schöner, erhaltend, erweiternd_teil 2

09. Oktober 2011 von Chris

(interview mit thomas fuhlrott_zait | kerstin döweler_inspiration lounge, teil 2)

K: Erfordert Eure Vorgehensweise bei den Verbrauchern nicht auch ein besonderes Bewusstsein? Es herrscht ja doch eben die Auffassung über gute Produkte, die Ruskin gerade ablehnte. Dazu kommt, dass am Markt ja oft gerade Produkte Erfolg haben, die billig sind, weil wir zu unglaublichen Schnäppchenjägern getrimmt wurden. Qualität ist da, denke ich, zweitrangig.

T: Es ist schon so, dass für die Auffassung von guten Produkten und die Grundwerte schöner, erhaltend, erweiternd ein Bewusstsein vorhanden sein muss. Genau das steckt ja auch in dem aktuellen Begriff strategischer Konsum, bei dem durch die Kaufentscheidung gute Produkte und ihre Produzenten unterstützt werden und so Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung der Wirtschaft geleistet werden. Das Bewusstsein ist dadurch auch eine Hürde, weil der Verbraucher von diesen Produkten zuerst einmal wissen muss, sich mit der gesamten Situation beschäftigen und sich entscheiden muss, dass es ihm wichtig ist, zu einer positiven Entwicklung der entsprechenden Unternehmen beizutragen.

Für Unternehmen wie zait stellen sich so mehrere Herausforderungen. Die Menschen müssen diese Unternehmen kennen lernen. Doch gerade zu Anfang sind die Budgets für Marketingmaßnahmen sehr klein. Das führt oft dazu, dass die Unternehmen länger brauchen, um einen größeren Bekanntheitsgrad aufzubauen. Man findet sie natürlich, gerade auch im Internet, aber man muss oft etwas länger danach forschen. Die Menschen sind aber überwiegend gewöhnt, Dinge des täglichen Lebens schnell und im Supermarkt um die Ecke zu kaufen.

K: Stimmt, wir sind bequem und glauben oft, dort eigentlich alles in großer Auswahl zu finden. Dabei findet man Unternehmen wie zait dort gerade nicht.

T: Es geht weiter mit der Frage: habe ich mich damit beschäftigt, warum ein Produkt gut im Sinne von Ruskin ist und entscheide ich mich dafür? Ich denke, die meisten wissen heute Bescheid über Produkte, die unter schlechten Arbeitsbedingungen und Schädigungen der Umwelt hergestellt werden. Sie wissen, wie wichtig es ist, sich darum zu kümmern und dass sich nichts ändern wird, wenn nicht wir unser Verhalten ändern. Allerdings: ist das dann auch beim Einkauf immer präsent oder greift man da nicht lieber doch zu etwas, was gerade herumsteht?


(kerstin döweler im gespräch mit thomas fuhlrott)

K: In dem Zusammenhang habe ich übrigens auch schon oft den Satz gehört: »Nachhaltige, gute Produkte muss man sich erst mal leisten können.«

T: Das kenne ich. Ich denke aber, dass es gerade hier bei uns für viele kein Problem wäre. Es hat nur mit Umdenken und einfachen Verhaltensänderungen zu tun. Warum eigentlich nicht lieber gesünder, besser und besser ausgewählt statt den Drang zu großen Mengen billig produzierter Ware in oft fragwürdiger Qualität? »Billig produziert« ja auch zu hinterfragen. Oft bedeutet es, dass dadurch soziale und ökologische Schäden verursacht werden, die sich nicht direkt im Preis der Ware niederschlagen. Die Eindämmung dieser Schäden kostet aber mittel-bis langfristig enorme Summen, die auf die Allgemeinheit umgelegt werden. D.h., wir tragen sie alle. Damit stellt sich doch die Frage des »das muss man sich erst mal leisten können« in einem ganz anderen Kontext.

K: In diesem Zusammenhang, ich mache bei unserem Projekt »kreativ bewegen« gerade selbst die Erfahrung einer Umstellung auf andere, gesündere und bessere Lebensmittel. Man bemerkt tatsächlich schnell, dass man anders einkaufen muss. Wenn man den Einkauf aber richtig zusammenstellt und überlegt, was man sonst immer gekauft hat, aber eigentlich gar nicht braucht, muss es nicht unbedingt teurer werden. Und wenn es etwas teurer ist, hat man bei richtiger Auswahl auch den besseren Geschmack. Das ist ja auch wichtig.

(Ende Teil 2. Fortsetzung folgt.)

zu Teil 1

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