25. November 2011 von Chris

(Berlin is calling)
Ich schloss die Augen. Da saßen wir also endlich im Flieger nach Berlin. Der Pilot ratterte seine Begrüßungsformel runter – brach dann aber, da wir schon einiges über der Zeit waren, abrupt ab und meinte nur: »Ok, wir fliegen dann mal los.« Stilles Einvernehmen. Schnell glitten die Finger der Leute wieder über die Pads und iPhones, checkten noch die letzten Mails – Willkommen im Flying Office.
Wir waren auf dem Weg zum Entrepreneurship Summit 2011, dem Treffen von Unternehmern und Gründern, die eines verbindet: Sie kennen klassisches Business, unsere heutige Form von einer Ökonomie mit ihrem Mantra des ewigen Wachstums und einer Profitmaximierung, die längst zum Selbstzweck geworden ist. Sie kennen auch die dadurch entstandenen und immer deutlicher zutage tretenden gesellschaftlichen und ökologischen Sackgassen. Wie also können wir Kurskorrekturen vornehmen und auf der Basis veränderter Blickwinkel und Werte eine Ökonomie entwickeln, die über das rein Wirtschaftliche hinausgeht? Wege des Wirtschaftens gehen, die auf unsere heutigen Bedürfnisse bessere Antworten geben und große Herausforderungen bewältigen, wie beispielsweise den Umgang mit schwindenden Ressourcen oder die Tatsache eines letztlich begrenzten Wachstums in einer begrenzten Welt? Ohne Ideologie, ohne Utopie, sondern ganz pragmatisch mit intelligenten, nachhaltigen Handlungsweisen, besseren Konzepten und Realisierungen – wie kann das aussehen? Ich war gespannt.

(Eröffnung Entrepreneur Summit 2011)
Günter Faltin, der Gründer der Teekampagne und Initiator des Entrepreneur Summit hatte zur FU Berlin gerufen, und so kamen sie. Die Bandbreite war enorm. Hacker neben Biologen, Juristen neben Kunststudenten, Volkswirte neben Historikern – und alle wollten dabei sein. Heraus kam ein echter HotSpot – jeder konnte es spüren, war ein Teil davon.
Was vor Jahren als kleine Bewegung startete, eint inzwischen deutlich mehr Menschen: der Gedanke einer wirtschaftlichen, technologischen und ökologischen Kurskorrektur, das Schaffen eines neuen Wertebewusstseins, Wirtschaften und Profit machen nicht um jeden Preis, sondern in Einklang mit Mensch und Umwelt. Der Entrepreneur Summit ist keine Veranstaltung für die Daniel Düsentriebe, die mit abgespaceten Ideen die Menschheit beglücken wollen. Dies machte Günter Faltin schon in seiner Keynote sehr deutlich: »Gründen mit abgehobenen Anfangsideen, nicht mit ausgereiften Konzepten – das ist Gründen à la Roulette. Der Entrepreneurship Summit drehte sich deshalb auch dieses Mal um kreative Aspekte wie Ideengewinnung durch Diversität genauso wie um Themen der intelligenten Gründungsfinanzierung oder das Finden von Kooperationspartnern.

(Austausch zwischen den Impulsveranstaltungen)
Es war faszinierend zu beobachten, wie die einzelnen Komponenten des Summits aufgenommen wurden. Schnell fanden sich Gruppen untereinander und tauschten sich über konkrete Konzeptaufstellungen oder einzelne Vorgehensweisen aus. Erfolgreiche Gründer berichteten über ihre Wege und Erfahrungen. Neben vielen Gesprächen, Inspirationen und Diskursen, gab es darüber hinaus reichlich Input durch spannende Zeitgenossen wie Holm Friebe, Journalist (Wir nennen es Arbeit) und Gründer der ZIA (Zentrale Intelligenz Agentur), Klaus Wiegandt oder Sascha Lobo, der mit einem Vortrag über seine eigenen Gründungserfahrungen dabei war war. Polarisierendes Highlight war Bernd Kolb, Ex-Punk, Ex-Vorstand des Bereichs Innovation bei der Deutschen Telekom und jetziger Gründer des Club of Marrakesh.
(Fortsetzung folgt)
Tags: Austausch, Bewegung, Blickwinkel, Engagement, Entwicklung, Erfahrung, Ideen, Inspiration, kreativer Prozess, Kultur, Ökonomie, Wissen
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12. September 2011 von Kerstin

