Tag: Ausprobieren

kick your apps and your mind will follow

14. Dezember 2011 von Chris

(2.8 hours later)

Die Frau reißt ihre Augen auf – panisch. Blickt verzweifelt über den dunklen, schmutzigen Platz, rennt los. Dann kommen sie. Blutverschmierte Gestalten wanken auf sie zu, kreisen sie ein, machen die Flucht unmöglich. Der Kreis wird enger – aussichtslos.

Tja, was hier wie eine billige Zombie-Nummer anmutet, ist auch eine – bloß nicht als Film, sondern in Wirklichkeit. Das Ganze spielt in Leeds Ende November und ist ein Highlight des britischen Künstlerduos Simon Johnsons und Simon Evans. Virtuality goes Reality. Das Herz jeden Gamers schlägt höher. Die Jungs hatten eine simple Idee: Hol die Story aus dem Netz, transportiere sie in die Wirklichkeit. Ergebnis: 2.8 hours later. Das Szenario: Die Stadt ist von einem unbekannten Virus infiziert, die Menschen verwandeln sich in blutgierige Zombies, fressen alles, was ihnen in die Quere kommt. Eine kleine Gruppe von Nicht-Infizierten (hier kann man als Teilnehmer mitspielen), muss sich durch Horden von Untoten schlagen, auf der Suche nach einem geheimen Ort, an dem sich die letzte Bastion der noch nicht infizierten Menschen befindet.

Was ist daran so interessant? Viele begeisterte User lassen ihre Rechner Rechner sein und gehen nach draußen. Genauer gesagt: Sie bewegen sich in eine Situation, die sie nicht beherrschen. Die »Treibjagd« findet im öffentlichen Raum statt. Bahnhöfe, leere Fußgängerzonen, unübersichtliche Parkhäuser. Die Gamer müssen dabei während des Spiels live anwenden, was sie sonst nur via Mouse oder Stick erledigen. Sie finden sich in einer geistigen und physischen Interaktion wieder, die sie tatsächlich an ihre Grenzen bringt. Sie müssen rennen, fliehen, schnell agieren und reagieren. Auch können die Teilnehmer viel aus ihren Reaktionen ablesen. Verhalten sie sich teamorientiert oder egoistisch? Wollen sie als Gruppe überleben, oder geht es nur um den Vorteil des Einzelnen? Wie wichtig ist ihnen die Gemeinschaft?

Das britische Künstlerduo Simon Johnsons und Simon Evans hat das Live-Spiel 2.8 hours later erfunden. Gedanklicher Hintergrund: starkes soziales Auseinanderdriften in England führt aus ihrer Sicht langsam aber sicher in den völligen Kollaps. Ob Zombies Bürger jagen oder randalierende Banden anderen die Häuser ausrauben oder iPhones klauen, macht für die Simons keinen großen Unterschied. Schuld ist für sie der Giervirus.

Außerdem bemerkenswert: Gewohnheiten werden aufgebrochen, Neues entsteht und diesmal kommt die Inspiration aus dem Netz. Was ursprünglich als virtual game entwickelt wurde, findet sich auf einmal in der tatsächlichen Welt wieder. Die Menschen haben das Bedürfnis, sich aktiv und persönlich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Und das in Zeiten, in denen uns Apps alles doch vermeintlich abnehmen.

Übringens: auch die Inspiration Lounge wird künftig immer mehr aus den Tiefen der virtuellen Welt in den realen Raum dringen. Live und in echt. Gut, bei uns werdet ihr nicht von Zombies gejagt, aber …

…aber davon an anderer Stelle mehr.

Inspiration Lounge in Berlin

25. Oktober 2011 von Chris

Wir freuen uns über die Einladung zum Entrepreneurship Summit 2011 in Berlin, auf ein Treffen mit unserem ProjektPartner Thomas Fuhlrott und vielen anderen Entrepreneuren und Impulsgebern.

