Tag: Austausch

Die Weinverkostung_2. Teil

25. Januar 2011 von Kerstin

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Weingut Sander bei der Inspiration Lounge

Gestartet wurde mit einem Rieslingsekt brut – Prestige Cuvée aus dem Weingut Sander. Der Raum hatte sich inzwischen gut gefüllt, die Gäste gruppierten sich in großer Runde um Stefan Sander, der im Mittelpunkt des Interesses stand.

Hatte der Sekt zur Begrüßung bereits die ersten Fragen zum Anbaugebiet Rheinhessen und den Anbaumethoden im Weingut Sander auf den Weg gebracht, warteten danach alle gespannt auf den ersten Weißwein. Der Riesling trocken 2009 überzeugte nicht nur die Runde, er brachte zusätzlichen Gesprächsstoff über ökologischen Weinbau. Anhand eines kurzen Ausflugs in die Familiengeschichte des Weingut Sander stellte Stefan Sander dar, warum schon sein Großvater von der Wichtigkeit biologisch gesunder Böden und Reben so überzeugt war. Klar, dass es dazu jede Menge Fragen gab, zumal in der Probierrunde eine Biologin und eine Gartenbauingenieurin saßen.

Vom Riesling ging es zum Sauvignon blanc 2009, eine Rebsorte, die in Rheinhessen noch nicht allzu lange üblich ist. Das Weingut Sander baut Sauvignon blanc an, seit Stefan Sander im Rahmen seines Arbeitsaufenthalts bei einem Weingut in Südafrika so hervorragenden Sauvignon blanc kennenlernte, dass er einige Reben mit nach Mettenheim brachte. Was für ein Glück, wurde nicht nur allgemein festgestellt. Der Sauvignon blanc hat ganz offensichtlich besondere Fans gewonnen. Und auch die Weinkenner der Runde, die sich noch an manchen Rheinhessenwein der 1970er Jahre zurückerinnern, waren nun überzeugt, dass sich in den letzten Jahrzehnten in Rheinhessen viel an Qualität entwickelt hat.

Als nächstes folgte ein Weißburgunder Mettenheimer Michelsberg, dicht gefolgt von einer kleinen Diskussion über die Verwendung von Weinkorken bzw. den zunehmenden Einsatz von Drehverschlüssen. Kurz bevor sich eine richtiggehende Expertenrunde einstellte, gab es dann den nächsten Weißwein, einen Riesling Mettenheimer Michelsberg, der natürlich zahlreiche Fragen zur genauen Lage, zu Klima und Bodenbeschaffenheit aufbrachte.

Kurze Pause, Brot und Käse verteilt – weiter ging’s zu den Rotweinen. Zunächst wurde der Merlot 2009 probiert, gefolgt von einem Mettenheimer Spätburgunder-S-. Spannend zu beobachten, wie sich die gesamte Probierrunde in drei Gruppierungen aufteilte. Die erste Gruppe diskutierte eingehend, ob der Merlot oder der Spätburgunder noch besser sei, die zweite war einfach begeistert, ausgezichnete deutsche Rotweine kennen zu lernen. Die dritte Gruppe tauschte die inzwischen gefundenen, individuellen Weinfavoriten aus und setzte dies ausgiebig beim anschließenden Buffet fort.

Es war ein toller Abend mit viel Know-how und Spaß. Schön, dass Ihr alle da wart. Vielen Dank nochmals an das Weingut Sander und Stefan Sander, der, ich zitiere aus Mails, die ich seit Samstag erhielt, »sehr guten Wein macht, Gott sei Dank auf Qualität statt Quantität setzt, ein unterhaltsamer Erzähler ist und beeindruckt durch seinen Enthusiasmus für das, was er macht.«

Zum Abschluss und besonders auch für alle, die dieses Mal leider nicht dabei sein konnten:

Inspiration Lounge Interview mit Stefan Sander
Die Weinverkostung 1. Teil
Mehr über die Weine und Rebsorten des Weingut Sander

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Die Weinverkostung_Teil I

24. Januar 2011 von Kerstin

(click the pix 7 behind_die weinprobe, I. teil)

