23. September 2010 von Chris
»Ich verspreche mir die größten Veränderungen durch Veränderungen.«
Prof. Dr. Harald Welzer ist Soziologe und Sozialpsychologe. Als Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research in Essen leitet er zudem Teilprojekte des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Außerdem ist er Professor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke und Affiliated Member of Faculty am MARIAL-Center der Emory University (Atlanta/USA) und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Beiräte und Akademien.
Die Schwerpunkte seiner Forschung und Lehre sind Erinnerung, Gruppengewalt und kulturwissenschaftliche Klimafolgenforschung.
Lange wurden der Klimawandel und seine Folgen lediglich unter naturwissenschaftlichen Blickwinkeln betrachtet. Ausgehend von seiner eingehenden Forschung über Gruppengewalt, begann Prof. Dr. Welzer vor einigen Jahren, die Folgen des Klimawandels unter kulturwissenschaftlichen Aspekten zu erforschen. Ein Schwerpunktthema ist dabei die Entstehung von Gewaltkonflikten aufgrund sich ändernder Klimabedingungen.
Die kulturwissenschftliche Klimafolgenforschung beschäftigt sich daher mit Bereichen, die durch die zuvor rein naturwissenschaftliche Betrachtung des Klimawandels keine Beachtung fanden: die Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen, auf die kulturellen Strukturen.
Wie sehen diese Auswirkungen aus und wie kann der Einzelne agieren angesichts der bevorstehenden sowie bereits im Gange befindlichen Klimaverschiebungen und sozialen Umwälzungen? Wo liegen Möglichkeiten, positiv einzuwirken?
Das Interview führten wir in der Europäischen Akademie in Otzenhausen. Zeitgleich fand dort das von Klaus Wiegandt und Harald Welzer geleitete Kolloquium >Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung: Wie sieht die Welt von morgen aus? < statt, bei dem zahlreiche Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen, u.a. Kulturwissenschaft, Sozialpsychologie, Wirtschaftswissenschaft, Biochemie und Astrophysik, zusammentrafen.
Auswahl der Veröffentlichungen von Prof. Dr. Harald Welzer:
· »Opa war kein Nazi!« Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis.
· Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden.
· »Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird«
· Zusammen mit Claus Leggewie »Das Ende der Welt, wie wir sie kannten«
· »Apo statt Kalypse«, Handeln in der Krise, (FAZ)
Tags: Austausch, Engagement, Entwicklung, Forschung, Interview, Kultur
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22. September 2010 von Chris

Das FotoMuseum Provincie Antwerpen zeigt ab dem 24. September 2010 die Ausstellung »Boris Becker, Photographien 1984 – 2009«, eine umfassende Werkübersicht des Fotokünstlers Boris Becker. Zu sehen sind u.a. Beispiele aus den Werkserien Hochbunker, Wohnhäuser, Konstruktionen, Felder und Landschaften, Fakes und Artefakte.
Wer in der Nähe ist, sollte sich dies auf keinen Fall entgehen lassen.
FotoMuseum Provincie Antwerpen, 24.09.2010 bis 16.01.2011
Inspiration Lounge Interview mit Boris Becker
Tags: Kunst
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20. September 2010 von Chris








(cklick the pix – das Rezept)
Nach vieler Arbeit im Virtuellen, vielen Stunden Final Cut und somit unzähligen Stunden vor dem Mac, hier mal etwas eher Untypisches, aber enorm Wichtiges: Ein Ausflug in die Haptik. Besser gesagt, wir bauen uns unseren eigenen Zwiebelkuchen. Nach gutem Familienrezept, bewaffnet mit Hefe, Sahne und ein paar anderen Ingredienzen geht’s ab zu Freunden. Da entsteht in 3 Stunden Feinarbeit (davon ruht allerdings 1,5 h der Teig) ein leckerer Zwiebelkuchen à la Maman.
Wir finden es sehr wichtig, neue und auch haptische Sachen auszuprobieren, Dinge, die man sonst eher nicht macht (keine Zeit, zu umständlich etc.) Wenn dann noch nette Menschen dabei sind, macht dieses Unterfangen doppelt Spaß. Dinge auszuprobieren und am Ende einfach eine schöne, handgemachte und extrem leckere Sache vor sich zu haben, ist großartig.
Das Faszinierende daran ist das handmade. Völlig egal, ob man sich Arduino widmet oder an seinem Mopped schraubt. Zum Schluß steht man vor seinem Ergebnis und denkt: »Cool«.
Was will man mehr?
Rezept: Zwiebelkuchen à la Maman (für zwei Backbleche)
4 Eier, 600 g Mehl, Hefe, 2 Sahne, 2 kg Zwiebeln, 400 g Speck, 1/4 l Milch, etwas Schweineschmalz.
- Milch, Hefe, Mehl verrühren und kneten (Hefeteig ca. 1,5 h ruhen lassen)
- Zwiebeln glasig andünsten, Teig ausrollen (ca. 5 mm)
- Backblech mit Schweineschmalz bestreichen
- Teig mit Zwiebel und Speck belegen
- Sahne und Eier verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken
- Zwiebelkuchen mit der Masse übergießen
- 30 bis 40 min bei 180 °C in vorgeheizten Ofen
bon appetit.
Tags: Ausprobieren, kreativer Prozess
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16. September 2010 von Chris