Dennächst mehr.

schöner, erhaltend, erweiternd_teil 3

11. Oktober 2011 von Kerstin

(interview mit thomas fuhlrott_zait | kerstin döweler_inspiration lounge, teil 3)

K: Zur nächsten Frage: Ist es denn vorstellbar, dass sich an dieser von Dir erwähnten Hürde etwas ändert? Dass Menschen einfach gute Produkte im Sinne von Ruskin bevorzugen, auch ohne ausgeprägtes Bewusstsein dafür?

T: Wir haben bei zait natürlich Kunden, die unsere Öle kaufen, weil sie ihnen einfach gut schmecken und gesund sind. Auch insgesamt betrachtet wäre eine niedrigere Hürde ein wichtiger Schritt, um die Nachfrage zu verbreitern und die Weiterentwicklung entsprechender Unternehmen zu ermöglichen. Das würde auch heißen, diese Art ökonomischen Handelns auch für diejenigen interessanter zu machen, die heute beispielsweise noch auf Produktionen unter Verursachung sozialer und ökologischer Missstände setzen. Allerdings müssen dorthin noch Wege entwickelt werden, die bisher in größerem Umfang nicht zu sehen sind.

K: Aber auch in den Personenkreisen, die schon ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Grundwerte »schöner, erhaltend und erweiternd« haben, könnten doch sicher noch mehr Menschen erreicht werden?

T: Ja, stimmt. Dann muss aber mehr dafür getan werden, dass man die Unternehmen schneller finden kann, die nach diesen Wertmaßgaben arbeiten und neue, andere Impulse innerhalb ökonomischer Strukturen setzen. Hinzu kommen andere Fragen der Erreichbarkeit. Ein Beispiel: Sicher ist es gut, wenn jetzt bei Euch in Köln mehr Bio-Höfe am Rande der Stadt ihre Produkte auf dem eigenen Hof verkaufen. Das ist ein neues Angebot, gute Produkte dort zu bekomen, wo es auch Transparenz und den Kontakt zum Produzenten gibt. Doch es ist klar, dass nicht jeder Stadtbewohner raus auf die Bio-Höfe fahren kann. Viele werden das auch in Zukunft nicht tun, schon weil sie daran gewöhnt sind, zum Einkaufen in die Stadt oder nur um die nächste Ecke zu gehen. Die Frage ist daher, wie auch innerhalb der Städte Standorte aufgebaut werden können, die es leichter machen, gute Produkte kennen zu lernen, auszuprobieren und auch im Alltag einfach zu erreichen und einzukaufen. Eines ist doch sicher: es wird diese Produkte nicht mal schnell in den herkömmlichen Supermärkten geben. Dort dominiert die Lebensmittelindustrie.

K: Weil wir gerade bei Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind: wie sieht es denn für Unternehmen aus, die sich wie zait den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« verpflichten? Der Begriff der Grenzen des Wachstums ist ja heute einerseits aktuell, während Politik und Wirtschaft immer noch das permanente Wachstum beschwören.

T: Bei uns und auch anderen Unternehmen, die ich kenne, sind die Möglichkeiten zu wachsen klar begrenzt. Auch das hängt wieder mit den Grundwerten »schöner, erhaltend und erweiternd« zusammen. Wir können nicht immer größere Mengen Olivenöl handeln, schon weil es Zeit und Aufwand bedeutet, Olivenöl in ausgezeichneter Qualität zu produzieren. Wollten wir innerhalb kurzer Zeit viel größere Mengen verkaufen, würde die Qualität leiden. Vieles, was wir heute tun, wofür wir uns engagieren, könnten wir so nicht mehr machen. Und das wollen wir nicht.

K: Ich merke deutlich, wir Verbraucher sollten uns auf folgende Dinge einstellen: wenn wir gute Produkte haben wollen, müssen wir, jedenfalls noch momentan, eingehender danach forschen, wer diese Produkte anbietet. Es kann ja auch richtig Spaß machen, solche Menschen und Produkte zu entdecken und die Entdeckungen mit anderen auszutauschen, statt immer auf denselben Wegen in dieselben Supermärkte zu gehen.

