Tag: Austausch

I Care A Lot

07. September 2010 von Kerstin

Es gibt immer wieder Projekte, die auf besondere Weise verschiedene Themen und Blickwinkel kombinieren und dadurch Ideen und Arbeiten auf den Weg bringen, die sonst wohl nicht entstanden wären.

Ein solches inspirierendes Projekt ist »I Care A Lot – Middle East Portable Discussion«, von dem wir durch unsere Interviewpartnerin, die Schmuckkünstlerin Katja Prins, erfahren haben. Die Idee von »I Care A Lot« besteht darin, eine Diskussion, einen Austausch über aktuelle Themen und Standpunkte betreffend den Mittleren Ostens anzustoßen. Das kann man natürlich auf verschiedenen Wegen tun. Gängig wäre sicherlich gewesen, eine Konferenz einzuberufen, bei der die bekannten Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu Wort kommen.

Die Projektinitiatoren, Dana Hakim und Yosef Bercovich, machten es anders. Sie luden international bekannte Schmuckkünstler ein und baten sie, ein prägnantes Thema des Mittleren Ostens in einem eigens entworfenen und gefertigten Schmuckstück umzusetzen. So ungewöhnlich das klingen mag, es sind dadurch zahlreiche Werke entstanden, die in Konzept und Gestalt die Auseinandersetzung ihrer Macher mit Themen wie Religion, Menschenrechte, soziale Konflikte, kulturelle Entwicklung und Koexistenz erkennen lassen.

In Stockholm hat inzwischen die Ausstellung der interessantesten eingereichten Werke begonnen. Natürlich ist auch Katja Prins mit einer Arbeit vertreten: Die Halskette »Bound by Blood« kombiniert und vereint in einem Schmuckstück mehrere, sich nur in Details unterscheidende Gebetsketten verschiedener Religionen.

Inspiration Lounge Interview mit Katja Prins

Interview mit PUPLIK. ORG

26. August 2010 von Chris
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»… wie ein Tigerhai, der sein Maul aufreißt und alles filtert.«

Diane Müller und Werner Magar sind PUPLIK.ORG. Public Space is our Livingroom ist ihr Motto. Seit 2006 schaffen Diane Müller und Werner Magar gemeinsam Kunst im öffentlichen Raum und sorgen dadurch bei vielen für so manchen neuen Blickwinkel und spannende Durchbrechungen gewohnter Denk- und Verhaltensstrukturen.

Ihre Ideen und Projekte sind dabei äußerst vielfältig: Da sind Interventionen, wie beispielsweise The Crossroadfitnessfunlight oder die Gesangsperformance Hell’s Angies & Hartz IV Chor, die allseits bekannte Schlager mit neuen gesellschaftspolitischen Texten zum Mitsingen zwecks Bekämpfung der zunehmenden bürgerlichen Desensibilisierung und Passivität in die Öffentlichkeit trägt. Installationen, wie beispielsweise Radio Cut Up – eine Stele als interaktives Online-Radio, das Besuchern im öffentlichen Raum die individuelle Gestaltung einer Audiosendung ermöglicht, Installationen als neuartige Leitsysteme, entwickelte Objekte wie die Soundbomben oder Atmenden Kugeln… oder kurz gesagt: es ist unschwer zu erkennen, dass sich mit PUPLIK.ORG ein Team gefunden hat, das viele Ideen hat und diese konsequent umsetzt. Wichtiger Bestandteil des Arbeitsprozesses und der Ideenfindung ist dabei das Flanieren. Natürlich sind auch der gemeinsame Austausch, das gegenseitige Pushen bei der Konzeption und der Durchführung von Projekten sowie die Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten, z.B. Programmierern, unerlässlich.

Kennen gelernt haben sich Diane Müller und Werner Magar während ihrer Arbeit für das MARS-Exploratory Media Lab am Fraunhofer Institut für Medienkommunikation in Sankt Augustin. Nach einiger Zeit beschlossen sie, gemeinsam künstlerisch zu arbeiten – mit viel Spaß an der Freud, wie sie selbst sagen. Dabei denken sie darüber nach, wie der öffentliche Raum zum »Lebensraum« werden kann, – ob es dabei um guerilla-elektronische Taktiken in Einkaufpassagen, die Beschallung der Kölner Domplatte, die Aneignung und Neuverortung von Plätzen oder auch die Außendarstellung von Unternehmen geht.

