Tag: Entwicklung

Can’t you see that I’m…

08. August 2010 von Kerstin

Gestern sprach ich mit einer Freundin, die seit langer Zeit Kurzgeschichten schreibt. Sie erzählte mir, wie sehr es sie immer wieder erstaune, wenn andere sie fragen, ob sie denn nicht davor Angst habe, dass ihr auf einmal keine gute Idee mehr einfallen könnte.

»Oft kommen diese Fragen gerade dann, nachdem ich eine meiner Geschichten erfolgreich verkauft habe. Ich weiß also, dass mehr als eine Hand voll Menschen diese Geschichte gut fanden. Kurz darauf bin ich natürlich schon bei den nächsten Geschichten und just da kommt dann die Frage nach meiner Angst vor dem Ausbleiben guter Ideen. Das ist, offen gesagt, nicht unbedingt förderlich. Ich finde es auch nicht ganz nachvollziehbar, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Ich habe den Eindruck, dass nur Leuten aus per se kreativen Berufen diese Frage gestellt wird. Würde man einen Konditor, der gerade einen guten Kuchen gebacken hat fragen, ob er nicht fürchtet, dass ihm schon morgen die Ideen für guten Kuchen ausgehen könnten?

2. Die Frage geht gedanklich davon aus, dass ich mir alle Ideen zu meinen Geschichten ausdenke, dass sie aus mir allein »herauskommen«, praktisch einfach so. Ich muss nur meinen Kopf genug bemühen, um auch noch in den letzten Winkeln meines Hirns eine Geschichte zu erfinden. Und wenn mir das nicht mehr gelingt, ist alles zu Ende. Leute, diese Sichtweise übt einen enormen Druck aus, weshalb ich mir schon vor einiger Zeit eine andere Auffassung zugelegt habe.

Diese basiert auf einer Gewohnheit der alten Römer. Brachte damals jemand etwas besonderes zustande, sprach man davon, er habe einen Genius gehabt. Der Genius half einem dabei, aus der täglichen Arbeit und dem eigenen Engagement etwas wirklich Beeindruckendes zu schaffen. Interessant ist übrigens, wie sich die Redensart im Laufe der Jahrtausende verschoben hat, denn heute sprechen wir nicht mehr von einen »Genius haben«, sondern von selbst ein »Genius sein«. Gingen die Römer also selbstverständlich davon aus, man brauche zur ganz besonderen Leistung auch noch Hilfe von außen oder von oben (je nachdem, wie man es sehen will), verlagerte sich die Verantwortung danach auf den Schaffenden allein. Kein Wunder, dass damit erheblicher Druck und Versagensangst verbunden sein kann. Kein Wunder auch, wie viele Künstler, Schriftsteller oder auch Wissenschaftler sich schon damit gequält haben.

Sieht man es mehr so wie die Römer, erhält die ganz Angelegenheit ein freundlicheres Gesicht. Statt immensem Druck, alles aus sich selbst heraus entstehen lassen zu müssen und dabei völlig allein zu sein, muss ich nur mit meinem ganzen Engagement weiter an meinen Dingen arbeiten. Ich schaue also, dass ich »meinen Teil« der Arbeit stetig und immer so gut wie möglich mache. Ich kann zwar nicht dafür garantieren, dass ein Genius jeden Tag genauso konzentriert bei der Sache ist und »seinen Teil« dazu liefert. Aber ich gehe doch davon aus, dass er zumindest ab und zu reinschaut, solange ich mich weiter über und dranbleibe. Bis heute klappt das gut so.

Es gibt dazu auch eine schöne Geschichte von bzw. über Tom Waits. Wir alle kennen wüste Stories über ihn und es heißt vor allem, er habe sich lange Jahre immer wieder in unglaublicher Tag- und Nachtarbeit unter zahlreichen »Hilfsmitteln« abgearbeitet, um die vielen Songs entstehen zu lassen. Eines Tages aber »passierte« ihm Folgendes.

