Interview mit Gabriele Paulussen-Becker

07. April 2011 von Chris

(click the pix six behind)

Im Projektraum Sprungturm präsentiert Gabriele-Paulussen-Becker ab nächsten Samstag ihre Modekollektion. Mitten in den letzten Vorbereitungsarbeiten hat sie sich Zeit für ein Interview mit uns genommen.

Chris: »Hallo Gabriele, ab Samstag geht es im Sprungturm los. Jetzt wollen wir natürlich mehr über die Entwicklung deiner Kollektion wissen.«

Kerstin: »Moment, Moment, mich interessiert zuerst einmal ganz der Anfang. Wie bist Du zur Mode, zum Entwerfen und Schneidern gekommen?«

Gabriele: »Das fing ganz früh an. Schon in der Schule hatte ich das Gefühl, dass es die Kleider, die ich tragen wollte, nirgends gab. Der logische Schluss war, sie selbst machen zu wollen, und dazu musste ich nähen lernen. Nach dem Abitur habe ich eine Schneiderlehre gemacht, die eigentlich so schrecklich war wie all diese Klischees, die man oft hört. Ich schloss eine Ausbildung zur Schnitt-Directrice in Düsseldorf an, habe dabei aber schnell gemerkt, dass es das für mich nicht ist. Ich wollte nicht nur Entwerfen, ich wollte auch ausprobieren, ob die Entwürfe so wie gedacht funktionieren. Überhaupt bin ich sehr praxisorientiert und möchte alle Abläufe am liebsten komplett in der Hand haben. Nach meiner Gesellenzeit habe ich deshalb die Meisterprüfung gemacht und dann begonnen, selbstständig zu arbeiten. Bis heute habe ich hauptsächlich Maßanfertigungen erstellt.«

Chris: »Dann kommen wir jetzt zu Deiner Kollektion.«

Gabriele: »Ich wollte schon lange an einer Kollektion arbeiten. Da es mir wichtig war, vom Entwerfen über die Stoffauswahl bis zum Nähen alles selbst zu machen, fehlte mir einfach die Zeit. Erst jetzt konnte ich sie mir nehmen. Weil wir den Sprungturm machen, ist natürlich auch ein schöner Anlass da, die Kollektion zu zeigen.«

Chris: »Warst du nach vielen Maßanfertigungen neugierig zu erfahren, wie es ist, eine komplette Kollektion zu entwickeln und zu fertigen?«

Gabriele: »Neugierde ist sicherlich dabei. Natürlich habe ich während der Entwicklung viele Fragen lösen müssen, die sich zuvor nicht stellten. Das begann schon mit den Entwürfen und der Stoffauswahl. Es ist etwas ganz anderes, ob ich ein Einzelstück anfertige oder mich beispielsweise frage, wie viel Stoff ich für ein Kollektionsmodell vorhalten muss oder wie viele Stücke ich in einzelnen Größen schon für den Start fertige. Kreative Fragen mischen sich sehr mit Fragen der Produktion. Es ist vieles zu bedenken und, wie gesagt, ich mache alles alleine, d.h. ich muss meine Arbeit anders einteilen. Andererseits kommen mir solche pragmatischen Dinge auch entgegen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie sich die Kollektion und damit meine Arbeit weiterentwickeln werden.«

Kerstin: »Jetzt mal direkt zu den einzelnen Teilen deiner Kollektion, die mich beim Betrachten direkt an Sommerwetter, St. Tropez, gute Laune, ein Apéritif nach dem Strandtag und ein bisschen auch an Brigitte Bardot erinnern. Wie kamst du auf die Ideen?«

Gabriele: »Wie so oft sind viele Ideen während des Machens entstanden. Eine Anfangsidee ändert sich ja während der Realisierung meistens, was auch gerade das Spannende an der Umsetzung ist – dieses Ausprobieren, ob und wie etwas funktioniert.

Weil du gerade St. Tropez und Brigitte Bardot sagtest: ich mag die Mode aus der dazu passenden Zeit, weil sie feminin ist, schön für die weibliche Figur, Eleganz und gleichzeitig auch eine bestimmte Leichtigkeit hat. Das war mir für die Kollektion wichtig. Röcke und Kleider mag ich sehr gerne, leichte, florale Stoffe oder eben Marinestil, und ich finde schade, dass schöne, elegantere Kleidung heute oft nur zu besonderen Anlässen getragen wird, während viele im Alltag meist zur heute üblichen Unisex-Freizeitkleidung greifen. Früher wollte man einfach immer und möglichst mit persönlicher Note gut angezogen sein. Diese Haltung schätze ich, wie übrigens auch den Begriff ladylike. Ich habe die Teile meiner Kollektion so gestaltet, dass man sie im Alltag genauso tragen kann wie zu einem besonderen Anlass und dabei immer gut gekleidet ist. Ich lege sehr Wert auf kleine, individuelle Details, wie beispielsweise Träger oder Borten, die aus anderen, zum Oberteil oder Rock farblich passenden Stoffen gefertigt sind und dadurch eine besondere Optik geben. Das lässt sich auch individuell variieren.«

Kerstin: »Du sprachst gerade von der Kleidung für spezielle Anlässe und der alltäglichen Sport/Freizeitkleidung. Ist es nicht so, dass tatsächlich eine große Lücke zwischen teurer Designer-Kleidung, klassischer Businesskleidung und dem klafft, was viele von uns täglich tragen? Ich finde, da fehlt etwas zwischen teuren Design-Outfits, Kostüm und dunklem Hosenanzug einerseits oder Rock aus dem Kaufhaus, Jeans und T-Shirt andererseits? Das klingt doch nach Raum für neue Entwicklungen.«

Gabriele: »Das denke ich auch. Deshalb ist mir diese Verbindung von Stil, individuellen Details, Eleganz und Ungezwungenheit wichtig. Es ist schade, dass heute viele letztlich uniformiert herumlaufen, und mit Uniform meine ich nicht nur Jeans und T-Shirt, sondern auch Designer-Kleider, die für viel Geld und doch in Mengen verkauft werden. Ein Prada-Schild ändert daran nichts.«

Chris: »Eine Zweiteilung mit Lücke gibt es doch auch bezüglich der Präsentation von Mode. Gestylte Designboutiquen oder größere, recht unpersönliche Läden.«

Gabriele: »Auch da habe ich meinen eigenen Weg. Ich könnte cool wie mancher Designer auftreten, aber das wäre gar nicht ich. Ich spreche gerne persönlich mit Interessentinnen und mag diesen Austausch. Und der Sprungturm ist ja auch ein spezieller Ort.«

Kerstin: »Das stimmt, so mitten in der Stadt und doch besonders für diejenigen, die neugierig sind, vom Hauptweg auch in die Seitenstraße abzubiegen. Gabriele, vielen Dank für das Interview. Ich freue mich schon auf Samstag.«

PAULUSSEN, Eröffnung am 09.04.2011, 11-19 Uhr im Sprungturm

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