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kreativ bewegen.

31. August 2011 von Chris


(Felix Klemme)

Felix Klemme | Sportwissenschaftler, Gründer von outdoor gym act-if | outdoor gym

»raus geht’s.«

Keinen Aufwand haben wir gescheut, um euch heute Folge 2 unserer kreativ bewegen-Videoreihe zu präsentieren.

Nach den »Aufbruch vom Schreibtisch-Übungen« aus Folge 1 hat es Felix tatsächlich geschafft, uns dieses Mal nach draußen zu bringen. Da wir den Atem vor allem für die einzelnen Übungen brauchen, haben wir zunächst eine Tour in unsere nähere Umgebung gemacht. Bei den Uniwiesen und am Aachener Weiher stießen wir auf genügend »Übungsgeräte«, die Felix direkt in unser Bewegungsprogramm eingebaut hat. Und damit alles ganz gerecht zugeht, war dieses Mal Chris vor der Kamera im Einsatz.

Wer die Übungen selbst ausprobieren und sich damit mehr Bewegung an der frischen Luft gönnen will: beim E-Raum (das abgekürzte Wort »Erfrischungsraum« erheitert mich angesichts der real existierenden Innenarchitektur bis heute) an der Kölner Uniwiese steht reichlich Trainingsmaterial herum, das sich wunderbar für die im Video gezeigten Übungen 1-4 verwenden lässt.

Wer dann, wie wir, schon mal in Bewegung ist, kann sich rund um das ganze Gebiet noch zu jeder Menge Freestyle-Übungen inspirieren lassen. Hervorragend ist dafür übrigens ein Blick auf den auch dort gelegenen Spielplatz, denn es ist wirklich unglaublich, wie sich Kinder ideenreich, spielerisch und selbstverständlich mit Spaß bewegen. Wenn ich uns und viele andere dagegen so anschaue: lange Jahre in Betonung insbesondere rationaler Produktivität (im Sitzen) zu verbringen, lässt in so mancher Hinsicht einrosten. Könnte es sein, dass wir, persönlich und kulturell gesehen, gerne eine gewisse Einseitigkeit pflegen? Tun wir das, weil es uns so weit gebracht hat?

Und hat nicht Picasso mal gesagt: »Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.«

Also, auf geht’s, raus geht’s.

Routinen überdenken – vom Schreibtisch aufbrechen

Es ist soweit: Hier kommt die erste offizielle Folge von kreativ bewegen. (Sitz)Routinen aufbrechen und dabei mehr raus gehen – das haben wir uns vorgenommen. Trotzdem lag nichts näher, als das Projekt an unserem Ausgangspunkt zu starten. Hier ist es schließlich, wo wir zunächst vom Schreibtisch aufstehen müssen, um künftig aktivere Pausen in die täglichen Arbeitsabläufe einfließen zu lassen. Wir wollten daher mit ein paar Skills starten, die wir jeden Tag möglichst einfach einstreuen können.

Dazu kommt: ihr, die ihr kreativ bewegen anschaut, sitzt höchstwahrscheinlich selbst gerade am Schreibtisch und habt es daher nicht weit, um, so wie ich im Film, für eine kurze, aktive Pause aufzustehen. Vielleicht um einfach auszuprobieren, ob ihr mit den gezeigten Übungen auch so spielend und elegant fertig werdet wie Felix oder doch eher so flucht und schnauft wie ich.

Das Programm ist tatsächlich einfach, praktisch und, wie Felix so schön sagt, nicht zu anstrengend – aber doch anstrengend. Ich war mit 2 Durchgängen gut bedient. Wer nicht seit Jahren nach dem Motto »No Sports« gelebt hat, kann die Zahl der Durchgänge natürlich gerne verdoppeln. Ein Tipp von mir für alle, die bisher auch keine Vielbeweger (Vielflieger war vorgestern) waren: die Übungen klappen wirklich besser, wenn man dabei nicht das Atmen vergisst. Das passiert recht leicht, wenn man sich zu sehr auf die Anstrengung konzentriert. D.h., Multitasking abzuschalten und sich auf die Übungen zu konzentrieren ist natürlich gut, aber irgendwie nicht, wenn damit alles zu einer Art Pflichtleistung ausartet. Das verkrampft nur, wie ich finde. Tatsächlich braucht das Ganze offensichtlich etwas Übung, damit mehr Selbstverständlichkeit und mehr Flow in die Bewegungen kommt.

