Tag: Blickwinkel

Entdeckungstour

23. Juli 2011 von Kerstin

Nachdem ich vor einiger Zeit einen Artikel über die Notwendigkeit von Entdeckungstouren im Alltag veröffentlichte, fragte mich ein Freund kurz darauf, wie oft ich denn seitdem aufgebrochen sei, um Neues, Spannendes zu finden. Tatsächlich hatte er mich dabei ertappt, die guten Entdeckungsvorsätze mal wieder vorübergehend zurückgestellt zu haben – viel zu tun, wenig Zeit…Wie oft und wie lange sitzen wir, wie viele andere auch, eigentlich in mehr oder weniger starrer Haltung, Blick geradeaus auf einen Bildschirm und wundern uns gar nicht mehr, dass wir langsam einrosten? Und nein, ich meine das nicht nur in Bezug auf die Rückenmuskulatur.

Also sind wir gestern zu einer Entdeckungstour aufgebrochen, die uns mitten in Köln bis tief nach Australien führte. Ein Besuch der Emmanuel Walderdorff Galerie ermöglicht es noch bis zum 13. August 2011, in Aboriginal Fine Arts und damit gleichzeitig in über 40.000 Jahre faszinierender Kulturgeschichte einzutauchen.

Vor allem für diejenigen, die wie wir bisher keine Berührungspunkte mit Aboriginal Fine Arts hatten, denen der »Einstieg«  schwer erscheint oder die zunächst nur Punkte und Kreise sehen, ein heißer Tipp: noch bis zum 30.07. führt Robyn Kelch, die Gründerin der auf Aboriginal Fine Arts spezialisierten Galerie ArtKelch, durch die von ihr kuratierte Ausstellung. Begleitet von ihren Schilderungen die Ausstellung zu durchwandern, wurde für uns gleich zu einem doppelten Erlebnis. So öffneten sich zahlreiche Fenster in die Kultur der Aboriginal Australians und die damit verbundene, älteste und bis heute praktizierte Kunst der Welt. Punkte auf Bildern können so auf einmal ganz anders wirken, wenn man erst weiß, dass sie oft gemalt werden, um hinter ihnen liegende Bildschichten und Geschichten vor unseren Blicken zu verbergen. Blickwinkel auf Bilder ändern sich, sobald man diese auch als Topographien und Darstellung von Schöpfergeschichten sehen kann. Darüber hinaus hat uns der Ausstellungsbesuch jede Menge der, wie ich finde, immer wieder notwendigen Impulse gegeben, dass unsere Sicht- und Lebensweise eben nicht mehr als nur eine Sicht- und Lebensweise ist. In über 220 Sprachen der Aboriginal Australians gibt es beispielsweise kein einziges Wort für Zeit. Leben ohne Zeit zu messen und zum Zwecke der Terminplanung einzuteilen – für uns unvorstellbar.

War eben die Rede von doppeltem Erlebnis, so ist Robyn Kelch mit ihrem großen Wissen über Aboriginal Fine Arts und ihrer Begeisterung für die Aboriginal Kultur auf alle Fälle ein Teil davon. Wenn sie davon erzählt, wie sie mit dem Jeep auf langen Fahrten durch Australien unterwegs ist, wie sie die Künstler in den Art Centern besucht – man ist kurz davor, selbst die Koffer zu packen.

Bleiben drei Dinge zu sagen: 1. Herzlichen Dank an Emmanuel Walderdorff für seinen Entschluss, der Ausstellung Western APY Lands einen besonderen Platz in Köln zu geben. 2. Um noch mehr von dieser Entdeckungstour und über Aboriginal Fine Arts zu erzählen, haben wir einen Film gemacht, der hier in Kürze erscheint. 3. Wer selbst sofort aufbrechen will:

Western APY Lands in der Galerie Emmanuel Walderdorff, Öffnungszeiten Di-Fr 14.00-18.00 Uhr, Sa. 12.00 Uhr-16.00 Uhr

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Entdecken

17. Mai 2011 von Kerstin

Als wir vor einigen Tagen an der Nordküste Hollands entlang fuhren, fiel uns immer wieder auf, wie sehr sich die Umgebung doch von derjenigen unterscheidet, die für uns hier in Köln alltäglich geworden ist.

Kommt man an einen neuen Ort, macht man sich gerne auf den Weg, um alles möglichst genau zu erkunden. Wir durchforsteten Läden und freuten uns, wenn wir Dinge fanden, die wir bisher nicht kannten. Wir kauften beispielsweise jede Menge Lebensmittel, die uns hier fremd sind und waren begeistert, wenn wir einen tollen, neuen Geschmack entdeckten (unbedingt erwähnenswert: Ontbeijtkoek). Wir stießen an zahlreichen Orten auf vermeintliche Kleinigkeiten, wie die hier äußerst selten zu erlebende Kombination von durchdachter Gestaltung bis in die Details, Praktikabilität, Aufmerksamkeit füreinander und gleichzeitig gut gelaunter, relaxter Stimmung. Wir beschäftigten uns mit der Frage: Wenn das dort geht, warum importieren wir es nicht?