Tatsächlich sind der Spaß an der Freud und jede Menge Energie gut nachvollziehbar, sobald man die beiden erlebt, wenn sie über ihre Ideen und Projekte erzählen, wenn man sie auf einem ihrer Gänge durch die Stadt begleitet oder in ihrem Atelier vorbeischaut, das sie sich mit zwei anderen Künstlern teilen.

PS: Auf besonderen Wunsch von Werner weisen wir darauf hin, dass der Arbeitsgang eines Flaneurs natürlich mehr dem Vorgehen des Walhais entspricht. Der ist nämlich deutlich freundlicher als ein Tigerhai.

Mehr Alexis Korner

20. August 2010 von Kerstin

Gestern sah ich eine Dokumentation über die »British Blues Explosion«. Besonders aufgefallen ist mir dabei eine Stelle, an der berichtet wird, welche wichtige Rolle der Blues-Musiker Alexis Korner spielte, weil er sein Haus zu einem Dreh- und Angelpunkt für Nachwuchsmusiker machte.  In der Ansicht, junge Musker unterstützen zu müssen, half er immer wieder durch die Vermittlung von Auftrittmöglichkeiten und durch das Herstellen vieler Kontakte. So verdanken beispielsweise Brian Jones, Keith Richards und Mick Jagger Alexis Korner ihr Zusammentreffen sowie das Kennenlernen zahlreicher Musikclub-Besitzer. Bekannter Weise waren das Grundsteine einer erstaunlichen Karriere.

Warum ist mir gerade dieser Filmausschnitt aufgefallen? Ich denke, weil ich erst neulich mit Martin Haußmann darüber gesprochen hatte, dass es meist nicht ausreicht, eine Sache mit Leidenschaft, Ausdauer und Talent zu betreiben. Es braucht auch das Geschick, andere davon wissen zu lassen und vielleicht ein bisschen Glück. Vor allem aber sind ebenfalls Menschen wie Alexis Korner wichtig. Leute, die ein gutes Ohr, Auge und Gespür für das Können und die Qualität anderer haben und bereit sind, ihr Know-how, ihre Kontakte oder auch ihre Motivationskraft hilfreich einzusetzen.

Dann fuhren wir letztes Wochenende nach Weimer und lernten Konstantin Bayer kennen. Als Initiator der Galerie Eigenheim lässt er durchaus gedankliche Parallelen zu Alexis Korner erkennen. So vergibt die Galerie Eigenheim beispielsweise seit einigen Jahren Stipendien an Nachwuchskünstler, damit diese neben der eigenen künstlerischen Arbeit frühzeitig lernen können, ihre Werke im Galerienumfeld zu präsentieren, in Kontakt mit dem Publikum zu sein und sich so aktiv und kontinuierlich einen Namen zu machen. (Interessant ist dabei auch, dass Konstantin Bayer und seine Mitstreiter zumeist selbst gerade erst die Uni absolviert haben.)

Und noch eine Form von Einsatz für die Kunst haben wir an diesem Wochenende erlebt. Der Künstler und Fotograf Thomas Rusch entdeckte seine Begeisterung für die Arbeiten von Maxim Lichtenwald (Stipendiat der Galerie Eigenheim 2009) und erwarb zwei Werke. Das wieder führte zu Begeisterung bei Maxim, und nicht nur das. Da ich dabei war, kann ich sagen: der Motivationsschub war geradezu greifbar.

Was daraus folgt? Erst einmal, wie wichtig es ist, miteinander vernetzt zu sein und die Energie aufzubringen, sich auch persönlich zu treffen. Und natürlich, dass es absolut Sinn ergibt, sich untereinander auszutauschen, zu unterstützen und neue Verbindungen auf den Weg zu bringen – gerade auch über Fachbereiche und Generationen hinweg.

Denn wer weiß, wo Mick Jagger heute wäre – ohne Alexis Korner?

weimar conference_2010

17. August 2010 von Chris

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Manchmal ergeben sich Dinge spontan, so dass man schnell reagieren muss. Das taten wir dann auch. Unsere Kommunikationspartnerin Susanne Junker von stageBack, Shanghai ist für eine kurze Zeit auf dem europäischen Kontinent gelandet. Nach einem Intermezzo in Paris, traf sie sich u.a. mit Thomas Palme für eine Wandertour im Allgäu. Für uns hatte sie dann den nächsten Interviewee in der Reisetasche: Den Künstler und Kurator Konstantin Bayer, Galerie Eigenheim, Weimar. Also initiierten wir ein Treffen in Weimar.

