M120 – Moganshan re-used!
13. Juli 2010 von Chris
(click the pix)
Von unserer Interviewpartnerin Susanne Junker aus Shanghai erreichte uns folgender Beitrag über das Projekt M120 – Moganshan re-used!, bei dem sie auch selbst dabei ist. Es wird am 18. Juli 2010 beginnen.
M120 – Moganshan re-used!, ‘莫干山路120再创造!,
120 Moganshan Road, Shanghai, China. Gleich neben dem Galerieviertel in Shanghai, dem so genanten M50 auf der 50 Moganshan Road, befindet sich heute eine Abrissstelle. Vor gut 10 Jahren waren Künstler und die ersten Galerien in eine alte Textilfabrik auf die 50 Moganshan Road gezogen. Der Komplex war jahrelang vom Abriss bedroht, während sich in nächster Nachbarschaft Hochhäuser in die Höhe schraubten. Über die Jahre entwickelte sich dann in der 50 Moganshan Road eine Kunstoase, die schließlich immer kommerzieller wurde und dadurch ihr Bestehen sichern konnte.
Doch die modernen Wohnblocks, die Künstler und Galerien hatten noch andere Nachbarn – die Bewohner der Hausnummer 120. Ein typisches chinesisches Viertel, genauso wie wir es uns im Westen vorstellen. Kleine Reihenhäuser schlängelten sich zwischen den engen Gassen. Die Wäsche spannte sich über einem, und vor dem Hauseingängen wurde gekocht. Die Bewohner lebten in diesem Bereich viele Jahrzehnte. Auch noch, als das M50 schon etabliert war, mitsamt seinen Cafés, Kunstbuchläden und den dazu gehörenden westlichen Kunstliebhabern.
Nun ist es vorbei. 120 Moganshan Road ist platt gewalzt worden. Die meisten Leute sind gegangen. Vereinzelt sieht man Graffitis: “Ha ha! Wir sind noch hier!” In den Ruinen liegen einzelne Schuhe, man erkennt noch Tapetenmuster. Ein Alltagsbild in Shanghai.
Der deutsche Künstler und Initiator der Galerie Eigenheim in Weimar, Konstantin Bayer, kannte dieses Viertel nur zu gut. In einem Abschnitt seines Auslandstudienjahres arbeitete er dort 2008 und kuratierte einen ansässigen kleinen Ausstellungsraum, das “Island 6 Shack”. Dort gab es einen stetigen Dialog zwischen Tradition, Moderne, Kunst, Ost und West. Doch da, wo dieser Austausch stattfand, klafft nun ein Loch.
Nach zwei Jahren traf Konstantin Bayer jetzt einige der restlichen Bewohner wieder. Die schon 2008 vorhandene, gegenseitige Sympathie besteht nach wie vor. In gewohnter Manier, Kunst im alltäglichen Lebensraum entstehen zu lassen, plant Konstantin nun ein 24 Stunden Kunstprojekt auf dem Areal, bei dem auch große Galerien mit dabei sein werden. 2000 m2 braches Abrissland sollen wieder belebt werden, um Platz für Kunst zu schaffen und auf den rasanten Wandel in China aufmerksam zu machen. Die Abrissstelle wird als Gegenpart zum glitzernden Shanghai, zum brandneuen EXPO-Viertel und zahllosen geputzten Fassaden in den Blickpunkt treten.
Zunehmend wird in Shanghai von Kunst und Künstlern die Identifizierung mit der aktuell fortschreitenden Stadtentwicklung erwartet. Gerade Künstler und Kreative ziehen dabei jedoch oft den Kürzeren, denn Arbeitsraum wird einfach zerstört oder unbezahlbar. “M120 – Moganshan re-used!” ist ein Beispiel des positiven Austausches zwischen Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt, den Kunst auf den Weg bringen kann. Es ist auch ein Gedanke an die vielen Schaffenden der näheren Zukunft. Bevor alles weg ist. Bevor alles einheitlich ist.
Schaut genau hin! Kunst braucht keine weißen Wände!





peter kowalsky (mitbegründer von bionade)
oliver matter (inhaber der matter-luginbühl ag)
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manuel odendahl (ruin&wesen)
Das es auch in Shanghai solche Projkete gibt hätte ich nicht gedacht, bei diesem politischen Druck, von dem man immer hört. Ich drücke allen dort die Daumen, dass es klappt und möglichst viele Menschen darauf hinweist, was die Bosse aus Wirtschaft und Politik im Namen der Modernisierung, Technisierung und dem geheuchelten Wohlstand für alle aus unserer Welt machen. Lasst euch nicht unterkriegen.
[...] brachten wir an dieser Stelle einen Beitrag von Susanne Junker über die Planung für das Projekt M120-Moganshan re-used in [...]