Er fuhr gerade mit dem Wagen durch L.A., als ihm eine Idee, eine Melodie durch den Kopf schoss. Normalerweise ging er in solchen Momenten sofort an’s Klavier und zu Stift und Papier, um die Melodie festzuhalten. Das ging jetzt aber nicht, und er geriet fast in Stress vor Angst, die Melodie zu verlieren. Doch stattdessen fuhr er an den Straßenrand, hielt an, sprang aus dem Auto, schaute leicht erzürnt nach oben und rief laut: »Can’t you see that I’m driving?«

Er selbst sagte darüber, er wisse nicht genau, was ihn bewegte, das zu tun. Aber er wisse genau, dass er seine Arbeit ab diesem Zeitpunkt anders begriffen habe – ohne den ganzen nervenden Druck – mit mehr Freude und Selbstverständlichkeit.«

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Fragen

04. August 2010 von Kerstin

Viele machen Urlaub, wir neue Interviews.

Letzten Montag waren wir bei Florian Zwißler, Musikwissenschaftler, Musiker und Komponist mit Schwerpunkt Neue Musik. Mit Freude hatten wir zuvor festgestellt, dass er nur ein paar Ecken weit entfernt von uns lebt und arbeitet. Von daher stand unser Treffen nicht nur unter dem Stern eines neuen Inspiration Lounge Interviews, es war ein um drei Ecken arrangiertes Nachbarnkennenlernen. Frank Dehner empfahl uns Veit Landwehr, der uns Florian Zwißler an’s Herz legte.

Zwischen zahlreichen seiner Instrumente und Arbeitsgeräte, mittendrin ein von ihm hoch geschätzter Analog-Synthesizer, fand unser Interview mit Florian Zwißler statt. Er erzählte uns, warum ihn gerade der Bereich Neue Musik so fasziniert, was Musik und Philosophie verbindet, und warum es wichtig ist, sich nicht nur immer neue Fragen zu stellen, sondern diesen auch nachzugehen.

Dass Florian dies konsequent macht, zeigen seine zahlreichen Projekte, seine Kooperationen, u.a. mit Matthias Zielfeld, Rochus Aust oder Veit Landwehr, und seine Tätigkeit für die Folkwang Hochschule oder die Stockhausen-Stiftung. Mir drängten sich dabei gleich zwei Fragen auf: 1. Arbeitet Florian eigentlich 24 Stunden am Tag, um die Vielzahl von Projekten zu stemmen? Darauf gab er mir selbst eine Antwort. Und 2., wie bekomme ich alle seine interessanten Informationen und Arbeiten, einschließlich der Kostproben vom Ananlog-Synthesizer, in nur einem Video unter?

Dieser Frage werde ich jetzt nachgehen. Die Antwort gibt’s demnächst.

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Kompakt

16. Juli 2010 von Kerstin

Die Woche ist sonnig. Passend dazu, werfen die nächsten Inspiration Lounge Aktivitäten ihre Schatten voraus:

Veit Landwehr war Mitte der Woche unser Interviewpartner, empfohlen von Fank Dehner im letzten Inspiration Lounge Video. Wir sprachen mit Veit darüber, wie man, ausgehend von einem Maschinenbaustudium, doch lieber Architekt wird, um dann eine Filmproduktion zu gründen, Fotograf und Künstler zu sein sowie Tische zu entwerfen und zu bauen. Im Interview geht es dann auch um die Vorteile, die es hat, viele unterschiedliche Sachen zu machen, um die Folgen des eigenen Spieltriebs und die Tatsache, dass gerade kleine Änderungen große Wirkung erzielen.

Habt Ihr beispielsweise schon einmal gesehen, dass ein kleiner roter Punkt Euer Foto im Personalausweis ziert? (Haltet den Ausweis mal unter eine Lampe und bewegt ihn.) Nur durch eine kleine Verschiebung des Punktes entsteht…seht selbst.

Was war außerdem los? Mit unserem Interview- und Kommunikationspartner Dr. George Berbari, Hirnforscher und Psychiater, haben wir Themen zusammengestellt, über die er uns anhand von Interviews an dieser Stelle schon demnächst mehr Details berichten wird. Kostprobe: was haben Stresshormone mit ungeschriebenen sozialen Regeln zu tun?

Demnächst mehr.

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M120 – Moganshan re-used!

13. Juli 2010 von Chris

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Von unserer Interviewpartnerin Susanne Junker aus Shanghai erreichte uns folgender Beitrag über das Projekt  M120 – Moganshan re-used!, bei dem sie auch selbst dabei ist. Es wird am 18. Juli 2010 beginnen.

