kreativ bewegen: gibt’s da auch einen bestimmten Plan?
01. Dezember 2011 von KerstinAuf unser letztes Interview mit Felix über Ernährung gab es viel Resonanz, in der immer wieder der Aspekt Zeit auftauchte bzw. die Aussage, keine oder nur wenig Zeit für eine gesündere Ernährungsweise zu haben. Inzwischen sind wir mehrmals gefragt worden, ob wir einen Bewegungs- und Ernährungsplan mit festen Zeitstrukturen und Vorgaben hätten. Das war der Moment, in dem wir uns entschlossen, die Frage an Felix weiter zu geben:
K: Felix, wie sieht das bei Dir bzw. bei Outdoor Gym aus, gebt Ihr den Leuten einen bestimmten Plan, was sie essen sollen, wie sie sich bewegen müssen und wann sie was tun sollen?
F: Nein, wir geben keinen festen Tagesablauf oder Ernährungsplan vor. Ich halte nichts von dem Gedanken eines für alle gültigen Plans. Natürlich gibt es feste Zeiten, in denen unser Outdoor Gym-Training statt findet, das ist eine notwendige Frage von Organisation. Ich halte mich aber nicht dafür zuständig, jedem Outdoor Gym-Mitglied zu sagen, wann was zu tun und was zu essen ist. Ich bin vielmehr dafür da, den Menschen Angebote zu machen, auf welchen Wegen sie ihre Gesundheit erhalten uns stärken, wie sie in Balance mit sich, anderen und der Natur zu mehr Wohlbefinden gelangen können, wie sie durch gemeinsame Aktivität mit anderen an der frischen Luft und durch persönlichen, direkten Kontakt neue Perspektiven gewinnen. Gehen müssen die Menschen ihre Wege selbst, aus sich heraus und nicht, weil ich ihnen sozusagen Handschellen durch bestimmte Pläne anlege.
K: D.h. also beispielsweise, dass ich selbst entscheiden muss, ob ich Deine Angebot annehme und mehr Bewegung bzw. anderes Essen in meinen Alltag integriere oder ob ich es lasse?
(Felix Klemme, Gründer Outdoor Gym)
F: Genau, und das Annehmen kann wie bei Euch vor einiger Zeit aus reiner Neugier erfolgen. Ihr wolltet einfach sehen, ob sich Dinge positiv für euch ändern, ob ihr Lebensqualität gewinnt. Ich habe euch einige Übungen gezeigt, einige Ernährungstipps weitergegeben. Erst einmal nur kleine Anregungen, aber ihr seid darüber zum Nachdenken gekommen und habt einige wesentliche Körperabläufe besser verstanden. Vielleicht hattet ihr auch einen tieferen Blick auf eure bisherigen Verhaltensweisen und ihre Auswirkungen. Die folgende Umstellung eures Tagesablaufs habt dann ihr nach euren Anforderungen vorgenommen, und so sollte es auch sein. Ich halte nichts davon, zu sagen: deine Verhaltensweisen sind falsch, lass das und lebe nur noch genau nach diesem Plan. Gehen wir davon aus, viele Menschen haben wir ihr einen Tagesablauf mit langem Aufenthalt in Räumen und im Sitzen, weil solches Verhalten eben der heutigen Konvention entspricht. Käme ich jetzt mit einem Plan für alle, ich würde die Konvention nur durch eine neue Konvention ersetzen. Es geht aber darum, dass jeder durch mehr Wissen und Motivation den besten Weg für sich selbst findet. Es ist schließlich deine Zeit und dein Leben.
K: Das ist eine Herausforderung, denn man muss ja die eigenen Abläufe überdenken und ändern.
