Kategorie: Artikel

Xianglong zhaoi

02. September 2010 von Chris

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Hier wieder eine kleine Kostbarkeit, direkt aus Shanghai, von stageBack. Wer da ist, sollte sich dies nicht entgehen lassen. Wem dies zu weit ist, geht hier direkt zum Interview Susanne Junker.

»Xianglong zhaoi« – fliegender Drache nannten Forscher eine 2007 in China entdeckte Echse aus der Kreidezeit. Vor 125 Millionen Jahren glitt das kleine geflügelte Reptil auf der Jagd nach Insekten im Sinkflug von den Bäumen. Ungewöhnliche Wesen aus der Urzeit finden sich auch im Werk der europäischen Künstlerin Barbara Anna Husar (*1975, Austria): Riesige Echsen entstehen in ihrem Atelier. Mystisch, archaisch und gleichzeitig poppig-bunt sind ihre Urviecher kraftvolle Botschafter zwischen vergangenen Zeiten und der Gegenwart.

Einige ihrer Kreaturen sind Zwitterwesen zwischen Dinosaurier und Architektur. »Guggosauros Bilbao Titan« ist hierfür ein Beispiel, eine Mischung aus einem Reptil und dem Guggenheim Museum in Bilbao. Ob Knochen oder Stein, für Husar sind beide von Interesse als Rückgrat und Speichermedien unterschiedlicher Lebensformen, als Datenträger genetischer – biologischer wie kultureller – Codes, die sich ständig weiterentwickeln und sich im Kern doch gleichen. Gerade die explodierende Metropole Shanghai, deren Wandel durch die Expo 2010 nochmals an Geschwindigkeit gewann, bietet mit ihrer Gleichzeitigkeit von Hypermoderne und traditionellem Leben zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Husar wählt für ihre »Archi saurus«-Transformationen im Rahmen des Artist in Residenz-Aufenthalts bei stageBACK als erstes Motiv das Shanghai Art Museum, ein historisches Gebäude ganz in der Nähe des Platzes des Volkes, in dem heute Chinas führendes Museum moderner Kunst untergebracht ist. (Textauszug: Susanne Laengle, Wien 2010)

Parallel zeigt stageBACK als Weltpremiere den neuen Film von Barbara Anna Husar »core of flock«, sowie Skulptur, Grafik und Fotografie der Künstlerin.

Ausstellungsbeginn: ab 6. September, 2010

Interieur-Exterieur

30. August 2010 von Chris

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Die Sommerpause ist vorbei und schon stehen die nächsten Ausstellungstermine vor der Tür: Am Freitag, 3. September 2010, ab 18.00 Uhr, eröffnet die Ausstellung Interieur-Exterieur von Boris Becker in der Galerie Holtmann II. Wir haben Boris Becker vorab gefragt, welche Schwerpunkte die Ausstellung haben wird.

»Unter dem Titel Interieur-Exterieur sind meine neuesten Aufnahmen aus dem Projekt “Lawrence von Arabien” zu sehen, die im April diesen Jahres in Jordanien und Syrien entstanden sind. Die Aufnahmen stehen in einem direkten Zusammenhang zu meinen älteren Landschafts- und Innenaufnahmen, die die Ausstellung ergänzen. Es geht dabei um eine Auseinandersetzung zwischen Landschaft und historischer Architektur – ein Thema, das mich immer wieder über die vergangenen Jahre beschäftigt hat. In der Ausstellung stehen Ansichten von Feldern, Kontrollräumen, Wüstenlandschaften, zerstörten Bahnlinien und mittelalterlichen Kreuzritterburgen in einem Kontext, der die Spannung zwischen “Außen und Innen” thematisiert. Die bedrückende Stimmung eines ehemaligen Kraftwerkkontrollraumes und die endlose Weite der jordanischen Wüste sind dabei sicherlich die extremsten Eckpunkte in dieser Auseinandersetzung.«

Und gleich noch einen Anlass gibt uns Boris Becker, uns selbst, passend zum Titel seiner Ausstellung, aus dem Interieur ins Exterieur und wieder ins Interieur zu bewegen: In der Halle Zehn/Cap Cologne e.V startet auch am 3.9.2010 die Ausstellung SHIFTING REALITIES…Photographie und ihre Wirklichkeiten, in der ebenfalls Werke von Boris Becker vertreten sein werden.

