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Raus aus dem Konsens des Gewohnten

25. Februar 2013 von Kerstin

Wer wie ich ab und zu ein Musikinstrument spielt, weiß, dass man oft gerne gerade die Stücke spielt, die man besonders gut kennt, bereits oft gespielt hat und daher möglichst mühelos wiedergeben kann. Die meisten Menschen verwenden einen recht übersichtlichen Wortschatz und nutzen vor allem einzelne Worte häufig wiederkehrend, obwohl sie durchaus über viele Alternativen verfügten.

Warum diese Beispiele? Weil sie stellvertretend für unzählige Momente im Leben stehen, in denen wir zu Vorgehensweisen oder Dingen greifen, weil sie uns geläufig sind und wir sie gut können. Sie sind uns vertraut, sie haben sich bewährt oder wir haben uns mit ihnen bewährt und haben etwas bewältigt. Wie wir heute aus der Hirn- und Kognitionsforschung wissen, befasst sich unser Gehirn gerne mit Erinnerungen und Erfahrungen, die für uns »gelungen« waren. Kommt eine Situation, die einer entsprechenden Vergangenen gleicht, reagieren wir, indem wir das Memorierte wieder anwenden und damit auf Gelerntes zurückgreifen.

Das hat seinen Sinn: vor Tausenden Jahren war es lebenswichtig, weil energiesparend in rauer Zeit, bewährte Nahrungsmittel und Verhaltensweisen zu haben, um den eigenen Aufwand auf möglichst geringem Level zu halten. Bewährte Routinen aufzubrechen konnte schnell bedrohlich werden, (wurde aber trotzdem gewagt und hat so wesentlich zur Weiterentwicklung des Menschen beigetragen.)

Auch heute gibt es zahllose Fälle, in denen es uns hilft, unser Hirn im »Energiesparmodus« zu belassen und unbewusste/bewusste Routinen zu nutzen. Zumindest der Situation nach, in der wir leben, ist es uns heute aber auch besser und einfacher möglich, unsere Routinen »wacher« zu betrachten und sie bewusst zu hinterfragen. Angesichts des rasanten Verbrauchs begrenzter Ressourcen und der Häufung gesellschaftlicher und menschlicher Probleme, die unseren Alltag durchziehen, erscheint es obendrein zumindest schon mittelfristig bedrohlich, uns länger in einer Komfortzone zu wähnen und uns im Konsens des Gewohnten einzurichten.

Es ist daher besser, und noch dazu spannender und Lebensfreude gebender, den Hör-, Seh-, Denk- und Handlungsgewohnheiten neue Eindrücke, Perspektiven, Fähigkeiten und Möglichkeiten entgegenzusetzen. Natürlich kostet uns das alle eigene Energie und Zeit – und es kann unbequem werden, andere, neue Wege kennen zu lernen. Aber es lohnt sich, denn stellen wir uns die Höhlen vor, aus denen unsere Urahnen damals aufbrachen: Wollten wir so leben?

Übrigens, wer Lust hat, jede Menge erfrischende Ideen, Blickwinkel und konkrete Schritte über den Konsens des Gewohnten hinaus kennen zu lernen und sich anregen zu lassen, selbst etwas für sich, sein Leben und sein Umfeld zu bewegen: am Samstag, den 27.04.2013 finden unsere nächsten Inspiration Lounge TALKS in der Art68 in Köln statt.

Mehr Informationen über die Teilnehmer und Themen demnächst hier.

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PlanungsHoch

14. Februar 2013 von Chris

Die Planungen laufen auf Hochtouren. Die nächsten Inspiration Lounge TALKS 2013 werden am 27. April stattfinden. Als Location haben wir uns diesemal wieder die ART68 ausgesucht, die den TALKS schon beim letzten Mal einen Raum für angeregten Ideenaustausch gegeben hat.

Momentan sind wir viel unterwegs, um spannende Zeitgenossen und Themen für die TALKS zu versammeln. Coming soon.

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Danach ist davor.

13. Dezember 2012 von Chris

(nach den TALKS ist vor den TALKS)

Ein sehr spannendes und erfolgreiches Jahr nähert sich dem Ende. Bei unseren Inspiration Lounge TALKS 2012 haben sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen kennengelernt, Ideen, Wissen und Blickwinkel ausgetauscht und dabei neue Projekte an den Start gebracht. Wir sind begeistert von den vielen positiven Feedbacks.

