Tag: Austausch

Kunst und Wahrnehmung – die Veranstaltung_Part I

04. November 2011 von Kerstin

(inspiration lounge | Emmanuel Walderdorff Galerie _Kunst + Wahrnehmung)

Bekannte Sicht- und Vorgehensweisen bewusst wahrzunehmen, zu hinterfragen und zu ändern, um dadurch zu neuen Blickwinkeln, Ideen und Wegen zu gelangen – darum geht es uns in der Inspiration Lounge.

Da wir seit vielen Jahren Kunstausstellungen und Galerien besuchen, begannen wir vor einiger Zeit, unser Verhalten während dieser Besuche genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei fiel uns immer wieder auf, wie sehr wir (und längst nicht nur wir) damit beschäftigt sind, eine unglaubliche Fülle an Kunstwerken und Eindrücken in kurzer Dauer aufzunehmen – geschuldet insbesondere der heute alltäglichen Vorliebe für Zeiteinsparung. Überall Terminstress und Optimierungsdruck – Leben in Eile.
Nun mag es Meister der Simultanwahrnehmung geben, wir kamen dagegen zu dem Ergebnis, dass wir auf diese Weise vor allem flüchtige Einblicke mitnehmen. Kann man das nicht auch anders machen, haben wir uns deshalb gefragt. Schön wäre die Form der Entschleunigung: sich bewusst mehr Zeit für das Betrachten einzelner Werke zu nehmen, die Dinge tatsächlich auf sich wirken zu lassen und auch mit anderen in Austausch darüber zu treten.

Unsere Idee: eine Veranstaltungsreihe, die das bekannte Multi-Tasking beiseite lässt, um Raum für eine eingehendere Wahrnehmung von Kunst und Miteinander zu schaffen. Mehr Konzentration, mehr Intensität.

Wie das so ist mit der Umsetzung von Ideen: man braucht die richtigen Partner, den richtigen Ort und die richtige Zeit. Ist dazu auch noch Glück im Spiel, trifft man, wie wir, auf Emmanuel Walderdorff, der seit zehn Jahren in Köln seine Galerie betreibt und auf die Schilderung unserer Idee »Ich bin dabei« sagt.

Gesagt, getan. Los ging es mit der Planung. Wie schaffen wir es, im Rahmen einer Veranstaltung in der Galerie einen besonderen Ort für konzentrierte Wahrnehmung von Kunst inklusive Austausch in persönlichem Rahmen zu geben? Wir begannen, Ideen zusammenzutragen. Ein perfekter Anlass für den ersten Veranstaltungsabend war schnell gefunden: die Ausstellung »der Gast, Matthias Beckmann, zu Gast: Hans Pfrommer«, die heute in der Galerie Emmanuel Walderdorff beginnt. Wunderbar, das Thema »der Gast«, wenn wir selbst Gäste einladen wollen, dachten wir uns und entschieden, unser Projekt »Kunst und Wahrnehmung« zwei Tage vor der Vernissage stattfinden zu lassen.

(Matthias Beckmann | der Aufbau)

Letzten Mittwoch war es soweit. Am Vormittag in der Galerie, der Aufbau der Ausstellung ist im vollen Gange, nochmals kurze Absprache mit Emmanuel Walderdorff und Matthias Beckmann über den geplanten Veranstaltungsablauf. Wir entscheiden, den Gästen am Abend ausschließlich die  Werkserie zu zeigen, die Matthias Beckmann während eines Gastaufenthalts bei dem Künstler Hans Pfrommer von dessen Atelier gezeichnet hat. Als Ergänzung zu der Werkserie ist in einem anderen Raum der Galerie sogar ein Teil des Ateliers von Hans Pfrommer aufgebaut, so dass sich immer wieder Bezüge zwischen Zeichnungen und nachgebildeter Real-Ateliersituation herstellen lassen.