SHIFTING REALITIES setzt sich mit dem doppelten Boden der Wirklichkeit, der Poesie, Ironie und Suggestionskraft der Fotografie auseinander. Die Ausstellung ist Teil der Internationalen Photoszene Köln sowie von plan10 Forum aktueller Architektur in Köln.

Hier direkt zum Inspiration Lounge Interview mit Boris Becker

Interview mit PUPLIK. ORG

26. August 2010 von Chris
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»… wie ein Tigerhai, der sein Maul aufreißt und alles filtert.«

Diane Müller und Werner Magar sind PUPLIK.ORG. Public Space is our Livingroom ist ihr Motto. Seit 2006 schaffen Diane Müller und Werner Magar gemeinsam Kunst im öffentlichen Raum und sorgen dadurch bei vielen für so manchen neuen Blickwinkel und spannende Durchbrechungen gewohnter Denk- und Verhaltensstrukturen.

Ihre Ideen und Projekte sind dabei äußerst vielfältig: Da sind Interventionen, wie beispielsweise The Crossroadfitnessfunlight oder die Gesangsperformance Hell’s Angies & Hartz IV Chor, die allseits bekannte Schlager mit neuen gesellschaftspolitischen Texten zum Mitsingen zwecks Bekämpfung der zunehmenden bürgerlichen Desensibilisierung und Passivität in die Öffentlichkeit trägt. Installationen, wie beispielsweise Radio Cut Up – eine Stele als interaktives Online-Radio, das Besuchern im öffentlichen Raum die individuelle Gestaltung einer Audiosendung ermöglicht, Installationen als neuartige Leitsysteme, entwickelte Objekte wie die Soundbomben oder Atmenden Kugeln… oder kurz gesagt: es ist unschwer zu erkennen, dass sich mit PUPLIK.ORG ein Team gefunden hat, das viele Ideen hat und diese konsequent umsetzt. Wichtiger Bestandteil des Arbeitsprozesses und der Ideenfindung ist dabei das Flanieren. Natürlich sind auch der gemeinsame Austausch, das gegenseitige Pushen bei der Konzeption und der Durchführung von Projekten sowie die Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten, z.B. Programmierern, unerlässlich.

Kennen gelernt haben sich Diane Müller und Werner Magar während ihrer Arbeit für das MARS-Exploratory Media Lab am Fraunhofer Institut für Medienkommunikation in Sankt Augustin. Nach einiger Zeit beschlossen sie, gemeinsam künstlerisch zu arbeiten – mit viel Spaß an der Freud, wie sie selbst sagen. Dabei denken sie darüber nach, wie der öffentliche Raum zum »Lebensraum« werden kann, – ob es dabei um guerilla-elektronische Taktiken in Einkaufpassagen, die Beschallung der Kölner Domplatte, die Aneignung und Neuverortung von Plätzen oder auch die Außendarstellung von Unternehmen geht.

Tatsächlich sind der Spaß an der Freud und jede Menge Energie gut nachvollziehbar, sobald man die beiden erlebt, wenn sie über ihre Ideen und Projekte erzählen, wenn man sie auf einem ihrer Gänge durch die Stadt begleitet oder in ihrem Atelier vorbeischaut, das sie sich mit zwei anderen Künstlern teilen.

PS: Auf besonderen Wunsch von Werner weisen wir darauf hin, dass der Arbeitsgang eines Flaneurs natürlich mehr dem Vorgehen des Walhais entspricht. Der ist nämlich deutlich freundlicher als ein Tigerhai.

Machen Sie es nicht kaputt, Herr Schlingensief

24. August 2010 von Kerstin

Christoph Schlingensief wurde von vielen Seiten gerne als Provokateur bezeichnet. Schubladen sind eben bequem für den Kopf. Ich habe ihn live erlebt und kam für mich zu dem Schluss, dass er die Dinge einfach so gesagt und menschlich bzw. kulturell ausgedrückt hat, wie er sie wichtig und richtig fand. Wenn das in den Augen vieler Personen eine Provokation darstellt, sagt das vielleicht weniger über Christoph Schlingensief als vielmehr über den geistig-kulturellen Zustand einer Gesellschaft.