Weingut Sander bei der Inspiration Lounge

Als wir die Inspiration Lounge im letzten Jahr um den Fachbereich Weinbau erweiterten, starteten wir unsere Serie über junge Winzer und Mitglieder der Vereinigung Message in a Bottle anhand eines Interviews mit Stefan Sander. Das Weingut Sander, im rheinhessischen Mettenheim gelegen, blickt auf eine lange Weinbautradition zurück: bereits 1726 wurde mit dem Winzerhandwerk begonnen. Seit den 1950er Jahren verzichtete Ottoheinrich Sander, der Großvater von Stefan Sander, konsequent auf den Einsatz chemisch-synthetischer Mittel im Weinbau. Sein Grundsatz: »Gesunde Reben wachsen nur auf gesunden Böden.«

Auch heute wird der ökologische Weinbau im Weingut Sander groß geschrieben. Das klare Bekenntnis zu Qualität statt Quantität lässt sich sehen und schmecken. Die Weine sind vielfach ausgezeichnet, und auch unsere erste Vorab-Weinverkostung in Köln ließ Probierende schnell zu Fans werden.

So entstand die Idee einer umfangreicheren Weinprobe im exklusiven Inspiration Lounge Kreis. Gesagt, getan: Stefan Sander kam zu uns nach Köln, im Gepäck Sekt, sechs verschiedene Weine sowie sein gesamtes Know-how über ökologischen Weinbau. Nach den letzten Vorbereitungen, einer kurzen Ruhe vor dem Sturm und einem ersten Probeschluck, klingelte es dann auch schon an der Tür. Die ersten Gäste kamen, gespannt auf Weine und Weinbauwissen. Und los ging’s…

Weiter in Teil 2.

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Weingut Sander bei le tapir

19. Januar 2011 von Chris

Im Rahmen der VINco02 präsentiert le tapir erstmalig das Weingut Sander in Köln. Im exklusiven Rahmen stellt Stefan Sander eine Auswahl seiner ausgezeichneten Weine und Weinjahrgänge vor.

Der Winzer aus dem rheinhessischen Mettenheim, Gründungsmitglied der jungen Winzergruppe Message in a bottle berichtet dabei über den Anbau, die Weinregion und über seine Entschiedung für den nachhaltigen und ökologischen Weinbau.

Das Weingut Sander ist Mitglied der internationalen Gruppe La Renaissance des Appellations, in der über 153 Spitzenweingüter aus vielen Ländern vertreten sind.

Ziel dieser Kulturveranstaltung im Rahmen und zur Erweiterung der Inspiration Lounge ist es, Kenner und Partner des Projekts zu gegenseitigem Kennenlernen und Austausch zusammenzubringen – live und real world.

Wir freuen uns darauf.

Inspiration Lounge Interview: Stefan Sander

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Sprungturm

17. Januar 2011 von Chris

Projektraum SPRUNGTURM präsentiert:

18. Januar 2011 | ab 18:00 Uhr Cocktailempfang | Ausstellung:

Michael Growe Pym´s Desk

www.sprungturm.info | www.borisbecker | www.michaelgrowe

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Welcome to SPRUNGTURM

10. Januar 2011 von Chris


(Gabriele Paulussen-Becker + Boris Becker)

November 2011

PAULUSSEN_Herbst | Winter

Eröffnung am 05. November 2011 von 11:00 – 19:00 Uhr, , Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 16.00 Uhr

Oktober 2011

Heiner Blumenthal_open | close

Eröffnung am 26. Oktober 2011 um 18:00 h
Ausstellungsdauer: 26. Oktober – 29. Oktober  2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

Katalogpräsentation und Ausstellung
Heiner Blumenthal_open | close
erschienen im Salon Verlag Köln

September | Oktober 2011

Korkuniversum_Drucke & Skulpturen von Thino Grünwald

Eröffnung am 09. September 2011 um 18:00 h
Ausstellungsdauer: 09. September – 15. Oktober  2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