Interessant ist übrigens auch, wie einfach es scheint, sich solche Übungen zu überlegen und im Alltag einzubauen. Trotzdem ist uns vorher nie eingefallen, Bücher oder den Schreibtisch selbst als Übungsgerät zu nutzen, obwohl beides doch so nahe lag. Stattdessen habe ich lange überlegt, in welchen Sportkurs ich denn gehen könnte, um mal etwas zu tun. Ich habe viel mit anderen darüber geredet, habe viele Broschüren angeschaut, mich vom Überangebot (von Pontius zu Pilates) erschlagen gefühlt und dann – lieber nichts getan. Der neue und harte Einsatz unserer Möbel ist für uns also tatsächlich ein frischer Blickwinkel und gleichzeitig eine Tatsache, die offensichtlich auch von führenden Möbelherstellern noch nicht ausreichend als Nische entdeckt wurde.

Bevor wir weitere Einrichtungsgegenstände sinnstiftend einbeziehen konnten, hat uns Felix daran erinnert, dass es hier nicht darum geht, immer nur drinnen zu bleiben. Schon in kreativ bewegen_folge 2 geht es deshalb weiter mit der ersten Outdoor-Tour. Bis dahin heißt es natürlich: weiter Tische rücken.

Ich schaffe inzwischen drei Durchgänge. Und Ihr?

kreativ bewegen_das Intro

Vor kurzem habe ich über unser erstes Treffen mit Felix Klemme, dem Gründer von Outdoor Gym, berichtet. Inzwischen haben wir zusammengesessen!!, um unsere Projektidee zu konkretisieren. Neben dem »warum« des Projekts war natürlich zu klären, welche Aspekte uns allen dabei besonders wichtig sind. Auszüge davon haben wir für Euch in einem kleinen Film-Intro zum künftigen Projekt festgehalten.
(scroll down)

Zwei Aspekte waren uns von Anfang an klar: Vordergründig kommen wir aus sehr unterschiedlichen Welten: Felix ist Sportwissenschaftler und als KPNI-Therapeut (Klinische Psycho-Neuro-Immunologie) weiß er genau, welche Funktionen von Körper und Geist wie und warum zusammenlaufen. In nur kurzer Zeit hat er uns beispielsweise schon viel Know-how über Ernährung als wichtigen Energielieferant auch für die kleinen grauen Zellen vermittelt.

Chris und ich entwickeln und realisieren seit Jahren Kultur- und Kommunikationsprojekte. Und – wie schon gesagt – ein großer Teil unserer Arbeit findet dabei am Schreibtisch statt. Auch sonst haben wir Jahre nach dem Churchill-Ausspruch »No sports« gelebt. Seit einiger Zeit gehen wir etwas mehr nach draußen. Der Grund dafür ist vor allem unser Hund.

kreativ bewegen – im Gespräch Kerstin Döweler und Felix Klemme

Von unseren Grundideen zum Projekt liegen wir alle dagegen voll auf einer Wellenlänge: Es geht uns nicht um Sport, sondern einfach um mehr Bewegen und mehr Frischluft in jeder Beziehung. Darum, gewohnte Tagesabläufe mal zu hinterfragen. Auch der Name unserer Projekts war schnell gefunden: kreativ bewegen. Er spiegelt genau das wieder, was uns besonders wichtig ist. Bessere Aktivität von Körper und Geist in Kombination mit geteiltem Wissen und Know-how, Neugierde und viel Spaß an der Sache. Wenn wir auf dem Weg zu neuen Ideen und Blickwinkeln neben uns auch andere inspirieren, die eigenen Routinen mal genauer zu betrachten oder sogar aufzubrechen und (sich) mehr zu bewegen – umso schöner.

Chris und ich hatten zunächst vor, das Projekt direkt draußen zu starten – schließlich geht es ja um Licht und Luft. Felix hat uns dann auf den Gedanken gebracht, dass es viel logischer ist, das Projekt dort zu beginnen, wo wir uns normalerweise befinden. Bei uns, und vor allem am Schreibtisch. Wir wollen ja gerade mit einfachen und alltagstauglichen Mitteln neue Pfade auftun. Wir wollen dabei in erster Linie nutzen, was sowieso um uns herum ist und diese Orte und Dinge neu entdecken. Kein riesiger Aufwand, kein teures Equipment, stattdessen kleine, aber feine Veränderungen.

