Change the Game: Inspiration Lounge 2.0
22. August 2011 von KerstinÜber zwei Jahre sind wir inzwischen unterwegs und haben kreative Macher darüber befragt, was sie tun und was sie dabei antreibt. Die Interviewliste ist mit der Zeit so lang geworden, dass wir uns mit Überlegungen trugen, neue Schlagwörter und Suchkategorien einzuführen, das Layout neu zu machen, die Interviewliste zu überarbeiten und, und, und.
Es kam anders, denn uns fiel plötzlich ein Satz ein, der uns während der Interviews immer wieder begegnet ist: »Was treibt eigentlich euch beide voran?« Aus unserer Sicht war und ist es ganz logisch, dass es insbesondere der Austausch und die Zusammenarbeit mit interessanten, inspirierenden Leuten sind. Bei den Begriffen Austausch und Zusammenarbeit haben wir dann länger verweilt, was an zwei Fragen lag, die auf einmal da waren.
Die Erste: » wie wäre es, wenn wir den Austausch mit Menschen, die wir inspirierend finden, über die bisherige Interviewform der Inspiration Lounge hinaus deutlich intensivieren?«
Die Zweite: »Ist das dann nicht auch eine wunderbare Grundlage für mehr konkrete Zusammenarbeit in Projekten, die wiederum neue Blickwinkel, Erfahrungen und gebündeltes Know-how entstehen lassen?« Da war es soweit – aus Überlegungen über die Einführung von Schlagwörtern wurde unser Weg zur Weiterentwicklung der Inspiration Lounge.
Wir sind ihn nicht völlig alleine gegangen. Immer wieder haben uns Freunde ein Stück begleitet, haben mit ihren Sichtweisen für manche Erfrischung, und teils auch manche vorübergehende Verwirrung gesorgt. Nach einiger Zeit und out of the blue ereigneten sich dann zwei erstaunliche Inspirationsmomente, mit denen wir so nicht gerechnet hatten. Doch kleinen Moment:
Zunächst ein kurzer Einschub über ein Zitat, das ich vor ein paar Jahren las und seither mit mir herumtrage: Inspirationen und Ideen zur Änderung entstehen dann und dort, wo sie notwendig sind. Vielleicht kennt auch ihr die schöne Situation, wenn einem der Gehalt eines solchen Satzes auf einmal vor Augen geführt wird. Uns ist das jedenfalls passiert, und das in kurzem Abstand gleich zwei Mal.
Damit zurück zu den schon erwähnten Inspirationsmomenten: Es ist noch nicht lange her als Chris eine Mail bekam und daraufhin zu mir sagte: »Habe ich dir damals von Felix Klemme erzählt? Ich glaube, ich habe ihn vor zwei Jahren getroffen und er erzählte mit damals, dass er sich im Bereich Fitness selbstständig gemacht hat. Gerade hat er sich gemeldet.« Und um hier abzukürzen – aus einem Treffen im Café ist bis heute in nur kurzer Zeit ein Projekt geworden, das hier in der Inspiration Lounge und weit darüber hinaus seinen Platz finden wird.
Was daran erstaunlich ist? Nun, vor allem die Tatsache, dass Chris und ich, bisher keine Fitnessanhänger, auf einmal völlig inspiriert waren von dem Begriff Bewegen und den damit verbundenen Bedeutungsvariationen. Passend dazu fand ich in dem Buch, das ich gerade las, folgende Sätze. »Kick your ass and your brain will follow. Kick your brain and your ass will follow. Bewege dich, schau was passiert und mach was daraus.«
Nach Jahren der kreativen Arbeit am Schreibtisch, beim Filmschnitt, in Interviewsituationen am Tisch ist es tatsächlich Zeit für mehr ganz reale Action. Das sehe ich nicht nur in Bezug auf die Inspiration Lounge. Ich denke, in vielen Feldern könnte es neue Wege und Schwung brauchen. Allein ein Blick auf die täglichen Schlagzeilen und Themen reicht für diesen Eindruck aus. Zusätzlich starteten wir eine Frageaktion im Freundeskreis, die in persönlicher und insbesondere körperlicher Hinsicht Folgendes ergab: viel guter Wille, aber das Fleisch ist schwach. Bewegen – eher wenig. Uns war damit klar: Zeit, bekannte Muster zu verlassen: Change the Game.
Der zweite Inspirationsmoment nahm schon vor einigen Monaten seinen Anfang. Unser Interview mit dem Unternehmensgründer Thomas Fuhlrott ließ mich aufhorchen. Hier war jemand, den seine Ideen und die Freude, etwas Gutes zu entwickeln, dazu bewegt hatte, vermeintlich feststehende Regeln und Situationen im ökonomischen, und davon ausgehend auch im gesellschaftlichen, kulturellen Bereich zu hinterfragen und zu überarbeiten. Jemand, der neue, handfeste Möglichkeiten in vielen Belangen aufzeigt.
Neulich hörte ich dann davon, dass ein Berliner Künstler, engagiert gegen Gentrifizierung, folgenden Standpunkt vertritt: »Hört auf, kreativ zu sein. Es wird nur ausgenutzt, um Regionen für die üblichen Investoren aufzuhübschen.« Mir fiel unser eben erwähntes Interview ein und ich dachte, wie wichtig ich finde, dass gute Ideen, neue Sicht- und Vorgehensweisen nicht verschwinden, sondern im Gegenteil mehr und vor allem auch über klassische kreative Felder hinaus in anderen, in ökonomischen und gesellschaftlichen Bereichen Fuß fassen. Zu sehen, wer dort welche Ideen und Entwicklungen voranbringt, persönlichere, bessere, und nachhaltigere Wege aufzeigt und so wieder Impulse für andere Umgebungen entstehen lässt – das finde ich inspirierend und nicht aufhübschend, sondern notwendig. Letztlich ganz im Sinne des Einstein-Zitates, dass wir doch bitte nicht ernsthaft annehmen sollten, entstandene Probleme mit den Mitteln zu lösen, die diese Probleme erst verursacht haben.
Daher auch hier Change the Game. Für die Inspiration Lounge und uns heißt das konkret: mehr Projekte und Dokumentationen realisieren, mehr persönliche Blickwinkel, mehr Ideen, Wissen und Know-how auch aus diesen Gebieten.
Los geht’s.


emmanuel walderdorff
(emmanuel walderdorff galerie)
peter kowalsky (mitbegründer von bionade)
oliver matter (inhaber der matter-luginbühl ag)
dr. george berbari (hirnforscher und psychiater)
felix klemme (sportwissenschaftler und gründer von outdoor gym)
stefan sander (weingut sander)
yung chin, nyc (bogenbauer)
jochen distelmeyer (musiker)
prof. dr. harald welzer (soziologe und sozialpsychologe)