Da Konstantin für die Gallery exchange (junge kunst aus weimar | contemporary bauhaus trifft Galerie Frenhofer, Berlin, geht bis 30. August) unterwegs war, warf er sich ins Auto und fuhr von Berlin nach Weimar, um sich mit uns für das Inspiration Lounge Interview zu treffen.

Und damit nicht genug. Der Fotograf und Künstler Thomas Rusch, Hamburg, war auch gerade wegen eines Projekts auf der Durchreise in Weimar. Wunderbar für uns, denn dies war unser nächstes Interview. Thema: Fotografie, Sexualität und Fetisch.

So geschah es, dass wir alle letzten Samstag in der Galerie Eigenheim zusammentrafen und, voilà, da war sie geboren: Die WeimarConference_2010.

Der Abend war sehr spannend, diskussionsfreudig und rotweinlastig. Es kamen immer mehr Leute in die Galerie, und so geht das Konzept von Konstantin Bayer und der Galerie Eigenheim bestens auf. Einen offenen Ort für Austausch, künstlerische Arbeit und interdisziplinäre Projekte in familiärer Atmosphäre zu erschaffen. Gut gemacht.

Interview mit Sandro Kopp

22. Juli 2010 von Chris
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»Man muss die Erfolge nehmen, wie sie kommen.«

Sandro Kopp wuchs bei Heidelberg auf. Nach der Schulzeit zog es ihn nach Neuseeland, das Heimatland seiner Mutter. Hier setzte er verstärkt fort, was er bereits Jahre zuvor mit großer Leidenschaft begonnen hatte: die Malerei. Mit 16 Jahren hatte er seine besondere Begeisterung dafür entdeckt, Menschen zu malen. Als Schwerpunkt entwickelte sich die Aktmalerei.

»Ein wichtiger Grund für mich, Menschen zu malen, ist sicherlich, dass ich in Gesellschaft bin, wenn ich arbeite. Maler ist ja an sich ein sehr einsamer Beruf, doch wenn ich Menschen male, bin ich nicht alleine.«

In Neuseeland begann Sandro Kopp, seine Werke in größerem Rahmen auszustellen. Parallel zur Malerei unterrichtete er an der Kunstschule in Wellington. Seine Arbeit und dadurch entstandene Kontakte führten ihn außerdem zur Teilnahme an Peter Jacksons Film-Triologie »Der Herr der Ringe«.

»Natürlich war die Zusammenarbeit mit so vielen Menschen faszinierend. Insgesamt haben 35.000 Personen über einen Zeitraum von 9 Jahren an dem Projekt gearbeitet. Es gibt Paare, die sich während der Drehzeit kennen lernten, die heirateten, Familien gründeten und sich wieder scheiden ließen.«

Heute reist Sandro Kopp die meiste Zeit des Jahres. Seine Arbeit findet daher an unterschiedlichen Aufenthaltsorten weltweit statt. »Ich lege viel Wert darauf, in Kontakt und Austausch mit netten Leuten zu sein und zu bleiben. Ich finde Menschen einfach spannend und male zudem sehr oft Personen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Reisen hat außerdem den Vorteil, sich viele bekannte Kunstwerke in natura anschauen zu können. Ich gehe regelmäßig in Museen und in Galerien – schon um zu sehen, wie und was andere arbeiten.«

Die Arbeiten von Sandro Kopp finden sich in zahlreichen großen Sammlungen international. Inzwischen weiter er seine künstlerische Tätigkeit auch in die Bereiche Fotografie und Film aus. Wir hatten das Glück, Sandro Kopp im Rahmen von REALInternationales Symposium figurativer Malerei, kennen zu lernen und zu interviewen. Für das REAL – Symposium malte er, zusammen mit seinen Künstlerkollegen und Freunden Christopher Tracy und Freeman White, drei Tage lang auf dem Schloss Bühlerhöhe live vor Publikum.

Weird, or just different?

