Tag: Ausprobieren

Interview mit Dirk Scheuring

18. März 2012 von Chris

(dirk scheuring)

»Ich bin gelernter PunkRocker.«

Es gibt Menschen, die machen Dinge immer ein wenig anders als die anderen.

Und das ist gut so.

Wir führten das Interview mit Dirk Scheuring, DJ, Journalist, Schriftsteller, Programmierer und gelernter PunkRocker, in einem japanischen Museum. Dirk lebt und arbeitet momentan in Madrid.

Nur Wenige bringen in zahlreichen Gebieten nicht nur großes Interesse auf, sondern entwickeln auch konsequent mit Eigeninitiative immer wieder weiter. Dirk Scheuring ist so jemand. Mit der Haltung des PunkRock als Basis, ließ er seine Ideen in die Arbeit als Co-Herausgeber des Musikmagazins SPEX einfließen. Als früher Insider digitaler Welten, gab und gibt er uns immer wieder vielfältige Perspektiven auf deren Chancen und Risiken. Heute entwickelt er seine Codes von Spanien aus.

Wir haben uns entschlossen, das Interview in seiner vollen Länge zu zeigen.

Don’t panic. Nicht am Stück, sondern in 5 user-kompatiblen Teilen.

Der im Interview geschilderte Zeitraum reicht von ca. 1980 bis heute. Gesplittet haben wir jeweils nach Dirk Scheurings Zeit als Mitherausgeber von SPEX, den Zeiten bei Miss Vogue in München bis hin zu dem von ihm entwickelten HipHop-Format und seiner Arbeit bei VIVA, der VIVA-Zeit nach Gorny und schließlich dem musikalischen Schaffen mit seinem  DJ-Kollegen Hans Nieswandt.

Ende PART I

Auszüge aus und von Dirk Scheurings künstlerischen und journalistischen Arbeiten

telepolis | taz | zfm

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kick your apps and your mind will follow

14. Dezember 2011 von Chris

(2.8 hours later)

Die Frau reißt ihre Augen auf – panisch. Blickt verzweifelt über den dunklen, schmutzigen Platz, rennt los. Dann kommen sie. Blutverschmierte Gestalten wanken auf sie zu, kreisen sie ein, machen die Flucht unmöglich. Der Kreis wird enger – aussichtslos.

Tja, was hier wie eine billige Zombie-Nummer anmutet, ist auch eine – bloß nicht als Film, sondern in Wirklichkeit. Das Ganze spielt in Leeds Ende November und ist ein Highlight des britischen Künstlerduos Simon Johnsons und Simon Evans. Virtuality goes Reality. Das Herz jeden Gamers schlägt höher. Die Jungs hatten eine simple Idee: Hol die Story aus dem Netz, transportiere sie in die Wirklichkeit. Ergebnis: 2.8 hours later. Das Szenario: Die Stadt ist von einem unbekannten Virus infiziert, die Menschen verwandeln sich in blutgierige Zombies, fressen alles, was ihnen in die Quere kommt. Eine kleine Gruppe von Nicht-Infizierten (hier kann man als Teilnehmer mitspielen), muss sich durch Horden von Untoten schlagen, auf der Suche nach einem geheimen Ort, an dem sich die letzte Bastion der noch nicht infizierten Menschen befindet.

Was ist daran so interessant? Viele begeisterte User lassen ihre Rechner Rechner sein und gehen nach draußen. Genauer gesagt: Sie bewegen sich in eine Situation, die sie nicht beherrschen. Die »Treibjagd« findet im öffentlichen Raum statt. Bahnhöfe, leere Fußgängerzonen, unübersichtliche Parkhäuser. Die Gamer müssen dabei während des Spiels live anwenden, was sie sonst nur via Mouse oder Stick erledigen. Sie finden sich in einer geistigen und physischen Interaktion wieder, die sie tatsächlich an ihre Grenzen bringt. Sie müssen rennen, fliehen, schnell agieren und reagieren. Auch können die Teilnehmer viel aus ihren Reaktionen ablesen. Verhalten sie sich teamorientiert oder egoistisch? Wollen sie als Gruppe überleben, oder geht es nur um den Vorteil des Einzelnen? Wie wichtig ist ihnen die Gemeinschaft?

