Tag: Austausch

Aufbruch

22. Januar 2012 von Chris

(Gemeinschaft)

98 % sind Imitatoren – 2 % Initiatoren.

Wir haben uns die Zeit genommen unsere Haltung, unsere Arbeit, ja, auch den Weg, wo es hingeht zu formulieren. Jetzt setzen sich die letzten Jahre Arbeit einfach wie ein Mosaik zusammen. Alle Aspekte verzahnen sich. Menschen, ihre Ideen und Unternehmungen.

Und es werden immer mehr.

christian

Viva Community

21. Dezember 2011 von Kerstin

(Community)

Es naht das Jahresende, zu dem bekanntlich viele gute Vorsätze gefasst werden. Dazu eine Anregung:

Ermöglichen uns Online-Kontakte noch so gut, auf dem Laufenden zu bleiben, sie nehmen mittlerweile gerne so viel Raum ein, dass der wirklich persönliche Kontakt mit anderen das eine um’s andere Mal auf der Strecke bleibt. Nichts gegen Facebook, Twitter und Co., wenn es um zusätzliche Wege geht, sich miteinander zu verbinden. Am Ende ist Kontakt aber nicht gleich Kontakt, und es lohnt sich, wesentliche Unterschiede zwischen virtuellen und tatsächlich persönlichen Kontakten unter dem Blickwinkel unserer ursprünglichen Herkunft zu betrachten. Ich habe Felix Klemme gebeten, mir dabei zu helfen, denn als Gründer von Outdoor Gym befasst er sich seit langem mit den Zusammenhängen von ursprünglichem menschlichen Verhalten und gesunden Lebensweisen heute.

K: Felix, welche guten Gründe gibt es, Facebook und Rechner mal Facebook und Rechner sein zu lassen und mehr auf persönlichen Austausch zu setzen? Also mal abgesehen von den ganz offensichtlichen Gründen, wie beispielsweise: man geht mehr nach draußen, um zu einem Treffen zu gelangen und bekommt dabei mehr Bewegung, Licht und Sauerstoff.

F: Ein weiterer guter Grund ist Körperkontakt, und da reicht schon ein Händedruck oder eine Umarmung zur Begrüßung.

K: Was passiert denn dadurch?

F: Körperkontakt führt zu einer Ausschüttung des Hormons Oxytozin, das unser Immunsystem stärkt und uns so hilft, gesund zu bleiben. Wenn wir uns anschauen, wie wir ursprünglich gelebt haben, dann ist vor allem interessant, dass wir schon immer Gemeinschaftswesen waren. Wir haben das Leben in Gruppen, in Miteinander und direktem Austausch bewältigt. Darauf ist unser Körper auch heute noch eingestellt, denn seit unseren menschlichen Ursprüngen haben wir uns genetisch und bezüglich unserer körperlichen Abläufe so gut wie nicht verändert. Wir sind für viel Bewegung im Freien gemacht, für natürliche Ernährung und eben auch für den persönlichen Austausch in Gemeinschaft – nicht für stundenlanges, vereinzeltes Dasein vor einem Rechner.

Natürlich sind Computer hilfreich bei der Arbeit, Online-Kontakte halten uns auf dem Laufenden, doch sie gehen einher mit zahlreichen Verhaltensweisen, die nicht in Einklang mit unseren menschlichen »Wurzeln« stehen. Deshalb wird durch den Austausch mit Facebook-Freunden auch kein Oxytozin ausgeschüttet. Im Gegenteil, je länger wir in unnatürlicher Haltung vor dem Computer sitzen, umso mehr Stress bauen wir körperlich auf. Und je mehr Stress, umso wahrscheinlicher werden wir irgendwann krank.

Dieser komplexe Zusammenhang ist einer der Gründe, warum wir bei Outdoor Gym immer in der Gruppe trainieren. Neben Spaß und Ansporn geht es darum, Übungen auch gemeinsam zu machen, wobei der Körperkontakt dann die Ausschüttung von Oxytozin fördert. Auch über das Training hinaus geht es uns darum, die Outdoor Gym Mitglieder möglichst viel an die frische Luft, in Bewegung und in Gemeinschaft zu bringen. Wir organisieren daher beispielsweise gemeinsame Wanderungen oder gehen zusammen klettern. Es ist uns wichtig, den Menschen ein Bewusstein für an sich einfache, natürliche Verhaltensweisen oder Dinge zurückzugeben, die wir inmitten unseres modernen Lebensstils oft vergessen.