Ebenfalls sehr viel zu diesem Thema sagt folgende Begebenheit: Christoph Schlingensief traf 2009, zusammen mit anderen Kollegen der Berlinale-Jury, auf Angela Merkel. Der Berliner Morgenpost berichtete er darüber später:

Das war erschreckend. Da sitzen ihr Henning Mankell und Tilda Swinton beim Kaffeetrinken gegenüber, und sie stellt keine Fragen. Da wird nur gefragt, ob man noch ein Stückchen Kuchen möchte. Im Büro zeigte sie uns so eine potthässliche Marmorplatte mit Kamelen an der Tränke, die ihr irgendein Ölscheich geschenkt hatte. Das mussten wir uns alle angucken. Und als ich mal auf das Adenauer-Porträt von Kokoschka zuging, was wirklich ein schönes Bild ist, dann sagte sie nur: „Ja, aber machen Sie es nicht kaputt, Herr Schlingensief, ha, ha, ha.“ Mankell, Tilda und Wayne Wang haben hinterher unabhängig voneinander gefragt: „Ist die immer so?“

the return of the living robots

22. August 2010 von Chris
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Dieses Wochenende fand auf der froscon2010 (free and open source conference) unter anderem ein sehr spannender workshop  mit ruin&wesen statt. Dabei ging es um die spielerische Kombination von Arduino-Technologie, PaperRobots, learning-by -the-way und einer Menge fun. Hier im Videoschnipsel ist einer der Prototypen, der arduino zombie rabit, zu sehen.

Der Sektor der PaperRobots erfreut sich immer größerer Fankreise. Von einigen vielleicht als spielerischer Nonsens betrachtet, entsteht hier eine Parallelwelt, die durch ihren von Leichtigkeit geprägten Umgang mit Codes und Design ganz schnell Einzug in den wissenschaftlichen und programmiertechnischen Kontext erhält. Viele dieser Ideen und Dinge werden wir morgen an Orten wiederfinden, an denen wir sie nicht erwartet hätten. time to change.

interview ruin&wesen

kami-robo (trailer unter dem logo anschauen!)

paperrobots1999

Mehr Alexis Korner

20. August 2010 von Kerstin

Gestern sah ich eine Dokumentation über die »British Blues Explosion«. Besonders aufgefallen ist mir dabei eine Stelle, an der berichtet wird, welche wichtige Rolle der Blues-Musiker Alexis Korner spielte, weil er sein Haus zu einem Dreh- und Angelpunkt für Nachwuchsmusiker machte.  In der Ansicht, junge Musker unterstützen zu müssen, half er immer wieder durch die Vermittlung von Auftrittmöglichkeiten und durch das Herstellen vieler Kontakte. So verdanken beispielsweise Brian Jones, Keith Richards und Mick Jagger Alexis Korner ihr Zusammentreffen sowie das Kennenlernen zahlreicher Musikclub-Besitzer. Bekannter Weise waren das Grundsteine einer erstaunlichen Karriere.

Warum ist mir gerade dieser Filmausschnitt aufgefallen? Ich denke, weil ich erst neulich mit Martin Haußmann darüber gesprochen hatte, dass es meist nicht ausreicht, eine Sache mit Leidenschaft, Ausdauer und Talent zu betreiben. Es braucht auch das Geschick, andere davon wissen zu lassen und vielleicht ein bisschen Glück. Vor allem aber sind ebenfalls Menschen wie Alexis Korner wichtig. Leute, die ein gutes Ohr, Auge und Gespür für das Können und die Qualität anderer haben und bereit sind, ihr Know-how, ihre Kontakte oder auch ihre Motivationskraft hilfreich einzusetzen.