Das britische Künstlerduo Simon Johnsons und Simon Evans hat das Live-Spiel 2.8 hours later erfunden. Gedanklicher Hintergrund: starkes soziales Auseinanderdriften in England führt aus ihrer Sicht langsam aber sicher in den völligen Kollaps. Ob Zombies Bürger jagen oder randalierende Banden anderen die Häuser ausrauben oder iPhones klauen, macht für die Simons keinen großen Unterschied. Schuld ist für sie der Giervirus.

Außerdem bemerkenswert: Gewohnheiten werden aufgebrochen, Neues entsteht und diesmal kommt die Inspiration aus dem Netz. Was ursprünglich als virtual game entwickelt wurde, findet sich auf einmal in der tatsächlichen Welt wieder. Die Menschen haben das Bedürfnis, sich aktiv und persönlich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Und das in Zeiten, in denen uns Apps alles doch vermeintlich abnehmen.

Übringens: auch die Inspiration Lounge wird künftig immer mehr aus den Tiefen der virtuellen Welt in den realen Raum dringen. Live und in echt. Gut, bei uns werdet ihr nicht von Zombies gejagt, aber …

…aber davon an anderer Stelle mehr.

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Inspiration Lounge in Berlin

25. Oktober 2011 von Chris

Wir freuen uns über die Einladung zum Entrepreneurship Summit 2011 in Berlin, auf ein Treffen mit unserem ProjektPartner Thomas Fuhlrott und vielen anderen Entrepreneuren und Impulsgebern.

Dennächst mehr.

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schöner, erhaltend, erweiternd_teil 3

11. Oktober 2011 von Kerstin

(interview mit thomas fuhlrott_zait | kerstin döweler_inspiration lounge, teil 3)

K: Zur nächsten Frage: Ist es denn vorstellbar, dass sich an dieser von Dir erwähnten Hürde etwas ändert? Dass Menschen einfach gute Produkte im Sinne von Ruskin bevorzugen, auch ohne ausgeprägtes Bewusstsein dafür?

T: Wir haben bei zait natürlich Kunden, die unsere Öle kaufen, weil sie ihnen einfach gut schmecken und gesund sind. Auch insgesamt betrachtet wäre eine niedrigere Hürde ein wichtiger Schritt, um die Nachfrage zu verbreitern und die Weiterentwicklung entsprechender Unternehmen zu ermöglichen. Das würde auch heißen, diese Art ökonomischen Handelns auch für diejenigen interessanter zu machen, die heute beispielsweise noch auf Produktionen unter Verursachung sozialer und ökologischer Missstände setzen. Allerdings müssen dorthin noch Wege entwickelt werden, die bisher in größerem Umfang nicht zu sehen sind.

K: Aber auch in den Personenkreisen, die schon ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Grundwerte »schöner, erhaltend und erweiternd« haben, könnten doch sicher noch mehr Menschen erreicht werden?

T: Ja, stimmt. Dann muss aber mehr dafür getan werden, dass man die Unternehmen schneller finden kann, die nach diesen Wertmaßgaben arbeiten und neue, andere Impulse innerhalb ökonomischer Strukturen setzen. Hinzu kommen andere Fragen der Erreichbarkeit. Ein Beispiel: Sicher ist es gut, wenn jetzt bei Euch in Köln mehr Bio-Höfe am Rande der Stadt ihre Produkte auf dem eigenen Hof verkaufen. Das ist ein neues Angebot, gute Produkte dort zu bekomen, wo es auch Transparenz und den Kontakt zum Produzenten gibt. Doch es ist klar, dass nicht jeder Stadtbewohner raus auf die Bio-Höfe fahren kann. Viele werden das auch in Zukunft nicht tun, schon weil sie daran gewöhnt sind, zum Einkaufen in die Stadt oder nur um die nächste Ecke zu gehen. Die Frage ist daher, wie auch innerhalb der Städte Standorte aufgebaut werden können, die es leichter machen, gute Produkte kennen zu lernen, auszuprobieren und auch im Alltag einfach zu erreichen und einzukaufen. Eines ist doch sicher: es wird diese Produkte nicht mal schnell in den herkömmlichen Supermärkten geben. Dort dominiert die Lebensmittelindustrie.

