Category: Inspiration Lounge Interviews_2009 – 2011

Adrian Lacour_Interview

07. März 2013 von Chris

adrian lacour(adrian lacour_typograph und graphik designer)

»Ich denke, ich sehe, also bin ich.«

Adrian Lacour studierte an der AGS Basel, u.a. bei Emil Ruder und Armin Hofmann. Ab 1968 arbeitete er als Art Director in namhaften Werbeagenturen bevor er sich 1976 mit dem eigenen Atelier selbstständig machte. Als Graphik-Designer und Konzeptioner arbeitete er für zahlreiche Unternehmen und Verlage bei zeitgleicher Lehrtätigkeit u.a. an der Merz Akademie Stuttgart und der staatl. Akademie der bildenden Künste Weissenhof. Neben eigenen Publikationen im Bereich Graphik/Text, u.a. TYPETOWN, sowie Fotobüchern ist er in vielen anderen Publikationen vertreten, u.a. in Kurt Weidemanns Buch »Wo der Buchstabe das Wort führt«. Seine Arbeiten in den Bereichen Graphik, Zeichnung, Malerei, und Fotografie werden seit 1962 in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen national und international ausgestellt. Adrian Lacour ist Mitglied im Stuttgarter Künstlerbund e.V., im Forum Typografie und jazzt als Bassist in verschiedenen Gruppen.

Sein kreatives Schaffen ist nach eigener Aussage geprägt von Unruhe, verursacht durch Phantasie, andererseits beeinflusst durch den Willen zur Form. Während die Phantasie ihn immer wieder in neue Bereiche und dort zu schnellem, assoziativen Arbeiten bringt, wurde ihm das Einhalten vom Form schon als Kind beim Skispringen und später im Rahmen der Ausbildung an der AGS BAsel gelehrt.

»Die Phantasie ist die brutalste Braut.«

Get the Flash Player to see this player.

»Wenn du beim Skispingen nicht bestimmte Formen einhältst, haut es dich auf die Schnauze.«

Ausdruck fand der Wille zur Form dann besonders im Hinblick auf seine Arbeiten im Bereich Graphik/Typographie.

lacour-design.de

FacebookTwitterGoogle+

Interview mit Prof. Dr. Harald Welzer

22. Januar 2012 von Chris


(Prof. Dr. Harald Welzer im Gespräch mit Kerstin Döweler, le tapir)

»Ich verspreche mir die größten Veränderungen durch Veränderungen.«

Prof. Dr. Harald Welzer ist Soziologe und Sozialpsychologe. Als Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research in Essen leitet er zudem Teilprojekte des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Außerdem ist er Professor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke und Affiliated Member of Faculty am MARIAL-Center der Emory University (Atlanta/USA) und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Beiräte und Akademien.

Die Schwerpunkte seiner Forschung und Lehre sind Erinnerung, Gruppengewalt und kulturwissenschaftliche Klimafolgenforschung.

Lange wurden der Klimawandel und seine Folgen lediglich unter naturwissenschaftlichen Blickwinkeln betrachtet. Ausgehend von seiner eingehenden Forschung über Gruppengewalt, begann Prof. Dr. Welzer vor einigen Jahren, die Folgen des Klimawandels unter kulturwissenschaftlichen Aspekten zu erforschen. Ein Schwerpunktthema ist dabei die Entstehung von Gewaltkonflikten aufgrund sich ändernder Klimabedingungen.

YouTube Preview Image

Die kulturwissenschftliche Klimafolgenforschung beschäftigt sich daher mit Bereichen, die durch die zuvor rein naturwissenschaftliche Betrachtung des Klimawandels keine Beachtung fanden: die Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen, auf die kulturellen Strukturen.

Wie sehen diese Auswirkungen aus und wie kann der Einzelne agieren angesichts der bevorstehenden sowie bereits im Gange befindlichen Klimaverschiebungen und sozialen Umwälzungen? Wo liegen Möglichkeiten, positiv einzuwirken?

Das Interview führten wir in der Europäischen Akademie in Otzenhausen. Zeitgleich fand dort das von Klaus Wiegandt und Harald Welzer geleitete Kolloquium >Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung: Wie sieht die Welt von morgen aus? < statt, bei dem zahlreiche Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen, u.a. Kulturwissenschaft, Sozialpsychologie, Wirtschaftswissenschaft, Biochemie und Astrophysik, zusammentrafen.