Natürlich werden wir unsere Entdeckungstouren dokumentieren. Zum einen, weil wir damit stetig Informationen und Anregungen rund um kreatives Bewegen weiter geben wollen. Zum anderen: hey, wir sind selbst total gespannt, wo uns diese Reise hinführt.

get up, stand up

Neulich sagte mir Chris: »Ich habe Felix Klemme getroffen. Er hat vor einiger Zeit sein eigenes Unternehmen, Outdoor Gym, gegründet und wird nächste Woche bei uns vorbeikommen. Natürlich habe ich direkt Felix’ Homepage angeschaut, und je mehr ich davon sah, umso mehr dachte ich: Fitness im Freien – ok, nicht gerade mein Spezialgebiet.

Als ich mich dann zum ersten Mal mit Felix unterhalten habe, fiel mir schnell auf, dass er nicht, wie ich erwartet hatte, permanent von Sport, Hochleistung, Erfolg, Muskelaufbau, Fitness Studio oder ähnlichem sprach. Für mich erstaunlich, verwies er auch nicht auf unsere mangelnde sportliche Betätigung, sondern erzählte von alltäglichen menschlichen Verhaltensweisen. Davon, dass sie sich ursprünglich sehr von unserem heutigem Tagesablauf unterschieden. Dass wir uns eben heute meist zu wenig bewegen, zu viel drinnen sitzen und dadurch wichtige Lebensaspekte, Blickwinkel und Erfahrungen verloren gehen. Last but not least ging es um kleine, einfach zu bewältigende Änderungen in alltäglichen Tagesabläufen und gute Laune.

Das war der Moment, in dem ich anfing, über unseren eigenen Tagesablauf nachzudenken. Wie oft und wie lange sitzen wir täglich, ab und an auch mit Rückenschmerzen im Büro vor dem Bildschirm, um zu arbeiten, Filme zu schneiden, Texte zu verfassen, Layouts zu entwerfen? Und wie sehen die Zwischenzeiten aus, beispielweise die Pause am Mittag? Wir essen und sitzen. Ich gebe zu, mich plagte nicht das schlechte Gewissen in diesem Augenblick, ich war eher erstauntwütend.

Felix Klemme, Gründer von Outdoor Gym, Kerstin Döweler, le tapir

Mein nächster Gedanke kam prompt: ok, wir haben einen Job, der sehr viel im Sitzen und vor dem Computer stattfindet. Vielleicht sieht ja der Bewegungsdurchschnitt ganz anders aus. Doch auch hier spricht die Statistik Bände: im Durchschnitt bewegt man sich in Deutschland nämlich keine 3000 Schritte am Tag. Das ist so wenig, dass sich vor einiger Zeit sogar das Gesundheitsministerium zu einer Aktion aufschwang. Mindestens 6000 Schritte Bewegung täglich wollte man uns allen damit nahe bringen. Der Erfolg der Kampagne war offensichtlich äußerst bescheiden.

Zurück zu Felix und uns. Chris und ich sind nämlich ziemlich schnell sehr neugierig geworden zu erfahren, was sich alles verändern könnte, wenn wir die uns bewusst gewordenen Sitzroutinen einfach mal anfangen aufzubrechen. Es geht vor allem auch um die Frage, welche Energie, neuen Perspektiven, Eindrücke und Ideen entstehen, wenn unser Tagesablauf kreative Bewegungspausen bekommt. Schließlich geht es ja auch hier in der Inspiration Lounge um neue Blickwinkel.

Wir haben also Felix gefragt, ob er Zeit und Lust hat, bei einem Projekt mitzumachen, das zu einer wahrlichen Entdeckungs- und Erlebnisreise werden soll. Jetzt sind wir dabei, ausgehend von unserer Grundidee gemeinsam die nächsten realen Schritte zu gehen. Ich kann Euch sagen: es ist ganz schön anstrengend – und es macht Spaß.

Ganz bald mehr davon.