K: Weil wir gerade bei Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind: wie sieht es denn für Unternehmen aus, die sich wie zait den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« verpflichten? Der Begriff der Grenzen des Wachstums ist ja heute einerseits aktuell, während Politik und Wirtschaft immer noch das permanente Wachstum beschwören.

T: Bei uns und auch anderen Unternehmen, die ich kenne, sind die Möglichkeiten zu wachsen klar begrenzt. Auch das hängt wieder mit den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« zusammen. Wir können nicht immer größere Mengen Olivenöl handeln, schon weil es Zeit und Aufwand bedeutet, Olivenöl in ausgezeichneter Qualität zu produzieren. Wollten wir innerhalb kurzer Zeit viel größere Mengen verkaufen, würde die Qualität leiden. Vieles, was wir heute tun, wofür wir uns engagieren, könnten wir so nicht mehr machen. Und das wollen wir nicht.

K: Ich merke deutlich, wir Verbraucher sollten uns auf folgende Dinge einstellen: wenn wir gute Produkte haben wollen, müssen wir, jedenfalls noch momentan, eingehender danach forschen, wer diese Produkte anbietet. Es kann ja auch richtig Spaß machen, solche Menschen und Produkte zu entdecken und die Entdeckungen mit anderen auszutauschen, statt immer auf denselben Wegen in dieselben Supermärkte zu gehen.

Und was die Definition von »erfolgreich« am Markt angeht, wäre wohl ebenfalls ein Perspektivenwechsel fällig. Neue Impulse, die Einhaltung wichtiger Grundwerte und daran orientiertes Wachstum statt immer nur mehr verkaufen und immer größer werden um jeden Preis. Es wird ja immer deutlicher, wohin uns diese altbekannte Auffassung von Erfolg gebracht hat und bringen kann.

T: Das sehe ich auch so.

K: Thomas, vielen Dank für das Interview.

Zum Interview, wie versprochen, hier das von uns erprobte Rezept für einen wunderbaren, einfach herzustellenden Appetizer oder gleich eine ganze Mahlzeit.

REZEPT

Sehr lecker auf geröstetem Weissbrot ist diese Tomatenpaste mit Knoblauch.


Dazu reibt man frische Tomaten mit einer Handreibe


oder entsprechenden Einsatz im Mixer oder verwendet wie wir einen Pürierstab.


Dem Tomatenbrei gibt man ein Drittel zait-Olivenöl aus Katalonien zu und würzt das Ganze nach Belieben mit Knoblauch aus der Presse, Salz und Pfeffer.

Guten Appetit!

Interview Teil 1

Interview Teil 2

thomas fuhlrott_interview | zait.de | mehr

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Alles bleibt anders

05. Oktober 2011 von Chris

»Lass doch einfach mal den Zucker weg.« Diese Mini-Formel hat bei mir, dem alten Toast-Gewohnheitsfrühstücker eine interessante Reaktion ausgelöst. Ich achtete genauer auf die versteckten Mengen Zucker, die ich mir so alltäglich zuführte. Bei einem 1,8 % Fruchtjoghurt kam es zu meinem »Aha-Erlebnis«. Man kennt sie ja, diese 250 g Becher. Ich las mir etwas deutlicher die Zusamensetzung und Kaloriengehalttabelle durch. Klar, dass ist ja immer nur auf 100 g ausgezeichnet. Dann habe ich schnell auf  250 g den tatsächlichen Zuckeranteil umgerechnet und kam auf 34,4 g. Diese Menge Zucker  habe ich spaßeshalber in einen Messbecher gefüllt. Mir fielen fast die Augen raus. Das ist verdammt viel. Und wohlgemerkt: in 250 g Fruchtjoghurt mit 1,8% Fett. Von da an überprüfte ich jede Nährwerttabelle von Produkten und trennte mich erst einmal von meinem seit 40 Jahren geliebten und bewährten Frühstückstoast (Hauptbestandteil: Zucker). Doch was sollte die Alternative sein? »Mach doch mal ein Obstfrühstück mit Nüssen und etwas Naturjoghurt«, hallten mir noch die Worte von unserem Sportwissenschaftler Felix Klemme im Ohr.