Auswahl der Veröffentlichungen von Prof. Dr. Harald Welzer:

· »Opa war kein Nazi!« Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis.
· Täter.
Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden.
· »Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird«

· Zusammen mit Claus Leggewie »Das Ende der Welt, wie wir sie kannten«
· »Apo statt Kalypse«, Handeln in der Krise, (FAZ)

FacebookTwitterGoogle+

Interview mit Yung Chin

22. Januar 2012 von Chris


(Yung Chin, NYC)

Yung Chin ist ein international anerkannter Bogenbauer- und händler sowie einer der weltweit besten Bogenexperten. Er erstellt Expertisen betreffend antike Violinen- und Cellobogen.

Yung Chin studierte zunächst Violine in den USA, u.a. bei Louis Krasner, und begann dann auf Rat eines Professors den Bogenbau zu erlernen. »First I was more interested in violin making. But he told me: make bows. You’re better for bows. So, I followed his advice.«

Inzwischen fertigt Yung Chin seit ca. 30 Jahren hochwertige Bogen und erweitert dabei stetig seine Fertigkeiten und Erfahrung: »Actually I’m still learning. You never stop.«

Er arbeitet seit langer Zeit für die besten Geiger und Cellisten weltweit. D.h. er erstellt Bogen
in Handarbeit, die jeweils ganz genau auf die persönlichen Anforderungen der Musiker abgestimmt sind. Jeder Bogen ist daher einzigartig und Yung Chin hat seine besondere Vorgehensweise, um die speziellen Anforderungen für den einzelnen Bogen zu finden.

Seit inzwischen fast 30 Jahren reist er außerdem regelmäßig und insbesondere nach Europa, um antike Bogen, hauptsächlich aus Privatsammlungen, in Augenschein zu nehmen und so
sein Wissen und seine Erfahrung stetig zu erweitern. Man kann sich nur ungefähr vorstellen, wie viele Bogen man innerhalb all der Jahre begutachten bzw. wie viel Wissen man darüber sammeln kann. Yung Chin nennt es kurz: »You have to build up your own library.«

YouTube Preview Image
YouTube Preview Image

No matter what your field of study is, you got to have this kind of thirst. Interview 1
You have to learn the hand of the maker.
Interview 2

Seit einiger Zeit fertigt er zusätzlich Expertisen über die Echtheit antiker Bogen und profitiert dabei von seiner immensen Erfahrung im Bogenbau. Da Bogen auch als Geldanlage dienen und dieser Aspekt in den letzten Jahren auch für Sammler ohne professionellen musikalischen Hintergrund an Bedeutung gewinnt, ist die Arbeit von Yung Chin äußerst wichtig, um mehr Sicherheit bezüglich der Bogen und damit Investitionen zu gewährleisten sowie Fälschungen zu enttarnen.

Yung Chin lebt und arbeitet in New York City. In den letzten Jahren unterrichtete er
außerdem Bogenbau am Oberlin College.

Er engagiert sich für die International Pernambuco Conservation Initiative. Die Vereinigung arbeitet daran, Pernambucobäume an der Atlantikküste Brasiliens aufzuforsten und zu erhalten. Pernambucobäume wachsen nur in Brasilien. Ihr Holz wird u.a. für hochwertige Bogen verwendet. Die IPCI fördert bezüglich Erhaltung und Aufforstung u.a. Forschung und wissenschaftlichen Austausch. Ein ins Leben gerufenes Jugendorchester spielt mit aus Pernambuco gefertigten Bogen, um insbesondere in Brasilien selbst darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig das Holz als Natur- und Kulturgut ist.

Das Interview mit Yung Chin entstand während einer seiner Europareisen, im Rahmen seines Besuchs bei Andy Lim, Cellist und Verleger außergewöhnlicher Kunstbücher. Da man nicht oft die Gelegenheit bekommt, gleich zwei Experten im Gespräch zu haben, sind zwei Inspiration Lounge Videos entstanden:

Im ersten Interview schildert Yung Chin seinen Weg und seine Erfahrungen im Bogenbau. Das zweite Interview zeigt Yung Chin und Andy Lim zum Thema Vorgehensweisen in der Expertise.

Die im Video zu sehenden Bogen stammen von verschiedenen Bogenbauern.

