Tag: Entrepreneurship

Inspiration Lounge goes ART COLOGNE presents: Thomas Fuhlrott und zait

14. April 2012 von Kerstin

 

(Kerstin Döweler_le tapir | Thomas Fuhlrott_zait)

Am Freitag, 20. April 2012 werden wir im Rahmen der Inspiration Lounge goes ART COLOGNE die Potenziale einer stärkeren Einbringung kreativer Denk- und Vorgehensweisen in die Ökonomie betrachten. Dazu haben wir Thomas Fuhlrott, den Mitbegründer des Unternehmens zait, zu einem Live-Interview eingeladen, weil er sich als Entrepreneur seit langer Zeit ganz konkret mit den kreativen Parallelen von Ökonomie, Entrepreneurship und Kunst befasst.

Als wir Thomas Fuhlrott zum ersten Mal interviewten, lautete seine Antwort auf unsere Frage, was ihn zur Gründung des Unternehmens zait bewegt hatte: »Wir wollen Impulse geben, die oft unhinterfragten Denk- und Vorgehensweisen in der Ökonomie aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Wir wollen Potenziale des Möglichen aufzeigen.« Mit dieser Motivation hat zait eine andere Art Olivenöl zu handeln entwickelt. Anders handeln heißt dabei für Thomas Fuhlrott und seine Geschäftspartnerin Tina Ottmann insbesondere, im Rahmen ihrer Arbeit ökonomische, soziale, ökologische und kulturelle Parametern durch gute Ideen und engagiertes Handeln harmonisch zu verbinden.

(Aus UNTERNEHMUNG)

Ein Schwerpunkt des zait-Konzepts ist der Gedanke der Reduktion. So ermöglicht ein übersichtliches Sortiment von hochwertigen Olivenölen die umfassende Begleitung und transparente Kontrolle der Produkte vom Anbau über Fertigung bis hin zum Versand. In ständiger, enger Zusammenarbeit mit den Produzenten im Mittelmeerraum wird das Naturprodukt Olivenöl in bester Qualität geliefert, statt dem Zeitgeist folgend immer mehr neue, fragwürdige Produkte auf den Markt zu werfen, deren Kosten sich gar nicht durch die Inhaltsstoffe, sondern durch notwendiges Styling und Marketingkosten erklären.

Das Prinzip des Jahresvorrats einzuführen und die dadurch gesparten Kosten für Lagerhaltung als Preisvorteil an die Kunden weiterzugeben, ist genauso ein weiterer Bestandteil des zait-Konzepts wie regelmäßige Kulturveranstaltungen, beispielsweise das Olivenölfest, bei dem jedes Jahr viele  Besucher persönlich mit den Ölproduzenten, mit Künstlern und anderen innovativen Entrepreneuren zusammentreffen.

Bei der Gründung von zait ließen sich Thomas Fuhlrott und seine Geschäftspartnerin Tina Ottmann durch die Ideen des englischen Kunsthistorikers, Schriftstellers und Sozialreformers John Ruskin inspirieren. Dieser lebte im 19. Jahrhundert und betrachtete auf der Basis seines großen kunst- und kulturhistorischen Wissens auch die Ökonomie und Politik seiner Zeit. So erkannte er früh die negativen Auswirkungen der Industrialisierung, die auch heute noch so aktuell wie damals sind – beispielsweise die zunehmende Zerstörung von Natur, aber auch die utilitaristische Ausrichtung einer Wirtschaftspolitik, die allein fördert, was dem Profit dient, während sie viele soziale Aspekte unberücksichtigt lässt.

(Aus UNTERNEHMUNG)

Mit seinem Leitsätzen »Nur Leben ist Reichtum« und »Leben ohne eine Spur von Kunst ist Brutalität« forderte Ruskin schon damals nicht nur, dass alles unternehmerische Handeln sich an seinen Auswirkungen auf das Leben selbst messen lassen müsse und dieses schöner machen, erhalten und erweitern solle. Er zeigt vor allem auch wichtige, aus seiner Sicht notwendige Verbindungen zwischen Kunst und kreativem Schaffen sowie Ökonomie auf. In England inspirierte er mit seinen Ideen die Arts & Crafts Bewegung, eine unternehmerische Bewegung, der viele Künstler und Kunsthandwerker angehörten. Sie einte die Überzeugung, schöne und sinnvolle Dinge in der Umgebung der Menschen – Gebäude, Möbel, Keramik, Stoffe, etc. – unter menschenwürdigen Bedingung hergestellt, könnten in der Gesellschaft strukturelle Veränderungen für die Menschen – für Produzenten und Verbraucher herbeiführen.