Unsere heutige Gesellschaft setzt sehr auf Vereinzelung, auf die Vermeidung persönlichen Austauschs sowie oft jeglichen Körperkontakts. Warum treffen, wenn wir doch Mail und SMS haben? Warum gemeinsam etwas draußen unternehmen, wenn die Fernbedienung zuhause so nah liegt? Wir sind nicht dafür gemacht, passiv oder lediglich Anwender von Technik zu sein. Es ist deshalb wichtig, in Balance zu bleiben und sich immer wieder auch an unsere »Wurzeln« zu erinnern.

K: Das heißt also: mehr raus gehen, Freunde treffen, offen sein und neue Leute kennen lernen, Gemeinschaft und echten Kontakt pflegen. Ich finde, das passt ganz wunderbar zum Fest der Liebe und einem spannenden neuen Jahr.

kick your apps and your mind will follow

14. Dezember 2011 von Chris

(2.8 hours later)

Die Frau reißt ihre Augen auf – panisch. Blickt verzweifelt über den dunklen, schmutzigen Platz, rennt los. Dann kommen sie. Blutverschmierte Gestalten wanken auf sie zu, kreisen sie ein, machen die Flucht unmöglich. Der Kreis wird enger – aussichtslos.

Tja, was hier wie eine billige Zombie-Nummer anmutet, ist auch eine – bloß nicht als Film, sondern in Wirklichkeit. Das Ganze spielt in Leeds Ende November und ist ein Highlight des britischen Künstlerduos Simon Johnsons und Simon Evans. Virtuality goes Reality. Das Herz jeden Gamers schlägt höher. Die Jungs hatten eine simple Idee: Hol die Story aus dem Netz, transportiere sie in die Wirklichkeit. Ergebnis: 2.8 hours later. Das Szenario: Die Stadt ist von einem unbekannten Virus infiziert, die Menschen verwandeln sich in blutgierige Zombies, fressen alles, was ihnen in die Quere kommt. Eine kleine Gruppe von Nicht-Infizierten (hier kann man als Teilnehmer mitspielen), muss sich durch Horden von Untoten schlagen, auf der Suche nach einem geheimen Ort, an dem sich die letzte Bastion der noch nicht infizierten Menschen befindet.

Was ist daran so interessant? Viele begeisterte User lassen ihre Rechner Rechner sein und gehen nach draußen. Genauer gesagt: Sie bewegen sich in eine Situation, die sie nicht beherrschen. Die »Treibjagd« findet im öffentlichen Raum statt. Bahnhöfe, leere Fußgängerzonen, unübersichtliche Parkhäuser. Die Gamer müssen dabei während des Spiels live anwenden, was sie sonst nur via Mouse oder Stick erledigen. Sie finden sich in einer geistigen und physischen Interaktion wieder, die sie tatsächlich an ihre Grenzen bringt. Sie müssen rennen, fliehen, schnell agieren und reagieren. Auch können die Teilnehmer viel aus ihren Reaktionen ablesen. Verhalten sie sich teamorientiert oder egoistisch? Wollen sie als Gruppe überleben, oder geht es nur um den Vorteil des Einzelnen? Wie wichtig ist ihnen die Gemeinschaft?

Das britische Künstlerduo Simon Johnsons und Simon Evans hat das Live-Spiel 2.8 hours later erfunden. Gedanklicher Hintergrund: starkes soziales Auseinanderdriften in England führt aus ihrer Sicht langsam aber sicher in den völligen Kollaps. Ob Zombies Bürger jagen oder randalierende Banden anderen die Häuser ausrauben oder iPhones klauen, macht für die Simons keinen großen Unterschied. Schuld ist für sie der Giervirus.

Außerdem bemerkenswert: Gewohnheiten werden aufgebrochen, Neues entsteht und diesmal kommt die Inspiration aus dem Netz. Was ursprünglich als virtual game entwickelt wurde, findet sich auf einmal in der tatsächlichen Welt wieder. Die Menschen haben das Bedürfnis, sich aktiv und persönlich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Und das in Zeiten, in denen uns Apps alles doch vermeintlich abnehmen.