Und was die Definition von »erfolgreich« am Markt angeht, wäre wohl ebenfalls ein Perspektivenwechsel fällig. Neue Impulse, die Einhaltung wichtiger Grundwerte und daran orientiertes Wachstum statt immer nur mehr verkaufen und immer größer werden um jeden Preis. Es wird ja immer deutlicher, wohin uns diese altbekannte Auffassung von Erfolg gebracht hat und bringen kann.

T: Das sehe ich auch so.

K: Thomas, vielen Dank für das Interview.

Zum Interview, wie versprochen, hier das von uns erprobte Rezept für einen wunderbaren, einfach herzustellenden Appetizer oder gleich eine ganze Mahlzeit.

REZEPT

Sehr lecker auf geröstetem Weissbrot ist diese Tomatenpaste mit Knoblauch.


Dazu reibt man frische Tomaten mit einer Handreibe


oder entsprechenden Einsatz im Mixer oder verwendet wie wir einen Pürierstab.


Dem Tomatenbrei gibt man ein Drittel zait-Olivenöl aus Katalonien zu und würzt das Ganze nach Belieben mit Knoblauch aus der Presse, Salz und Pfeffer.

Guten Appetit!

Interview Teil 1

Interview Teil 2

thomas fuhlrott_interview | zait.de | mehr

Alles bleibt anders

05. Oktober 2011 von Chris

»Lass doch einfach mal den Zucker weg.« Diese Mini-Formel hat bei mir, dem alten Toast-Gewohnheitsfrühstücker eine interessante Reaktion ausgelöst. Ich achtete genauer auf die versteckten Mengen Zucker, die ich mir so alltäglich zuführte. Bei einem 1,8 % Fruchtjoghurt kam es zu meinem »Aha-Erlebnis«. Man kennt sie ja, diese 250 g Becher. Ich las mir etwas deutlicher die Zusamensetzung und Kaloriengehalttabelle durch. Klar, dass ist ja immer nur auf 100 g ausgezeichnet. Dann habe ich schnell auf  250 g den tatsächlichen Zuckeranteil umgerechnet und kam auf 34,4 g. Diese Menge Zucker  habe ich spaßeshalber in einen Messbecher gefüllt. Mir fielen fast die Augen raus. Das ist verdammt viel. Und wohlgemerkt: in 250 g Fruchtjoghurt mit 1,8% Fett. Von da an überprüfte ich jede Nährwerttabelle von Produkten und trennte mich erst einmal von meinem seit 40 Jahren geliebten und bewährten Frühstückstoast (Hauptbestandteil: Zucker). Doch was sollte die Alternative sein? »Mach doch mal ein Obstfrühstück mit Nüssen und etwas Naturjoghurt«, hallten mir noch die Worte von unserem Sportwissenschaftler Felix Klemme im Ohr.

Und das mir.

Also testete ich an einem Morgen folgendes an: 1/2 Apfel, 1/2 Birne, 1/2 Aprikose etwas Mango, ein paar Heidelbeeren, kleingehackte Mandeln, etwas feingeschnittener Ingwer (genial frisch und herb), Zitronenmelisse und einen Klecks Naturjoghurt. Mürrisch betrachtete ich mein Werk – 15 min Kleinschnibbelei ist morgens nicht jedermanns Sache. Nachdem ich dann aber von diesem sehr farbenfrohen Teller gegessen habe, verflog meine Skepsis recht schnell. Das Zeug schmeckte krass. Normalerweise hielt mein 2-Toast-Frühstück max. 3 Std. an, bevor die mittägliche Hungerattacke mich plagte.  Diese nährstoff-und vitaminreiche Alternative schaffte es, mich mindestens 6 Std. hungerfrei durch den halben Tag zu bringen. Und der Witz: ich fühlte mich irgendwie besser und fitter.