»Innerhalb dieser Kunst- und Kulturgeschichte nimmt das Schnitz-Werk von Thino Grünwald eine sehr eigene Position ein. Seit etwa 2008 hat er ein umfängliches Oeuvre kleinformatiger Korkskulpturen geschaffen, die allesamt auf Flaschenkorken, Sekt-, Champagner- und Weinkorken als Ausgangsmaterial basieren. Neben einer Reihe von Gegenständen mit Stillebencharakter, wie korkgeschnitzte Cowboyhüte und Stiefel, extrem filigran elongierte Highheels und Ähnlichem, lassen sich vor allem zwei wesentliche Themenkomplexe ausmachen. Zum einen eine Serie von Darstellungen männlicher und weiblicher Köpfe, im folgenden Portraitkorken genannt. Zum anderen leicht größerformatige, erotische Ganzkörperdarstellungen, in Einzelabbildungen oder szenisch eingebunden als Paare.« (Rafael von Uslar, 2011)


Juli | August 2011

Summer Group Show

Ausstellungsdauer: ab 26. Juli  2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

sprungturm zeigt Fotoarbeiten, Zeichnungen, Mode und Objekte aus den zurückliegenden Ausstellungsprojekten.

Juli 2011

20/50

Ausstellungsdauer: 01. Juli – 24. Juli 2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

Das Projekt 20/50, bei dem 11 Künstler jeweils ihr eigenes Buch erarbeitet haben, ist ein besonderes Beispiel geballter Motivation, Energie und Konsequenz in der Ideenrealisierung. Angeregt durch den Verleger Andy Lim, sollte jeder Künstler 20 Personen von einer eigenen Buchidee überzeugen und so 20 Sponsoren gewinnen, die sich mit je 50 Euro an den Kosten des konkreten Buchprojekts beteiligen. Ein ausgezeichneter Weg, um sich selbst zu fragen, wie wichtig einem eine Buchidee, ein bestimmtes Thema und last but not least: die eigene Tätigkeit eigentlich ist.

Die ersten 11 Künstler haben inzwischen mit viel Engagement ihre Sponsoren überzeugt. Die im Rahmen des Projekts 20/50 entstandenen und bei Darling Publications erschienenen Ergebnisse werden in einer Ausstellung von unseren Kulturpartnern Boris Becker und Gabriele Paulussen-Becker im sprungturm gezeigt.

Mai | Juni 2011

Die Farbholzschnitte von Uta Zaumseil

Ausstellungsdauer: 28. Mai – 26. Juni 2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

Die Künstlerin Uta Zaumseil hat sich seit 1989 ausschließlich dem Hochdruckverfahren des Farbholzschnitts (ergänzt durch den Linolschnitt) verschrieben. Bereits um 1995 werden die stets als Handabzug gedruckten Blätter größer; sie gewinnen eine koloristisch fein abgestufte malerische Qualität, welche Flächigkeit und Raumwirkung im halbtransparenten Farbauftrag vereint. Uta Zaumseil setzt nun auf die Präsenz großer Farbflächen, die ohne Binnendifferenzierung die ganze Strahlkraft jener intensiv leuchtenden Druckfarben entfalten, für deren Herstellung und Mischung sie eigenhändig Sorge trägt. Ihre auf dünnem Japanpapier abgezogenen Blätter zeigen farbliche Differenzierungen und Übergänge, die vergessen lassen, dass Holzschnitte eigentlich mit scharfen Messern aus einem harten Material geschnitten werden. Ausgangspunkte für Bildfindungen sind in dieser Zeit häufig literarische Texte, die sie als Leserin berühren; wobei es ihr gelingt, diese Emotionalität in sensibel ausbalancierte visuelle Stimmungswerte zu übersetzen.