Übringens: auch die Inspiration Lounge wird künftig immer mehr aus den Tiefen der virtuellen Welt in den realen Raum dringen. Live und in echt. Gut, bei uns werdet ihr nicht von Zombies gejagt, aber …

…aber davon an anderer Stelle mehr.

Warten auf…?

06. Dezember 2011 von Kerstin

(Nachtrag)

Zu unserem letzten Artikel und auf die darauf folgende Resonanz an dieser Stelle noch einige Gedanken:

Ein genauer Plan scheint in unserer als rational, zeitoptimiert und durchökonomisiert geltenden Gegenwart äußerst wichtig zu sein. Wie viele wünschen sich einen Plan für das eigene Leben, für die Karriere, für Ernährung und Gesundheit, für die allgemeine Bewältigung von Klima-, Ressourcen- und Finanzkrisen, für den Weg zu dauerndem Wohlstand und persönlichem Glück?

Warum sollten wir uns wünschen, dass man uns einen genauen Plan gibt? Weil ein konkreter Plan seine Einhaltung fordert und uns Disziplin beibringt? Sind wir nicht imstande, eigenen Willen und Beharrlichkeit für etwas aufzubringen, das wir anstreben, weil wir es für wichtig und richtig halten, oder wünschen wir uns Zwang zu einer Sache, die wir eigentlich gar nicht wollen? Doch wenn wir nicht wollen, warum sollten wir uns zwingen lassen?

Glauben wir, dass wir es nicht schaffen, wichtige Ziele zu erreichen ohne eine konkreten Plan, verabreicht von irgendwem, der sagt, er wisse ganz sicher, was gut für uns alle ist? Vertrauen wir so wenig in uns selbst und die Tatsache, dass wir auf der Basis eines wacheren Bewusstseins für Zusammenhänge allein und gemeinam gute Ideen und Antworten auf die sich uns stellenden Herausforderungen finden? Oder geht es darum, wenigstens etwas Konkretes zu erhalten, das man wie einen Plan »hat«, da wir doch bei Richtungsänderungen auch etwas verlieren, das wir haben – nämlich Gewohnheiten? Dann hängen wir wohl mehr am Haben und bringen nur wenig auf für die Frage: »wie könnte es für mich und andere besser und sinnvoller sein

Vielleicht ist Bequemlichkeit die Antwort, denn statt selbst zu forschen, zu überlegen, ein tieferes Verständnis für Zusammenhänge zu erarbeiten, ist es einfacher, fertige Lösung zu übernehmen. Das spart Mühe und Zeit, entledigt der Verantortung, lästiger eigener Zweifel oder Kritik von außen. Und ist es nicht effizient, Zeit und Aufwand zu sparen – it’s so simple, it’s so easy? Ist das am Ende nicht auch der Grund, warum Fertigpizza Deutschlands liebstes Konsumprodukt ist? Problem ist nur: wer weiß eigentlich noch, was er da isst? Bequemlichkeit bringt weitgehenden Kontrollverlust – egal mit wessen und welchem Plan.

Ich finde, statt all dem brauchen wir vor allem tieferes Verständnis für Zusammenhänge, nicht nur flüchtige Blicke hinter die Kulissen. Nicht mehr, sondern bessere Informationen, ob es um Bewegung, Ernährung und Gesundheit, um Bildung, Energiefragen, Ressourcenverbrauch, Klima-, Wirtschafts- oder Europapolitik geht. Es muss darum gehen, Abläufe besser nachzuvollziehen, um zu verstehen, welche Wege für den Einzelnen und für uns gemeinsam interessanter, intelligenter, gesünder, mehr in Balance und gangbar sind. Und dann – müssen wir über den eigenen Schatten springen, um die Wege für uns selbst voranzugehen und zu verantworten. Es hat keinen Sinn, auf den großen Plan zu warten, wenn es uns nicht gehen soll wie Wladimir und Estragon.

Wie lange schon hören wir auf einflussreiche Menschen, die uns sagen, sie wüssten Bescheid, hätten alles im Griff, und ständiges Wirtschaftswachstum löse an Ende alle Probleme – die des Einzelnen und die der kompletten Welt. Was davon hat sich wirklich als wahr erwiesen? Nichts, im Gegenteil, die Probleme häufen sich. Wir werden immer dicker während andere hungern, wir veranstalten einen nach dem anderen Klimagipfel, während der C02-Ausstoß noch nie so hoch war wie 2011. Jahre vergehen, Veränderungen im ökonomischen System zu diskutieren, und täglich wird fröhlich weiter gewettet.