M120 – Moganshan re-used!,莫干山路120创造!,

120 Moganshan Road, Shanghai, China. Gleich neben dem Galerieviertel in Shanghai, dem so genanten M50 auf der 50 Moganshan Road, befindet sich heute eine Abrissstelle. Vor gut 10 Jahren waren Künstler und die ersten Galerien in eine alte Textilfabrik auf die 50 Moganshan Road gezogen. Der Komplex war jahrelang vom Abriss bedroht, während sich in nächster Nachbarschaft Hochhäuser in die Höhe schraubten. Über die Jahre entwickelte sich dann in der 50 Moganshan Road eine Kunstoase, die schließlich immer kommerzieller wurde und dadurch ihr Bestehen sichern konnte.

Doch die modernen Wohnblocks, die Künstler und Galerien hatten noch andere Nachbarn – die Bewohner der Hausnummer 120. Ein typisches chinesisches Viertel, genauso wie wir es uns im Westen vorstellen. Kleine Reihenhäuser schlängelten sich zwischen den engen Gassen. Die Wäsche spannte sich über einem, und vor dem Hauseingängen wurde gekocht. Die Bewohner lebten in diesem Bereich viele Jahrzehnte. Auch noch, als das M50 schon etabliert war, mitsamt seinen Cafés, Kunstbuchläden und den dazu gehörenden westlichen Kunstliebhabern.

Nun ist es vorbei. 120 Moganshan Road ist platt gewalzt worden. Die meisten Leute sind gegangen. Vereinzelt sieht man Graffitis: “Ha ha! Wir sind noch hier!” In den Ruinen liegen einzelne Schuhe, man erkennt noch Tapetenmuster. Ein Alltagsbild in Shanghai.

Der deutsche Künstler und Initiator der Galerie Eigenheim in Weimar, Konstantin Bayer, kannte dieses Viertel nur zu gut. In einem Abschnitt seines Auslandstudienjahres  arbeitete er dort 2008 und kuratierte einen ansässigen kleinen Ausstellungsraum, das “Island 6 Shack”. Dort gab es einen stetigen Dialog zwischen Tradition, Moderne, Kunst, Ost und West. Doch da, wo dieser Austausch stattfand, klafft nun ein Loch.

Nach zwei Jahren traf Konstantin Bayer jetzt einige der restlichen Bewohner wieder. Die schon 2008 vorhandene, gegenseitige Sympathie besteht nach wie vor. In gewohnter Manier, Kunst im alltäglichen Lebensraum entstehen zu lassen, plant Konstantin nun ein 24 Stunden Kunstprojekt auf dem Areal, bei dem auch große Galerien mit dabei sein werden. 2000 m2 braches Abrissland sollen wieder belebt werden, um Platz für Kunst zu schaffen und auf den rasanten Wandel in China aufmerksam zu machen. Die Abrissstelle wird als Gegenpart zum glitzernden Shanghai, zum brandneuen EXPO-Viertel und zahllosen geputzten Fassaden in den Blickpunkt treten.

Zunehmend wird in Shanghai von Kunst und Künstlern die Identifizierung mit der aktuell fortschreitenden Stadtentwicklung erwartet. Gerade Künstler und Kreative ziehen dabei jedoch oft den Kürzeren, denn Arbeitsraum wird einfach zerstört oder unbezahlbar. “M120 – Moganshan re-used!” ist ein Beispiel des positiven Austausches zwischen Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt, den Kunst auf den Weg bringen kann. Es ist auch ein Gedanke an die vielen Schaffenden der näheren Zukunft. Bevor alles weg ist. Bevor alles einheitlich ist.

Schaut genau hin! Kunst braucht keine weißen Wände!

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Interview mit Peter Kowalsky

17. Juni 2010 von Chris

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Freunde der Inspiration Lounge,

es freut uns besonders, Euch unser Inspiration Lounge Interview mit PETER KOWALSKY, dem Mitbegründer und Geschäftsführer von BIONADE, zu präsentieren.

Hier geht’s direkt zum Interviewfilm mit dem Titel: »Weißt Du, wann Du eine gute Idee hast? Wenn alle das Lachen anfangen.«

Anhand der Geschichte von BIONADE – von den Anfängen in den 80er Jahren bis hin zum Erfolg – schilderte uns Peter Kowalsky seine persönlichen Blickwinkel und Erfahrungen hinsichtlich Entwickeln und Umsetzen einer guten Idee.

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