Dann fuhren wir letztes Wochenende nach Weimer und lernten Konstantin Bayer kennen. Als Initiator der Galerie Eigenheim lässt er durchaus gedankliche Parallelen zu Alexis Korner erkennen. So vergibt die Galerie Eigenheim beispielsweise seit einigen Jahren Stipendien an Nachwuchskünstler, damit diese neben der eigenen künstlerischen Arbeit frühzeitig lernen können, ihre Werke im Galerienumfeld zu präsentieren, in Kontakt mit dem Publikum zu sein und sich so aktiv und kontinuierlich einen Namen zu machen. (Interessant ist dabei auch, dass Konstantin Bayer und seine Mitstreiter zumeist selbst gerade erst die Uni absolviert haben.)

Und noch eine Form von Einsatz für die Kunst haben wir an diesem Wochenende erlebt. Der Künstler und Fotograf Thomas Rusch entdeckte seine Begeisterung für die Arbeiten von Maxim Lichtenwald (Stipendiat der Galerie Eigenheim 2009) und erwarb zwei Werke. Das wieder führte zu Begeisterung bei Maxim, und nicht nur das. Da ich dabei war, kann ich sagen: der Motivationsschub war geradezu greifbar.

Was daraus folgt? Erst einmal, wie wichtig es ist, miteinander vernetzt zu sein und die Energie aufzubringen, sich auch persönlich zu treffen. Und natürlich, dass es absolut Sinn ergibt, sich untereinander auszutauschen, zu unterstützen und neue Verbindungen auf den Weg zu bringen – gerade auch über Fachbereiche und Generationen hinweg.

Denn wer weiß, wo Mick Jagger heute wäre – ohne Alexis Korner?

weimar conference_2010

17. August 2010 von Chris

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Manchmal ergeben sich Dinge spontan, so dass man schnell reagieren muss. Das taten wir dann auch. Unsere Kommunikationspartnerin Susanne Junker von stageBack, Shanghai ist für eine kurze Zeit auf dem europäischen Kontinent gelandet. Nach einem Intermezzo in Paris, traf sie sich u.a. mit Thomas Palme für eine Wandertour im Allgäu. Für uns hatte sie dann den nächsten Interviewee in der Reisetasche: Den Künstler und Kurator Konstantin Bayer, Galerie Eigenheim, Weimar. Also initiierten wir ein Treffen in Weimar.

Da Konstantin für die Gallery exchange (junge kunst aus weimar | contemporary bauhaus trifft Galerie Frenhofer, Berlin, geht bis 30. August) unterwegs war, warf er sich ins Auto und fuhr von Berlin nach Weimar, um sich mit uns für das Inspiration Lounge Interview zu treffen.

Und damit nicht genug. Der Fotograf und Künstler Thomas Rusch, Hamburg, war auch gerade wegen eines Projekts auf der Durchreise in Weimar. Wunderbar für uns, denn dies war unser nächstes Interview. Thema: Fotografie, Sexualität und Fetisch.

So geschah es, dass wir alle letzten Samstag in der Galerie Eigenheim zusammentrafen und, voilà, da war sie geboren: Die WeimarConference_2010.

Der Abend war sehr spannend, diskussionsfreudig und rotweinlastig. Es kamen immer mehr Leute in die Galerie, und so geht das Konzept von Konstantin Bayer und der Galerie Eigenheim bestens auf. Einen offenen Ort für Austausch, künstlerische Arbeit und interdisziplinäre Projekte in familiärer Atmosphäre zu erschaffen. Gut gemacht.

Interview mit David Jeanmonod

11. August 2010 von Kerstin

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I love legends

David Jeanmonod lebt in Biel, wo er sich gleich zwei großen Leidenschaften intensiv widmet: dem Piercing und der Rockmusik, speziell Heavy Metal. Wer jetzt denkt, David begnüge sich damit, ein paar Ringe im Gesicht zu tragen und regelmäßig Konzerte zu besuchen, liegt falsch.

David Jeanmonod ist einer der Menschen, die es verstehen, aus ihrer Leidenschaft etwas besonderes zu machen. 1992 beschloss er, Europas größten Piercing-Laden mit der umfassendsten Piercing-Schmuck-Kollektion haben zu wollen. 1997 realisierte er seine Idee und eröffnete »Camden Town«. Heute kommen Kunden aus ganz Europa, um sich von David piercen zu lassen. Und selbst an Tagen, an denen er alle 5-10 Minuten ein Piercing setzt, bleibt er locker und behält die Faszination an seiner Arbeit.