In the last 25 years Yung Chin, a Chinese-American award winning bowmaker, has developed himself into one of the world’s foremost experts in rare bows of the violin family (violin, viola and cello). The bows from the beginning of the 19th century till ca. 1970 have reached today a tremendous investment value, so there is more need than ever for trustable and sincere experts. Beside the main established french experts Bernard Millant and Jean-François Raffin from Paris (France is the »motherland« of the bow in its final form as known today, as Italy is the »motherland« of the violin), and the younger generation like Yannick Le Canu from Lille and Sylvain Bigot from Lyon, Yung Chin from New York City can be seen as one of the very, very few american experts, whose integrety and expertise can be trusted.

As one of the founders of IPCI he also invests a considerable amount of time and energy in the protection and the afforestation of The Pernambuco Tree, from which the bows are made, needed to make any violin, viola or cello sound. Here we present Yung Chin, visiting Andy Lim and his bow collection in Cologne for the first, but certainly not the last time.

Inspiration Lounge Interview: Andy Lim

FacebookTwitterGoogle+

Inspiration Lounge Interview mit Peter Kowalsky

08. November 2011 von Chris


(Peter Kowalsky)

(interview: scroll down) »Weißt Du, wann Du eine gute Idee hast? Wenn alle das Lachen anfangen.«

Falls es tatsächlich noch jemanden geben sollte, der BIONADE nicht kennt oder noch nicht probiert hat:

»Die BIONADE GmbH ist ein junges, innovatives Familienunternehmen, das biologisch hergestellte, alkoholfreie Erfrischungsgetränke unter der Marke BIONADE vertreibt. BIONADE ist das weltweit einzigartige alkoholfreie Erfrischungsgetränk, das durch Fermentation nach dem Brauprinzip rein biologisch hergestellt wird.« (Auszug Homepage Bionade)

»In aller Munde« ist eine Bezeichnung, die seit Jahren gut zu BIONADE passt. Die Geschichte dahinter, die, wie könnte es anders sein, bereits aus so manchem Blickwinkel beleuchtet wurde, erzählt sich fast wie ein Märchen. Fast. Und genau deshalb finden wir, dass sie geradezu als Parabel für kreatives Entwickeln stehen kann. Sie beinhaltet sozusagen »plastisch« die Höhen und Tiefen kreativen Schaffens, die einfach jeder kennt, der sich mit Überzeugung an die Verwirklichung einer Idee macht.

Da ist die meist unumgängliche Tatsache, dass man mit seiner Idee anfangs alleine da steht und einem andere in dieser Situation nicht unbedingt Mut machen. Oder die Energie, die es kostet, trotzdem weiter zu arbeiten – die Durststrecken und handfesten Probleme, die zu überwinden sind. Wer kennt außerdem nicht die Frage, wo und wann nach dauernden Entwicklungsphasen endlich das Geld herkommt? Und überhaupt: was passiert, wenn sich tatsächlich der große Erfolg einstellt? Wie geht man damit um, wenn dich auf einmal jeder kennt und eigentlich schon immer an dich geglaubt hat?

Teil 1 des Interviews startet, logisch, mit den Anfängen von BIONADE. Peter Kowalsky erzählt über die Gründe für die Entwicklung, über die ersten Schritte, die Reaktionen des Umfelds und wie das ist, wenn man glaubt, man sei nach zehn Jahren am glücklichen Ende einer Entwicklung – die in Wahrheit gerade erst richtig begonnen hatte…

YouTube Preview Image

In Teil 2 des Interviews folgt, wieso man den Weg meist gerade dann findet, wenn man vermeintlich gar keine Möglichkeit hat und warum es ganz gut ist, dass anhaltender Erfolg nicht über Nacht kommt.

YouTube Preview Image

Wir haben uns in der Inspiration Lounge zur Aufgabe gemacht, die vielen Facetten kreativen Denkens und Handelns zu ergründen. Weil es uns außerdem wichtig ist, diese unmittelbar aus persönlichen Blickwinkeln darzustellen, haben wir Peter Kowalsky, den Mitbegründer von BIONADE, nach seinen Erfahrungen gefragt. Für die Inspiration Lounge hat er uns die Geschichte von BIONADE aus seiner Sicht geschildert:

Wie das war, mit einer guten Idee in der Rhön, mitten in den 80er Jahren – ohne Internet und virtuelle Social Networks, warum ein Laser eine besondere Rolle spielte und woran man überhaupt erkennt, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Unser Inspiration Lounge Interview trägt dann auch den Titel: »Weißt Du, wann Du eine gute Idee hast? Wenn alle das Lachen anfangen.«

