche Menschen aus unterschiedlichen Bereichen – Schauspieler, Künstler, Menschenrechtsaktivisten, Wissenschaftler – setzen sich aktuell für Steve Kurtz ein, dem eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren droht.

Die Tatsache, dass es den Film überhaupt gibt,  ist sicher auch ein Beweis dafür, wie Kreativität und entschlossenes Engagement immer wieder in der Lage sind, sich gegen ein Klima der Angst und auch gegen große Widerstände zu behaupten.

Mehr Informationen zum Film Strange Cultures

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