Gordon Chandler – eine Liebesbeziehung

09. April 2010 von Kerstin

gordon chandler, #2139, 191 x 170 x 18 cm(click the pix) Dieser Gastautorenbeitrag von Susanne Junker erreichte uns aus Shanghai, wo im experimental art space stageBack gerade die Soloausstellung »wear objects – getragene Objekte« des Künstlers Gordon Chandler stattfindet.

Ölfässer sind Maultiere die eine schlierende, stinkende Substanz transportieren. Kimonos sind Zauberhaftigkeiten, die Frauenkörper einhüllen. Doch eigentlich sind Ölfässer Kimonos. Das ist ganz normal. Eine Realität, die viele Menschen mit ihren eigenen Augen nicht erfassen können. Doch als Sehhilfe gibt es Künstler in unserer Welt.

In der Manier von Origami beginnt für Gordon Chandler der Prozess der Wiedergeburt eines Ölfasses zum Kimono. Zuerst wird geschnitten, und das Metall biegt er mit der bloßen Hand. Man könnte auch sagen, er faltet es und »näht« aus der harten Masse eine Robe. Diese ist der Inbegriff von Seide und Zartheit, Weichheit, Tugend und Mysteriösem. All dies vereint sich für einen in Chandlers Kimonos auf den ersten unwissenden Blick, denkend, sich vor einem Kleidungsstück zu befinden. Und es verharrt, trotz genauerer Betrachtung, wenn sich die Härte des Materials, im Zergehen durch Rost, zeigt. Das so genannte fließende Weibliche vereint sich mit dem so genannten steifen Männlichen und wird zu einem Objekt der Begierde, wie ein Liebhaber, der sich um weiche Schulten legt.

Die Duchamp’schen Zweige wachsen in viele Richtungen, auch in den US-Bundestaat Georgia und lassen Kimonos im Wind wehen. Dort wurde mir Gordon Chandler vorgestellt, wo er außerhalb von Atlanta lebt und arbeitet. Und nun, einige Jahre später, die Soloausstellung seiner »wear objects« – getragene Objekte« im stage候台BACK Shanghai. Sie hängen wie auf einem Kreuzgang in der Galerie. Somit hat sich mitten in China eines der westlichsten Symbole in die Falten der Kimonos gewoben.

Für Gordon Chandler ist es eine Liebesbeziehung, die ihn gefunden hat: durch seine Arbeit das Eigentliche zu zeigen. Das Schöne. Manchmal brauchen wir das!

Susanne Junker ist Kommunikationspartnerin der Inspiration Lounge.

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