Warum macht man solche Dinge unterwegs und klinkt sich oft so zügig wieder in die übliche Routine ein, kaum ist man wieder zuhause. Von vielen unserer Freunde, wie auch von mir, kenne ich die Beschwerde, hier in der Stadt finde man leider nur noch die üblichen Läden, langweilige große Kaufhäuser und Marken. Die Sache ist: je mehr wir dabei unsere Routinen aufrecht erhalten, je weniger wir auf Entdeckungstouren gehen und stattdessen lieber die herkömmlichen Wege mit den gleichen Blickwinkeln laufen, weil sie bekannt und bequem sind, desto schwerer wird es uns fallen, Besonderes wahrzunehmen. Weil das aber so oft das Salz in der Suppe guter, neuer Ideen und besserer Laune ist, schreibe ich hier jetzt einfach mal auf: Entdeckergeist bewahren, unterwegs bleiben, Routinen erkennen und überdenken, den Blick für anderes haben, Neues ausprobieren – nicht nur aufschreiben oder hier lesen – machen.

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Klare Worte, Herr Welzer – ein Statement

13. Dezember 2010 von Chris

»Die Zukunft wird kleinteilig.«

Es geht um das Revidieren von Fehlentscheidung, ein paar Bäume und ein bisschen mehr Bewegung in der Demokratie. Was bietet sich da besser an, als Stuttgart21.

Unser Inspiration Lounge Interviewpartner Prof. Dr. Harald Welzer hat dazu ein paar Anmerkungen. Treffsicher und klar, so wie wir es lieben.

Im Interview mit der taz.de bezieht er Stellung.

mehr  S21: Interview mit Robert Schrem_fluegel.tv | www.fluegel.tv.de

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S21

03. November 2010 von Kerstin

Dissidenz war schon immer eine reiche Quellen für neue Ideen und Blickwinkel. Momentan ist besonders das Megaprojekt Stuttgart21 ein Katalysator für jede Menge kreative Projekte, die sich beispielsweise um das Engagement zur Erhaltung des jetzigen Stuttgarter Kopfbahnhofs und des kompletten Schlossparks mit seinen alten Bäumen drehen oder versuchen, die aktuellen Geschehnisse genau zu dokumentieren, um dadurch mehr Transparenz in die komplizierte Sachlage zu bringen.

Chris, gebürtiger Stuttgarter, beobachtet alle Ereignisse rund um S21 natürlich schon seit langer Zeit, wenn auch aus einiger Entfernung. Schließlich haben auch wir hier in Köln, was unterirdische Bauarbeiten, Tunnelbohrungen und damit zusammenhängende Einstürze angeht, einschlägige Erfahrungen. In Stuttgart selbst geht es längst nicht mehr nur um das Für oder Wider eines großen Bauprojekts, sondern mehr und mehr um Fragen von demokratischer Willensbildung heute und in Zukunft, um Kommunikation und Teilhabe, um Transparenz, politische Legitimierung, um Legitimität und neue Formen der Medienberichterstattung.

Wie Stuttgarter Freunde uns berichteten, soll das Bahnhofsthema vor Ort nahezu eine Art Religion geworden sein, die Fronten sind trotz Schlichtungsbemühungen verhärtet. Und dann erreichten uns in letzter Zeit immer wieder Einladungen wie: »Ihr müsst unbedingt vorbeikommen, um Euch anzuschauen, mit wieviel Engagement und Kreativität die Leute hier für ihre Auffassungen von S21 eintreten, was hier alles passiert und wieviel hier gerade auch an neuen Ideen und Richtungen entsteht.«

Was haben wir also getan? Das, was wir gerne tun: trotz knapper Zeit haben wir die Kameras geschnappt, sind auf nach Stuttgart, haben uns die Lage vor Ort angeschaut und dabei einen Interviewpartner gefunden, der ein täglich wachsendes Projekt für mehr Unabhängigkeit in der Berichterstattung über S21 ins Rollen gebracht hat.

Demnächst mehr.

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Weird, or just different?

20. Juli 2010 von Kerstin

Da wir die Inspiration Lounge schon seit einiger Zeit betreiben und eine ganze Zahl von Interviews geführt haben, werden wir inzwischen oft gefragt, ob es etwas gibt, das uns besonders auffällt oder immer wieder Thema ist.

Nun, es gibt natürlich mehrere Aspekte, die bis heute in unseren Interviewtreffen häufiger aufgetaucht sind. Ich möchte an dieser Stelle jedoch einen Aspekt hervorheben, der uns im Hinblick auf die Fülle von Interviewpartnern und Interviews immer wieder besonders beeindruckt: die Tatsache, wie unterschiedlich Menschen die Welt sehen, strukturieren und aufgrund dessen ihre Ideen entwickeln und umsetzen. Selbst bei ähnlichen Umfeldbedingungen und vergleichbaren Grundgedanken – funktionierende Realisierungen können am Ende völlig unterschiedlich ausfallen, beruhend auf den jeweiligen Sicht-, Denk- und Vorgehensweisen. Das ist einer der Gründe, warum wir dieses Projekt jeden Tag interessanter finden, je länger wir daran arbeiten.

Zum Nebeneinander unterschiedlicher Blickwinkel, von denen keiner zwingend besser als der andere sein muss, gibt es einen aufschlussreichen Kurzvortrag von Derek Sivers bei TED Talks. Er verdeutlicht in weniger als drei Minuten, dass vieles »Feststehende« sehr relativ ist und unsere Sicht auf die Dinge für andere völlig absurd erscheinen kann. Wer’s ausprobieren möchte, der fragt in Japan nach einem Straßennamen, wenn er sich in einer Stadt zurechtfinden will.

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