Kunst und kreatives Schaffen sowie Ökonomie zusammenzudenken und daraus entstehende Potenziale zu sehen, dafür steht in der jüngeren Vergangenheit auch die Maxime von Joseph Beuys »Kunst gleich Kapital«, die aus dem von ihm entwickelten, erweiterten Kunstbegriff hervorgeht: jeder Mensch ist ein Künstler. Nach Beuys’ Auffassung galt das gerade auch für den im Rahmen der Ökonomie schöpferisch Tätigen.

Doch so spannend die Gedanken in der Theorie klingen, so wenig sieht man in der Gegenwart konkrete Umsetzungen. Passen Kunst und Ökonomie also tatsächlich und über die uns längst bekannten Verbindungen – über Kunstmarkt, Kunstsponsoring und Wertanlage hinaus zusammen? Wie kann es aussehen, wenn wir uns von der Auffassung entfernen, dass  kreative Denk- und Vorgehensweisen der Kunst in der Ökonomie wenig zu suchen haben?  Entrepreneur und Künstler, der Entrepreneur als Künstler – geht das? Anders gesagt: welche Entwicklungen sind möglich, wenn sich Denk- und Vorgehensweisen der Kunst in die Ökonomie erweitern?

(Aus UNTERNEHMUNG)

Direkt im Anschluss folgt die Präsentation von Thomas Fuhlrotts Buch »Unternehmung«, in dem er seine Blickwinkel auf Ökonomie und Kunst, Entrepreneure und Künstler als Anregung weitergibt. »Unternehmung« erscheint bei Lim & Asmuth Publishers und wird von uns im Rahmen unseres Projekts Inspiration Lounge meets Edition 20/50 herausgegeben.

Inspiration Lounge goes ART COLOGNE

Live-Interview mit Thomas Fuhlrott am Freitag, 20. April 2012 um 20.15 Uhr in der

Emmanuel Walderdorff Galerie |  Jülicher Str. 27 |  Köln

(Inspiration Lounge goes ART COLOGNE; 19.4 bis 20.4. 2012)


FacebookTwitterGoogle+

Inspiration Lounge goes ART COLOGNE presents: Wilhelm Schlote

11. April 2012 von Kerstin

(Wilhelm Schlote mit Bert Brecht)

Für den ersten Tag unserer Inspiration Lounge goes ART COLOGNE am Donnerstag, 19. April 2012 haben wir das getan, was uns im Rahmen der Inspiration Lounge schon immer sehr viel Spaß macht: konkrete, kreative Zusammenarbeit initiieren und neue Ideen auf den Weg bringen.

In diesem Fall bringen wir im Rahmen der Live-Performance frame-less zwei Künstler zusammen, deren Arbeit und Blickwinkel uns ans Herz gewachsen sind. Der erste hier vorgestellte von beiden,

Wilhelm Schlote, wurde 1946 in Lüdenscheid geboren und wuchs in Essen auf. Sein erster Kunstlehrer war Heinz Mack (Mitglied der Künstlergruppe ZERO), der bereits früh das zeichnerische Talent von Wilhelm Schlote erkannte. Philosophisch prägend war bis zum Abitur sein Mentor und Freund Prof. Albert Schulze-Vellinghausen, der als Literaturkritiker bei der FAZ der Vorgänger von Marcel Reich-Ranicki war. Nach dem Abitur studiert Wilhelm Schlote bis 1968 Philosophie in Bonn und anschließend bis 1972 Kunst an der Kunsthochschule Kassel.