FacebookTwitterGoogle+

Welcome to SPRUNGTURM

10. Januar 2011 von Chris


(Gabriele Paulussen-Becker + Boris Becker)

November 2011

PAULUSSEN_Herbst | Winter

Eröffnung am 05. November 2011 von 11:00 – 19:00 Uhr, , Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 16.00 Uhr

Oktober 2011

Heiner Blumenthal_open | close

Eröffnung am 26. Oktober 2011 um 18:00 h
Ausstellungsdauer: 26. Oktober – 29. Oktober  2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

Katalogpräsentation und Ausstellung
Heiner Blumenthal_open | close
erschienen im Salon Verlag Köln

September | Oktober 2011

Korkuniversum_Drucke & Skulpturen von Thino Grünwald

Eröffnung am 09. September 2011 um 18:00 h
Ausstellungsdauer: 09. September – 15. Oktober  2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

»Innerhalb dieser Kunst- und Kulturgeschichte nimmt das Schnitz-Werk von Thino Grünwald eine sehr eigene Position ein. Seit etwa 2008 hat er ein umfängliches Oeuvre kleinformatiger Korkskulpturen geschaffen, die allesamt auf Flaschenkorken, Sekt-, Champagner- und Weinkorken als Ausgangsmaterial basieren. Neben einer Reihe von Gegenständen mit Stillebencharakter, wie korkgeschnitzte Cowboyhüte und Stiefel, extrem filigran elongierte Highheels und Ähnlichem, lassen sich vor allem zwei wesentliche Themenkomplexe ausmachen. Zum einen eine Serie von Darstellungen männlicher und weiblicher Köpfe, im folgenden Portraitkorken genannt. Zum anderen leicht größerformatige, erotische Ganzkörperdarstellungen, in Einzelabbildungen oder szenisch eingebunden als Paare.« (Rafael von Uslar, 2011)


Juli | August 2011

Summer Group Show

Ausstellungsdauer: ab 26. Juli  2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

sprungturm zeigt Fotoarbeiten, Zeichnungen, Mode und Objekte aus den zurückliegenden Ausstellungsprojekten.

Juli 2011

20/50

Ausstellungsdauer: 01. Juli – 24. Juli 2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

Das Projekt 20/50, bei dem 11 Künstler jeweils ihr eigenes Buch erarbeitet haben, ist ein besonderes Beispiel geballter Motivation, Energie und Konsequenz in der Ideenrealisierung. Angeregt durch den Verleger Andy Lim, sollte jeder Künstler 20 Personen von einer eigenen Buchidee überzeugen und so 20 Sponsoren gewinnen, die sich mit je 50 Euro an den Kosten des konkreten Buchprojekts beteiligen. Ein ausgezeichneter Weg, um sich selbst zu fragen, wie wichtig einem eine Buchidee, ein bestimmtes Thema und last but not least: die eigene Tätigkeit eigentlich ist.

Die ersten 11 Künstler haben inzwischen mit viel Engagement ihre Sponsoren überzeugt. Die im Rahmen des Projekts 20/50 entstandenen und bei Darling Publications erschienenen Ergebnisse werden in einer Ausstellung von unseren Kulturpartnern Boris Becker und Gabriele Paulussen-Becker im sprungturm gezeigt.

Mai | Juni 2011

Die Farbholzschnitte von Uta Zaumseil

Ausstellungsdauer: 28. Mai – 26. Juni 2011, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 15.00 Uhr

Die Künstlerin Uta Zaumseil hat sich seit 1989 ausschließlich dem Hochdruckverfahren des Farbholzschnitts (ergänzt durch den Linolschnitt) verschrieben. Bereits um 1995 werden die stets als Handabzug gedruckten Blätter größer; sie gewinnen eine koloristisch fein abgestufte malerische Qualität, welche Flächigkeit und Raumwirkung im halbtransparenten Farbauftrag vereint. Uta Zaumseil setzt nun auf die Präsenz großer Farbflächen, die ohne Binnendifferenzierung die ganze Strahlkraft jener intensiv leuchtenden Druckfarben entfalten, für deren Herstellung und Mischung sie eigenhändig Sorge trägt. Ihre auf dünnem Japanpapier abgezogenen Blätter zeigen farbliche Differenzierungen und Übergänge, die vergessen lassen, dass Holzschnitte eigentlich mit scharfen Messern aus einem harten Material geschnitten werden. Ausgangspunkte für Bildfindungen sind in dieser Zeit häufig literarische Texte, die sie als Leserin berühren; wobei es ihr gelingt, diese Emotionalität in sensibel ausbalancierte visuelle Stimmungswerte zu übersetzen.