Deshalb geht es nun in die nächste Runde. Die nächsten Inspiration Lounge TALKS 2013 werden im Frühjahr stattfinden. Wieder im neuen Gewand und neuen Modulen. Viele Dinge haben wir weiterentwickelt, einiges kommt neu hinzu. Mehr wird aber noch nicht verraten, nur so viel: künftig werden auch Experten aus wissenschaftlichen Bereichen die Inspiration Lounge TALKS 2013 mit ihren Ideen und ihrem Wissen bereichern, um zu neuen Perspektiven anzuregen.

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Inspiration Lounge TALKS 2012_die Dokumentation#4

29. November 2012 von Chris

(Felix Klemme in Aktion)

Vortrag von Felix Klemme_Gründer von OutdoorGym

Das Opening hatte es in sich. Zügig schritt Felix Klemme zum Tisch und leerte den Inhalt einer Flasche aus. »Um was handelt es sich,« fragte er in die erstaunte Runde? »Erde, Laub und Steine – Natur.« Die Antworten des Publikum erfreuten ihn. »Tja, für die meisten ist es nur Dreck, aber ja, es ist Natur.« Felix Klemme, der Gründer von OutdoorGym war mit diesem Intro schon mitten in seinem Thema.

(vor dem Vortrag)

Der moderne Mensch ist vernetzt, permanent in Projekten, eingespannt im engen zeitlichen Tagesrhythmus, gehetzt von Terminen und vergisst dabei ganz gerne eins: sich selbst. Auf Dauer führt dies unweigerlich  zu Unzufriedenheit und Ungleichgewicht. Genau dort setzt das Konzept von QutdoorGym an. Der Mensch soll wieder Teil der Natur werden, sich wieder natürlich verhalten. Laufen im Wald, Bewegung im Freien, oder eine überlegte Ernährung, die im wesentlichen auf Kohlehydrate und Zucker  verzichtet: all dies sind Komponenten, die in der Erfüllung ihrer Einfachheit die Voraussetzung einer zufriedenen Lebensgestaltung sind.

(Inspiration Lounge TALKS Plakat_Felix Klemme)

Zentral ist der Gedanke, dies in Gemeinschaft mit anderen zu tun. Körperkontakt, der zwischenmenschliche Austausch von Erfahrungen, Ideen und Emotionen stärken so den Einzelnen und die Gruppe.

Insgesamt gilt es, so Felix Klemme, eine Lebensart neu zu entdecken, die uns gut tut und die wir auf unseren Weg in den gedachten Fortschritt unterwegs vergessen haben.

Manchmal können Dinge so einfach sein.

Lesung von Wilhelm Schlote_Künstler und Zeichner

(vor der Lesung von Wilhelm Schlote)

Als Wilhelm Schlote zum Abschluss der Inspiration Lounge TALKS begann, aus seinem Buch »Mein Opa hat die Taschen voller Buntstifte« vorzulesen, wurde es im Publikum noch einmal ganz still. Volle Aufmerksamkeit für die Geschichte, in der Charlotte, die Enkelin eines Buntstiftzeichners, schildert, wie ihr Opa seinen Weg durchs Leben geht, indem er stets die eigenen Ideen verfolgt und sich durch Widrigkeiten nicht aufhalten lässt, vor allem mithilfe eines roten Zauberstifts. Denn stellt sich ihm beispielsweise ein Banker entgegen, der nichts vom Leben versteht und auch nichts von Phantasie und der Liebe zum Zeichnen, dann streicht er ihn mit seinem Zauberstift einfach durch, genau wie auch das Geldhaus.