1968 publizierte er sein erstes von insgesamt 35 Kinderbüchern. Ab 1976 veröffentlichte er Cartoon-Postkarten – die sogenannten »Schlote-Karten«, die weltweit vertrieben und geschätzt wurden – und erhielt im selben Jahr den Deutschen Jugendbuchpreis. Seit 1980 erstellte Wilhelm Schlote eine Vielzahl von Plakaten, Postern und Auftragsarbeiten. 1991 erhält er die Auszeichnung der Académie Calvet; den Preis überreichten Catherine Deneuve und Claude Chabrol. Wilhelm Schlotes Cartoons und Zeichnungen erscheinen unter anderem in Zeitschriften wie DIE ZEIT, Die Welt, FAZ am Sonntag, The New Yorker, Le Monde und Le Figaro. Er selbst bezeichnet seinen Zeichenstil als „Krikelkrakel“ und verleugnet nie sein Hauptmotiv, das Strichmännchen. Das Besondere an Wilhelm Schlotes Arbeiten ist die gelungene Mischung aus Poesie, Philosophie, Farben und Buntstiftstrichen.

(Paris)

Wilhelm Schlote im Inspiration Lounge Interview: »Ich habe schon sehr früh mit dem Zeichnen begonnen. In der Quinta (6. Klasse) bekamen wir Heinz Mack als Kunstlehrer. Er ließ uns keine Bilder malen, wie man das sonst von Kunstlehrern kennt, sondern Muster zeichnen, und mit diesem Griff zu den Buntstiften war meine Leidenschaft endgültig geweckt. Meine besondere Faszination gilt auch heute noch den Kinderzeichnungen, weil sie so ungemein gerade heraus sind – unverstellt durch Gedanken sind wie: »das geht doch nicht«. Kinder denken noch nicht, dass alles logisch und stimmig sein muss. Wir Erwachsene wollen alles perfekt. Dabei ist das Perfekte tot. Leben, Bewegung und Entwicklung liegen im Unperfekten, im Spontanen. Hier schließt sich in meiner Arbeit auch der Kreis zu den Strickmännchen und dem Krikelkrakel.

(Wilhelm Schlote – Plakat)

Mit Cartoons bin ich schon als kleiner Junge in Berührung gekommen, denn wir mochten alle die damals weit verbreiteten Comic Strips. Ich bin mit den Classics Illustrated groß geworden, einer Buchreihe, in der die großen Literaturklassiker als Comics dargestellt wurden. Dadurch haben wir schon als Kinder Romane wie beispielsweise Robinson Crusoe, Moby Dick, Don Quixote oder Les Miserables kennen gelernt.

(Buchcover)

Die Form und ganz eigene Ausdrucksweise von Comics/Cartoons, die Kästen und Sprechblasen haben mich immer fasziniert. Diese Reduktion auf das Wesentliche. Bei meinen philosophischen Comics, die ich im Rahmen der Live-Performance zeichnen werde, geht es mir darum, nicht nur die spezielle Ausdrucksweise von Cartoons zu verwenden, sondern vor allem stringente Erzählmuster aufzubrechen. Ich finde, es gibt gerade heute zu viele Geschichten, deren Anfang und Ende man ganz genau kennt, bei denen ein Bild stets logisch auf das andere folgt. Vielleicht wünschen wir Menschen uns das genau so, auch für unsere Realität, unser eigenes Leben. Die Erfahrung zeigt aber: es ist nicht so. Deshalb erzählen meine Comics keine eindeutige, stringente Geschichte. Es gibt vielmehr einzelne, lose Zusammenhänge zwischen den Comickästen, aus denen die Betrachter für sich selbst eine Bedeutung machen können. Verbunden mit meinen philosophischen Comics ist sicher der Gedanke, wie spannend es wäre, wenn wir auch aus den eigenen, fest umrissenen Denk- und Handlungsweisen, aus unseren eigenen »Kästen« mehr aussteigen könnten, um neue Zusammenhänge zu finden.«

(Wilhelm Schlote, Florian Zwissler)

Als Wilhelm Schlote uns bereits zugesagt hatte, für die Inspiration Lounge goes ART COLOGNE live zu zeichnen, zeigten wir ihm einen Filmausschnitt von einem Konzert des Komponisten und Musikers Florian Zwissler. Aus Wilhelm Schlotes spontaner Äußerung »ich bin fasziniert, dass heute Leute in diesem Alter diese Musik machen« entstand unsere Idee, die beiden für eine visuell-akustische Live-Performance zusammenzubringen.