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kreativ bewegen_das Intro

30. August 2011 von Kerstin

Vor kurzem habe ich über unser erstes Treffen mit Felix Klemme, dem Gründer von Outdoor Gym, berichtet. Inzwischen haben wir zusammengesessen!!, um unsere Projektidee zu konkretisieren. Neben dem »warum« des Projekts war natürlich zu klären, welche Aspekte uns allen dabei besonders wichtig sind. Auszüge davon haben wir für Euch in einem kleinen Film-Intro zum künftigen Projekt festgehalten.

Zwei Aspekte waren uns von Anfang an klar: Vordergründig kommen wir aus sehr unterschiedlichen Welten: Felix ist Sportwissenschaftler und als KPNI-Therapeut (Klinische Psycho-Neuro-Immunologie) weiß er genau, welche Funktionen von Körper und Geist wie und warum zusammenlaufen. In nur kurzer Zeit hat er uns beispielsweise schon viel Know-how über Ernährung als wichtigen Energielieferant auch für die kleinen grauen Zellen vermittelt.

Chris und ich entwickeln und realisieren seit Jahren Kultur- und Kommunikationsprojekte. Und – wie schon gesagt – ein großer Teil unserer Arbeit findet dabei am Schreibtisch statt. Auch sonst haben wir Jahre nach dem Churchill-Ausspruch »No sports« gelebt. Seit einiger Zeit gehen wir etwas mehr nach draußen. Der Grund dafür ist vor allem unser Hund.

Von unseren Grundideen zum Projekt liegen wir alle dagegen voll auf einer Wellenlänge: Es geht uns nicht um Sport, sondern einfach um mehr Bewegen und mehr Frischluft in jeder Beziehung. Darum, gewohnte Tagesabläufe mal zu hinterfragen. Auch der Name unserer Projekts war schnell gefunden: kreativ bewegen. Er spiegelt genau das wieder, was uns besonders wichtig ist. Bessere Aktivität von Körper und Geist in Kombination mit geteiltem Wissen und Know-how, Neugierde und viel Spaß an der Sache. Wenn wir auf dem Weg zu neuen Ideen und Blickwinkeln neben uns auch andere inspirieren, die eigenen Routinen mal genauer zu betrachten oder sogar aufzubrechen und (sich) mehr zu bewegen – umso schöner.

Chris und ich hatten zunächst vor, das Projekt direkt draußen zu starten – schließlich geht es ja um Licht und Luft. Felix hat uns dann auf den Gedanken gebracht, dass es viel logischer ist, das Projekt dort zu beginnen, wo wir uns normalerweise befinden. Bei uns, und vor allem am Schreibtisch. Wir wollen ja gerade mit einfachen und alltagstauglichen Mitteln neue Pfade auftun. Wir wollen dabei in erster Linie nutzen, was sowieso um uns herum ist und diese Orte und Dinge neu entdecken. Kein riesiger Aufwand, kein teures Equipment, stattdessen kleine, aber feine Veränderungen.

Natürlich werden wir unsere Entdeckungstouren dokumentieren. Zum einen, weil wir damit stetig Informationen und Anregungen rund um kreatives Bewegen weiter geben wollen. Zum anderen: hey, wir sind selbst total gespannt, wo uns diese Reise hinführt.

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Get up, stand up

26. August 2011 von Kerstin

Felix Klemme, Gründer von Outdoor Gym, Kerstin Döweler, le tapir

Neulich sagte mir Chris: »Ich habe Felix Klemme getroffen. Er hat vor einiger Zeit sein eigenes Unternehmen, Outdoor Gym, gegründet und wird nächste Woche bei uns vorbeikommen. Natürlich habe ich direkt Felix’ Homepage angeschaut, und je mehr ich davon sah, umso mehr dachte ich: Fitness im Freien – ok, nicht gerade mein Spezialgebiet.

Als ich mich dann zum ersten Mal mit Felix unterhalten habe, fiel mir schnell auf, dass er nicht, wie ich erwartet hatte, permanent von Sport, Hochleistung, Erfolg, Muskelaufbau, Fitness Studio oder ähnlichem sprach. Für mich erstaunlich, verwies er auch nicht auf unsere mangelnde sportliche Betätigung, sondern erzählte von alltäglichen menschlichen Verhaltensweisen. Davon, dass sie sich ursprünglich sehr von unserem heutigem Tagesablauf unterschieden. Dass wir uns eben heute meist zu wenig bewegen, zu viel drinnen sitzen und dadurch wichtige Lebensaspekte, Blickwinkel und Erfahrungen verloren gehen. Last but not least ging es um kleine, einfach zu bewältigende Änderungen in alltäglichen Tagesabläufen und gute Laune.