F: Ja, es ist immer wieder interessant festzustellen, wie schwierig dieser Vorgang fällt. Es geht eben darum, Gewohnheiten, die man meist jahrelang kennt, aufzugeben. Das scheint zu sein, als ob man etwas verliert, was man innehat, an was man glaubt und festhält. Wir sind unglaublich gefangen in Gewohnheiten. Erst recht, wenn wir sie aufgeben sollen, um etwas Neuem Raum zu geben, das wir noch nicht kennen. Die Gewohnheit ist sicher, Neuland dagegen noch nicht. Trotzdem oder gerade deshalb ist es gut, aufzubrechen und Neues auszuprobieren, insbesondere wenn wir dadurch letztlich mehr Lebensqualität erreichen können.
Um das zu unterstreichen, ist es uns bei Outdoor Gym nicht nur wichtig, tieferes Verständnis über körperliche Zusammenhänge zu geben und Möglichkeiten aufzuzeigen, mehr Gespür für den eigenen Körper und seine Bedürfnisse zu erhalten. Ganz ausschlaggebend ist vor allem auch der Faktor Spaß.
Natürlich ist ein Outdoor Gym Training körperliche Anstrengung, doch durch die gemeinsame Aktivität und gegenseitiges Weiterbringen entsteht eine besondere, lockere Atmosphäre, die einfach Freude macht. Das bringt echte Motivation, während feste Pläne einfach ein Zwang sind. Und Zwang schafft eben keine echte Motivation, die du brauchst, um Dinge wirklich dauerhaft zu verändern und zu verbessern.


dr. george berbari (hirnforscher und psychiater)
thomas fuhlrott (gründer von zait)
emmanuel walderdorff
(emmanuel walderdorff galerie)
peter kowalsky (mitbegründer von bionade)
stefan sander (weingut sander)
oliver matter (inhaber der matter-luginbühl ag)
robert schrem (gründer von fluegel.tv)
jochen distelmeyer (musiker)
yung chin, nyc (bogenbauer)
Mir hat ein genauer Plan bezüglich Ernährung und mehr Bewegung sehr dabei geholfen, Gewicht zu verlieren und insgesamt gesünder zu leben. Ich würde daher nicht generell von einem exakten Plan abraten. Allerdings stimme ich zu, was Wille und Motivation angeht. Die Freude darüber, dass ich ziemlich rasch kleine Erfolge gesehen habe hat mich sehr motiviert bei der Sache zu bleiben. Außerdem hat mich mein Freundeskreis sehr unterstützt. Die Hilfe anderer und teils auch Gleichgesinnter mit ähnlichen Problemem hat mich auf alle Fälle weitergebracht und hilft mir auch heute.
Wichtig finde ich in dem Zusammenhang,dass Änderungen von persönlichen Gewohnheiten wirklich ganz schön schwer sind. Ich kann mir vorstellen, dass ich gerade am Anfang auch viel Hilfe durch eine festen Plan hätte. Wenn man dadurch ein bisschen gelernt hat und einen Weg gesehen hat, dass es auch anders geht als man es kennt,kann man danach bestimmt auch besser allein klarkommen. Es sind ja auch nicht alle auf Dauer Gruppenmenschen, die sich zusammen motivieren.
Sieht ein bisschen aus, als wolltest du gleich über die Parkbank springen. Hoffe sehr, das ist nicht eine der Übungen, die du mir demnächst zeigen wolltest:)
es war eher die aufstehhilfe nach der letzten kniebeugung
Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen nach einem “Plan” suchen und wie notwendig dieser für viele erscheint. Was genau versteht Ihr eigentlich unter diesem “Plan”? Was erwartet Ihr von dem “Plan”? Was ist dann der “exakte Plan”? Und viel wichtiger: Ist der “exakte Plan” einzuhalten? Ist dieser Alltagstauglich?
In einem Vortrag zur Krebsnachsorge und Intervention erklärte ein Refrent, wie Bewegung und auch Ernährung einen positiven Einfluss auf den Verlauf nehmen kann. Die Frage, die gestellt wurde (von einem Mediziner) war: “Wie lange muss man denn diese Bewegung und Nahrungsintervention aufrecht erhalten?”.
Was denkt Ihr?
Was bedeutet “Änderung”?
Was ist der “Plan”?