Category: Artikel

Eine Rose ist eine…

06. Juli 2015 von Kerstin

rosen(diesmal kein Zusammenhang mit  G. Stein)

Wunderschön, dachte ich gestern, als ich die Rosen sah. Dann fiel mir ein, wie ich mich vor einiger Zeit mit dem Hirnforscher und Inspiration Lounge Interviewpartner Dr. George Berbari über wissenschaftliches Arbeiten unterhalten hatte. Er sagte mir damals, dass sie sozusagen hinter jeder Tür, die sie anhand ihrer Forschung öffnen, stets unzählige neue Türen vorfinden. Dass dieser Umstand nicht frustrierend sei, sondern eine besondere Motivation, die allerdings nicht den Unterschied zwischen zu erlangendem Wissen und Verstehen verwischen dürfe.

Stell Dir vor, Du untersucht eine Rose bis in ihre kleinsten atomaren Bestandteile, Du erforscht alles akribisch, förderst enormes Wissen über Einzelheiten und Funktion zutage. Doch was hast Du am Ende nicht mehr: die Rose in dem, was ihre Gesamtheit, ihre Bedeutung und ihren Zusammenhang zur Umgebung, also auch zu Dir selbst ausmacht.

Der chilenische Wirtschaftswissenschaftler Manfred Max-Neef kommt in seinen Barefoot Economics zu ähnlichen Schlüssen: Noch nie zuvor haben wir innerhalb von nur 100 Jahren soviel Wissen angesammelt wie all das, über welches wir heute verfügen. Was wir allerdings brauchen, ist mehr Verstehen, auch um eine ökonomische Entwicklung zu schaffen, die den Menschen dient, statt die Menschen der Ökonomie. Solange ein Mensch seine permanenten Verbindungen zu anderen und zur Umgebung nicht begreift, solang er sich als jeweils getrennt von allem und allen betracht, wird er immer nur Wissen erlangen können.

Wir nehmen diese Positionen als Herausforderung, im Rahmen der Inspiration Lounge und der TALKS nicht nur Ideen, Wissen, Denken und Handeln ausgewählter Vorausdenker und -macher ins Blickfeld zu bringen, sondern auch die Zusammenhänge zwischen den Arbeiten in verschiedenen Fachbereichen aufzuzeigen. Was verbindet beispielsweise das Schaffen einer Künstlerin mit der eines Molekularbiologen? In welcher Beziehung stehen ihre Erkenntnisse zu uns anderen, zu unseren bisherigen Vorstellungen von uns selbst und der Umwelt? Wenn wir die Beziehungen erkennen: können und werden wir künftig anders, d.h. mit Verstehen und mehr Umsicht denken und handeln?

Viele Fragen. Wir bleiben dran.

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TALKS 2015

29. Juni 2015 von Kerstin

nl(unterwegs – amsterdam)

Nach intensiver Vorarbeit können wir Euch mitteilen: alle Interviewpartner für die Inspiration Lounge TALKS im Herbst stehen fest. Wir freuen uns auf eine wieder einmal ganz besondere Auswahl von zukunftsweisenden Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen.

Nachdem bei den letzten Inspiration Lounge TALKS insbesondere Vorausdenker und -macher aus dem unternehmerischen Feld im Mittelpunkt unserer Interviews standen, haben wir dieses Mal viel Wert darauf gelegt, eine ausgewogene Mischung interessanter Interviewpartner und Themen aus Wissenschaft, Kunst/Design und Wirtschaft zusammenzustellen. Gleich mehrere Aspekte haben uns dazu bewegt und inspiriert. Darunter u.a. die Feststellung, die von der langjährig engagierten Umweltaktivistin Joanna Macy formuliert wurde: ein gesellschaftlicher/ ökologischer Wandel erfordert nicht nur Leute, die Nein zu zerstörerischen Strukturen und Entwicklungen sagen. Es braucht Menschen, die vorangehen und neue, zukunftsfähige Ideen voranbringen, genau wie Menschen, die mit dem, was sie tun, wichtige Grundlagen für einen Bewusstseinswandel schaffen. Kurz: es geht um eine ganz große, interdisziplinäre Zusammenarbeit, und eben diese wollen wir auch mit den Inspiration Lounge TALKS fördern.

Entscheidend für unsere Auswahl von Interviewgästen war aber natürlich insbesondere, dass wir im Rahmen unserer Recherchen erneut auf Experten gestoßen sind, deren Schaffen wir so interessant und wichtig finden, dass wir es anhand unserer Arbeit gerne mehr ins Blickfeld bringen möchten.

In diesem Sinne, wir sehen uns bei den nächsten TALKS.

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Specialiteit

22. Juni 2015 von Kerstin

centraal(amsterdam centraal)

Es ist immer besonders, wenn uns die Inspiration Lounge aus Köln heraus in andere Regionen führt. Um eine Interviewpartnerin zu besuchen, fuhren wir vor eingien Tagen nach Amsterdam. Unser Treffen war ein Ausflug in eine neue Welt an den Schnittstellen von Kunst, Design und Naturwissenschaft, in die es bei den Inspiration Lounge TALKS im Herbst 2015 interessante Einblicke geben wird.