Eindrücke von unterwegs und vor Ort »notiert« Uta Zaumseil mit der Kamera wie in einem Skizzenbuch. Im heimischen Atelier exzerpiert sie daraus bestimmte Formverläufe, schneidet diese in Holz (MDF-Platten) oder Linoleum, montiert die Einzelmotive nach Maßgabe der bildnerischen Intuition zu Kompositionen, teils in spannungsvoll gestreckten Formaten, wie man sie aus der fernöstlichen Ästhetik der Tuschepinsel-Malerei kennt. Das Figürliche tritt nun wieder konkreter in Erscheinung und die Collage, das Zusammenfügen des üblicherweise Unzusammengehörigen, wird zum bevorzugten Kompositionsprinzip. Frei werden Formen unterschiedlicher Herkunft zueinander in Beziehung gesetzt, der neue Kontext ist der Druckstock und schließlich das Bild. Es geht um das gelungene Einzelbild, die verwirklichte Formvorstellung, durchaus auch in Varianten eines Themas oder einer Komposition, um Momente der Überraschung beim Erarbeiten der Form. Uta Zaumseil ist schließlich kaum noch an der Herstellung von gedruckten Auflagen interessiert; vielmehr reizt sie die Komplexität jener Abläufe, in denen Bildideen Schritt um Schritt Gestalt annehmen.

Komplexität heißt auch, die Differenz zwischen Beobachtung und Erinnerung in dem Sinne zu begreifen, dass Erinnerungen unsere jeweils aktuelle Wahrnehmung präfigurieren und wertend »einfärben« und dass diese emotionale »Färbung« von Motiven sich in den farblichen Verhältnissen und der darauf aufbauenden Stimmung einer Komposition spiegeln kann, aber ebenso auch in bestimmten, ungewöhnlichen Motivkonstellationen.

Das letzte Jahrzehnt ist gekennzeichnet von der Präsenz des fotografischen Blicks in den Bildern von Uta Zaumseil. Tatsächlich gibt es deutliche Unterschiede zwischen figürlichen Kompositionen in Holzschnitten, die traditionell mithilfe zeichnerischer Studien oder gar frei aus der Vorstellung heraus aufgebaut wurden und solchen, deren Raumgefüge und perspektivische Verformung der gezeigten Figuration auf den Einfluss der Kameraoptik verweisen; das wird besonders evident im kunsthistorischen Vergleich. Im Falle von Uta Zaumseil zeigt sich die formbildende Kraft der fotografischen Perspektive auf verschiedene Weise. So begnügt sie sich heute nicht mehr damit, ein mit fotografischen Werkzeugen gewonnenes Formenvokabular frei variierend in collageartige Kompositionen einzufügen, sondern bildet ganze fotografische Ansichten im Farbholzschnitt nach.

Eine Irritation unserer Raumwahrnehmung bei der Betrachtung dieser Arbeiten kann eigentlich nur entstehen, wenn man die zugrunde liegende fotografische Perspektive ausblendet. Intendierte Irritationen finden sich jedoch dort, wo die Künstlerin fotografische Ansichten aus verschiedenen Quellen scheinbar bruchlos aneinander montiert, wie in den Arbeiten »Besuch auf dem Land« (2007) oder »21-05-08« (2008). Beide sind mehr oder weniger enigmatische Bilder – wir verstehen nicht wirklich, was vor sich geht. Wir glauben zwar Schneezäune zu erkennen, die wie eine Barriere den Blick in den Bildraum versperren, und nächtliche Lichter dahinter, doch bleibt uns das Tun der Menschen vor der Barriere rätselhaft. Sind es Touristen?

Eine Zeit lang hat Uta Zaumseil auch Fotografien bzw. Ausschnitte aus Fotografien im Digitaldruckverfahren direkt auf das Japanpapier übertragen lassen, bevor sie die Bögen mit Hilfe der Linol- und Holzschnitt-Technik weiter gestaltete. Dabei behandelt sie die fotografischen Partien wie gleichberechtigte Bildelemente, ist bemüht, die analog gedruckten und die digital über einen Tintenstrahldrucker auf das Papier übertragenen Bildelemente einander anzugleichen.