Ich bin geflasht. Von einem Film. Und das kommt eher selten vor. Warum?
Enter the void, der neueste Streich von Gaspar Noé. Die Story: Ein Bruder schwört seiner kleinen Schwester, sie nie zu verlassen. 20 Jahre später. Ort: Tokio. Bei einer Drogenrazzia wird der Bruder erschossen, seine Seele kann keinen Frieden finden und schwebt im Raum, ist bei den Geschehnissen der Protagonisten dabei. Man erlebt als Zuschauer die Auswirkungen seines Todes und deren unmittelbaren Folgen und Reaktionen durch seine Augen mit. Seine Schwester, inzwischen auch in Tokio, Stripperin in einem Table Dance Schuppen, zerbricht fast an der Situation. Das Ende … ja, fast versöhnlich. Im Erzählstil von Memento wird rückwirkend fragmentiert berichtet und zusammengeführt. Das Ganze als heftiger Trip in die eigene Innenwelt. Soweit, so gut.
Die eigentliche Faszination aber beginnt in den ersten Minuten: Der Trailer. Hier wurde eine neue Anwendung geschaffen, die ihresgleichen sucht. Titel, Filmverleih, Akteure bis hin zu den Special-Effects, alle sonst für den Produzenten so wichtige Informationen, werden in einer typographischen Explosion gezündet. Jeder Name in einer neuen Schrift, maximal eine 2/10 Sekunde sichtbar. Das Ganze eng mit einem harten Electronic Beat verknüpft. Das Geniale: Man sieht die Namen, erfasst sie aber kaum. Was bleibt ist ein visueller Gesamteindruck. Und das ist neu. Das letzte Mal, dass so eine bahnbrechende, rein typographische Trailerlösung den Film revolutionierte, war für mich bei Woody Allen. Der Texttrailer war einfach negativ. Schwarzer Fond und weiße Typo. Ganz einfach. Danach wurde diese Idee oft kopiert.
Und da ist es wieder. Eine Sache funktioniert besonders gut, wenn man die Liebe im und zum Detail erkennt und auch umsetzt. Der Trailer von enter the void ist ein schönes Beispiel dafür. Das Ergebnis bleibt im Kopf hängen. Vielleicht mehr als der Rest des Films.
Und für die anderen ist es ein Vorspann.
enter the void_trailer
Tags: Film, Kreativität, Kunst
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13. September 2010 von Kerstin

Cafés waren schon vor vielen Jahren beliebte Aufenthaltsorte der Kreativen. Picasso oder Man Ray ohne das Café Parnasse – schwer vorzustellen.
Heute haben sich offensichtlich nicht nur die Kreativen deutlich vermehrt, auch ihre Arbeitsgeräte sind präsenter denn je. Kaum ein Café in der Innenstadt, das nicht von Vertretern der MacBookLatte-Generationen bevölkert wird. Das Notebook aufgeklappt, Kaffeeglas und iPhone direkt daneben, den Gesprächspartner gegenüber oder, via Skype, sogar direkt auf dem Bildschirm. Ideen – jede Menge.
Die Situation ist heute so normal wie auch andere Bilder aus dem kreativen Kosmos. Zahlreiche Werbefilme zeichnen permanent die Welt lässiger, innovativer Menschen, die rund um die Uhr gut gelaunt, flexibel und voller Ideen sind. Alles gelingt, alles ist easy. Energie, Leidenschaft, Freiheit und intensive kreative Stimmung ununterbrochen.
Wie viel Freiheit und Einzigartigkeit stecken heute tatsächlich in diesen Situationen und Vorgehensweisen, wenn gleichzeitig Kreativität und Flexibilität dermaßen als Monstranz in fast allen Lebens- und Arbeitsbereichen herumgetragen werden? Hat es noch etwas mit dem Café Parnasse zu tun, wenn selbst die EU es notwendig findet, der Kreativität ein Jahr zu widmen? (2009 war das Europäische Jahr der Kreativität, Anm. der Redaktion: Wow, wirklich ein ganzes Jahr für Kreativität! Und was ist da eigentlich passiert?)
Wie viel Besonderes ist möglich, wenn Kreativität und Ideen als Erwartungshaltungen von jeder zweiten Plakatwand verordnet werden, damit sich gefälligst alle daran halten – und zwar gerne und freiwillig. Stimmt gar der Gedanke »Kaffeehauskreativität, das ist doch keine Kunst.«
Oder sind das am Ende Bilder und Fragen, die den wahrhaft Kreativen gar nicht betreffen, weil er seinen Kaffee längst ausgetrunken hat und schon wieder fleißig bei der Arbeit sitzt?
Tags: Ideen, Kreativität
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