(Opening der Veranstaltung | Kunst + Wahrnehmung)

Ab 20.30 Uhr kommen die Gäste. Sie wissen, dass sie Zeichnungen von Matthias Beckmann sehen werden, dass die Ausstellung »der Gast« heißt und es an diesem Abend um eine eingehendere Art der Wahrnehmung gehen wird. Mehr haben wir nicht verraten, um die Wahrnehmung nicht schon vorab in bestimmte Richtungen zu drängen. Alle beginnen damit, die einzelnen Zeichnungen Beckmanns aus der »Gast-Serie« zu betrachten. Zur Unterstützung gibt es Stifte, Papier und die Möglichkeit, das Betrachtete zu zeichnen, um den Werken auf diese Weise noch näher zu kommen. Wir sind sehr gespannt, wer die Möglichkeit nutzt und freuen uns sehr zu sehen, wie viele unserer Gäste es gerne tun. Auch Matthias Beckmann greift zu seinem Stift und Zeichenblock. 30 Minuten vergehen in sehr konzentrierter Atmosphäre, dann bitten wir zu Tisch.

(Emmanuel Walderdorff über die Idee von »der Gast« )

Nach der Vorstellung unserer Veranstaltungsidee schildert Emmanuel Walderdorff, wie sein Gedanke entstand, der Matthias Beckmann zu Hans Pfrommer brachte und damit Ausgangspunkt einer Werkserie wurde, die Beckmann inzwischen in mehr als 60 Berliner Künstlerateliers führte. Matthias Beckmann war zu Gast in Pfrommers  Atelier und hielt Arbeit und Umfeld des Künstlers zeichnerisch fest, auf dass wir beides nun über das Betrachten der entstandenen Zeichnungen wahrnehmen können. Wir also zu Gast bei Emmanuel Walderdorff und sozusagen auch bei Matthias Beckmann und Hans Pfrommer – eine wirklich runde Wahrnehmungssache.

Natürlich wollen wir Matthias Beckmann an diesem Abend nicht davonkommen lassen, ohne dass er einige Fragen beantwortet. Keine Inspiration Lounge ohne Interview. Auf die Frage »Wie war es, zu Gast bei Hans Pfrommer?« startet ein lebhafter Austausch. Was haben unsere Gäste mittels der Zeichnungen von Matthias Beckmann wahrgenommen von dessen Aufenthalt bei Hans Pfrommer?

Die erste Antwort: »Mich fasziniert absolut die Linienführung in den Zeichnungen von Matthias Beckmann, diese Klarheit, die durch kein Absetzen des Zeichenstiftes unterbrochen wird. Gleichzeitig finde ich in den Zeichnungen eine Poesie, die mir Hans Pfrommer als Mensch nahe bringt.«

Gleich mehrere Gäste stimmen ein, auch bei ihnen sei durch die Betrachtung der Zeichnungen der Eindruck entstanden, Hans Pfrommer bereits gut zu kennen. Wesentlichen Anteil daran habe, dass die Zeichnungen in großem Detailreichtum Gegenstände aus Pfrommers Atelier zeigen und man sich so ein ganz gutes Bild von deren Besitzer machen könne. Darauf kommt ein erster Einwand: »Aber ist das nicht auch Interpretation, weil man die Gegenstände, die man zu kennen denkt, eigentlich nur auf sich selbst und das eigene Erlebte bezieht und so versucht, Bezüge zu Hans Pfrommer herzuleiten?«

Matthias Beckmann schaltet sich ein: »Wenn ich zeichne, versuche ich das Nebeneinander von einzelnen Dingen so wiederzugeben, wie es erscheint. Ich setze einzelne Gegenstände nicht in den Fokus, weil sie mir wichtiger erscheinen als andere, sondern versuche, mir eine gewisse Distanz zu bewahren. Sie erlaubt mir, vermeintlich unbedeutende Dinge gleichwertig zu vermeintlich sehr Bedeutenden zu sehen und festzuhalten. Genau dieses Nebeneinander von wichtig und unwichtig ist ja tatsächlich allgegenwärtig. Ich habe deshalb auch nicht bestimmte Gegenstände im Atelier von Hans Pfrommer auf meinen Zeichnungen hervorgehoben, nur weil sie für mich und mein Erlebtes eine besondere Bedeutung haben. Was ich allerdings mache, sind Einzelheiten zu betonen, indem ich teilweise Beschriftungen mitzeichne, die Gegenstände tragen. Beispielsweise zeichne ich die Schrift auf einen Plattencover oder einem Buch, das in Hans Pfrommers Atelier zu sehen ist. Dadurch bekommt dieser Gegenstand eine Bedeutung und ich spiele ein bisschen mit der Wahrnehmung oder auch der Identifikation des Betrachters, der natürlich geneigt ist, Verbindungen zwischen gesehener Zeichnung und sich selbst herzustellen.«