Eindrücke von unterwegs und vor Ort »notiert« Uta Zaumseil mit der Kamera wie in einem Skizzenbuch. Im heimischen Atelier exzerpiert sie daraus bestimmte Formverläufe, schneidet diese in Holz (MDF-Platten) oder Linoleum, montiert die Einzelmotive nach Maßgabe der bildnerischen Intuition zu Kompositionen, teils in spannungsvoll gestreckten Formaten, wie man sie aus der fernöstlichen Ästhetik der Tuschepinsel-Malerei kennt. Das Figürliche tritt nun wieder konkreter in Erscheinung und die Collage, das Zusammenfügen des üblicherweise Unzusammengehörigen, wird zum bevorzugten Kompositionsprinzip. Frei werden Formen unterschiedlicher Herkunft zueinander in Beziehung gesetzt, der neue Kontext ist der Druckstock und schließlich das Bild. Es geht um das gelungene Einzelbild, die verwirklichte Formvorstellung, durchaus auch in Varianten eines Themas oder einer Komposition, um Momente der Überraschung beim Erarbeiten der Form. Uta Zaumseil ist schließlich kaum noch an der Herstellung von gedruckten Auflagen interessiert; vielmehr reizt sie die Komplexität jener Abläufe, in denen Bildideen Schritt um Schritt Gestalt annehmen.

Komplexität heißt auch, die Differenz zwischen Beobachtung und Erinnerung in dem Sinne zu begreifen, dass Erinnerungen unsere jeweils aktuelle Wahrnehmung präfigurieren und wertend »einfärben« und dass diese emotionale »Färbung« von Motiven sich in den farblichen Verhältnissen und der darauf aufbauenden Stimmung einer Komposition spiegeln kann, aber ebenso auch in bestimmten, ungewöhnlichen Motivkonstellationen.

Das letzte Jahrzehnt ist gekennzeichnet von der Präsenz des fotografischen Blicks in den Bildern von Uta Zaumseil. Tatsächlich gibt es deutliche Unterschiede zwischen figürlichen Kompositionen in Holzschnitten, die traditionell mithilfe zeichnerischer Studien oder gar frei aus der Vorstellung heraus aufgebaut wurden und solchen, deren Raumgefüge und perspektivische Verformung der gezeigten Figuration auf den Einfluss der Kameraoptik verweisen; das wird besonders evident im kunsthistorischen Vergleich. Im Falle von Uta Zaumseil zeigt sich die formbildende Kraft der fotografischen Perspektive auf verschiedene Weise. So begnügt sie sich heute nicht mehr damit, ein mit fotografischen Werkzeugen gewonnenes Formenvokabular frei variierend in collageartige Kompositionen einzufügen, sondern bildet ganze fotografische Ansichten im Farbholzschnitt nach.

Eine Irritation unserer Raumwahrnehmung bei der Betrachtung dieser Arbeiten kann eigentlich nur entstehen, wenn man die zugrunde liegende fotografische Perspektive ausblendet. Intendierte Irritationen finden sich jedoch dort, wo die Künstlerin fotografische Ansichten aus verschiedenen Quellen scheinbar bruchlos aneinander montiert, wie in den Arbeiten »Besuch auf dem Land« (2007) oder »21-05-08« (2008). Beide sind mehr oder weniger enigmatische Bilder – wir verstehen nicht wirklich, was vor sich geht. Wir glauben zwar Schneezäune zu erkennen, die wie eine Barriere den Blick in den Bildraum versperren, und nächtliche Lichter dahinter, doch bleibt uns das Tun der Menschen vor der Barriere rätselhaft. Sind es Touristen?

Eine Zeit lang hat Uta Zaumseil auch Fotografien bzw. Ausschnitte aus Fotografien im Digitaldruckverfahren direkt auf das Japanpapier übertragen lassen, bevor sie die Bögen mit Hilfe der Linol- und Holzschnitt-Technik weiter gestaltete. Dabei behandelt sie die fotografischen Partien wie gleichberechtigte Bildelemente, ist bemüht, die analog gedruckten und die digital über einen Tintenstrahldrucker auf das Papier übertragenen Bildelemente einander anzugleichen.

»Mehla bei Nacht«, 2007 eine Kombination aus Linol- und Holzschnitt nach fotografischen Vorlagen, gibt den Blick frei auf ein Gartengrundstück mit nächtlicher Beleuchtung. Doch an der Idylle ist etwas faul: Seitlich fliegt einer jener Gartentische aus Kunststoff durch die Luft, wie sie üblicherweise im Garten-Center von Baumärkten feilgeboten werden und meist nur ein paar Jahre halten, bis sie verspröden und brechen. Werden wir hier zu Zeugen einer Séance mit Tischerücken oder lässt ein später Gartenbenutzer seinem Übermut freien Lauf? Oder gab gar ein Traum die Situation vor oder ein wilder Einfall, ein Capriccio? Wir werden es nicht erfahren; die Geschichte bleibt im Dunkeln.