(frühstück_birne)

(frühstück_birne_apfel_feige_aprikose_ingwer)

(frühstück_birne_apfel_feige_aprikose_ingwer_joghurt_mandeln)

Durch diese Erkenntnis des Experiments angefixt, durchforstete ich weitere meiner alten und beliebten Essgewohnheiten. Ich verabschiedete mich von einigen Kohlehydrat-Freunden wie Nudeln, Reis und Brot, die aufgrund ihres hohen Kohlehydratgehalts schnell in Zucker umgewandelt werden und so dem Körper nur kurzfristig Energie zuführen. Konkret hieß das: ich stellte meinen kompletten Wochen-Ernährungsplan um und machte mir zur Aufgabe, mal für einen Monat anders zu essen. Der Wochenplan enthielt das wie vorhin beschriebene Frühstück, wenig bis kein Brot, Reis oder Nudeln, dafür sehr viel regionales und saisonales Gemüse, abgerundet mit tierischem Eiweiß in Form von Rindersteak, Hühnerbrust oder Fisch. Fleisch und Fisch jeweils ein Mal pro Woche. Konsequent 3 x am Tag essen, keine zusätzlichen Zwischenmahlzeiten; keine Schokolade, Kuchen etc. Getränke: Tee und Wasser. Ich dachte: »Das hältst du nie durch, und wenn du zwischendurch nichts Süsses bekommst oder hungrig bist, dann wirst du grantig«. Nichts von alledem passierte. Weder war ich hungrig, noch grantig – gut, vielleicht die ersten 3 Tage.

Aber was anderes fiel mir auf. Mein Allgemeinbefinden änderte sich. Ich war weitaus konzentrierter und fühlte mich im Ganzen besser. Hinzu kam unser ergänzendes Sportprogramm von max. 4 Übungseinheiten à 2 min, also 8 min. Sport am Tag. Eigentlich kaum der Rede wert, aber sehr effektiv. Das Lustige an diesen Sportübungen ist, dass man sie komplett in den Alltag integrieren kann, im Office genauso wie auf dem Spaziergang mit dem Hund – eine Parkbank reicht aus um zu improvisieren. Bei mir hat dieser Prozess tatsächlich dazu geführt, alte Verhaltensmuster und Gewohnheiten zu überdenken und sie neu zu justieren. Nun wende ich dieses Ess- und Sportprogramm schon seit knapp 2 Monaten an. Ich muss schon gar nicht mehr groß darüber nachdenken, weil es zu einem festen Bestandteil meines Alltags geworden ist.

Übrigens, alles ohne Zwang. Ich fange nicht an, mich in irgendeiner Weise zu beschneiden. Wenn es mich doch mal überkommt, dann esse ich eben auch eine große Portion Spaghetti mit Tomatensauce oder zwischendurch ein Snickers. Für mich geht es vor allem darum, die Dinge bewusster zu machen. Was mich dabei insgesamt fasziniert ist, wie man selbst mit kleinen Änderungen beginnend, in meinem Fall das Weglassen des Zuckers, eine Menge gute Veränderungen in Gang bringen kann – und zwar ganz einfach.

kreativ bewegen.

31. August 2011 von Chris

Felix Klemme | Sportwissenschaftler, Gründer von outdoor gym act-if | outdoor gym

»raus geht’s.«

Keinen Aufwand haben wir gescheut, um euch heute Folge 2 unserer kreativ bewegen-Videoreihe zu präsentieren.

Nach den »Aufbruch vom Schreibtisch-Übungen« aus Folge 1 hat es Felix tatsächlich geschafft, uns dieses Mal nach draußen zu bringen. Da wir den Atem vor allem für die einzelnen Übungen brauchen, haben wir zunächst eine Tour in unsere nähere Umgebung gemacht. Bei den Uniwiesen und am Aachener Weiher stießen wir auf genügend »Übungsgeräte«, die Felix direkt in unser Bewegungsprogramm eingebaut hat. Und damit alles ganz gerecht zugeht, war dieses Mal Chris vor der Kamera im Einsatz.