(die Lesung)

Auch das zweite Buch, aus dem Wilhelm Schlote liest, »Krickel, Krakel und Andantino« handelt von Phantasie und dem Mut, den eigenen Vorstellungen nachzugehen, statt sich in die äußeren Rahmen zu fügen. »Wir sind heutzutage so bestimmt zur Anpassung an das, was »man von uns erwartet«, obwohl wir ständig von Individualismus sprechen. Wir können so vieles, aber wer traut sich noch, er selbst zu sein und dabei auch »über den Rand zu zeichnen«. Wir streben das Perfekte an und trauen den eigenen Ideen nicht, weil sie nie ganz perfekt sind, doch die wahre Entwicklung und Leben liegen im Unperfekten, im Menschlichen, eben in uns. Vor lauter Vernunft und der Liebe zu Messbarem, Sicherem haben wir fast vergessen, dass wir schon immer in unserer Geschichte durch Ideen weitergekommen sind, an die zuerst kaum jemand glaubte. Zeit also, sich endlich wieder zu erinnern.«

(Wilhelm Schlote im Gespräch)

Mit diesen Anregungen von Wilhelm Schlote endete die Lesung, und mit dem sich anschließenden, intensiven Austausch zwischen allen Teilnehmern und Besuchern klangen die TALKS schließlich in lockerer, gemeinsamer Runde aus. Es war ein Abend voller Blickwinkel und Impulse, der gute, neue Ideen und Kontakte auf den Weg gebracht hat.

(Inspiration Lounge TALKS Plakat_Wilhelm Schlote )

Wir danken nochmals allen Teilnehmern und Besuchern und freuen uns bereits auf die Inspiration Lounge TALKS 2013.

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Inspiration Lounge TALKS 2012_die Dokumentation#3

26. November 2012 von Kerstin

(Christian Feike kurz vor den TALKS)

Interview mit Christian Feike_Mitbegründer und Gesellschafter von investinlife

Christian Feike von investinlife gab in seinem Inspiration Lounge Interview allen TALKS-Besucher den konkreten Impuls, bewusster über den Begriff Rendite und seine uns gewohnte Bedeutung sowie vor allem über neue Blickwinkel darauf nachzudenken.

(Kerstin Döweler, Christian Feike – Über neuen Umgang mit Rendite)

Gleich zu Beginn des Interviews gab er uns Einblicke in die Entwicklungen des Finanz- und Anlagebereichs der letzten 30 Jahre, ausgehend von den entscheidenden finanzpolitischen Deregulierungen der frühen 1980er Jahre bis zu den heute für uns alle sicht- und spürbaren Ergebnissen. Was, so Christian Feike, in den USA und in England spätestens zur Zeit der Reagan- bzw. Thatcherregierung begann, gab den wesentlichen Ausschlag für die Tatsache, dass dem heutigen, aus real erzeugten Gütern und Leistungen bestehenden Weltsozialprodukt in Höhe von 55 Billionen US Dollar unfassbare 750 Billionen US Dollar von im Umlauf befindlichen Geldwerten gegenüberstehen. Diese Geldwerte verlangen nicht nur nach neuen Anlagemöglichkeiten, um noch mehr Geld »verdienen« zu können, sie veranlassen die meisten Banken und andere Anbieter, ständig neue Anlageprodukte zu »kreieren«. Dass solche Produkte selbst für viele Experten undurchsichtig geworden sind, wurde gerade im Rahmen der Finanzkrise deutlich.

(Das Thema wurde sehr interessiert aufgenommen)

Doch was sind nun unsere Möglichkeiten, durch Hinterfragen und Ändern unserer Gewohnheiten im Anlagebereich einen positiven Wandel zu unterstützen? Christian Feike regt neue Blickwinkel an: wir müssen endlich beginnen, auch den Erhalt unserer wichtigen Ressourcen, saubere Luft, Wasser und Natur genau wie das Schaffen sozial gerechter Arbeitsbedingungen als echte Rendite zu begreifen, und nicht mehr nur die rein finanziellen Vorteile einer Anlage zu betrachten. Nur dann sind wir alle in der Lage, mit unserem Geld tatsächliche Entwicklungen in Einklang mit Mensch und Umwelt voranzubringen. Solange wir das heutige Schema F wählen und nicht nachfragen, in was wir unser Geld anlegen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn es beispielsweise Rüstungsfirmen zugute kommt.