20. Juli 2010 von Kerstin

Da wir die Inspiration Lounge schon seit einiger Zeit betreiben und eine ganze Zahl von Interviews geführt haben, werden wir inzwischen oft gefragt, ob es etwas gibt, das uns besonders auffällt oder immer wieder Thema ist.

Nun, es gibt natürlich mehrere Aspekte, die bis heute in unseren Interviewtreffen häufiger aufgetaucht sind. Ich möchte an dieser Stelle jedoch einen Aspekt hervorheben, der uns im Hinblick auf die Fülle von Interviewpartnern und Interviews immer wieder besonders beeindruckt: die Tatsache, wie unterschiedlich Menschen die Welt sehen, strukturieren und aufgrund dessen ihre Ideen entwickeln und umsetzen. Selbst bei ähnlichen Umfeldbedingungen und vergleichbaren Grundgedanken – funktionierende Realisierungen können am Ende völlig unterschiedlich ausfallen, beruhend auf den jeweiligen Sicht-, Denk- und Vorgehensweisen. Das ist einer der Gründe, warum wir dieses Projekt jeden Tag interessanter finden, je länger wir daran arbeiten.

Zum Nebeneinander unterschiedlicher Blickwinkel, von denen keiner zwingend besser als der andere sein muss, gibt es einen aufschlussreichen Kurzvortrag von Derek Sivers bei TED Talks. Er verdeutlicht in weniger als drei Minuten, dass vieles »Feststehende« sehr relativ ist und unsere Sicht auf die Dinge für andere völlig absurd erscheinen kann. Wer’s ausprobieren möchte, der fragt in Japan nach einem Straßennamen, wenn er sich in einer Stadt zurechtfinden will.

M120 – Moganshan re-used!

13. Juli 2010 von Chris

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Von unserer Interviewpartnerin Susanne Junker aus Shanghai erreichte uns folgender Beitrag über das Projekt  M120 – Moganshan re-used!, bei dem sie auch selbst dabei ist. Es wird am 18. Juli 2010 beginnen.

M120 – Moganshan re-used!,莫干山路120创造!,

120 Moganshan Road, Shanghai, China. Gleich neben dem Galerieviertel in Shanghai, dem so genanten M50 auf der 50 Moganshan Road, befindet sich heute eine Abrissstelle. Vor gut 10 Jahren waren Künstler und die ersten Galerien in eine alte Textilfabrik auf die 50 Moganshan Road gezogen. Der Komplex war jahrelang vom Abriss bedroht, während sich in nächster Nachbarschaft Hochhäuser in die Höhe schraubten. Über die Jahre entwickelte sich dann in der 50 Moganshan Road eine Kunstoase, die schließlich immer kommerzieller wurde und dadurch ihr Bestehen sichern konnte.

Doch die modernen Wohnblocks, die Künstler und Galerien hatten noch andere Nachbarn – die Bewohner der Hausnummer 120. Ein typisches chinesisches Viertel, genauso wie wir es uns im Westen vorstellen. Kleine Reihenhäuser schlängelten sich zwischen den engen Gassen. Die Wäsche spannte sich über einem, und vor dem Hauseingängen wurde gekocht. Die Bewohner lebten in diesem Bereich viele Jahrzehnte. Auch noch, als das M50 schon etabliert war, mitsamt seinen Cafés, Kunstbuchläden und den dazu gehörenden westlichen Kunstliebhabern.

Nun ist es vorbei. 120 Moganshan Road ist platt gewalzt worden. Die meisten Leute sind gegangen. Vereinzelt sieht man Graffitis: “Ha ha! Wir sind noch hier!” In den Ruinen liegen einzelne Schuhe, man erkennt noch Tapetenmuster. Ein Alltagsbild in Shanghai.

Der deutsche Künstler und Initiator der Galerie Eigenheim in Weimar, Konstantin Bayer, kannte dieses Viertel nur zu gut. In einem Abschnitt seines Auslandstudienjahres  arbeitete er dort 2008 und kuratierte einen ansässigen kleinen Ausstellungsraum, das “Island 6 Shack”. Dort gab es einen stetigen Dialog zwischen Tradition, Moderne, Kunst, Ost und West. Doch da, wo dieser Austausch stattfand, klafft nun ein Loch.