(Wahrnehmung und Annäherung)

Während Matthias Beckmann und einige Gäste wieder zu Stift und Block greifen, fällt mir ein, dass ich vormittags beim Ausstellungsaufbau drei weitere Zeichnungen von Matthias Beckmann gesehen hatte: ebenfalls wunderbare Beispiele für das Spiel mit gezeichneter Schrift, Wahrnehmung, Bedeutung und persönlicher Assoziation. »Wenn Ihr alle schon wüsstet, welche Zeichnungen übermorgen dort an der Wand hängen werden, wo jetzt nur die Nägel zu sehen sind. Wir hätten zum Thema Schrift und persönliche Einordnungsversuche schier unerschöpflichen Gesprächsstoff.«

»Ja, dann sehen wir uns am Freitag zur Vernissage,« wird sofort beschlossen. Neben den Zeichnungen von Matthias Beckmann werden dann außerdem sein neuer Film double world sowie ausgewählte Werke von Hans Pfrommer zu sehen sein. Übrigens, auch Hans Pfrommer ist dann dabei – zu Gast in der Ausstellung seines Gastes. Da kann einem fast ein bisschen schwindelig werden…

Fortsetzung folgt…

Ausstellung »Der Gast« Matthias Beckmann, zu Gast: Hans Pfrommer
Galerie Emmanuel Walderdorff, Jülicher Str. 27, Köln

Vernissage 04.11.2011, 18-22 Uhr
Ausstellungsdauer 4.11.2011- 14.01.2012

Kunst + Wahrnehmung | > Part II

Unendliche Weiten

14. Oktober 2011 von Kerstin

Das nächste Wochenende kommt, und damit nahen auch die so vielen von uns bekannten Routinen: »Einkaufen, noch schnell ein Projekt fertig machen, ins Café gehen oder wegen schlechten Wetters lieber zuhause bleiben und feststellen, dass die Wohnung der Aufforderung Bleib Sauber wieder einmal nicht gefolgt ist.

Zum Glück geht es auch ganz anders: Das Wetter Wetter sein lassen, sich in den Sprungturm aufmachen, nette Leute treffen und gemeinsam in die detailreichen, unendlichen Weiten des Korkuniversums von Thino Grünwald eintauchen. Wir sind sicher, dass zur Finissage dieser Ausstellung auch der gute, inzwischen intergalaktisch bekannte Verpflegungsbus wieder dabei sein wird.

Ort: Sprungturm Sternzeit: 15.10.2011 | 12.00 Uhr

schöner, erhaltend, erweiternd_teil 3

11. Oktober 2011 von Kerstin

(interview mit thomas fuhlrott_zait | kerstin döweler_inspiration lounge, teil 3)

K: Zur nächsten Frage: Ist es denn vorstellbar, dass sich an dieser von Dir erwähnten Hürde etwas ändert? Dass Menschen einfach gute Produkte im Sinne von Ruskin bevorzugen, auch ohne ausgeprägtes Bewusstsein dafür?

T: Wir haben bei zait natürlich Kunden, die unsere Öle kaufen, weil sie ihnen einfach gut schmecken und gesund sind. Auch insgesamt betrachtet wäre eine niedrigere Hürde ein wichtiger Schritt, um die Nachfrage zu verbreitern und die Weiterentwicklung entsprechender Unternehmen zu ermöglichen. Das würde auch heißen, diese Art ökonomischen Handelns auch für diejenigen interessanter zu machen, die heute beispielsweise noch auf Produktionen unter Verursachung sozialer und ökologischer Missstände setzen. Allerdings müssen dorthin noch Wege entwickelt werden, die bisher in größerem Umfang nicht zu sehen sind.