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Wer die Übungen selbst ausprobieren und sich damit mehr Bewegung an der frischen Luft gönnen will: beim E-Raum (das abgekürzte Wort »Erfrischungsraum« erheitert mich angesichts der real existierenden Innenarchitektur bis heute) an der Kölner Uniwiese steht reichlich Trainingsmaterial herum, das sich wunderbar für die im Video gezeigten Übungen 1-4 verwenden lässt.

Wer dann, wie wir, schon mal in Bewegung ist, kann sich rund um das ganze Gebiet noch zu jeder Menge Freestyle-Übungen inspirieren lassen. Hervorragend ist dafür übrigens ein Blick auf den auch dort gelegenen Spielplatz, denn es ist wirklich unglaublich, wie sich Kinder ideenreich, spielerisch und selbstverständlich mit Spaß bewegen. Wenn ich uns und viele andere dagegen so anschaue: lange Jahre in Betonung insbesondere rationaler Produktivität (im Sitzen) zu verbringen, lässt in so mancher Hinsicht einrosten. Könnte es sein, dass wir, persönlich und kulturell gesehen, gerne eine gewisse Einseitigkeit pflegen? Tun wir das, weil es uns so weit gebracht hat?

Und hat nicht Picasso mal gesagt: »Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.«

Also, auf geht’s, raus geht’s.

Routinen überdenken – vom Schreibtisch aufbrechen

Es ist soweit: Hier kommt die erste offizielle Folge von kreativ bewegen. (Sitz)Routinen aufbrechen und dabei mehr raus gehen – das haben wir uns vorgenommen. Trotzdem lag nichts näher, als das Projekt an unserem Ausgangspunkt zu starten. Hier ist es schließlich, wo wir zunächst vom Schreibtisch aufstehen müssen, um künftig aktivere Pausen in die täglichen Arbeitsabläufe einfließen zu lassen. Wir wollten daher mit ein paar Skills starten, die wir jeden Tag möglichst einfach einstreuen können.

Dazu kommt: ihr, die ihr kreativ bewegen anschaut, sitzt höchstwahrscheinlich selbst gerade am Schreibtisch und habt es daher nicht weit, um, so wie ich im Film, für eine kurze, aktive Pause aufzustehen. Vielleicht um einfach auszuprobieren, ob ihr mit den gezeigten Übungen auch so spielend und elegant fertig werdet wie Felix oder doch eher so flucht und schnauft wie ich.

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Das Programm ist tatsächlich einfach, praktisch und, wie Felix so schön sagt, nicht zu anstrengend – aber doch anstrengend. Ich war mit 2 Durchgängen gut bedient. Wer nicht seit Jahren nach dem Motto »No Sports« gelebt hat, kann die Zahl der Durchgänge natürlich gerne verdoppeln. Ein Tipp von mir für alle, die bisher auch keine Vielbeweger (Vielflieger war vorgestern) waren: die Übungen klappen wirklich besser, wenn man dabei nicht das Atmen vergisst. Das passiert recht leicht, wenn man sich zu sehr auf die Anstrengung konzentriert. D.h., Multitasking abzuschalten und sich auf die Übungen zu konzentrieren ist natürlich gut, aber irgendwie nicht, wenn damit alles zu einer Art Pflichtleistung ausartet. Das verkrampft nur, wie ich finde. Tatsächlich braucht das Ganze offensichtlich etwas Übung, damit mehr Selbstverständlichkeit und mehr Flow in die Bewegungen kommt.