Unser auf das Treffen folgende Spaziergang durch Amsterdam hinterließ dagegen zunächst den Eindruck, dass auch diese Stadt, mal abgesehen von typischen Sehenswürdigkeiten wie Grachten und Rijksmuseum, vor allem dem CityShopping-Einheitsbrei aller Städte verfallen sei.

Dann allerdings kamen wir abends zurück zum Bahnhof, in dessen Vorhalle ich bei unserer Ankunft einen alten Flügel gesehen hatte. Als wir also die Vorhalle betraten, saß ein junger Mann an diesem Flügel und spielte ein klassisches Stück. Er war kein extra engagierter Pianist, sondern ein Passant, der sein Gepäck für den Moment neben dem Flügel abgestellt hatte. Offensichtlich wartete er wie wir auf einen Zug. Rund um ihn herum hatten sich andere Reisende, Passanten gesammelt, die inmitten allen Bahnhofsgewusels seiner Musik zuhörten. Auch wir blieben stehen und erlebten ein außergewöhnliches, kleines und gleichzeitig großes Konzert. Groß auch deshalb, weil durch die Musik und all die Menschen, die ihren Weg für diese Minuten unterbrochen hatten, eine ganz besondere Atmosphäre des Unvorhergesehenen und gleichzeitig Verbundenen entstand.

Ein wie aus der Zeit gefallener Moment, der vorbei war, als der Flügelspieler aufstand und wieder zum Passanten wurde, der einen Zug zu erreichen hatte. Ein kurzes Klatschen, und die Halle war im Handumdrehen wieder das, was sie vorher gewesen war. Als auch wir schließlich im Zug saßen, wurde mir klar: gerade haben wir in Amsterdam eine besondere Spezialität erlebt, die ich aus Deutschland nur wenig kenne. Die Idee, Menschen an öffentlichen Orten, wie dieser großen Bahnhofsvorhalle, die Möglichkeit eigener Gestaltungsräume zu geben und darauf zu setzen, dass anhand von Selbstorganisation, Spontanität und Kreativität Positives entsteht. Einmalige Situationen, die man so und mit dieser Atmosphäre eben nicht planen und erzeugen kann.

Es klappt, ich habe es miterlebt, und es macht große Lust, diese Spezialität mehr bei uns zu importieren.

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Zeitfrage

08. Juni 2015 von Kerstin

dirk kropp(dirk kropp)

Vor kurzem waren wir bei Aikido üben in Köln eingeladen. Der Aikido-Meister Dirk Kropp, vor einiger Zeit bei uns im Inspiration Lounge Interview, feierte das 30-jährige Bestehen seines Dojo. Es war ein schönes Ereignis mit vielen gut gelaunten Menschen im Austausch, viele Personen, die bereits seit über 20 Jahren Mitglieder bei Aikido üben sind. Für uns gab es dazu insbesondere eine Anregung, die wir gerne mit in unsere Weiterentwicklung der Inspiration Lounge hinein nehmen:

Als Dirk Kropp nämlich aus seinem 30-jährigen Schaffen als Aikido-Lehrer erzählte und dabei Ausschnitte seines Weges schilderte, die ihn nach und nach zur Änderung seines Aikido-Stils in die heutige Form brachten, wurde mehr als deutlich: lange Zeit eingeübte Pfade zu verlassen und etwas aufzubauen, das gerade aufgrund seines anderen Charakters geschätzt wird, braucht Zeit. Doch Zeit ist eben heutzutage das, was wir offensichtlich ständig denken einsparen zu müssen. Wie oft hört oder sagt man am Tag schon »Mach mal schnell dies oder das«. Und natürlich können gute Ideen auch mal von einem zum nächsten Moment entstehen, nur – die konsequente Umsetzung mit ihren oft genug tausenden Einzelteilen ist etwas ganz anderes und verlangt Geduld, Überlegung, Ausprobieren, Schritt für Schritt.

Also, begrenzte Zeit für uns alle einerseits, Schritt für Schritt umsichtig andererseits – ein unüberwindbarer Gegensatz? Nein. Zusammengenommen wird aus dem vermeintlichen Widerspruch eine logische Verbindung, die auf der Einladungskarte zur Jublläumsfeier des Dojo zu lesen ist: »Wir haben so wenig Zeit, wir müssen sehr langsam vorgehen.«

Genau.

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Everything interesting…

01. Juni 2015 von Kerstin

bunker3(bunkerk101)

…happens at the margins, vermerkte einst Richard Florida. Recht hat er, finden wir, und aus diesem Grund suchen wir unsere nächsten Interviewees und Themengebiete nicht dort, wo gerade alle stehen, sondern an Orten, die man als Orte überhaupt erst entdecken muss. Dieses Mal ging es in den bunkerk101. Unter dem Motto Gimme Shelter machten sich dort verschiedene Künstler darüber Gedanken, wer oder was heute schützenswert ist bzw. in welchen Formen ein Schutz Gestalt annehmen kann. Die Antworten reichten von zwischenmenschlicher Interaktion und Berührung bis hin zu filigranen Installationen.

bunker2(gimme shelter)

Was ist uns aufgefallen? Insbesondere, dass zwischenmenschliche Verbindungen sowie die Beziehungen zum näheren und fernen Umfeld offensichtlich so wichtig und schützenswert sind, dass wir sie im Rahmen der nächsten Inspiration Lounge TALKS gleich aus mehreren Perspektiven beleuchten werden.

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