Wilhelm Schlote in der visuell-akustischen Live-Performance frame-less mit dem Komponisten und Musiker Florian Zwissler am 19. April 2012, 20.15 Uhr in der

Emmanuel Walderdorff Galerie |  Jülicher Str. 27 |  Köln

(Inspiration Lounge goes ART COLOGNE; 19.4 bis 20.4. 2012)

Anschließend folgt ein kurzes Live-Interview mit beiden Künstlern.

FacebookTwitterGoogle+

Inspiration Lounge goes ART COLOGNE 2012_die Trilogie

04. April 2012 von Kerstin

(Inspiration Lounge goes ART COLOGNE_2012)

Liebe Freunde der Inspiration Lounge,

gemeinsam mit der Emmanuel Walderdorff Galerie lädt die Inspiration Lounge anlässlich der ART COLOGNE 2012 zu einer Veranstaltungs-Trilogie, die Positionen aus unterschiedlichen Disziplinen versammelt:

Haben wir Euch in der Inspiration Lounge interessante kreative Macher bis jetzt insbesondere virtuell in unseren Interviewfilmen vorgestellt, gibt es unsere Inspiration Lounge passend zur ART COLOGNE nun live and accustic begehbar.

Am 19. und 20. April 2012 heißt es daher: Inspiration Lounge goes ART COLOGNE. An beiden Tagen stellen wir Menschen, die wir im Rahmen der Inspiration Lounge kennen gelernt haben, mit ihren Positionen und Auszügen ihres Schaffens in der Emmanuel Walderdorff Galerie in der Jülicher Str. 27 in Köln vor.

Wir laden Euch herzlich ein, mit dabei zu sein und die Inspiration Lounge mit ihren Protagonisten in echt und in Farbe kennen zu lernen.


Donnerstag, 19. April 2012

19.00 Uhr | Öffnung der Inspiration Lounge in der Emmanuel Walderdorff Galerie

20.00 Uhr | Begrüßung durch Kerstin Döweler, le tapir/Inspiration Lounge und durch Emmanuel Walderdorff

20.15 Uhr | »frame-less« gemeinsame Live-Performance des Künstlers und Illustrators Wilhelm Schlote und des Komponisten und Musikers Florian Zwissler – ein von uns initiiertes visuelles und akustisches Intermezzo zwischen Philosophischem Comic und Neuer Musik.

Wilhelm Schlotes Strichmännchen in einer nicht stringenten Rahmen-Handlung, herausgefordert von Florian Zwißlers Synthesizer-Klängen. Wir danken in diesem Zusammenhang Rochus Aust für seinen großartigen Support/Equipment.

anschließend: Live-Interview mit Florian Zwissler und Wilhelm Schlote

(Wilhelm Schlote, Berthold Brecht,  Florian Zwissler)

ca. 21.00 Uhr | Buchpräsentation:
Inspiration Lounge meets Edition 20/50
, »Skizzen« von Julius Ordenthaler

Ganz im Sinne unseres Ziels, ausgewählte kreative Macher aus Ökonomie, Kultur und Wissenschaft mit ihren Sicht- und Vorgehensweisen in den Mittelpunkt zu rücken und zu vernetzen, haben wir uns zu der Herausgeberschaft im Rahmen der Edition 20/50, einer Darling II Production, entschlossen. Der Künstler und Zeichner Julius Ordenthaler ist einer der beiden ersten Inspiration Lounge Interviewpartner, dessen Buch nun im Rahmen der Edition 20/50 bei Lim & Asmuth Publishers erscheint.