K: Aber auch in den Personenkreisen, die schon ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Grundwerte »schöner, erhaltend und erweiternd« haben, könnten doch sicher noch mehr Menschen erreicht werden?

T: Ja, stimmt. Dann muss aber mehr dafür getan werden, dass man die Unternehmen schneller finden kann, die nach diesen Wertmaßgaben arbeiten und neue, andere Impulse innerhalb ökonomischer Strukturen setzen. Hinzu kommen andere Fragen der Erreichbarkeit. Ein Beispiel: Sicher ist es gut, wenn jetzt bei Euch in Köln mehr Bio-Höfe am Rande der Stadt ihre Produkte auf dem eigenen Hof verkaufen. Das ist ein neues Angebot, gute Produkte dort zu bekomen, wo es auch Transparenz und den Kontakt zum Produzenten gibt. Doch es ist klar, dass nicht jeder Stadtbewohner raus auf die Bio-Höfe fahren kann. Viele werden das auch in Zukunft nicht tun, schon weil sie daran gewöhnt sind, zum Einkaufen in die Stadt oder nur um die nächste Ecke zu gehen. Die Frage ist daher, wie auch innerhalb der Städte Standorte aufgebaut werden können, die es leichter machen, gute Produkte kennen zu lernen, auszuprobieren und auch im Alltag einfach zu erreichen und einzukaufen. Eines ist doch sicher: es wird diese Produkte nicht mal schnell in den herkömmlichen Supermärkten geben. Dort dominiert die Lebensmittelindustrie.

K: Weil wir gerade bei Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind: wie sieht es denn für Unternehmen aus, die sich wie zait den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« verpflichten? Der Begriff der Grenzen des Wachstums ist ja heute einerseits aktuell, während Politik und Wirtschaft immer noch das permanente Wachstum beschwören.

T: Bei uns und auch anderen Unternehmen, die ich kenne, sind die Möglichkeiten zu wachsen klar begrenzt. Auch das hängt wieder mit den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« zusammen. Wir können nicht immer größere Mengen Olivenöl handeln, schon weil es Zeit und Aufwand bedeutet, Olivenöl in ausgezeichneter Qualität zu produzieren. Wollten wir innerhalb kurzer Zeit viel größere Mengen verkaufen, würde die Qualität leiden. Vieles, was wir heute tun, wofür wir uns engagieren, könnten wir so nicht mehr machen. Und das wollen wir nicht.

K: Ich merke deutlich, wir Verbraucher sollten uns auf folgende Dinge einstellen: wenn wir gute Produkte haben wollen, müssen wir, jedenfalls noch momentan, eingehender danach forschen, wer diese Produkte anbietet. Es kann ja auch richtig Spaß machen, solche Menschen und Produkte zu entdecken und die Entdeckungen mit anderen auszutauschen, statt immer auf denselben Wegen in dieselben Supermärkte zu gehen.

Und was die Definition von »erfolgreich« am Markt angeht, wäre wohl ebenfalls ein Perspektivenwechsel fällig. Neue Impulse, die Einhaltung wichtiger Grundwerte und daran orientiertes Wachstum statt immer nur mehr verkaufen und immer größer werden um jeden Preis. Es wird ja immer deutlicher, wohin uns diese altbekannte Auffassung von Erfolg gebracht hat und bringen kann.

T: Das sehe ich auch so.

K: Thomas, vielen Dank für das Interview.

Zum Interview, wie versprochen, hier das von uns erprobte Rezept für einen wunderbaren, einfach herzustellenden Appetizer oder gleich eine ganze Mahlzeit.

REZEPT

Sehr lecker auf geröstetem Weissbrot ist diese Tomatenpaste mit Knoblauch.


Dazu reibt man frische Tomaten mit einer Handreibe


oder entsprechenden Einsatz im Mixer oder verwendet wie wir einen Pürierstab.


Dem Tomatenbrei gibt man ein Drittel zait-Olivenöl aus Katalonien zu und würzt das Ganze nach Belieben mit Knoblauch aus der Presse, Salz und Pfeffer.

Guten Appetit!