Nach zwei Jahren traf Konstantin Bayer jetzt einige der restlichen Bewohner wieder. Die schon 2008 vorhandene, gegenseitige Sympathie besteht nach wie vor. In gewohnter Manier, Kunst im alltäglichen Lebensraum entstehen zu lassen, plant Konstantin nun ein 24 Stunden Kunstprojekt auf dem Areal, bei dem auch große Galerien mit dabei sein werden. 2000 m2 braches Abrissland sollen wieder belebt werden, um Platz für Kunst zu schaffen und auf den rasanten Wandel in China aufmerksam zu machen. Die Abrissstelle wird als Gegenpart zum glitzernden Shanghai, zum brandneuen EXPO-Viertel und zahllosen geputzten Fassaden in den Blickpunkt treten.

Zunehmend wird in Shanghai von Kunst und Künstlern die Identifizierung mit der aktuell fortschreitenden Stadtentwicklung erwartet. Gerade Künstler und Kreative ziehen dabei jedoch oft den Kürzeren, denn Arbeitsraum wird einfach zerstört oder unbezahlbar. “M120 – Moganshan re-used!” ist ein Beispiel des positiven Austausches zwischen Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt, den Kunst auf den Weg bringen kann. Es ist auch ein Gedanke an die vielen Schaffenden der näheren Zukunft. Bevor alles weg ist. Bevor alles einheitlich ist.

Schaut genau hin! Kunst braucht keine weißen Wände!

Interview mit Susanne Junker

25. Juni 2010 von Chris
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»Diesen Schweinehund, der auch mal bellen will.«

Susanne Junker rockt – und zwar Shanghai. Dort betreibt die Fotokünstlerin seit 2008 erfolgreich stageBACK, einen offenen Kunstraum, der experimentellen und freien Projekten gewidmet ist. Grundkonzept ist der kulturelle, gedankliche und praxisorientierte Austausch zwischen Ost und West, der beiden Seiten die Möglichkeit neuer Sicht- und Arbeitsweisen gibt. Verknüpft mit einem Konglomerat junger internationaler Galerien und Künstler, ist stageBack eine intermediale »Spielwiese« mit Fans aus ebenso vielfältigen Bereichen.

Mit 16 Jahren begann Susanne Junker als Model zu arbeiten, was sie von Bayern direkt nach New York führte. Viele Jahre vor der Kamera, arbeitet sie inzwischen als Fotokünstlerin dahinter und realisiert ihre Ideen – selbst ihre eigene, immer neue Skulptur, »weil die Bilder, mit denen man ständig vollgestopft wird, irgendwann auch wieder raus müssen.«

Nach langer Erfahrung in einer Branche, in der absolut nichts dem Zufall überlassen und jedes Bild stundenlang bearbeitet wird, arbeitet Susanne Junker mit einer sehr persönlichen »radikal-pragmatisch-unkonventionellen-ich-nehm-das-in-die-Hand-das-passt-schon-und-muss-raus-aus-mir« Power. Diese zieht sich wie ein roter Faden durch ihre eigenen Arbeiten und durch ihr Engagement und Gespür für Künstler mit außergewöhnlichen Positionen und Projekten.

Wir trafen Susanne Junker in Köln, im Rahmen ihrer Ausstellung »Vomiting World« in der Galerie teapot. Direkt nach der Vernissagenfeier erzählte sie uns eindringlich von »Diesem Schweinehund, der auch mal bellen will.« Von einem Menschen, der die schöne Welt des Modelns verlassen hat, um nach langer Zeit des »Stillhaltens« den umgemein lebendigen Antrieb das Machens in eigene Bilder umzusetzen.

Susanne Junkers »Vomiting World« ist dann auch eine Umgebung, in der die Bilder sehr unmittelbar entstehen, weil »es halt so ist und immer weitergehen muss. Weil wir uns alle ständig selbst durch unser Machen bestätigen müssen, dass wir da sind und gebraucht werden.«

Interviews mit Oliver Matter

10. Juni 2010 von Chris
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»Der Natur die Aromen zu entlocken und in die Flasche zu packen, das ist meine Herausforderung.

In der vierten Generation stellt die Erlebnisbrennerei Matter aus Kallnach in der Schweiz hochwertige Spirituosen her. Angefangen hat alles mit Ernst Luginbühl-Bögli. Zunächst vertrieb er Martinazzi Bitter, einen erstmals 1864 in Turin aus 25 Kräutern und Wurzeln hergestellten Aperitif, und erwarb dann 1928 das Rezept für die Produktion in der Schweiz.