Das war der Moment, in dem ich anfing, über unseren eigenen Tagesablauf nachzudenken. Wie oft und wie lange sitzen wir täglich, ab und an auch mit Rückenschmerzen im Büro vor dem Bildschirm, um zu arbeiten, Filme zu schneiden, Texte zu verfassen, Layouts zu entwerfen? Und wie sehen die Zwischenzeiten aus, beispielweise die Pause am Mittag? Wir essen und sitzen. Ich gebe zu, mich plagte nicht das schlechte Gewissen in diesem Augenblick, ich war eher erstauntwütend.

Mein nächster Gedanke kam prompt: ok, wir haben einen Job, der sehr viel im Sitzen und vor dem Computer stattfindet. Vielleicht sieht ja der Bewegungsdurchschnitt ganz anders aus. Doch auch hier spricht die Statistik Bände: im Durchschnitt bewegt man sich in Deutschland nämlich keine 3000 Schritte am Tag. Das ist so wenig, dass sich vor einiger Zeit sogar das Gesundheitsministerium zu einer Aktion aufschwang. Mindestens 6000 Schritte Bewegung täglich wollte man uns allen damit nahe bringen. Der Erfolg der Kampagne war offensichtlich äußerst bescheiden.

Zurück zu Felix und uns. Chris und ich sind nämlich ziemlich schnell sehr neugierig geworden zu erfahren, was sich alles verändern könnte, wenn wir die uns bewusst gewordenen Sitzroutinen einfach mal anfangen aufzubrechen. Es geht vor allem auch um die Frage, welche Energie, neuen Perspektiven, Eindrücke und Ideen entstehen, wenn unser Tagesablauf kreative Bewegungspausen bekommt. Schließlich geht es ja auch hier in der Inspiration Lounge um neue Blickwinkel.

Wir haben also Felix gefragt, ob er Zeit und Lust hat, bei einem Projekt mitzumachen, das zu einer wahrlichen Entdeckungs- und Erlebnisreise werden soll. Jetzt sind wir dabei, ausgehend von unserer Grundidee gemeinsam die nächsten realen Schritte zu gehen. Ich kann Euch sagen: es ist ganz schön anstrengend – und es macht Spaß.

Ganz bald mehr davon.

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Überzeugungstat

24. August 2011 von Chris

(Filmausschnitt Maix Mayer: Die Urbanisten, 2009)

Es beginnt harmlos. Eine Prozession irgendwo in einer ländlichen asiatischen Region. Geschmückte Wagen werden gezogen, Menschenmassen schieben sich langsam aneinander vorbei. Auffallend viele Motorradfahrer scheinen unterwegs zu sein. Dicht vermummt stehen sie am Straßenrand. Ruhig  fängt die Kamera die Situation ein. Plötzlich ändert sich alles. Die ersten Explosionen. Feuerstrahlen schießen aus den gezogenen Wagen. Erst vereinzelt, dann mit einer unglaublichen Intensität. Dann herrscht Chaos. Flammen und Geschosse, ähnlich einer Stalinorgel, prasseln auf die Menschen ein. Sie drängen sich aneinander, stieben teils wieder auseinander, werden getroffen, straucheln, stehen wieder auf, sind eingehüllt in einer Wand aus Feuer und Rauch.

Was sich wie ein Attentat- oder Untergangsszenario anhört, ist in Wirklichkeit das traditionelle Neujahrsfest in Taiwan. Die mit Motorradhelmen und jeglicher Art von Schutzkleidung umhüllte Menschen lassen sich mit Absicht von den Feuerwerkskörpern treffen, laufen bewusst in diese hinein, da dieses Ritual Glück und Reichtum verspricht. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei, das Licht geht an. Die Leute um mich herum kommen aus dem Staunen nicht heraus. Thomas Fuhlrott lächelt zufrieden. Wir befinden uns nicht irgendwo in einer hippen Aktionsgalerie in Berlin, sondern mitten in einem Gewerbegebiet in Grünstadt an der Deutschen Weinstraße. Was wir gerade sahen, war die Videoinstallation »Das Restreale« des Leipziger Künstlers Maix Mayer.