Nicht nur in diesem Fall bezieht die Künstlerin Stellung zum Verlauf der Geschichte; Beispiele dafür finden sich immer wieder in ihrem Werk. Da ist z. B. die Komposition »Selektiver Rückbau des Palast der Republik« (2010), ein extremes Querformat, das die verbliebenen Treppentürme des Gebäudes zeigt, als wären es Ruinenstümpfe, die in den Himmel ragen. Wir wissen, dass der Rückbau des Gebäudes, der mit einer Asbest-Sanierung begann, heute nicht mehr selektiv zu nennen ist. Man hat ein unliebsames Erinnerungsstück entsorgt, um Platz zu schaffen für ein anderes Erinnerungsstück der alten neuen Hauptstadt, dessen vieldiskutierte Wiederauferstehung noch in den Sternen steht.

Konsequent reflektiert Uta Zaumseil Geschichte und Alltag nur aus ihrer subjektiven Perspektive, vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografie. Das selbst Erlebte bildet die Basis der Authentizität ihrer Bilderzählungen. Dazu gehört, dass auch ihre persönlichen Erinnerungen eine fotografische Form aufweisen, sich als medial gefiltert zeigen – als Ausweis der Zugehörigkeit zur Gegenwart, als ein Charakteristikum der Modernität ihrer Bildsprache. Doch erschöpft sich in diesem Signum ihrer Zeitgenossenschaft nicht die Botschaft der Künstlerin. Neben den Werken, die wie Kommentare zum Zeitgeschehen gelesen werden können (wenn auch nicht nur als solche), gibt es immer wieder Gegenbilder, Bilder der Sehnsucht, eskapistisch gefärbt. Das bessere Leben auf dem Lande, die arkadische Idylle der Eintracht von Mensch und Natur, Mensch und Tier, findet sich zwar nur in ironischer Brechung (wie in »greyhounds coming«, 2009). Traumgleiches dagegen wird in seiner ungreifbaren Faszination ernst genommen; zumindest legt das die Gruppe der enigmatisch wirkenden Bilder, die wie Stills aus Mystery-Filmen wirken, nahe. Zu dieser Gruppe gehört auch »heavenly creatures« aus dem Jahr 2008. Mitten in dem langestreckten Querformat liegt ein Junge in einer flachen Grube und scheint zu schlafen; im Hintergrund finden sich Formen, die Zelte sein könnten. Eine seltsam stille Szene, ambivalent in ihrer Ausstrahlung. Der Erdaushub um die Grube ist noch frisch, darauf sind kleine Ungeheuer unterwegs, spielzeuggleich. Sind das die himmlischen Geschöpfe, die der Titel nennt? Träumt sie das Kind nur? Oder ist es vielleicht das Bild einer Initiation, wie sie bei einigen Indianergruppen Nordamerikas üblich waren: einige Tage fasten und einsam sein, um den richtigen Traum für den eigenen Namen zu empfangen? Vieles ist denkbar, wenn man dieses Bild betrachtet. Es führt die Betrachter in eine Anderswelt jenseits der messbaren Topografien, ist in diesem Sinne ein Gegenbild zu den Beobachtungen zwischen Alltag und Geschichte. Die dahinter aufscheinende Möglichkeit einer Utopie, nicht menschheitlich und gewaltig, sondern still und persönlich, durchaus romantisch, scheint Uta Zaumseil wichtig. Zumindest ebenso wichtig wie das Eintauchen in die vielfältigen Bilderströme der Gegenwart.

