Personal Jesus
08. Februar 2012 von KerstinNeulich lief ich in der Winterkälte mit unserem Hund um einen zugefrorenen Weiher und mein Blick fiel auf mehrere Spaziergänger. Wie magisch angezogen von der dicken Eisfläche auf dem Weiher verließen sie die angelegten Pfade, um vorsichtigen Schrittes ihren Weg direkt über das Eis zu nehmen. Jetzt wollte ich natürlich auch selbst testen, wie dick die Eisschicht ist, als sich unser Hund durch lautes Bellen bemerkbar machte. Keine zehn Pferde hätten ihn bewegt, mir auf’s Eis zu folgen.
Interessant, dachte ich, so fasziniert wir von dieser seltenen Gelegenheit sind, uns bewusst auf’s Glatteis zu bewegen, so wenig versteht der Hund, warum das eiskalte Nass, das er bisher kennt, auf einmal begehbar sein sollte. Da sieht man, wie beschränkt Hunde sind, dachte ich, als mir auffiel, wie oft wir selbst vor solchen »Eisflächenmomenten« stehen. Und unter uns: verhalten wir uns nicht ähnlich? Wir scheuen vor Situationen zurück, mit denen wir nicht sofort etwas anfangen können, weil wir sie irgendwie anders gewöhnt sind.
Eingebunden in den Alltag verdrängen wir gerne, dass sich die Welt, wie wir selbst, jeden Tag ändert und neue Situationen entstehen. Erkennen wir es in manchen Augenblicken doch, indem wir die allseitige, umtriebige Geschäftigkeit für einen Moment unterbrechen, sind für uns, wie bei der Eisfläche, auf einmal neue Handlungsmöglichkeiten im Spiel. Gehen wir dann streng nach dem, was wir Erfahrung nennen – nach »das ist immer so« oder »so macht man das« – wenden wir schon gelernte Verhaltensweisen einfach weiter an und wähnen uns auf der sicheren Seite, statt wirklich passend zur speziellen Situation zu agieren.
Wir haben Glück. Im Gegensatz zu Hunden sind wir in der Lage, uns selbst zu erklären, warum eine Eisfläche heute trägt, wo gestern das Wasser noch flüssig war. Unsere Blickwinkel, auch die geistigen, sind an sich in der Lage, Veränderungen und neue Optionen wahrzunehmen.
Warum also nicht offener sein für die feinen Unterschiede und dementsprechend handeln? Dann lässt sich auch erkennen, dass man manchmal tatsächlich über Wasser gehen kann.










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