Interessant ist übrigens auch, wie einfach es scheint, sich solche Übungen zu überlegen und im Alltag einzubauen. Trotzdem ist uns vorher nie eingefallen, Bücher oder den Schreibtisch selbst als Übungsgerät zu nutzen, obwohl beides doch so nahe lag. Stattdessen habe ich lange überlegt, in welchen Sportkurs ich denn gehen könnte, um mal etwas zu tun. Ich habe viel mit anderen darüber geredet, habe viele Broschüren angeschaut, mich vom Überangebot (von Pontius zu Pilates) erschlagen gefühlt und dann – lieber nichts getan. Der neue und harte Einsatz unserer Möbel ist für uns also tatsächlich ein frischer Blickwinkel und gleichzeitig eine Tatsache, die offensichtlich auch von führenden Möbelherstellern noch nicht ausreichend als Nische entdeckt wurde.

Bevor wir weitere Einrichtungsgegenstände sinnstiftend einbeziehen konnten, hat uns Felix daran erinnert, dass es hier nicht darum geht, immer nur drinnen zu bleiben. Schon in kreativ bewegen_folge 2 geht es deshalb weiter mit der ersten Outdoor-Tour. Bis dahin heißt es natürlich: weiter Tische rücken.

Ich schaffe inzwischen drei Durchgänge. Und Ihr?

kreativ bewegen_das Intro

Vor kurzem habe ich über unser erstes Treffen mit Felix Klemme, dem Gründer von Outdoor Gym, berichtet. Inzwischen haben wir zusammengesessen!!, um unsere Projektidee zu konkretisieren. Neben dem »warum« des Projekts war natürlich zu klären, welche Aspekte uns allen dabei besonders wichtig sind. Auszüge davon haben wir für Euch in einem kleinen Film-Intro zum künftigen Projekt festgehalten.
(scroll down)

Zwei Aspekte waren uns von Anfang an klar: Vordergründig kommen wir aus sehr unterschiedlichen Welten: Felix ist Sportwissenschaftler und als KPNI-Therapeut (Klinische Psycho-Neuro-Immunologie) weiß er genau, welche Funktionen von Körper und Geist wie und warum zusammenlaufen. In nur kurzer Zeit hat er uns beispielsweise schon viel Know-how über Ernährung als wichtigen Energielieferant auch für die kleinen grauen Zellen vermittelt.

Chris und ich entwickeln und realisieren seit Jahren Kultur- und Kommunikationsprojekte. Und – wie schon gesagt – ein großer Teil unserer Arbeit findet dabei am Schreibtisch statt. Auch sonst haben wir Jahre nach dem Churchill-Ausspruch »No sports« gelebt. Seit einiger Zeit gehen wir etwas mehr nach draußen. Der Grund dafür ist vor allem unser Hund.

kreativ bewegen – im Gespräch Kerstin Döweler und Felix Klemme

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Von unseren Grundideen zum Projekt liegen wir alle dagegen voll auf einer Wellenlänge: Es geht uns nicht um Sport, sondern einfach um mehr Bewegen und mehr Frischluft in jeder Beziehung. Darum, gewohnte Tagesabläufe mal zu hinterfragen. Auch der Name unserer Projekts war schnell gefunden: kreativ bewegen. Er spiegelt genau das wieder, was uns besonders wichtig ist. Bessere Aktivität von Körper und Geist in Kombination mit geteiltem Wissen und Know-how, Neugierde und viel Spaß an der Sache. Wenn wir auf dem Weg zu neuen Ideen und Blickwinkeln neben uns auch andere inspirieren, die eigenen Routinen mal genauer zu betrachten oder sogar aufzubrechen und (sich) mehr zu bewegen – umso schöner.

Chris und ich hatten zunächst vor, das Projekt direkt draußen zu starten – schließlich geht es ja um Licht und Luft. Felix hat uns dann auf den Gedanken gebracht, dass es viel logischer ist, das Projekt dort zu beginnen, wo wir uns normalerweise befinden. Bei uns, und vor allem am Schreibtisch. Wir wollen ja gerade mit einfachen und alltagstauglichen Mitteln neue Pfade auftun. Wir wollen dabei in erster Linie nutzen, was sowieso um uns herum ist und diese Orte und Dinge neu entdecken. Kein riesiger Aufwand, kein teures Equipment, stattdessen kleine, aber feine Veränderungen.