(Inspiration Lounge TALKS  Plakat_Christian Feike)

Wir selbst, so Christian Feike, müssen uns der Situation gewahr werden und verstehen, dass es wie bisher, gerade mit Blick auf unsere Ressourcen und zunehmende Krisen, nicht weitergehen kann. Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen. Wollen wir wie gehabt in Anlageprodukte investieren, die keiner mehr versteht; bei denen kaum einer von uns weiß, wer wirklich im großen Stil profitiert? Oder wollen wir mit uns transparenten, überschaubaren Anlagen zukunftsfähige Ideen unterstützen, bei denen nachhaltiges Wachstum z.B. bedeutet, dass ganze Wälder aufgeforstet werden oder Wasser wieder zu Trinkwasser wird?

(Short Break)

In der kurzen Pause nach dem Interview ist immer noch deutlich zu merken, bei wie vielen TALKS-Besuchern die aufgezeigten Zusammenhänge, das Auseinanderklaffen der Zahlen 55 Billionen und 750 Billionen sowie die Frage »wer profitiert eigentlich von meiner Geldanlage?« einen starken Eindruck hinterlassen haben.

Interview mit Eliott Martin_Gründer von Moogoo-Creative Africa

Als Eliott Martin zum Interview Platz nimmt, wird es gleich dreifach international, denn er ist am Vormittag nicht nur direkt aus Paris, seinem Heimatort, angereist und berichtet uns darüber, wie er mit Moogoo kreative Ideen und Arbeit aus Afrika und Europa verbindet. Er hat uns außerdem für unseren Interviewplatz zwei in Burkina Faso hergestellte Sitzbänke und einen Tisch aus dem Moogoo-Design/Möbel-Sortiment mitgebracht.

(Kerstin Döweler, Eliott Martin_Tisch und Sitzbank von moogoo)

Gleich zu Beginn des Interviews schildert er uns, wie er im Rahmen eines Arbeitsaufenthalts in Burkina Faso einheimische Designer und Künstler kennen lernte, deren Arbeiten ihn begeisterten. Er beschloss daher, Moogoo zu gründen, um diese Möbel und Design-Accessoires auf dem europäischen, speziell dem deutschen Markt anzubieten.

(Über das moogoo Konzept)

Nachdem er allen TALKS-Besuchern das Land Burkina Faso durch seine Schilderungen näher gebracht hatte, war es an der Zeit, darüber zu berichten, warum und wie er mit Moogoo nicht nur im Designbereich, sondern auch im Fair Trade viel bewegt. Das Konzept von Moogoo beruht nämlich darauf, frische, zeitgemäße Ideen aus Burkina Faso nach Europa zu bringen. Modernes Design durch Recycling, Recycling durch Design ist daher auch ein Leitsatz von Moogoo. Es geht darum, die Kreativität der Designer und Künstler, die sie in einzigartige Möbel, Objekte und Accessoires aus nachhaltigen Materialien umsetzen, als wichtige Ressource Burkina Fasos bekannt und geschätzt zu machen. Fair Trade mal nicht mit Rohstoffen, die dann hier in Europa weiterverarbeitet werden, sondern mit fertigen, besonderen Produkten aus Afrika. Das eröffnet Burkina Faso neben den bisherigen Rohstoffexporten einen weiteren, fairen Exportweg, der darüber hinaus den durch die Weiterverarbeitung entstehenden »Mehrwert« zu einem großen Teil direkt im Land belässt. Noch dazu, so Eliott Martin, beruht unser Moogoo-Konzept nicht auf ehrenamtlicher Arbeit, wie viele Fair Trade-Konzepte sonst. »Ich bin davon überzeugt, dass jeder für seine Arbeit hier und in Burkina Faso nicht nur fair bezahlt werden, sondern davon auch seinen Lebensunterhalt vollständig bestreiten können muss. Alles andere ist nicht zukunftsfähig und damit nicht nachhaltig.

Um unser ökonomisches Prinzip umsetzen zu können, müssen wir, statt auf ehrenamtliche Arbeit zu setzen, an anderer Stelle Kosten sparen. So arbeiten wir seit dem Start von Moogoo beispielsweise mit einem bewusst kleineren, übersichtlichen Sortiment und mit einem Showroom direkt bei unserem Lager in Deutschland statt mit mehreren Ladenlokalen und vielen verschiedenen Produkten.«

(Inspiration Lounge TALKS Plakat_Eliott Martin)

Am Ende des Abends hat Eliott Martin viele Fans für seine Moogoo-Möbel sowie für seine frische Idee gewonnen, Kontinente kreativ zu verbinden.

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