2007 beschloss David, zusätzlich zu seinem Laden, die Größen des Rock-Business zu interviewen. Heute, nach Interviews mit Bands wie KISS, Megadeth, Clawfinger, Slipknot und HIM., kennt er nicht nur Musiker wie Gene Simmons, Eric Singer und Ville Valo persönlich, nein, sie kommen auch in seinen Shop. So entstand irgendwann auch Davids Idee, zusätzlich ein eigenes Interview-Magazin herauszugeben.

Dass alles so gut und selbstverständlich zusammen funktioniert, hat mehrere Gründe: So ist bei David sehr gut erkennbar, wieviel kontinuierliche, fokussierte Arbeit, Ideen und Kontaktaufbau hinter der gleichzeitig vorhandenen, nach außen sichtbaren »mühelosen Perfektion« stecken. Ein wesentlicher Teil des Erfolgs ist außerdem, was David gerne »Family Business« nennt. Auch Davids Frau Jenny ist mit viel Engagement für »Camden Town« bei der Sache. Neben Laden, Kollektion, Rockstar-Interviews und eigenem Magazin, konnte so auch noch die eigene Absinthe-Kollektion, genannt »Piercinthe« in Angriff genommen werden. Der Hersteller ist ein Nachbar Davids: Oliver Matter.

David Jeanmonod ist, kein Wunder bei seiner eigenen Geschichte, fasziniert von dem Spannungsfeld zwischen Images und dem darin oder dahinter liegenden »normalen Leben«. So schaut er in seinen Interviews den Rockstars gerne hinter die Show-Kulissen und liebt es selbst, auch ein »weird guy« zu sein.

Für David haben wir die Ausnahme gemacht: ein Inspiration Lounge Interview in Schriftform. Um Euch trotzdem einige persönliche Live-Eindrücke zu geben, folgt nach dem Interview noch ein Shortcuts-Video. Es entstand, nachdem unser Aufnahmegerät in ein Wasserglas gefallen war.

Das Interview

Kerstin: David, why and how did you become a Piercer?

David: My father was the director of the biggest department store in Bienne. He always told me, that you have to work hard to become a good personality. 1992 I got my first Eyebrow-Piercing in London. When I saw the Piercing shops over there for he first time, I really thought: Wow, that’s I want to have. You know, they had lots of different Piercing items and in Switzerland you only got Barbells and a few things more. So I said to myself: When I’ll have finished my apprenticeship as an electrical technician (that’s what my father wanted me to be, because it’s a solid profession – for me it was a nightmare) I want to have the biggest Piercing Shop in Europe with the biggest collection.

I opened my shop in 1997 and it really is Europe’s biggest Piercing Shop. My collection is huge, 25.000 items i.e. only for navel-Piercing – and many, many more. Every day the shop is crowded. I pierce a lot of people, sometimes every 5-10 minutes another person. This means I’ve to work concentrated all the time. Sometimes people come only to see the collection and talk a bit. Today we’ve just talked about Bienne’s big loss. Nicolas Hayek died yesterday. You know who he was?

He was a big manager, the director of Omega and he also »invented« the Swatch. He always got this idea of perfection, creation and hard work. For me he was a symbol.

Kerstin: Because of his perfection?

David: Yes, but also because of his attitude. He had a lot of success but never lost contact to normal people. He walked through Bienne like others, talking to all people, not only to the rich. Also his products or the labels he managed express this attitude. Omega and Swatch, which means there’s a swiss watch for everyone. I tell all the people, who work in my shop: Whoever comes in – a guy from around the corner, a rich young lady or a rock star – they all deserve the same amount of respect. Only if you work like this it’s good work. And for me, good work is very important. People have to be happy, they need to make a good experience.

Kerstin: When did you start to pierce people?