Keine Zeit mehr für diese Menschen mit ihren »sicheren« Plänen. Zeit, selbst aktiv zu werden. Doch wie in so vielen Bereichen das tiefere Verständnis für Zusammenhänge erarbeiten, das uns als Grundlage für eigene oder gemeinsame Veränderungen dient? Wie schaffen wir es, wacher zu sein?

Schauen wir uns um. Antworten werden wir wohl nicht dort finden, wo altbekannte, glatt gefönte Medien am Werk sind. Wir werden sicher fündig bei Menschen, die in ihren Themenbereichen tatsächlich engagiert sind und bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrung mit uns zu teilen – ohne zu behaupten, sie hätten den Plan. Setzen wir nach langer Zeit doch mal auf uns selbst, auf unsere Ideen, unser Know-how, auf unsere Entscheidungskraft und die Wege, die wir finden. Die Möglichkeiten zu Austausch und Vernetzung waren nie besser.

Worauf warten wir noch?

Berlin, Berlin_2

29. November 2011 von Chris

(ein Stern am Himmel)

Entrepreneure, die neue Konzepte im Sinne von Produkten und Leistungen umsetzen und dabei beispielsweise mit weniger Ressourcen auskommen, sind wesentliche Impulsgeber für den dringenden Kurswechsel zu einer Ökonomie, die über das rein Wirtschaftliche hinausgeht. Doch besseres, erfolgreiches Wirtschaften heutiger Entrepreneure auf neuen Wegen und in Balance mit der Umwelt allein wird nicht ausreichen. Macht und Verharrungsvermögen konventioneller Strukturen sind immens. Es braucht daher deutlich mehr Unternehmen mit wegweisenden Ideen, die ihre Denk- und Handlungsweisen inspirierend mitteilen, wir brauchen mehr Impulsgeber. Es braucht gerade in Deutschland wesentlich mehr Menschen, die bewusst den Weg zum Entrepreneurship einschlagen. Und, wie ein Workshop-Teilnehmer beim Summit so schön anmerkte: es reicht eben nicht, etwas zu unternehmen und darüber irgendetwas zu sagen. Konzept, Realisierung, Impulse nach außen – es muss funky sein.

Wie das gehen soll? Ein Beispiel:

Was macht man, wenn man an Tag Eins in Wacken so richtig beim Headbangen ist, zwischen der Crowd die Freundin beim Moshen mit seinem iPhone filmen will und das Teil sagt: »Akku leer?«

(Sebastian Fleiter)

Dieses Ausgangsszenario ließ Sebastian Fleiter nicht ruhen. Seine Fragestellung war einfach: Wie kann ich an unsagbaren Orten Strom erzeugen, mit dem ich dann die Akkus meines Pads, iPhones oder Notebooks einfach aufladen kann. Der Künstler kam auf eine geniale Idee. Er konstruierte das Electric Hotel. Ein silbernes Mobil im Stil von 50ties und Rock’n’ Roll, das sich, gepimpt mit Solar Panels, mobilem Windgenerator und Energy Bikes, einem Grundgedanken verschrieben hat: der Lieferung nachhaltig erzeugter Energie für die Besucher von Großveranstaltungen, Musikfestivals, Messen und sonstiger Orte, an denen dringende Aufladebedürfnisse vorliegen.

(Electric Hotel)

Am Anfang von Banken, Großsponsoren und den zuständigen Ministerien für Wirtschafts- und Kulturförderung verlacht, heute mit Innovationspreisen von besagten Ministerien bedacht, ist das Electric Hotel eine innovative Nische und wird von Festivalveranstaltern mit wachsender Begeisterung gebucht. Stichwort Begeisterung: Wer erleben will, welchen Spaß die Umsetzung eines Konzept wie das Electric Hotel neben aller Arbeit macht, sollte Sebastian Fleiter mal live erleben.

Querdenken – unternehmerisches Engagement, das auf Dauer mehr Bewusstsein und Handeln etabliert, welche unsere Ökonomie in ihrer jetzigen Form aus der Sackgasse bringen: eine große Aufgabe.

Aber wie sagte eine Dame aus Kalifornien am Ende des Summits so treffend zu mir: I’ve been here several times and every Summit was very inspiring, but this year I feel that there’s happening something really great.