April 2011

PAULUSSEN MODE,

Eröffnung am Samstag, 09.04.2011 von 11.00 – 19.00 Uhr, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 16.00 Uhr

Gabriele Paulussen-Becker über ihre Arbeit und Kollektion im Inspiration Lounge Interview

März 2011

Der Projektraum Sprungturm präsentiert ab 11.3.2011 (Vernissage 18:00 Uhr) sämtliche Publikationen der jungen Verlage Pogo Books und naivsuper Book aus Berlin.

Seit 2010 publiziert Pogo Books Zines und Büchlein mit den Schwerpunkten Fotografie und Grafik. Der in Berlin ansässige DIY-Verlag ist die greifbare Entsprechung einer sehr vitalen, bereits im Internet existierenden Künstlergemeinschaft. Jeff Luker, Hasisi Park oder Marc Peckmezian finden bei Pogo Books genau so eine Plattform wie geniale Newbies.

Erste und einzige Regel der Verlagspolitik ist es, die Bildinhalte in den Vordergrund zu stellen, entscheidend sind die Geschichten, die die Bilder erzählen. Beispielhaft sind die artifiziellen Bildkompositionen und Versuchsanordnungen von Ting Cheng oder die schlichten, fast traumhaft anmutenden Alltagsnotizen von Adam Revington.

Bildauswahl und Designkonzept der Büchlein und Zines entstehen in einem Austauschprozess zwischen dem Künstler/der Künstlerin und dem Publizisten Claudio Pfeifer. Pogo Books fühlt sich der Tradition anderer DIY-Projekte und Selbstverlage verpflichtet. Dazu gehört auch, die Publikationen für kleines Geld anzubieten. In dieser Weise hat der Berliner Verlag in gerade mal sechs Monaten die Publikation von 22 Titeln vorangetrieben.

Pogo Books ist zusätzlich Distributor des Verlags der Künstlergruppe naivsuper, die seit 2005 mit naivsuper Book ebenso den Spagat zwischen Künstlerbuch und Fanzine wagt. Der Fokus von naivsuper Book liegt in den Bereichen Zeichnung, Grafik und Fotografie.

Neben den Publikationen von Pogo Books und naivsuper Book werden im Sprungturm Fotografien und Zeichnungen der Künstler und Künstlerinnen zu sehen sein, die bereits mit den Verlagen zusammenarbeiten.

Sprungturm bringt damit ein spannendes Crossover auf den Weg: Publikationen mit künstlerischen Arbeiten, die ihren Weg zum kunstinteressierten Publikum bisher in erster Line online finden, werden im Rahmen des Projektraumes nun ganz real world präsentiert und zugänglich gemacht. Gleichzeitig bietet sich vielen Kunstinteressierten, die Begriffe wie DIY bisher eher vom Hörensagen kennen, eine wunderbare Gelegenheit, gleich zwei junge DIY-Verlage samt ihrer Protagonisten, Positionen und Vergehensweisen kennen zu lernen.

Februar 2011

Boris Becker und Gabriele Paulussen-Becker präsentieren Werke von Torsten Ruehle | sprungturm.info

Torsten Ruehle filtert die Welt. Klassische Interieurs oder Räume dienen als Handlungsrahmen wie Filmkulissen, die der Regie des Malers entspringen. Eine leicht surreale Atmosphäre wird erzeugt, indem der Szenerie sonderbare Objekte hinzufügt, werden die ein Eigenleben zu führen scheinen. So sind Details installiert, Maschinen, Schaum oder Tierfiguren, deren Aktionismus erst auf den zweiten Blick erkennbar wird, wenn mit Pigmentstift gezeichnete Pfeile oder Wellen sichtbar werden. Die auf den ersten Blick eher statisch wirkenden Bilder kommen dadurch in Bewegung – oder wenn einige Objekte gelegentlich lächeln oder schweben. Die Gegenwart erscheint als eine Montage modifizierter Wirklichkeiten. Durch die Gründung auf schwarzen Linien verschiebt Ruehle die Gegenstände in eine gewisse Abstraktion, die in farbiger wie weißer Fassung eine eigene Schwingung hervorbringt. In den Bildern liegt eine große Ruhe, die aus dem vielschichtigen Spiel der konturierten Form mit ihrem Inhalt und der farblichen Reduktion entspringt.