Später unterhalten wir uns mit Thomas Fuhlrott, Hauptinitiator dieser Ausstellung bzw. Film- und Video Lounge im Didier-Gebäude.

Was hat uns an der Ausstellung fasziniert? Natürlich die gezeigten Filminstallationen von Maix Mayer, der momentan auch im Arp Museum ausstellt.

Ebenfalls besonders erwähnenswert: Thomas Fuhlrott ist kein Galerist oder Künstler. Er ist Gründer des Unternehmens zait und handelt mit Olivenöl. Zu diesem Zweck hat er nicht nur ein besonderes Konzept entwickelt. Er legt Wert darauf, wirtschaftliches Handeln stetig mit kultureller Tätigkeit zu verknüpfen, um konsequent über das Wirtschaftliche hinauszudenken. Dabei geht es darum, Ideen auf die eigene Weise zu verwirklichen, weil einem viel daran liegt. Zum Beispiel weil man, wie in diesem Fall, von der Arbeit eines Künstlers persönlich begeistert ist, diese Begeisterung mit den Menschen im eigenen Umfeld teilen will und daher den Künstler an einen Ort holt, welcher mit Ausstellungen dieser Art nicht verwöhnt ist. Es geht auch darum, dafür Aufwand und eigene Mittel zu leisten, auch wenn man kein Großunternehmen mit gut ausgestatteter Kulturstiftung ist. »Wenn es mir wichtig ist, dann muss ich eine Sache doch realisieren und muss mir eben auch überlegen, wie ich das mit meinen Mitteln schaffe. Nichts ist blöder, als der Satz: man müsste mal…, und dann passiert nichts, weil alle warten, bis jemand mit viel Geld kommt und das Ganze in die Hand nimmt. Wie oft passiert das? Und offen gesagt: viele von uns hätten doch einige Möglichkeiten, gute Ideen zu realisieren. Man ist oft zu sehr daran gewöhnt, sich irgendwie auf andere zu verlassen oder zu sagen: das schaffe ich nicht. Aber so hätte ich Maix Mayer niemals nach Grünstadt gekriegt.«

Da bleibt bis auf zwei Fragen nichts hinzuzufügen: Da Grünstadt eigentlich überall ist, wer ist für uns, wer ist für euch Maix Mayer? Welche Idee ist unsere, welche ist eure Ausstellung?

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Change the Game: Inspiration Lounge 2.0

22. August 2011 von Kerstin

Über zwei Jahre sind wir inzwischen unterwegs und haben kreative Macher darüber befragt, was sie tun und was sie dabei antreibt. Die Interviewliste ist mit der Zeit so lang geworden, dass wir uns mit Überlegungen trugen, neue Schlagwörter und Suchkategorien einzuführen, das Layout neu zu machen, die Interviewliste zu überarbeiten und, und, und.

Es kam anders, denn uns fiel plötzlich ein Satz ein, der uns während der Interviews immer wieder begegnet ist: »Was treibt eigentlich euch beide voran?« Aus unserer Sicht war und ist es ganz logisch, dass es insbesondere der Austausch und die Zusammenarbeit mit interessanten, inspirierenden Leuten sind. Bei den Begriffen Austausch und Zusammenarbeit haben wir dann länger verweilt, was an zwei Fragen lag, die auf einmal da waren.
Die Erste: » wie wäre es, wenn wir den Austausch mit Menschen, die wir inspirierend finden, über die bisherige Interviewform der Inspiration Lounge hinaus deutlich intensivieren?«
Die Zweite: »Ist das dann nicht auch eine wunderbare Grundlage für mehr konkrete Zusammenarbeit in Projekten, die wiederum neue Blickwinkel, Erfahrungen und gebündeltes Know-how entstehen lassen?« Da war es soweit – aus Überlegungen über die Einführung von Schlagwörtern wurde unser Weg zur Weiterentwicklung der Inspiration Lounge.

Wir sind ihn nicht völlig alleine gegangen. Immer wieder haben uns Freunde ein Stück begleitet, haben mit ihren Sichtweisen für manche Erfrischung, und teils auch manche vorübergehende Verwirrung gesorgt. Nach einiger Zeit und out of the blue ereigneten sich dann zwei erstaunliche Inspirationsmomente, mit denen wir so nicht gerechnet hatten. Doch kleinen Moment:

Zunächst ein kurzer Einschub über ein Zitat, das ich vor ein paar Jahren las und seither mit mir herumtrage: Inspirationen und Ideen zur Änderung entstehen dann und dort, wo sie notwendig sind. Vielleicht kennt auch ihr die schöne Situation, wenn einem der Gehalt eines solchen Satzes auf einmal vor Augen geführt wird. Uns ist das jedenfalls passiert, und das in kurzem Abstand gleich zwei Mal.