Und noch einen »Grundstein« legte Ernst Luginbühl-Bögli: er erwarb ein Rezept für das Getränk, mit dem sein Urenkel Oliver Matter Jahre später sehr erfolgreich werden sollte: Absinthe. Seit 2005 hat sich die Matter-Luginbühl AG, geführt von Oliver und Nicole Matter, auf die Herstellung von authentischem Absinthe, hergestellt nach Rezepten aus dem 19. Jahrhundert, spezialisiert.

Wir besuchten Oliver und Nicole Matter in ihrer Brennerei in Kallnach und lernten zwei Menschen kennen, deren Faszination für ihre Tätigkeit geradezu greifbar ist. So werden beispielsweise Original-Rezepte für die verschiedenen Absinthe-Editionen aus alten Apothekerbüchern entnommen, nach denen man extra dafür in Antiquariaten sucht. Jeder Absinthe bekommt seinen einzigartigen, unkonventionellen Look. Die Kräuter für den Absinthe, sowie überhaupt die allermeisten Zutaten für die verschiedenen Produkte der Matter-Luginbühl AG, stammen aus der Schweiz. Und wenn sie dort nicht fündig werden, sorgen Oliver und Nicole Matter schon mal selbst vor: beispielsweise mit den eigenen Obstanlagen.

Nicht von ungefähr kommt daher auch der Titel unseres ersten Inspiration Lounge Interviews mit Oliver Matter: »Der Natur die Aromen zu entlocken und in die Flasche zu packen, das ist meine Herausforderung.«

Eine ganz besondere Zusammenarbeit gelang, als die Matter-Luginbühl AG mit Marilyn Manson einen extra für Manson zugeschnittenen Absinthe herstellte. Manson spielte nicht nur bei der Festlegung des speziellen Geschmacks die entscheidende Rolle, er stellte auch eine Zeichnung für das Etikett zur Verfügung. 2007 präsentierte er dann den exakt 66,6 % starken MANSINTHE erstmals in Köln, im Rahmen seiner ersten Kunstausstellung in Deutschland. MANSINTHE wird seitdem weltweit verkauft.

Die Zusammenarbeit mit Künstlern und Musikern sowie der damit unternommene Brücken-schlag zwischen dem mythenbelegten Getränk der Bohème um die vorletzte Jahrhundertwende und der zeitgenössischen Kunstwelt, setzt sich bei den Matters bis heute fort.

Künstler wie Gottfried Helnwein, HR Giger oder auch der vielen zunächst aus der Industrial-Szene bekannte Peter Christopherson lieferten bereits Artworks für besondere Absinthe-Editionen.

Und wie das so ist mit guten Ideen, die genauso gut in die Tat umgesetzt werden: sie finden ihren Weg und ihre Fans. Unser zweites Inspiration Lounge Interview mit Oliver Matter, in dem er über die Zusammenarbeit mit Marilyn Manson spricht, heißt daher auch:

»So einfach ist die Geschichte.«

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Die zwei Türme

25. April 2010 von Chris

thomas palme_mauritiuskirche (click the pix) Zwei kleine , sehr feine Ausstellungen fanden während des ganzen Art Cologne Troubles fernab des Massenhypes statt. Das Konzept Turm + Turm von Darling Publications zeigte einem exklusiven Publikum ausgewählte Objekte von Thomas Palme, Susanne Rottenbacher, Boris Becker, Gerhard Winkler, Stepanek/Maslin und Joachim Elzmann.

Präsentiert wurde im Turm der Lutherkirche und in der Innenanlage der Mauritius Kirche. Zwei Orte, die man sich in Ruhe anschauen sollte.

Fein war auch die Idee, nicht die klassische White Cube/Weisswein Atmosphäre zu zelebrieren, sondern auf Bierbänken mit selbstgemachten Salaten und Frühlingsrollen einen kleinen family-artigen hotspot zu schaffen. Austausch zwischen Künstlern und Interessierten mal basic. Sehr erfrischend.

Fazit: Es sollte öfters vorkommen, dass Menschen einfach und unprätentiös Dinge in die Hand nehmen, um Raum für spannende und interessante Menschen zu schaffen. Haben alle was davon.

Schöne Grüße auch an Thomas Palme, der sich extra aus Österreich auf den langen Weg nach Köln gemacht hatte.