Interview Teil 1

Interview Teil 2

thomas fuhlrott_interview | zait.de | mehr

schöner, erhaltend, erweiternd_teil 2

09. Oktober 2011 von Chris

(interview mit thomas fuhlrott_zait | kerstin döweler_inspiration lounge, teil 2)

K: Erfordert Eure Vorgehensweise bei den Verbrauchern nicht auch ein besonderes Bewusstsein? Es herrscht ja doch eben die Auffassung über gute Produkte, die Ruskin gerade ablehnte. Dazu kommt, dass am Markt ja oft gerade Produkte Erfolg haben, die billig sind, weil wir zu unglaublichen Schnäppchenjägern getrimmt wurden. Qualität ist da, denke ich, zweitrangig.

T: Es ist schon so, dass für die Auffassung von guten Produkten und die Grundwerte schöner, erhaltend, erweiternd ein Bewusstsein vorhanden sein muss. Genau das steckt ja auch in dem aktuellen Begriff strategischer Konsum, bei dem durch die Kaufentscheidung gute Produkte und ihre Produzenten unterstützt werden und so Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung der Wirtschaft geleistet werden. Das Bewusstsein ist dadurch auch eine Hürde, weil der Verbraucher von diesen Produkten zuerst einmal wissen muss, sich mit der gesamten Situation beschäftigen und sich entscheiden muss, dass es ihm wichtig ist, zu einer positiven Entwicklung der entsprechenden Unternehmen beizutragen.

Für Unternehmen wie zait stellen sich so mehrere Herausforderungen. Die Menschen müssen diese Unternehmen kennen lernen. Doch gerade zu Anfang sind die Budgets für Marketingmaßnahmen sehr klein. Das führt oft dazu, dass die Unternehmen länger brauchen, um einen größeren Bekanntheitsgrad aufzubauen. Man findet sie natürlich, gerade auch im Internet, aber man muss oft etwas länger danach forschen. Die Menschen sind aber überwiegend gewöhnt, Dinge des täglichen Lebens schnell und im Supermarkt um die Ecke zu kaufen.

K: Stimmt, wir sind bequem und glauben oft, dort eigentlich alles in großer Auswahl zu finden. Dabei findet man Unternehmen wie zait dort gerade nicht.

T: Es geht weiter mit der Frage: habe ich mich damit beschäftigt, warum ein Produkt gut im Sinne von Ruskin ist und entscheide ich mich dafür? Ich denke, die meisten wissen heute Bescheid über Produkte, die unter schlechten Arbeitsbedingungen und Schädigungen der Umwelt hergestellt werden. Sie wissen, wie wichtig es ist, sich darum zu kümmern und dass sich nichts ändern wird, wenn nicht wir unser Verhalten ändern. Allerdings: ist das dann auch beim Einkauf immer präsent oder greift man da nicht lieber doch zu etwas, was gerade herumsteht?


(kerstin döweler im gespräch mit thomas fuhlrott)

K: In dem Zusammenhang habe ich übrigens auch schon oft den Satz gehört: »Nachhaltige, gute Produkte muss man sich erst mal leisten können.«

T: Das kenne ich. Ich denke aber, dass es gerade hier bei uns für viele kein Problem wäre. Es hat nur mit Umdenken und einfachen Verhaltensänderungen zu tun. Warum eigentlich nicht lieber gesünder, besser und besser ausgewählt statt den Drang zu großen Mengen billig produzierter Ware in oft fragwürdiger Qualität? »Billig produziert« ja auch zu hinterfragen. Oft bedeutet es, dass dadurch soziale und ökologische Schäden verursacht werden, die sich nicht direkt im Preis der Ware niederschlagen. Die Eindämmung dieser Schäden kostet aber mittel-bis langfristig enorme Summen, die auf die Allgemeinheit umgelegt werden. D.h., wir tragen sie alle. Damit stellt sich doch die Frage des »das muss man sich erst mal leisten können« in einem ganz anderen Kontext.