(aus 20|50_ Julius Ordenthaler_Skizzen)


Freitag, 20. April 2012

19.00 Uhr | Öffnung der Inspiration Lounge in der Emmanuel Walderdorff Galerie

20.00 Uhr | Begrüßung durch Kerstin Döweler, le tapir/Inspiration Lounge und durch Emmanuel Walderdorff

20.15 Uhr | Von John Ruskins »Leben ohne eine Spur von Kunst ist Brutalität« bis zu Beuys’ Schlüsselbegriffen »Kunst gleich Kapital« – was ist möglich, wenn sich Denk- und Vorgehensweisen der Kunst in die Ökonomie erweitern? Ein Live-Interview mit Thomas Fuhlrott, Gründer des Unternehmens zait und des Deutschen Ölivenöl Panels

anschließend: Buchpräsentation Inspiration Lounge meets Edition 20/50, »UNTERNEHMUNG« von Thomas Fuhlrott

(aus 20/50_ Thomas Fuhlrott_UNTERNEHMUNG)

In seinem Buch »Unternehmung«, herausgegeben von le tapir im Rahmen der Edition 20/50, gibt der zait-Gründer Thomas Fuhlrott vertiefte Einblicke in seine Blickwinkel auf Parallelen und Verbindungspotenziale von Kunst und Entrepreneurship.

Mit einer musikalischen Intervention folgt Klirrlicht
Florian Zwissler – Synthie A/divers
Axel Lindner – Violine/divers

Es wird fein.

An beiden Abenden gibt es außerdem Weine vom Weingut Sander aus Mettenheim/ Rheinhessen, erstes ökologisches Weingut Deutschlands. Stefan Sander, engagierter Winzer und einer unser Inspiration Lounge Interviewpartner im Jahr 2010, hat Ausgezeichnetes in Rot und Weiß für die Inspiration Lounge ausgesucht.

Zum Auftakt der ART COLOGNE beginnt die Veranstaltungs-Trilogie schon am Mittwoch, 18. April 2012 in der Emmanuel Walderdorff Galerie mit einer visuell-akustischen Premiere.

Armin Subke präsentiert live im Rahmen seiner Ausstellung »Subvisionen« seine Mini Pop Oper »Free«.

(subke singt)

 

Sprecher: Hans Pfrommer
Gesang,Tasteninstrument und elektronische Geräte: Armin Subke

Einlass ist um 19.00 Uhr | Beginn um 20.00 Uhr

Also, auf geht’s. Wir freuen uns auf Euch.

Die Trilogie zur ART COLOGNE_TERMINE


18. April 2012 |
»Free«, die Mini Pop Oper von Armin Subke | ab 19.00 Uhr

19. und 20. April 2012 |Inspiration Lounge goes ART COLOGNE | ab 19.00 Uhr


Inspiration Lounge goes ART COLOGNE |
Ort_ Emmanuel Walderdorff Galerie | Jülicher Str. 27 |  50674 Köln

 

FacebookTwitterGoogle+

anfangen

29. Februar 2012 von Kerstin

In einem Gespräch mit Freunden hörte ich neulich den Satz »In meinem Alter hat es keinen Sinn mehr, etwas zu ändern oder etwas neu anzufangen.« Dabei erinnerte ich mich an den Film Beginners, in dem ein Mann im Alter von 75 Jahren sein Leben nochmals umkrempelt.

Wie diese Filmfigur denke ich, dass man eigentlich immer die Möglichkeit hat, Dinge bewusst anders zu betrachten und zu tun. Als Beispiel greife ich hier Themen auf, die aktuell sehr oft beleuchtet werden:

Ich finde, dass es heute kein Problem bereiten sollte, die altbekannten Diskussionen über was kann die eine Nation, Kultur etc. besser als die andere endlich das sein zu lassen, was sie sind: Versuche der Eigendefinition, Aufwertung und Abgrenzung einer Gruppierung gegen die anderen da draußen. Auch die Leitartikel zum Thema Was Frauen besser können als Männer und Männer besser als Frauen wiederholen sich in schöner Regelmäßigkeit – allerdings ohne den Eindruck zu hinterlassen, dass sich dadurch in letzter Zeit, abgesehen von einem Augenzwinkern und Magazinverkäufen, irgendetwas Nennenswertes bewegt.

