schöner, erhaltend, erweiternd_teil 1

07. Oktober 2011 von Kerstin

(thomas Fuhlrott_ zait | kerstin döweler _inspiration lounge)

Als wir im April Thomas Fuhlrott, den Gründer des Unternehmens zait interviewten, stellten wir fest, dass wir mit ihm in vielen Punkten unserer Haltung über notwendigen ökonomischen und kulturellen Wandel übereinstimmen. Wir trafen auf einen Menschen, der dem Bereich Ökonomie, speziell dem Handel, mit seinen Ideen, Konzepten und Wegen zahlreiche neue Impulse gibt. Wir sind der Auffassung, dass diese Impulse wesentliche Grundlagen für positive Entwicklungen und Veränderungen unternehmerischer Denk- und Vorgehensweisen sind und noch mehr wahrgenommen werden müssen. Im Rahmen der Inspiration Lounge werden wir sie daher ab heute unter dem Aspekt schöner, erhaltend, erweiternd eingehender beleuchten.

In unserem ersten Gespräch sprach Thomas Fuhlrott davon, dass ihn Gedanken und Äußerungen von John Ruskin bei der Gründung von zait wesentlich beeinflussten. Darüber wollen wir heute mehr erfahren:

K: Thomas, erzähl doch mal genauer über John Ruskin und wodurch er Euch bei zait beeinflusst hat.

T: John Ruskin war ein englischer Schriftsteller, Kunsthistoriker und Sozialreformer. Er wurde 1819 geboren und hat damit die Industrialisierung in England als Zeitgenosse erlebt. Durch seine Beobachtungen kam er schon früh dazu, Fehlentwicklungen aufzuzeigen, mit denen wir uns heute nicht nur immer noch beschäftigen, sondern teils auch denken, es handele sich vorwiegend um zeitgenössische Probleme. Dazu gehört die zunehmende Zerstörung von Natur durch den Menschen. Auch die rein utilitaristische Ausrichtung einer Wirtschaftspolitik, die fördert, was dem Profit dient, während sie immer größere soziale Ungleichheiten entstehen lässt.

Ruskin hat sich genauso auch Gedanken über einzelne Aspekte von Wirtschaft und unternehmerischem Handeln gemacht. Bei der Gründung von zait hat uns beispielsweise beeinflusst, was er über die Qualität von Produkten dachte: »Ein Produkt ist nur dann gut, wenn es die Welt schöner macht, wenn es sie erhält und erweitert. Es ist nicht allein deshalb gut, weil es sich gut verkauft.«

K: Man merkt, wie aktuell das ist. Heute wird ja sehr oft »gut« mit »verkauft sich gut« gleichgesetzt. Und wenn doch Zweifel an der Qualität einer Sache vorliegen, kommt gerne einer meiner Lieblingssätze: »aber der Erfolg gibt ihr/ihm recht.«

(thomas fuhlrott)

K: Wie habt Ihr denn diese Werte »schöner, erhaltend und erweiternd« bei zait umgesetzt?

T: Das beginnt mit der Qualität der Olivenöle, die wir permanent kontrollieren lassen. Die Bezeichnung nativ extra ist zunächst mal nur ein Mindeststandard, den Olivenöle bei uns auf dem deutschen Markt erfüllen müssen. Das wissen viele Menschen nicht. Wir dagegen arbeiten nur mit erstklassigen Olivenölproduzenten aus Italien, Spanien, Griechenland und Portugal. Jedes Jahr sind wir dort vor Ort. Wir lassen die für uns produzierten Öle permanent von unabhängigen Laboren analysieren. Sollte die Qualität einmal nicht unseren hohen Anforderungen entsprechen, nehmen wir das Öl dieser Ernte aus dem Programm. Und: wir machen die Analysen transparent. Jeder Kunde bei zait weiß daher genau, was er kauft. So machen wir hier gesunde Olivenöle in Qualität und Geschmack zugänglich, wie sie in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern sehr selten sind. Damit setzen wir uns gleichzeitig dafür ein, dass unsere Produzenten ihre besondere Qualität weiter herstellen können. Dass sie auch künftig ökologisch sinnvoll anbauen können und dass solche Olivenhaine in ihren Ursprungsländern erhalten bleiben. Im Rahmen unserer Olivenölfeste bringen wir unsere Produzenten außerdem mit unseren Kunden und vielen interessierten Menschen hier vor Ort zusammen. So stellen wir Austausch her, der auch wieder Transparenz schafft und den wir bei unseren Festen immer auch mit Kunst, Musik und gemeinsamen Essen verbinden. Es geht schließlich um Kreativität, Qualität und Lebensfreude insgesamt. »Schöner, erhaltend und erweiternd« gilt für uns darüber hinaus in Bezug auf sämtliche unternehmerische Aspekte. Wir wollen auf allen Ebenen andere Wege zeigen als diejenigen, in denen Wirtschaft heute gemeinhin gedacht wird.

(Ende Teil 1. Fortsetzung folgt)

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