Seit wir unser Projekt kreativ bewegen gestartet haben, wurden wir schon mehrere Male gefragt, was wir dabei so alles erleben. Hier eine kurze Zwischennotiz: auf ganz natürlichem Weg stellt sich bei uns eine Wahrnehmungserweiterung ein. Seit Felix uns dazu gebracht hat, mehr nach draußen zu gehen, um dort nach unterschiedlichen Trainingsmöglichkeiten zu forschen, entdecken wir vorhandene Umgebungen völlig neu. Was bisher die Treppe zur Bibliothek um die Ecke war, ist inzwischen zum Übungsparcours geworden. Spielplätze mit ihren Klettergerüsten sind echte Herausforderungen, und selbst die Bänke vor dem E-Raum der Uni werden unter Muskeleinsatz umfunktioniert.
Interessant ist aber nicht nur die andere Nutzung, es ist schon allein die veränderte Sicht auf die Dinge um einen herum. Wir durchstreifen die Orte anders, und diese spielerische Auffassung macht mehr Spaß, als ich je zuvor gedacht hätte.
Noch etwas ist dabei schon passiert, denn immer wieder, wenn wir Orte umnutzen, werden wir zunächst neugierig, manchmal auch verwundert oder belustigt beobachtet. Es ist für mich eine echte Erfahrung, dadurch zu bemerken, mit wie wenig und nur etwas aus dem alltäglichen Rahmen fallenden Bewegungen wie viel Erstauen oder Kopfschütteln auszulösen ist. Noch interessanter finde ich, welche Menschen das stumme Schauen einstellen, um auf uns zuzugehen und zu fragen, was wir da eigentlich aus welchem Grund tun. Wir hatten auch bereits eifrige Mitmacher, es gab sogar Szenenapplaus und Spontandiskussionen über die körperliche und geistige Bewegungsarmut unserer Gesellschaft. Jedes mal neue Eindrücke.
Was da vor sich geht, denke ich inzwischen, ist die natürliche Form von Augmented Reality – ganz ohne Netz und doppelten Boden. Bereicherte Wahrnehmung ohne Akku und Vertragsbindung, man selbst als Wandler und Medium. Da wirkt sogar der Lieblingssatz von Marshall McLuhan auf einmal in neuem Licht.
Schon komisch, wie einfach das ist und gleichzeitig so einfach zu übersehen.
Tags: Aktivität, Blickwinkel, kreativ bewegen, kreativer Prozess, Wahrnehmung
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23. Juli 2011 von Kerstin

Nachdem ich vor einiger Zeit einen Artikel über die Notwendigkeit von Entdeckungstouren im Alltag veröffentlichte, fragte mich ein Freund kurz darauf, wie oft ich denn seitdem aufgebrochen sei, um Neues, Spannendes zu finden. Tatsächlich hatte er mich dabei ertappt, die guten Entdeckungsvorsätze mal wieder vorübergehend zurückgestellt zu haben – viel zu tun, wenig Zeit…Wie oft und wie lange sitzen wir, wie viele andere auch, eigentlich in mehr oder weniger starrer Haltung, Blick geradeaus auf einen Bildschirm und wundern uns gar nicht mehr, dass wir langsam einrosten? Und nein, ich meine das nicht nur in Bezug auf die Rückenmuskulatur.
Also sind wir gestern zu einer Entdeckungstour aufgebrochen, die uns mitten in Köln bis tief nach Australien führte. Ein Besuch der Emmanuel Walderdorff Galerie ermöglicht es noch bis zum 13. August 2011, in Aboriginal Fine Arts und damit gleichzeitig in über 40.000 Jahre faszinierender Kulturgeschichte einzutauchen.
Vor allem für diejenigen, die wie wir bisher keine Berührungspunkte mit Aboriginal Fine Arts hatten, denen der »Einstieg« schwer erscheint oder die zunächst nur Punkte und Kreise sehen, ein heißer Tipp: noch bis zum 30.07. führt Robyn Kelch, die Gründerin der auf Aboriginal Fine Arts spezialisierten Galerie ArtKelch, durch die von ihr kuratierte Ausstellung. Begleitet von ihren Schilderungen die Ausstellung zu durchwandern, wurde für uns gleich zu einem doppelten Erlebnis. So öffneten sich zahlreiche Fenster in die Kultur der Aboriginal Australians und die damit verbundene, älteste und bis heute praktizierte Kunst der Welt. Punkte auf Bildern können so auf einmal ganz anders wirken, wenn man erst weiß, dass sie oft gemalt werden, um hinter ihnen liegende Bildschichten und Geschichten vor unseren Blicken zu verbergen. Blickwinkel auf Bilder ändern sich, sobald man diese auch als Topographien und Darstellung von Schöpfergeschichten sehen kann. Darüber hinaus hat uns der Ausstellungsbesuch jede Menge der, wie ich finde, immer wieder notwendigen Impulse gegeben, dass unsere Sicht- und Lebensweise eben nicht mehr als nur eine Sicht- und Lebensweise ist. In über 220 Sprachen der Aboriginal Australians gibt es beispielsweise kein einziges Wort für Zeit. Leben ohne Zeit zu messen und zum Zwecke der Terminplanung einzuteilen – für uns unvorstellbar.
War eben die Rede von doppeltem Erlebnis, so ist Robyn Kelch mit ihrem großen Wissen über Aboriginal Fine Arts und ihrer Begeisterung für die Aboriginal Kultur auf alle Fälle ein Teil davon. Wenn sie davon erzählt, wie sie mit dem Jeep auf langen Fahrten durch Australien unterwegs ist, wie sie die Künstler in den Art Centern besucht – man ist kurz davor, selbst die Koffer zu packen.
Bleiben drei Dinge zu sagen: 1. Herzlichen Dank an Emmanuel Walderdorff für seinen Entschluss, der Ausstellung Western APY Lands einen besonderen Platz in Köln zu geben. 2. Um noch mehr von dieser Entdeckungstour und über Aboriginal Fine Arts zu erzählen, haben wir einen Film gemacht, der hier in Kürze erscheint. 3. Wer selbst sofort aufbrechen will:
Western APY Lands in der Galerie Emmanuel Walderdorff, Öffnungszeiten Di-Fr 14.00-18.00 Uhr, Sa. 12.00 Uhr-16.00 Uhr
Tags: Blickwinkel, Ideen, Kunst
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17. Mai 2011 von Kerstin