Wie wäre es also, Unterschiede nicht weiter nur als trennend, sondern als notwendige Ergänzungen zu betrachten und entsprechend zu agieren? Abgrenzungs-, Konkurrenz- und Wettbewerbsverhalten sind aber völlig natürlich, werden da viele meinen und dabei vielleicht zurück bis zu Darwin oder dem Beginn des Industriezeitalters denken. Doch Evolutionsbiologen wie Elisabet Sahtouris zeigen heute längst andere, fortgeschrittene Forschungsergebnisse und Blickwinkel auf: jedes selbsterhaltende, dauerhaft angelegte Ökosystem funktioniert nach den gleichen Grundprinzipien, nämlich Vielfalt in Koexistenz, Partizipation, Kooperation und systemische Nachhaltigkeit. Wie wäre es, daraus zu lernen?

Anderes Beispiel. Wie wäre es, konsequent zu beginnen, die alte Gedankenkluft zwischen sozial, kulturell und ökologisch sinnvollem Handeln einerseits sowie ökonomischem Handeln andererseits zu überwinden? Daran zu arbeiten, diese Aspekte durch neue oder in Vergessenheit geratene Ideen und Vorgehensweisen mehr zusammenzubringen statt sie weiter vor allem als Antagonismen zu behandeln – auch wenn es nicht leicht wird.

Ich kenne durchaus die geläufige Denkweise, dass derjenige, der sich für nachhaltige Entwicklungen einsetzt, nicht glaubwürdig sein kann, solange er mit seiner Arbeit am Ende auch unternehmerisch Geld verdienen will. Diese Sicht hat viel damit zu tun, wie sehr das Wort nachhaltig inzwischen von nicht nachhaltiger Politik und Wirtschaft instrumentalisiert wurde. Genauso damit, wie sehr wir heute aus Erfahrung gedanklich ein langfristig gesellschaftlich sinnvolles Handeln von unternehmerischem Handeln abgespalten haben.

Doch ist es nicht schlicht so, dass alle Unternehmer, ob nachhaltig ausgerichtet oder nicht, Geld verdienen müssen, wenn ihr Unternehmen weiter laufen soll? Werden Unternehmungen gerade in unserer Kultur nicht erst dann ernst genommen, wenn sie sich selbst tragen statt permanent auf Fördertöpfe angewiesen zu sein? Insofern ist doch nachvollziehbar, wenn gerade diejenigen, die tatsächlich nachhaltiges Wirtschaften voranbringen wollen, Wert darauf legen, damit das notwendige Geld zu verdienen. Wie sollten sie sonst wirksam nach außen zeigen, dass erfolgreiches ökonomisches Handeln eben auch anders geht und nicht heißen muss, dass man auf Menschen, deren Leben und Gesundheit sowie auf die Umwelt pfeift? Außerdem, nur wenn diese Unternehmen am Markt erfolgreich sind, werden andere folgen, und ist nicht das Sinn und Zweck eines angestrebten ökonomischen Wandels?

Schön und gut, mag mancher sagen, aber in den letzten Jahrhunderten gab es wenige glaubwürdige Beispiele für ein Zusammengehen von unternehmerischem Eigeninteresse mit echtem Interesse für Mitmenschen und Umwelt. Mag sein, aber wir leben nicht in der Vergangenheit, zu der auch unsere Erfahrungen gehören.

Noch dazu, so sagt es der 75-jährige Mann in Beginners, muss man nie aufhören, mit etwas anzufangen.

FacebookTwitterGoogle+

kreativ unternehmen_Teil 2

19. Februar 2012 von Kerstin

(thomas fuhlrott_zait)

K: Wann bist Du denn zum ersten Mal mit dem Thema Entrepreneurship in Berührung gekommen?

T: Das war während meines Studiums in Berlin. Ich habe Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert, und im Rahmen des Studiums gab es regelmäßig Gastvorlesungen von Professoren aus anderen Studienfächern. Dadurch besuchte ich eines Tages eine Vorlesung von Professor Faltin, der schon damals an der FU Berlin den Arbeitsbereich Entrepreneurship aufgebaut hatte und leitete. Inzwischen gibt es natürlich mehrere Universitäten, die diesen Bereich anbieten. Doch Günter Faltin hatte lange Zeit den einzigen Lehrstuhl für Entrepreneurship in Deutschland. Er hat maßgeblichen Anteil daran, dass das Thema Entrepreneurship hier und heute zu einem wichtigen Thema geworden ist.

