
(Kerstin Döweler_le tapir | Thomas Fuhlrott_zait)
Am Freitag, 20. April 2012 werden wir im Rahmen der Inspiration Lounge goes ART COLOGNE die Potenziale einer stärkeren Einbringung kreativer Denk- und Vorgehensweisen in die Ökonomie betrachten. Dazu haben wir Thomas Fuhlrott, den Mitbegründer des Unternehmens zait, zu einem Live-Interview eingeladen, weil er sich als Entrepreneur seit langer Zeit ganz konkret mit den kreativen Parallelen von Ökonomie, Entrepreneurship und Kunst befasst.
Als wir Thomas Fuhlrott zum ersten Mal interviewten, lautete seine Antwort auf unsere Frage, was ihn zur Gründung des Unternehmens zait bewegt hatte: »Wir wollen Impulse geben, die oft unhinterfragten Denk- und Vorgehensweisen in der Ökonomie aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Wir wollen Potenziale des Möglichen aufzeigen.« Mit dieser Motivation hat zait eine andere Art Olivenöl zu handeln entwickelt. Anders handeln heißt dabei für Thomas Fuhlrott und seine Geschäftspartnerin Tina Ottmann insbesondere, im Rahmen ihrer Arbeit ökonomische, soziale, ökologische und kulturelle Parametern durch gute Ideen und engagiertes Handeln harmonisch zu verbinden.

(Aus UNTERNEHMUNG)
Ein Schwerpunkt des zait-Konzepts ist der Gedanke der Reduktion. So ermöglicht ein übersichtliches Sortiment von hochwertigen Olivenölen die umfassende Begleitung und transparente Kontrolle der Produkte vom Anbau über Fertigung bis hin zum Versand. In ständiger, enger Zusammenarbeit mit den Produzenten im Mittelmeerraum wird das Naturprodukt Olivenöl in bester Qualität geliefert, statt dem Zeitgeist folgend immer mehr neue, fragwürdige Produkte auf den Markt zu werfen, deren Kosten sich gar nicht durch die Inhaltsstoffe, sondern durch notwendiges Styling und Marketingkosten erklären.
Das Prinzip des Jahresvorrats einzuführen und die dadurch gesparten Kosten für Lagerhaltung als Preisvorteil an die Kunden weiterzugeben, ist genauso ein weiterer Bestandteil des zait-Konzepts wie regelmäßige Kulturveranstaltungen, beispielsweise das Olivenölfest, bei dem jedes Jahr viele Besucher persönlich mit den Ölproduzenten, mit Künstlern und anderen innovativen Entrepreneuren zusammentreffen.
Bei der Gründung von zait ließen sich Thomas Fuhlrott und seine Geschäftspartnerin Tina Ottmann durch die Ideen des englischen Kunsthistorikers, Schriftstellers und Sozialreformers John Ruskin inspirieren. Dieser lebte im 19. Jahrhundert und betrachtete auf der Basis seines großen kunst- und kulturhistorischen Wissens auch die Ökonomie und Politik seiner Zeit. So erkannte er früh die negativen Auswirkungen der Industrialisierung, die auch heute noch so aktuell wie damals sind – beispielsweise die zunehmende Zerstörung von Natur, aber auch die utilitaristische Ausrichtung einer Wirtschaftspolitik, die allein fördert, was dem Profit dient, während sie viele soziale Aspekte unberücksichtigt lässt.

(Aus UNTERNEHMUNG)
Mit seinem Leitsätzen »Nur Leben ist Reichtum« und »Leben ohne eine Spur von Kunst ist Brutalität« forderte Ruskin schon damals nicht nur, dass alles unternehmerische Handeln sich an seinen Auswirkungen auf das Leben selbst messen lassen müsse und dieses schöner machen, erhalten und erweitern solle. Er zeigt vor allem auch wichtige, aus seiner Sicht notwendige Verbindungen zwischen Kunst und kreativem Schaffen sowie Ökonomie auf. In England inspirierte er mit seinen Ideen die Arts & Crafts Bewegung, eine unternehmerische Bewegung, der viele Künstler und Kunsthandwerker angehörten. Sie einte die Überzeugung, schöne und sinnvolle Dinge in der Umgebung der Menschen – Gebäude, Möbel, Keramik, Stoffe, etc. – unter menschenwürdigen Bedingung hergestellt, könnten in der Gesellschaft strukturelle Veränderungen für die Menschen – für Produzenten und Verbraucher herbeiführen.
Kunst und kreatives Schaffen sowie Ökonomie zusammenzudenken und daraus entstehende Potenziale zu sehen, dafür steht in der jüngeren Vergangenheit auch die Maxime von Joseph Beuys »Kunst gleich Kapital«, die aus dem von ihm entwickelten, erweiterten Kunstbegriff hervorgeht: jeder Mensch ist ein Künstler. Nach Beuys’ Auffassung galt das gerade auch für den im Rahmen der Ökonomie schöpferisch Tätigen.
Doch so spannend die Gedanken in der Theorie klingen, so wenig sieht man in der Gegenwart konkrete Umsetzungen. Passen Kunst und Ökonomie also tatsächlich und über die uns längst bekannten Verbindungen – über Kunstmarkt, Kunstsponsoring und Wertanlage hinaus zusammen? Wie kann es aussehen, wenn wir uns von der Auffassung entfernen, dass kreative Denk- und Vorgehensweisen der Kunst in der Ökonomie wenig zu suchen haben? Entrepreneur und Künstler, der Entrepreneur als Künstler – geht das? Anders gesagt: welche Entwicklungen sind möglich, wenn sich Denk- und Vorgehensweisen der Kunst in die Ökonomie erweitern?

(Aus UNTERNEHMUNG)
Direkt im Anschluss folgt die Präsentation von Thomas Fuhlrotts Buch »Unternehmung«, in dem er seine Blickwinkel auf Ökonomie und Kunst, Entrepreneure und Künstler als Anregung weitergibt. »Unternehmung« erscheint bei Lim & Asmuth Publishers und wird von uns im Rahmen unseres Projekts Inspiration Lounge meets Edition 20/50 herausgegeben.
Inspiration Lounge goes ART COLOGNE
Live-Interview mit Thomas Fuhlrott am Freitag, 20. April 2012 um 20.15 Uhr in der
Emmanuel Walderdorff Galerie | Jülicher Str. 27 | Köln
(Inspiration Lounge goes ART COLOGNE; 19.4 bis 20.4. 2012)