Und das mir.

Also testete ich an einem Morgen folgendes an: 1/2 Apfel, 1/2 Birne, 1/2 Aprikose etwas Mango, ein paar Heidelbeeren, kleingehackte Mandeln, etwas feingeschnittener Ingwer (genial frisch und herb), Zitronenmelisse und einen Klecks Naturjoghurt. Mürrisch betrachtete ich mein Werk – 15 min Kleinschnibbelei ist morgens nicht jedermanns Sache. Nachdem ich dann aber von diesem sehr farbenfrohen Teller gegessen habe, verflog meine Skepsis recht schnell. Das Zeug schmeckte krass. Normalerweise hielt mein 2-Toast-Frühstück max. 3 Std. an, bevor die mittägliche Hungerattacke mich plagte.  Diese nährstoff-und vitaminreiche Alternative schaffte es, mich mindestens 6 Std. hungerfrei durch den halben Tag zu bringen. Und der Witz: ich fühlte mich irgendwie besser und fitter.

(frühstück_birne)

(frühstück_birne_apfel_feige_aprikose_ingwer)

(frühstück_birne_apfel_feige_aprikose_ingwer_joghurt_mandeln)

Durch diese Erkenntnis des Experiments angefixt, durchforstete ich weitere meiner alten und beliebten Essgewohnheiten. Ich verabschiedete mich von einigen Kohlehydrat-Freunden wie Nudeln, Reis und Brot, die aufgrund ihres hohen Kohlehydratgehalts schnell in Zucker umgewandelt werden und so dem Körper nur kurzfristig Energie zuführen. Konkret hieß das: ich stellte meinen kompletten Wochen-Ernährungsplan um und machte mir zur Aufgabe, mal für einen Monat anders zu essen. Der Wochenplan enthielt das wie vorhin beschriebene Frühstück, wenig bis kein Brot, Reis oder Nudeln, dafür sehr viel regionales und saisonales Gemüse, abgerundet mit tierischem Eiweiß in Form von Rindersteak, Hühnerbrust oder Fisch. Fleisch und Fisch jeweils ein Mal pro Woche. Konsequent 3 x am Tag essen, keine zusätzlichen Zwischenmahlzeiten; keine Schokolade, Kuchen etc. Getränke: Tee und Wasser. Ich dachte: »Das hältst du nie durch, und wenn du zwischendurch nichts Süsses bekommst oder hungrig bist, dann wirst du grantig«. Nichts von alledem passierte. Weder war ich hungrig, noch grantig – gut, vielleicht die ersten 3 Tage.

Aber was anderes fiel mir auf. Mein Allgemeinbefinden änderte sich. Ich war weitaus konzentrierter und fühlte mich im Ganzen besser. Hinzu kam unser ergänzendes Sportprogramm von max. 4 Übungseinheiten à 2 min, also 8 min. Sport am Tag. Eigentlich kaum der Rede wert, aber sehr effektiv. Das Lustige an diesen Sportübungen ist, dass man sie komplett in den Alltag integrieren kann, im Office genauso wie auf dem Spaziergang mit dem Hund – eine Parkbank reicht aus um zu improvisieren. Bei mir hat dieser Prozess tatsächlich dazu geführt, alte Verhaltensmuster und Gewohnheiten zu überdenken und sie neu zu justieren. Nun wende ich dieses Ess- und Sportprogramm schon seit knapp 2 Monaten an. Ich muss schon gar nicht mehr groß darüber nachdenken, weil es zu einem festen Bestandteil meines Alltags geworden ist.

Übrigens, alles ohne Zwang. Ich fange nicht an, mich in irgendeiner Weise zu beschneiden. Wenn es mich doch mal überkommt, dann esse ich eben auch eine große Portion Spaghetti mit Tomatensauce oder zwischendurch ein Snickers. Für mich geht es vor allem darum, die Dinge bewusster zu machen. Was mich dabei insgesamt fasziniert ist, wie man selbst mit kleinen Änderungen beginnend, in meinem Fall das Weglassen des Zuckers, eine Menge gute Veränderungen in Gang bringen kann – und zwar ganz einfach.

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