Natürlich werden wir unsere Entdeckungstouren dokumentieren. Zum einen, weil wir damit stetig Informationen und Anregungen rund um kreatives Bewegen weiter geben wollen. Zum anderen: hey, wir sind selbst total gespannt, wo uns diese Reise hinführt.

get up, stand up

Neulich sagte mir Chris: »Ich habe Felix Klemme getroffen. Er hat vor einiger Zeit sein eigenes Unternehmen, Outdoor Gym, gegründet und wird nächste Woche bei uns vorbeikommen. Natürlich habe ich direkt Felix’ Homepage angeschaut, und je mehr ich davon sah, umso mehr dachte ich: Fitness im Freien – ok, nicht gerade mein Spezialgebiet.

Als ich mich dann zum ersten Mal mit Felix unterhalten habe, fiel mir schnell auf, dass er nicht, wie ich erwartet hatte, permanent von Sport, Hochleistung, Erfolg, Muskelaufbau, Fitness Studio oder ähnlichem sprach. Für mich erstaunlich, verwies er auch nicht auf unsere mangelnde sportliche Betätigung, sondern erzählte von alltäglichen menschlichen Verhaltensweisen. Davon, dass sie sich ursprünglich sehr von unserem heutigem Tagesablauf unterschieden. Dass wir uns eben heute meist zu wenig bewegen, zu viel drinnen sitzen und dadurch wichtige Lebensaspekte, Blickwinkel und Erfahrungen verloren gehen. Last but not least ging es um kleine, einfach zu bewältigende Änderungen in alltäglichen Tagesabläufen und gute Laune.

Das war der Moment, in dem ich anfing, über unseren eigenen Tagesablauf nachzudenken. Wie oft und wie lange sitzen wir täglich, ab und an auch mit Rückenschmerzen im Büro vor dem Bildschirm, um zu arbeiten, Filme zu schneiden, Texte zu verfassen, Layouts zu entwerfen? Und wie sehen die Zwischenzeiten aus, beispielweise die Pause am Mittag? Wir essen und sitzen. Ich gebe zu, mich plagte nicht das schlechte Gewissen in diesem Augenblick, ich war eher erstauntwütend.

Felix Klemme, Gründer von Outdoor Gym, Kerstin Döweler, le tapir

Mein nächster Gedanke kam prompt: ok, wir haben einen Job, der sehr viel im Sitzen und vor dem Computer stattfindet. Vielleicht sieht ja der Bewegungsdurchschnitt ganz anders aus. Doch auch hier spricht die Statistik Bände: im Durchschnitt bewegt man sich in Deutschland nämlich keine 3000 Schritte am Tag. Das ist so wenig, dass sich vor einiger Zeit sogar das Gesundheitsministerium zu einer Aktion aufschwang. Mindestens 6000 Schritte Bewegung täglich wollte man uns allen damit nahe bringen. Der Erfolg der Kampagne war offensichtlich äußerst bescheiden.

Zurück zu Felix und uns. Chris und ich sind nämlich ziemlich schnell sehr neugierig geworden zu erfahren, was sich alles verändern könnte, wenn wir die uns bewusst gewordenen Sitzroutinen einfach mal anfangen aufzubrechen. Es geht vor allem auch um die Frage, welche Energie, neuen Perspektiven, Eindrücke und Ideen entstehen, wenn unser Tagesablauf kreative Bewegungspausen bekommt. Schließlich geht es ja auch hier in der Inspiration Lounge um neue Blickwinkel.

Wir haben also Felix gefragt, ob er Zeit und Lust hat, bei einem Projekt mitzumachen, das zu einer wahrlichen Entdeckungs- und Erlebnisreise werden soll. Jetzt sind wir dabei, ausgehend von unserer Grundidee gemeinsam die nächsten realen Schritte zu gehen. Ich kann Euch sagen: es ist ganz schön anstrengend – und es macht Spaß.

Ganz bald mehr davon.