Das Salz von Motoi Yamamoto

22. April 2010 von Chris

sankt peter, köln, m.yamamotoGestern trafen wir auf einen Künstler, der uns mit seiner Arbeit begeistert hat: Motoi Yamamoto. Im Rahmen der Art Cologne ist seine Einzelausstellung »Labyrinth« zu sehen.

Schon der Ausstellungsort ist außergewöhnlich. Im ausgeräumten Kirchenschiff von St. Peter stehe ich vor einer ca. 120 qm flächigen Salzskulptur. Ein feingezogenes Labyrinth sich filigran verästelnder Wege, der Abstand immer gleichbleibend, ein Ornament voller Schönheit und radikaler Schlichtheit.

Versteckt hinter einer Säule steht ein japanisches Filmteam. Kurze Zeit später interviewen sie den leise und sehr bedacht sprechenden Motoi Yamamoto, 44, geboren in Hiroshima. Sein Arbeitsmittel ist Salz. Salz, das in der japanischen Welt für innere Reinigung steht. Fasziniert hat mich an seinem Werk der enorme Arbeitsaufwand und das Wissen, dass das Labyrinth einfachen mechanischen Reizen ausgesetzt ist. Sobald ein Zuschauer daneben tritt, was tatsächlich auch passierte, ist sein Werk, zumindest teilweise, zerstört. Aber darum geht es meiner Ansicht. Der aktive Prozess des Machens, die Geduld und Präzision, mit der eine Handlung vollzogen wird. Die Erkenntnis, dass in diesem Machen auch immer Vergängliches liegt. Bei Ausstellungsende nimmt sich jeder Besucher ein wenig Salz mit und soll es, nach der Idee des Künstlers, wieder dem Meer zuführen.

Später erfuhren wir dann auch von den Problemen, mit denen Motoi Yamamoto während seiner 12 bis 15-stündigen Arbeitsphasen zu kämpfen hatte. Nach Tagen kniend, den Rücken mit Anti-Schmerzpflastern getaped, halfen ihm abends nur noch ein heißes Bad und ein Bier.

Schließlich hat er es geschafft. Das Ergebnis ist mehr als sehenswert.

Motoi Yamamotos blog.

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