Ich habe jedenfalls seine Vorlesung besucht und schnell entdeckt, dass mich das Thema fasziniert. Das lag zum einen daran, dass mir bewusst wurde: es gibt für jeden die Möglichkeit, mit einer wirklich guten Idee und einem runden Konzept ein Unternehmen zu gründen. Gerade heute setzen Gründungen nicht mehr unbedingt große Kapitalmengen und aufwändige Produktionsstätten voraus. Dazu kam, dass ich schon damals ein großes Interesse an kreativen, innovativen Prozessen hatte. Ich interessiere mich sehr für kulturelle Bereiche wie Kunst und Musik, in denen eine Avantgarde immer wieder die Grenzen des bis dahin Bekannten hinterfragt und bricht. Wäre ich nicht auf das Thema Entrepreneurship gestoßen, ich hätte mir gut vorstellen können, nach dem Studium im Kulturbereich zu arbeiten. Doch es kam anders.

Ich begriff, dass Entrepreneurship der Weg ist, das Hinterfragen und Aufbrechen von konventionellen Denk- und Handlungsweisen in die Ökonomie zu tragen. Dass Kreativität auch in der Ökonomie eine ungemein wichtige Rolle spielt und nicht nur der Kunst oder Musik vorbehalten ist. Überhaupt, wie ich mit meinen Ideen im ökonomischen Feld etwas bewegen und Dinge positiv verändern kann – zeigen kann, wie es anders geht, gerade auch indem ich meine kreativen Interessen und Fähigkeiten kombiniere.

Als Entrepreneur kreativ zu sein, hat außerdem noch einen Vorteil: du erwirtschaftest deine finanziellen Mittel selbst. Läuft es gut, kannst du deine Tätigkeit weiter ausbauen und in neue Ideen investieren. Läuft es nicht, merkst du das unmittelbar. Viele Kunst- und Kulturschaffende hängen dagegen mit ihren Projekten von Fördermitteln ab und verbringen daher viel Zeit mit dem Stellen von Anträgen und mit Warten. Darauf hätte ich keine Lust. Noch dazu: ohne die Ökonomie geht es eben nicht. Auch die gesamte Kulturförderung hängt letztlich an einer funktionierenden Wirtschaft. Sieht man dies zusammen mit der Tatsache, dass wir nicht weiter auf ein unbegrenztes Wirtschaftswachstum mit steigendem Ressourcenverbrauch setzen können, finde ich umso wichtiger, in diesem großen Bereich Ökonomie endlich mehr qualitative, zukunftsfähige Entwicklungen auf den Weg zu bringen. Dazu beizutragen macht mir große Freude.

K: Herzlichen Dank für das Interview.

Interview Teil 1

KATZAGSCHROI

(katzagschroi_schwäbisches heiligtum)

Zum Abschluss stellen wir dieses Mal ein Rezept vor, dass zwei Dinge aus unterschiedlichen Regionen vereint: bestes Olivenöl aus Katalonien/Spanien und schwäbischen Erfindergeist. Das Gericht heißt original Katzagschroi.

Für 4 Personen braucht man 500 g gekochtes Rindfleisch, das man in schmale Streifen schneidet. 2 größere Zwiebeln schneidet man in dünne Ringe, einen säuerlichen Apfel sowie eine gelbe und rote Paprika ebenfalls in schmale Streifen. Wer mag, kann außerdem noch eine Karotte in dünne Stifte schneiden.

Als nächstes rührt man aus einem Teelöffel scharfem Senf, aus Salz, schwarzem Pfeffer, Essig und Olivenöl eine Vinaigrette, die man mit dem Saft einer halben Orange abschmeckt.

Nun gibt man alle Zutaten in die Vinaigrette, mischt ordentlich durch, verteilt das Katzagschroi auf vier Tellern und streut klein geschnittenen Schnittlauch darüber.

Fertig.

Dazu passt am besten Weißbrot und ein Schnaiter Wartbühl.

FacebookTwitterGoogle+