David: I started in 1995, when I was in the swiss military. I was at the biggest military school, placed in Lugano, stayed one month and then told them to count me out. So they sent me to the medical corps, where I stayed for three years. Every day I had to make countless injections and gained more and more experience in working with these medical instruments. After a while we started to make piercings for one another when we had some time left.

After that I went to a Piercing school in London, Camden Town. There I learnt all the facts and procedures for another 6 months. I opened my shop and in the end I can say that I’ve been lucky.

You know, in the last 25 years we’ve seen quite a lot of Piercing shops around here in Bienne, but they all had to close. Often because of selling not only the Piercing but also some kind of drugs. My idea has always been completely different. I don’t like drugs, I never smoked. I just wanted to give people a huge Piercing collection and a good, friendly and hygienic atmosphere. Ok, I like to have my own style, I like to look different and don’t want to be like many others – especially concerning cigaretts, drugs or too much alcohol. But in fact, I love to be normal – with a mask. You know, every day I go out and run 10 kilometers. I even do 100 kilometer runs. But I don’t like people to know that.

Kerstin: This sounds a bit like Tom Waits living a »typical star life« but behind the scenes he drinks green tea and eats this macrobiotic stuff.

David: Yes, perhaps it’s a bit like that. You know, last year I made an interview with an australian rock band. First I went to their concert where the lead singer was emptying one whiskey bottle after another. I was afraid and asked the manager if the singer will be in the condition to answer my questions after the concert. I got »No Problem« as an answer. They told me that it’s no whiskey but ice tea in the bottles. This means the singer is in full control while giving this Sex, Drugs and Rock’n Roll image for the audience. This is what they love to see.

I also like this image. I like people saying Wow. I like KISS on stage with all this blood and fire show. Just what I said – I love masks. With a mask you can say whatever you want, you have a Joker. For me it’s like a chance not to be David, to be someone else, just for an instant.

Even the thought gives you incredibly many possibilities. When I see my son, 5 years old, playing in his Toy Story Costume – one day he saves the world, another he fights alien enemies – isn’t that fantastic. I’m 36 now and sometimes I really want to have these times back.

Kerstin: So, what you have in common with the rock stars is that you have a special look and keep the Rock’n Roll image alive – while behind the scenes you are all hard working people?

David: Not all the rock stars are like that. Tommy Lee of Mötley Crüe i.e., he takes the Sex, Drugs and Rock’n Roll image too literally. So my interview with him was hell. A person like Gene Simmons is completely different, very intelligent, very open-minded and a perfect gentleman.

But back to what you said: really, when I open my shop, it’s my stage. I don’t look like I do now but more like a weird guy, wearing dark clothes or a rock band T-shirt and so on. I want my customers to have this impression. On the other hand I want to be a good example. I am totally focussed on my work and I never drink during the week.

You know, many people think of dirt, smokey air and alcohol when they imagine a Piercing shop. But my shop is completely different. I like other gadgets while working. Certainly Rock music – and I have 6 TVs and computers in my shop. I take care of my collection and love when people enter the shop and are surprised that it’s not like the imagined a Piercing Studio before. This experience remains in their minds and I like to make this difference. I like to make this effort.

I think, years ago people in general made more effort. I remember when Freddy Mercury died. A lot of worldwide known musicians made this »A tribute to Freddy Mercury« concert happen and thousands of people came to Wembley to show their respect and say Farewell to the former singer of Queen. Now, we have more and more a Kleenex-Age. People sit at home watching videos on Youtube, one after another. Everything is easy to get, easy to consume and to throw away. I don’t think that things like that will be remembered for a long time. They leave a big nothing and this will hopefully not be our future.

Also younger people…nearly every day some of them come into my shop and tell me that later on they want to be a piercer like me. »You can go to rock concerts, you know the rock stars, you can look like you want to, you have money, go to London once a month, that’s cool.« And I say: »Do whatever you want but don’t become a piercer. You’ll have to work very hard and constantly, you don’t have big party all the time, you’ll never go for a big holiday, you’ll have to be 100% on the job every day. This is not the fast and furious life you suppose, no getting rich pretty fast. And if you want to go to London, get yourself an Easyjet ticket and go. What’s your problem?