Damit zurück zu den schon erwähnten Inspirationsmomenten: Es ist noch nicht lange her als Chris eine Mail bekam und daraufhin zu mir sagte: »Habe ich dir damals von Felix Klemme erzählt? Ich glaube, ich habe ihn vor zwei Jahren getroffen und er erzählte mit damals, dass er sich im Bereich Fitness selbstständig gemacht hat. Gerade hat er sich gemeldet.« Und um hier abzukürzen – aus einem Treffen im Café ist bis heute in nur kurzer Zeit ein Projekt geworden, das hier in der Inspiration Lounge und weit darüber hinaus seinen Platz finden wird.

Was daran erstaunlich ist? Nun, vor allem die Tatsache, dass Chris und ich, bisher keine Fitnessanhänger, auf einmal völlig inspiriert waren von dem Begriff Bewegen und den damit verbundenen Bedeutungsvariationen. Passend dazu fand ich in dem Buch, das ich gerade las, folgende Sätze. »Kick your ass and your brain will follow. Kick your brain and your ass will follow. Bewege dich, schau was passiert und mach was daraus.«

Nach Jahren der kreativen Arbeit am Schreibtisch, beim Filmschnitt, in Interviewsituationen am Tisch ist es tatsächlich Zeit für mehr ganz reale Action. Das sehe ich nicht nur in Bezug auf die Inspiration Lounge. Ich denke, in vielen Feldern könnte es neue Wege und Schwung brauchen. Allein ein Blick auf die täglichen Schlagzeilen und Themen reicht für diesen Eindruck aus. Zusätzlich starteten wir eine Frageaktion im Freundeskreis, die in persönlicher und insbesondere körperlicher Hinsicht Folgendes ergab: viel guter Wille, aber das Fleisch ist schwach. Bewegen – eher wenig. Uns war damit klar: Zeit, bekannte Muster zu verlassen: Change the Game.

Der zweite Inspirationsmoment nahm schon vor einigen Monaten seinen Anfang. Unser Interview mit dem Unternehmensgründer Thomas Fuhlrott ließ mich aufhorchen. Hier war jemand, den seine Ideen und die Freude, etwas Gutes zu entwickeln, dazu bewegt hatte, vermeintlich feststehende Regeln und Situationen im ökonomischen, und davon ausgehend auch im gesellschaftlichen, kulturellen Bereich zu hinterfragen und zu überarbeiten. Jemand, der neue, handfeste Möglichkeiten in vielen Belangen aufzeigt.

Neulich hörte ich dann davon, dass ein Berliner Künstler, engagiert gegen Gentrifizierung, folgenden Standpunkt vertritt: »Hört auf, kreativ zu sein. Es wird nur ausgenutzt, um Regionen für die üblichen Investoren aufzuhübschen.« Mir fiel unser eben erwähntes Interview ein und ich dachte, wie wichtig ich finde, dass gute Ideen, neue Sicht- und Vorgehensweisen nicht verschwinden, sondern im Gegenteil mehr und vor allem auch über klassische kreative Felder hinaus in anderen, in ökonomischen und gesellschaftlichen Bereichen Fuß fassen. Zu sehen, wer dort welche Ideen und Entwicklungen voranbringt, persönlichere, bessere, und nachhaltigere Wege aufzeigt und so wieder Impulse für andere Umgebungen entstehen lässt – das finde ich inspirierend und nicht aufhübschend, sondern notwendig. Letztlich ganz im Sinne des Einstein-Zitates, dass wir doch bitte nicht ernsthaft annehmen sollten, entstandene Probleme mit den Mitteln zu lösen, die diese Probleme erst verursacht haben.

Daher auch hier Change the Game. Für die Inspiration Lounge und uns heißt das konkret: mehr Projekte und Dokumentationen realisieren, mehr persönliche Blickwinkel, mehr Ideen, Wissen und Know-how auch aus diesen Gebieten.

Los geht’s.

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