»Mehla bei Nacht«, 2007 eine Kombination aus Linol- und Holzschnitt nach fotografischen Vorlagen, gibt den Blick frei auf ein Gartengrundstück mit nächtlicher Beleuchtung. Doch an der Idylle ist etwas faul: Seitlich fliegt einer jener Gartentische aus Kunststoff durch die Luft, wie sie üblicherweise im Garten-Center von Baumärkten feilgeboten werden und meist nur ein paar Jahre halten, bis sie verspröden und brechen. Werden wir hier zu Zeugen einer Séance mit Tischerücken oder lässt ein später Gartenbenutzer seinem Übermut freien Lauf? Oder gab gar ein Traum die Situation vor oder ein wilder Einfall, ein Capriccio? Wir werden es nicht erfahren; die Geschichte bleibt im Dunkeln.

Nicht nur in diesem Fall bezieht die Künstlerin Stellung zum Verlauf der Geschichte; Beispiele dafür finden sich immer wieder in ihrem Werk. Da ist z. B. die Komposition »Selektiver Rückbau des Palast der Republik« (2010), ein extremes Querformat, das die verbliebenen Treppentürme des Gebäudes zeigt, als wären es Ruinenstümpfe, die in den Himmel ragen. Wir wissen, dass der Rückbau des Gebäudes, der mit einer Asbest-Sanierung begann, heute nicht mehr selektiv zu nennen ist. Man hat ein unliebsames Erinnerungsstück entsorgt, um Platz zu schaffen für ein anderes Erinnerungsstück der alten neuen Hauptstadt, dessen vieldiskutierte Wiederauferstehung noch in den Sternen steht.

Konsequent reflektiert Uta Zaumseil Geschichte und Alltag nur aus ihrer subjektiven Perspektive, vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografie. Das selbst Erlebte bildet die Basis der Authentizität ihrer Bilderzählungen. Dazu gehört, dass auch ihre persönlichen Erinnerungen eine fotografische Form aufweisen, sich als medial gefiltert zeigen – als Ausweis der Zugehörigkeit zur Gegenwart, als ein Charakteristikum der Modernität ihrer Bildsprache. Doch erschöpft sich in diesem Signum ihrer Zeitgenossenschaft nicht die Botschaft der Künstlerin. Neben den Werken, die wie Kommentare zum Zeitgeschehen gelesen werden können (wenn auch nicht nur als solche), gibt es immer wieder Gegenbilder, Bilder der Sehnsucht, eskapistisch gefärbt. Das bessere Leben auf dem Lande, die arkadische Idylle der Eintracht von Mensch und Natur, Mensch und Tier, findet sich zwar nur in ironischer Brechung (wie in »greyhounds coming«, 2009). Traumgleiches dagegen wird in seiner ungreifbaren Faszination ernst genommen; zumindest legt das die Gruppe der enigmatisch wirkenden Bilder, die wie Stills aus Mystery-Filmen wirken, nahe. Zu dieser Gruppe gehört auch »heavenly creatures« aus dem Jahr 2008. Mitten in dem langestreckten Querformat liegt ein Junge in einer flachen Grube und scheint zu schlafen; im Hintergrund finden sich Formen, die Zelte sein könnten. Eine seltsam stille Szene, ambivalent in ihrer Ausstrahlung. Der Erdaushub um die Grube ist noch frisch, darauf sind kleine Ungeheuer unterwegs, spielzeuggleich. Sind das die himmlischen Geschöpfe, die der Titel nennt? Träumt sie das Kind nur? Oder ist es vielleicht das Bild einer Initiation, wie sie bei einigen Indianergruppen Nordamerikas üblich waren: einige Tage fasten und einsam sein, um den richtigen Traum für den eigenen Namen zu empfangen? Vieles ist denkbar, wenn man dieses Bild betrachtet. Es führt die Betrachter in eine Anderswelt jenseits der messbaren Topografien, ist in diesem Sinne ein Gegenbild zu den Beobachtungen zwischen Alltag und Geschichte. Die dahinter aufscheinende Möglichkeit einer Utopie, nicht menschheitlich und gewaltig, sondern still und persönlich, durchaus romantisch, scheint Uta Zaumseil wichtig. Zumindest ebenso wichtig wie das Eintauchen in die vielfältigen Bilderströme der Gegenwart.