Kerstin: But isn’t it also true that on the other hand you do a lot to make this Piercing-Story look so damn cool. Your shop is your stage, you hear rock music while working, you colour your hair, pierce people like Eric Singer of KISS and do all these rock star interviews. I think that really seems more fascinating to a lot of people than doing a 9 to 5 office job. And they only see this »fun side«, not the work side. I think all these impressions work very well – same as with the rock star life we talked about before. In the end it’s also a big marketing story, isn’t it?

David: Yes, that’s true. But also this difference between the image and the »normal life« is very interesting. I love to interview these rock stars right after a concert. They’ve done their job, are relaxed. We’re on the same level. There’s no more rock star looking down at you from a stage.

Kerstin: When and why did you start making these rock star interviews?

David: ‘Til 2007 I went out with my dog and ran every day. Then my dog died. To push my thoughts in another direction I had to change my routine a bit. A good friend of mine works fort the »Journal du Jura«. He convinced me to make these interviews for the newspaper and gave me all his contacts. First I was afraid to do it and thought my english isn’t good enough. But then I’ve learned that if you really want to talk with somebody – you have to try and you’ll manage. Today I love doing an interview because I like to get in touch with these different interesting people. I also love rock music. Til I was 18 I was the drummer of a rock band. Today I only play for my kids – at least I try.

And, of course, I want to know what’s behind these rock star images. In my interviews I simply ask. I.e. is the blood KISS often uses for their shows real or artificial? How long do they need to put on their make-up and so on. I want to know what the musicians say themselves. I like to hear their personal points of view. That’s looking behind the masks.

Kerstin: So you like masks and looking behind them?

David: Voilà, that’s it. And I really love legends, people like Gene Simmons, Marilyn Monroe or the story of Loch Ness with this weird creature. I Iike when you don’t know wether the things you see and hear are reality or fiction, mask or no mask. You know, one day when I was a kid I started to wonder if Santa Clause really exists. I had my parents in suspicion to bring the gifts. When I asked my father he told me: »If I say now that it’s me, the story will be finished forever.« He was right. Today, in a world where so many people want to have things neat and sure, it’s much more fun to have an open end. When things aren’t clear, all remains more exciting.

Kerstin: One last question. Is there someone you’d like to recommend for our next Inspiration Lounge interview?

David: Ok, I have to think about it, because I know a lot of people who would have something interesting to tell. I think you should meet Chris aka Shippuunotenshi, He’s a great photographer and a good friend of mine.

Last but not least: David Jeanmonod in Shortcuts

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Heute sprechen wir mal über Preise

10. August 2010 von Kerstin

Vor mehr als neun Jahren haben wir uns den Namen le tapir gegeben. Der Name hat sich inzwischen so mit uns verbunden, dass Freunde und Bekannte uns gerne mit den Worten »ah, die Tapire sind da« begrüßen und wir unsere Inspiration Lounge-Mails stets »mit besten Grüßen von den Tapiren« verschicken.

Dank Ceren Meissner und Martin Haußmann fand nun der oben abgebildete Tapir seinen langen Weg von Burkina Faso über Avignon bis in unser Kölner Domizil. Und weil Berlin seine goldenen Bären hat und Cannes die goldenen Palmen, kam uns die Idee, das Geschenk zum Anlass zu nehmen, künftig im Rahmen der Inspiration Lounge ebenfalls einen jährlichen Preis zu verleihen: den goldenen Tapir.

Mehr dazu demnächst.

Can’t you see that I’m…

08. August 2010 von Kerstin

Gestern sprach ich mit einer Freundin, die seit langer Zeit Kurzgeschichten schreibt. Sie erzählte mir, wie sehr es sie immer wieder erstaune, wenn andere sie fragen, ob sie denn nicht davor Angst habe, dass ihr auf einmal keine gute Idee mehr einfallen könnte.