K: In diesem Zusammenhang, ich mache bei unserem Projekt »kreativ bewegen« gerade selbst die Erfahrung einer Umstellung auf andere, gesündere und bessere Lebensmittel. Man bemerkt tatsächlich schnell, dass man anders einkaufen muss. Wenn man den Einkauf aber richtig zusammenstellt und überlegt, was man sonst immer gekauft hat, aber eigentlich gar nicht braucht, muss es nicht unbedingt teurer werden. Und wenn es etwas teurer ist, hat man bei richtiger Auswahl auch den besseren Geschmack. Das ist ja auch wichtig.

(Ende Teil 2. Fortsetzung folgt.)

zu Teil 1

thomas fuhlrott_interview | zait.de | mehr

Brainfood

30. September 2011 von Kerstin


(kerstin döweler_inspiration lounge | thomas fuhlrott_zait)

Nachdem wir unserer Inspiration Lounge unter dem Motto »Change the Game« eine neue Ausrichtung gegeben haben, werden wir immer wieder und gemeinsam mit unseren ProjektPartnern aufbrechen, um durch bewusste Perspektivenwechsel Themen sowie eigene und kulturelle Denk- und Handlungsroutinen aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Um auszuprobieren und zu entdecken, was durch Änderungen von Sicht- und Vorgehensweisen im eigenen Umfeld anders gedacht und gemacht werden kann bzw. welche neuen Ideen dadurch vorankommen. Wir wollen darüber hinaus erkunden, welche Potenziale und Wege existieren, kulturelle und wirtschaftliche Bereiche bewusster zu betrachten und anders (mit)zugestalten. Es geht dabei darum, ökonomische und kulturelle Entwicklungen voranzubringen, die zahlreichen Missständen, Denk- und Handlungsroutinen entgegenwirken und u.a. darauf beruhen, bewusster mit Ressourcen umzugehen, Menschen und ihr Wissen besser zu vernetzen, (sich) mehr zu bewegen, Konsumverhalten zu hinterfragen und sinnvoll zu ändern, gute Antworten auf die Frage zu finden, wie wir in Zukunft leben, arbeiten, Unternehmen und Mobilität entwickeln und organisieren wollen.

Sozusagen im Rahmen eines Selbstversuchs setzen wir uns in dem Projekt »kreativ bewegen« mit der Frage auseinander, wie mehr Bewegung, mehr neues, spielerisches Entdecken urbaner Orte und bewusstere Ernährung alltägliche, altbekannte Handlungs- und Arbeitsroutinen positiv aufbrechen sowie für frische Luft, neue Blickwinkel, Ideen und Energie sorgen.

Zusammen mit unserem neuen ProjektPartner Thomas Fuhlrott starten wir unter dem Motto Brainfood  ein neues Projekt. Es wird um Ideen, Perspektiven und konkrete Wege gehen, Wirtschaft heute und künftig über das Wirtschaftliche hinaus zu gestalten. Passend dazu ein Zitat von Günter Faltin: »Wirtschaft ist zu wichtig und zu spannend, um sie nur Ökonomen zu überlassen.«

Thomas Fuhlrott, Gründer des Unternehmens zait, war im April 2011 unser Interviewpartner in der Inspiration Lounge. Schon während unseres ersten Treffens haben uns sein Unternehmenskonzept und die Art von zait, Olivenöl zu handeln, fasziniert. Seine Herangehensweisen an Themen wie den Aufbau von Vertriebswegen, die Verbindung von Produzenten und Verbrauchern, Finanzierung sowie sein Engagement für Produktqualität und Transparenz finden wir wegweisend. In weiteren Treffen entstand die Idee, in intensivem Austausch, immer ausgehend von konkreten zaitAspekten, zu untersuchen, wie Wirtschaft gestaltet werden kann, die sich nicht allein (wie heute überwiegend) am Wirtschaftlichen ausrichtet, sondern darüber hinaus einer Entwicklung im Einklang mit Mensch, Kultur und Umwelt Rechung trägt.

Und weil es neben Ideen, Perspektiven und Projekten bei uns immer gerne auch um Gespräche bei guter Verpflegung geht (schönen Gruß an Andy), werden wir zusätzlich nicht nur hauseigene Olivenölgerichte entdecken – wir werden sie auch mit Euch teilen.

Ja, so sind wir.