kreativ unternehmen_Teil 1

16. Februar 2012 von Kerstin

(thomas fuhlrott, zait_neue olivenöle)

Mit Thomas Fuhlrott, dem Gründer von zait, sprachen wir bereits über seine Auffassung von Produktqualität und haben erfahren, inwiefern für ihn bei der Entwicklung des Konzepts von zait auch Gedanken des Sozialreformers John Ruskin wesentlich waren. Nach vielen Fakten über Qualität und Haltung fanden wir, jetzt ist die Zeit, einmal ganz zum Anfang zu gehen. Wir haben Thomas Fuhlrott deshalb gefragt, warum er vor über zehn Jahren beschloss, das Konzept von zait zu entwickeln, durch dessen Umsetzung in die Tat er zum Entrepreneur wurde.

K: Thomas, wie war das damals? Wolltest Du schon lange vorher in diese Richtung gehen?

T: Ich hatte nicht schon ganz lange Zeit den Gedanken, ein Unternehmen zu gründen. Das hängt damit zusammen, dass man nicht einfach so plant, Entrepreneur zu werden, wie man vielleicht planen würde, später einmal Anwalt oder Angestellter zu sein. Eine Gründung, wie unsere bei zait, hängt unmittelbar mit der Tatsache zusammen, eine eigene Geschäftsidee zu haben und diese in die Realität bringen zu wollen. Wer keine Idee hat, kommt gar nicht auf den Gedanken einer Gründung. Wozu auch? Es braucht schon eine Art Initialzündung, um Entrepreneur zu werden. Und sicher kommt ein grundlegendes Interesse dazu, selbstständig zu arbeiten.

K: Allerdings gibt es auch genügend Menschen, die sich viele Jahre vornehmen, ein Unternehmen aufzubauen. Sie schauen sich genau den Markt an und gründen dann im Stil von etwas, das es bereits gibt. Anders gesagt, sie kopieren es auf ihre Art mit mehr oder weniger Erfolg.

T: Ja, das gibt es natürlich, aber das hätte uns gelangweilt, und mir hätte dazu auch der Antrieb gefehlt. Der wesentliche Unterschied bei dem Thema Entrepreneurship ist eben: man bringt tatsächlich eine neue Idee, ein neues Konzept sowie andere Sicht- und Vorgehensweisen in die Welt. Man bricht auf, um zu sehen, ob eine bestimmte Sache, und bei uns ist das der Handel mit Olivenöl, anders funktionieren kann und damit gegenüber der bestehenden Situation neue Potenziale aufzeigt. Das ist eine völlig andere Motivation als beispielsweise etwas, das bereits da ist, einfach nur etwas günstiger oder ein bisschen besser anbieten zu wollen. Etwa so, wie in den bekannten Waschmittelwerbungen, in denen die Firmen seit Jahrzehnten behaupten, sie hätten ihr Produkt jetzt noch besser gemacht. Unter uns: wie unglaublich gut müssten diese Produkte heute sein? Außerdem ändert dieser Weg kaum etwas bis gar nichts an den konventionellen Vorgehensweisen. Wir wollten dagegen von Anfang an neue Impulse setzen.

Die Situation gestaltete sich folgendermaßen: durch eine veröffentlichte Studie der EU erfuhren wir, dass Olivenöl das meist gepanschte und verfälschte Lebensmittel im EU-Raum ist. Das und natürlich die Tatsache, dass wir selbst Olivenölfans sind, hat uns dazu motiviert, uns in den Mittelmeerländern ein eigenes Bild zu machen. Wir sind dabei auf sehr qualitätsorientierte Ölproduzenten getroffen, die unter den damaligen Bedingungen selbst keine Möglichkeiten sahen, ihre Produkte erfolgreich auf den deutschen Markt zu bringen. Hinzu kam, dass wir immer mehr bemerkten, wie wenig die EU durch ihre handelspolitischen Entscheidungen auf eine bessere Ölqualität hinwirkt. Sie tut bis heute meist das Gegenteil und verhilft damit entsprechenden Interessengruppen zu Vorteilen. Wie du dir wahrscheinlich denken kannst, profitieren wir als Verbraucher nicht davon.

Diese Aspekte waren damals unsere Initialzündung. Unser Antrieb war und ist, an dieser Situation etwas zu ändern, und das wäre nicht möglich gewesen, wenn wir die bis dahin bestehenden Wege genauso wie alle anderen gegangen wären. Unser Anspruch, eine andere Art, Olivenöl zu handeln erfolgreich in die Welt zu bringen, erforderte in jedem Bereich neue Ideen und Vorgehensweisen. Entwicklung und Umsetzung waren deshalb echte Herausforderungen, und auch heute ist es immer wieder spannend, unser Konzept noch weiter voranzubringen.

K: War Dir während der Entwicklung und Gründung von zait bewusst, dass Du als Entrepreneur agierst? Ich frage auch deshalb, weil viele Menschen die Begriffe Entrepreneur und Unternehmer völlig gleichsetzen.

T: Mir war bewusst: die Figur des Entrepreneurs steht für neue Ideen, Eigenverantwortung und innovative Handlungsweisen, die den ökonomischen Bereich, und nicht allein diesen, verändern und voranbringen. Genau das wollte ich. Unternehmer ist der allgemeine Begriff. Um Unternehmer zu sein, muss man nicht zwingend neue Impulse setzen wollen. Die Wörter Unternehmer und Manager sind allerdings deutlich mehr in unserem Sprachschatz verankert, vor allem in gedanklicher Verbindung mit dem Begriff Business Administration. So denken viele Leute, eine erfolgreiche Unternehmensgründung sei kaum möglich ohne einen Studienabschluss in diesem Fach. Dabei liefert Business Administration, wie das Wort schon sagt, vor allem das »Handwerkszeug« zur Verwaltung eines Unternehmens und sagt allein noch nichts über das Vorliegen einer zündenden und innovativen Idee. Zuviel Ausrichtung an konventionellen betriebswirtschaftlichen Denk- und Vorgehensweisen kann bei der Ideen- und Konzeptentwicklung sogar hinderlich sein, wenn es vom Querdenken abhält. Das hat beispielsweise Anita Roddick, die Gründerin von The Body-Shop, in ihrem Zitat zum Ausdruck gebracht: »Hätte ich Business Administration studiert, ich hätte das Unternehmen niemals gegründet.«

Ende Interview Teil 1.

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