»Oft kommen diese Fragen gerade dann, nachdem ich eine meiner Geschichten erfolgreich verkauft habe. Ich weiß also, dass mehr als eine Hand voll Menschen diese Geschichte gut fanden. Kurz darauf bin ich natürlich schon bei den nächsten Geschichten und just da kommt dann die Frage nach meiner Angst vor dem Ausbleiben guter Ideen. Das ist, offen gesagt, nicht unbedingt förderlich. Ich finde es auch nicht ganz nachvollziehbar, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Ich habe den Eindruck, dass nur Leuten aus per se kreativen Berufen diese Frage gestellt wird. Würde man einen Konditor, der gerade einen guten Kuchen gebacken hat fragen, ob er nicht fürchtet, dass ihm schon morgen die Ideen für guten Kuchen ausgehen könnten?

2. Die Frage geht gedanklich davon aus, dass ich mir alle Ideen zu meinen Geschichten ausdenke, dass sie aus mir allein »herauskommen«, praktisch einfach so. Ich muss nur meinen Kopf genug bemühen, um auch noch in den letzten Winkeln meines Hirns eine Geschichte zu erfinden. Und wenn mir das nicht mehr gelingt, ist alles zu Ende. Leute, diese Sichtweise übt einen enormen Druck aus, weshalb ich mir schon vor einiger Zeit eine andere Auffassung zugelegt habe.

Diese basiert auf einer Gewohnheit der alten Römer. Brachte damals jemand etwas besonderes zustande, sprach man davon, er habe einen Genius gehabt. Der Genius half einem dabei, aus der täglichen Arbeit und dem eigenen Engagement etwas wirklich Beeindruckendes zu schaffen. Interessant ist übrigens, wie sich die Redensart im Laufe der Jahrtausende verschoben hat, denn heute sprechen wir nicht mehr von einen »Genius haben«, sondern von selbst ein »Genius sein«. Gingen die Römer also selbstverständlich davon aus, man brauche zur ganz besonderen Leistung auch noch Hilfe von außen oder von oben (je nachdem, wie man es sehen will), verlagerte sich die Verantwortung danach auf den Schaffenden allein. Kein Wunder, dass damit erheblicher Druck und Versagensangst verbunden sein kann. Kein Wunder auch, wie viele Künstler, Schriftsteller oder auch Wissenschaftler sich schon damit gequält haben.

Sieht man es mehr so wie die Römer, erhält die ganz Angelegenheit ein freundlicheres Gesicht. Statt immensem Druck, alles aus sich selbst heraus entstehen lassen zu müssen und dabei völlig allein zu sein, muss ich nur mit meinem ganzen Engagement weiter an meinen Dingen arbeiten. Ich schaue also, dass ich »meinen Teil« der Arbeit stetig und immer so gut wie möglich mache. Ich kann zwar nicht dafür garantieren, dass ein Genius jeden Tag genauso konzentriert bei der Sache ist und »seinen Teil« dazu liefert. Aber ich gehe doch davon aus, dass er zumindest ab und zu reinschaut, solange ich mich weiter über und dranbleibe. Bis heute klappt das gut so.

Es gibt dazu auch eine schöne Geschichte von bzw. über Tom Waits. Wir alle kennen wüste Stories über ihn und es heißt vor allem, er habe sich lange Jahre immer wieder in unglaublicher Tag- und Nachtarbeit unter zahlreichen »Hilfsmitteln« abgearbeitet, um die vielen Songs entstehen zu lassen. Eines Tages aber »passierte« ihm Folgendes.

Er fuhr gerade mit dem Wagen durch L.A., als ihm eine Idee, eine Melodie durch den Kopf schoss. Normalerweise ging er in solchen Momenten sofort an’s Klavier und zu Stift und Papier, um die Melodie festzuhalten. Das ging jetzt aber nicht, und er geriet fast in Stress vor Angst, die Melodie zu verlieren. Doch stattdessen fuhr er an den Straßenrand, hielt an, sprang aus dem Auto, schaute leicht erzürnt nach oben und rief laut: »Can’t you see that I’m driving?«

Er selbst sagte darüber, er wisse nicht genau, was ihn bewegte, das zu tun. Aber er wisse genau, dass er seine Arbeit ab diesem Zeitpunkt anders begriffen habe – ohne den ganzen nervenden Druck – mit mehr Freude und Selbstverständlichkeit.«