Torsten Ruehle is changing the world: He takes high-energy, film-like pictures and photographs of classic interiors and makes light, surreal arrangements of the atmospheric pictures by reorienting, modifying and adding to them. His use of this method leads to a plethora of gadgets, equipment and technical apparatuses interacting with scenery: The dimensions, temperature, swells and colors of swimming pools are altered while clouds dimly tug on ceilings and houses begin to hover; bottles and ice cream bowls fly through space and whimsical cows are draped on a field of carpet while carousel ponies and oranges roll about.

He brings into the tangible world of pictures a vivid collage piecing together both motives from the daily, shoreless flood of pictures that strands itself within the mind as well as facets of real life, things observable and able to be photographed. He makes the present appear to be a montage of modified reality – sometimes Elysian, sometimes markedly cryptic.

The pictures are created with the use of a very individual technique: massive, static black lines graphically set the form, which is primarily complemented by and broken up with scumbling oil paint; the rhythm of the lines loses itself emotionally to the melodies of the colors – colors which, in a singular phenomenon, become more and more and more fascinating the longer the picture is viewed. The details, patterns, radiating lines, and bolting arrows often drawn into the pictures with colored pencil, which effortlessly create visual tension, are only apparent upon a closer look.

Everything seems peaceful and demure, like a still life. The occasional protagonist appears to be absent and withdrawn. Though the scenic pictures appear intimate and familiar, at the same time it is nearly impossible to pull away from the almost embarrassing strangeness they emanate. The pictures seem to float in the air, as if something will happen at any moment to release the feeling of tension so inherent within them. And although there is nothing of a classical feeling about the pictures, a sort of film-like impression arises: Time seems to disappear as you look at them.
Emil Otto Nardorff (2009)

Januar 2011.

Wir möchten Sie ganz herzlich zur Eröffnung unseres neuen Projektraumes einladen.

Wir haben von Gundel Gelbert den Raum in der Kölner Albertusstraße übernommen und würden gerne die Tradition fortführen, die diesen Raum jetzt schon seit einigen Jahren begleitet hat.

Nach den Galerien Lukas & Hoffmann und Almut Gerber hat Gundel diesen Schauraum über einen langen Zeitraum mit wunderbaren Ausstellungen und Projekten bereichert, und wir konnten es nicht mit ansehen, daß dieser Ort einer anderen Nutzung zugeführt wird.

Warum eröffnen wir neben der eigenen Arbeit einen neuen Ausstellungs- oder Projektraum?

Wissen wir eigentlich auch nicht so genau, aber es soll vor allem Ihnen und uns Freude bereiten, Dinge zu zeigen, die vielleicht sonst keinen Platz mehr in dieser Umgebung gefunden hätten.

Im Januar zeigen wir im Rahmen der Kölner PASSAGEN Arbeiten von Michael Growe, im Februar stellen wir den jungen Berliner Maler Torsten Ruehle vor und im März wird Gabriele Paulussen-Becker den Raum mit ihrer ersten Modekollektion bespielen.

Wir würden uns sehr freuen, Sie und Ihre Freunde am 18. Januar 2011 ab 18:00 Uhr zum Cocktailempfang anläßlich der Ausstellung:

Michael Growe Pym´s Desk

begrüßen zu dürfen. Wer den Raum kennt, weiß es genau –  zieht Euch warm an!

Ganz herzlich

Gabriele Paulussen-Becker | Boris Becker

www.sprungturm.info

www.borisbecker

Den dreidimensionalenWerken des Malers Michael Growe kann man sich mit Begriffen wie Möbel-Skulptur, Camouflage-Objekt oder auch »Trojaner« annähern. Viel besser ist ein Besuch vor Ort, diesmal im Arbeitszimmer von Pym, einer Romanfigur von Edgar Allen Poe. Hier spiegelt sich in den Arbeiten des Künstlers etwas vom Wesen dieses weitgereisten Entdeckers wider – gewährt doch das Öffnen der »trojanischen« Objekte dem Betrachter Einblicke in Pyms Persönlichkeit.


(click the pix)

Mehr zu Boris Becker

Inspiration Lounge Interview_Part I + II


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