April 2011

PAULUSSEN MODE,

Eröffnung am Samstag, 09.04.2011 von 11.00 – 19.00 Uhr, Sprungturm
Mi – Fr 15.00 – 18.00 Uhr, Sa 12.00 – 16.00 Uhr

Gabriele Paulussen-Becker über ihre Arbeit und Kollektion im Inspiration Lounge Interview

März 2011

Der Projektraum Sprungturm präsentiert ab 11.3.2011 (Vernissage 18:00 Uhr) sämtliche Publikationen der jungen Verlage Pogo Books und naivsuper Book aus Berlin.

Seit 2010 publiziert Pogo Books Zines und Büchlein mit den Schwerpunkten Fotografie und Grafik. Der in Berlin ansässige DIY-Verlag ist die greifbare Entsprechung einer sehr vitalen, bereits im Internet existierenden Künstlergemeinschaft. Jeff Luker, Hasisi Park oder Marc Peckmezian finden bei Pogo Books genau so eine Plattform wie geniale Newbies.

Erste und einzige Regel der Verlagspolitik ist es, die Bildinhalte in den Vordergrund zu stellen, entscheidend sind die Geschichten, die die Bilder erzählen. Beispielhaft sind die artifiziellen Bildkompositionen und Versuchsanordnungen von Ting Cheng oder die schlichten, fast traumhaft anmutenden Alltagsnotizen von Adam Revington.

Bildauswahl und Designkonzept der Büchlein und Zines entstehen in einem Austauschprozess zwischen dem Künstler/der Künstlerin und dem Publizisten Claudio Pfeifer. Pogo Books fühlt sich der Tradition anderer DIY-Projekte und Selbstverlage verpflichtet. Dazu gehört auch, die Publikationen für kleines Geld anzubieten. In dieser Weise hat der Berliner Verlag in gerade mal sechs Monaten die Publikation von 22 Titeln vorangetrieben.

Pogo Books ist zusätzlich Distributor des Verlags der Künstlergruppe naivsuper, die seit 2005 mit naivsuper Book ebenso den Spagat zwischen Künstlerbuch und Fanzine wagt. Der Fokus von naivsuper Book liegt in den Bereichen Zeichnung, Grafik und Fotografie.

Neben den Publikationen von Pogo Books und naivsuper Book werden im Sprungturm Fotografien und Zeichnungen der Künstler und Künstlerinnen zu sehen sein, die bereits mit den Verlagen zusammenarbeiten.

Sprungturm bringt damit ein spannendes Crossover auf den Weg: Publikationen mit künstlerischen Arbeiten, die ihren Weg zum kunstinteressierten Publikum bisher in erster Line online finden, werden im Rahmen des Projektraumes nun ganz real world präsentiert und zugänglich gemacht. Gleichzeitig bietet sich vielen Kunstinteressierten, die Begriffe wie DIY bisher eher vom Hörensagen kennen, eine wunderbare Gelegenheit, gleich zwei junge DIY-Verlage samt ihrer Protagonisten, Positionen und Vergehensweisen kennen zu lernen.

Februar 2011

Boris Becker und Gabriele Paulussen-Becker präsentieren Werke von Torsten Ruehle | sprungturm.info

Torsten Ruehle filtert die Welt. Klassische Interieurs oder Räume dienen als Handlungsrahmen wie Filmkulissen, die der Regie des Malers entspringen. Eine leicht surreale Atmosphäre wird erzeugt, indem der Szenerie sonderbare Objekte hinzufügt, werden die ein Eigenleben zu führen scheinen. So sind Details installiert, Maschinen, Schaum oder Tierfiguren, deren Aktionismus erst auf den zweiten Blick erkennbar wird, wenn mit Pigmentstift gezeichnete Pfeile oder Wellen sichtbar werden. Die auf den ersten Blick eher statisch wirkenden Bilder kommen dadurch in Bewegung – oder wenn einige Objekte gelegentlich lächeln oder schweben. Die Gegenwart erscheint als eine Montage modifizierter Wirklichkeiten. Durch die Gründung auf schwarzen Linien verschiebt Ruehle die Gegenstände in eine gewisse Abstraktion, die in farbiger wie weißer Fassung eine eigene Schwingung hervorbringt. In den Bildern liegt eine große Ruhe, die aus dem vielschichtigen Spiel der konturierten Form mit ihrem Inhalt und der farblichen Reduktion entspringt.