Als wir vor einigen Tagen an der Nordküste Hollands entlang fuhren, fiel uns immer wieder auf, wie sehr sich die Umgebung doch von derjenigen unterscheidet, die für uns hier in Köln alltäglich geworden ist.
Kommt man an einen neuen Ort, macht man sich gerne auf den Weg, um alles möglichst genau zu erkunden. Wir durchforsteten Läden und freuten uns, wenn wir Dinge fanden, die wir bisher nicht kannten. Wir kauften beispielsweise jede Menge Lebensmittel, die uns hier fremd sind und waren begeistert, wenn wir einen tollen, neuen Geschmack entdeckten (unbedingt erwähnenswert: Ontbeijtkoek). Wir stießen an zahlreichen Orten auf vermeintliche Kleinigkeiten, wie die hier äußerst selten zu erlebende Kombination von durchdachter Gestaltung bis in die Details, Praktikabilität, Aufmerksamkeit füreinander und gleichzeitig gut gelaunter, relaxter Stimmung. Wir beschäftigten uns mit der Frage: Wenn das dort geht, warum importieren wir es nicht?
Warum macht man solche Dinge unterwegs und klinkt sich oft so zügig wieder in die übliche Routine ein, kaum ist man wieder zuhause. Von vielen unserer Freunde, wie auch von mir, kenne ich die Beschwerde, hier in der Stadt finde man leider nur noch die üblichen Läden, langweilige große Kaufhäuser und Marken. Die Sache ist: je mehr wir dabei unsere Routinen aufrecht erhalten, je weniger wir auf Entdeckungstouren gehen und stattdessen lieber die herkömmlichen Wege mit den gleichen Blickwinkeln laufen, weil sie bekannt und bequem sind, desto schwerer wird es uns fallen, Besonderes wahrzunehmen. Weil das aber so oft das Salz in der Suppe guter, neuer Ideen und besserer Laune ist, schreibe ich hier jetzt einfach mal auf: Entdeckergeist bewahren, unterwegs bleiben, Routinen erkennen und überdenken, den Blick für anderes haben, Neues ausprobieren – nicht nur aufschreiben oder hier lesen – machen.
Tags: Ausprobieren, Blickwinkel, Ideen, Inspiration
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13. Dezember 2010 von Chris
»Die Zukunft wird kleinteilig.«
Es geht um das Revidieren von Fehlentscheidung, ein paar Bäume und ein bisschen mehr Bewegung in der Demokratie. Was bietet sich da besser an, als Stuttgart21.
Unser Inspiration Lounge Interviewpartner Prof. Dr. Harald Welzer hat dazu ein paar Anmerkungen. Treffsicher und klar, so wie wir es lieben.
Im Interview mit der taz.de bezieht er Stellung.
mehr S21: Interview mit Robert Schrem_fluegel.tv | www.fluegel.tv.de
Tags: Blickwinkel, Demokratie, Ideen, Wissen
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