Torsten Ruehle is changing the world: He takes high-energy, film-like pictures and photographs of classic interiors and makes light, surreal arrangements of the atmospheric pictures by reorienting, modifying and adding to them. His use of this method leads to a plethora of gadgets, equipment and technical apparatuses interacting with scenery: The dimensions, temperature, swells and colors of swimming pools are altered while clouds dimly tug on ceilings and houses begin to hover; bottles and ice cream bowls fly through space and whimsical cows are draped on a field of carpet while carousel ponies and oranges roll about.

He brings into the tangible world of pictures a vivid collage piecing together both motives from the daily, shoreless flood of pictures that strands itself within the mind as well as facets of real life, things observable and able to be photographed. He makes the present appear to be a montage of modified reality – sometimes Elysian, sometimes markedly cryptic.

The pictures are created with the use of a very individual technique: massive, static black lines graphically set the form, which is primarily complemented by and broken up with scumbling oil paint; the rhythm of the lines loses itself emotionally to the melodies of the colors – colors which, in a singular phenomenon, become more and more and more fascinating the longer the picture is viewed. The details, patterns, radiating lines, and bolting arrows often drawn into the pictures with colored pencil, which effortlessly create visual tension, are only apparent upon a closer look.

Everything seems peaceful and demure, like a still life. The occasional protagonist appears to be absent and withdrawn. Though the scenic pictures appear intimate and familiar, at the same time it is nearly impossible to pull away from the almost embarrassing strangeness they emanate. The pictures seem to float in the air, as if something will happen at any moment to release the feeling of tension so inherent within them. And although there is nothing of a classical feeling about the pictures, a sort of film-like impression arises: Time seems to disappear as you look at them.
Emil Otto Nardorff (2009)

Januar 2011.

Wir möchten Sie ganz herzlich zur Eröffnung unseres neuen Projektraumes einladen.

Wir haben von Gundel Gelbert den Raum in der Kölner Albertusstraße übernommen und würden gerne die Tradition fortführen, die diesen Raum jetzt schon seit einigen Jahren begleitet hat.

Nach den Galerien Lukas & Hoffmann und Almut Gerber hat Gundel diesen Schauraum über einen langen Zeitraum mit wunderbaren Ausstellungen und Projekten bereichert, und wir konnten es nicht mit ansehen, daß dieser Ort einer anderen Nutzung zugeführt wird.

Warum eröffnen wir neben der eigenen Arbeit einen neuen Ausstellungs- oder Projektraum?

Wissen wir eigentlich auch nicht so genau, aber es soll vor allem Ihnen und uns Freude bereiten, Dinge zu zeigen, die vielleicht sonst keinen Platz mehr in dieser Umgebung gefunden hätten.

Im Januar zeigen wir im Rahmen der Kölner PASSAGEN Arbeiten von Michael Growe, im Februar stellen wir den jungen Berliner Maler Torsten Ruehle vor und im März wird Gabriele Paulussen-Becker den Raum mit ihrer ersten Modekollektion bespielen.

Wir würden uns sehr freuen, Sie und Ihre Freunde am 18. Januar 2011 ab 18:00 Uhr zum Cocktailempfang anläßlich der Ausstellung:

Michael Growe Pym´s Desk

begrüßen zu dürfen. Wer den Raum kennt, weiß es genau –  zieht Euch warm an!

Ganz herzlich

Gabriele Paulussen-Becker | Boris Becker

www.sprungturm.info

www.borisbecker

Den dreidimensionalenWerken des Malers Michael Growe kann man sich mit Begriffen wie Möbel-Skulptur, Camouflage-Objekt oder auch »Trojaner« annähern. Viel besser ist ein Besuch vor Ort, diesmal im Arbeitszimmer von Pym, einer Romanfigur von Edgar Allen Poe. Hier spiegelt sich in den Arbeiten des Künstlers etwas vom Wesen dieses weitgereisten Entdeckers wider – gewährt doch das Öffnen der »trojanischen« Objekte dem Betrachter Einblicke in Pyms Persönlichkeit.


(click the pix)

Mehr zu Boris Becker

Inspiration Lounge Interview_Part I + II


FacebookTwitterGoogle+