Category: ALLE INTERVIEWS

Interview mit Konstantin Bayer

25. März 2011 von Chris
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»Wir kreieren hier Ideen, um Fragen des 21. Jahrhunderts aufzugreifen.«

Unser Weg führte uns diesmal nach Weimar. Hier hat Konstantin Bayer –  Absolvent an der Bauhaus Universität – mit der Galerie Eigenheim einen Hot Spot initiiert.

Weg vom klassischen »white cube«, hin zu einen Raum, in dem Künstler leben, arbeiten, sich austauschen und ihre Positionen immer wieder nach außen tragen – in dem Besucher offen und herzlich empfangen werden. Und tatsächlich: die Galerie Eigenheim ist ein Platz, der einen schnell für sich einnimmt. Schon deshalb, weil die besondere Mischung aus Experimentierfreude, intensiver Arbeit und gleichzeitiger Entspanntheit fasziniert.

Die Eigenheim-Künstlergemeinschaft um Konstantin Bayer und Geschäftsführerin Bianka Voigt vertritt folgenden Ansatz: bereite dich und andere junge Künstler auf den Alltag und dein Schaffen nach der Akademie vor; lerne und gib weiter, wie Ideen und künstlerische Arbeit nach außen mitgeteilt werden, wie Netzwerke auf- und ausgebaut werden können, Projekte schnell und eigenständig zu realisieren sind. Überhaupt: Verlasse dich auf die eigenen Fähigkeiten und die eigenen Wege in Zusammenarbeit und Austausch mit einem offenen Verbund von Mitstreitern.

Als logische Konsequenz dieser Denkweise vergibt die Galerie Eigenheim auch Stipendien. Junge Künstler erhalten dadurch nicht nur Raum und Unterstützung, um ihre Arbeiten voranzubringen und Ausstellungen zu kuratieren. Learning by doing nehmen sie den Weg, ihre eigene Kunst eigenständig zu kommunizieren und sich nicht darauf zu verlassen, dass solche Fragen durch Galeristen gelöst werden.

All das sind Gründe, die Galerie Eigenheim als ein gelungenes Biotop für neue Ideen sowie neue Formen von Zusammenleben und -arbeit zu sehen. Darüber hinaus stehen die Eigenheimer im regen Austausch mit anderen Galerien – von Berlin über Marseille bis Shanghai. Die Verbindungen nach Shanghai entstanden, weil Konstantin Bayer dort im Rahmen eines Studienaufenthaltes längere Zeit verbrachte. Er agierte dort als künstlerischer Leiter der Galerie Island 6 Shack , initiierte Kunstaktionen im öffentlichen Raum und realisierte Vorträge und Performances im Museum für Zeitgenössische Kunst. Seine Erfahrungen brachte er wieder mit nach Weimar.

Wer sich davon vor Ort überzeugen will, sollte sich neben Goethe- und Bauhaus eben auch das Eigenheim nicht entgehen lassen.

PS: Im Film sind die Werke folgender Künstler zu sehen: Enrico Freitag, Lars Wild, Björn Jung, Maxim Lichtenwald, michaL Schmidt, Tom Ackermann, Adam Noack, Sebastian Roth, Benedikt Braun und Thomas Liffert.

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Interview mit Lothar Müller

17. März 2011 von Chris
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»Entwicklungsbereitschaft muss jeden Tag mit Herzblut vorangetrieben werden.«

Nachdem wir uns in den letzten Wochen verstärkt den Weingütern gewidmet und inzwischen die Inspiration Lounge_Edition Connaisseurs auf den Weg gebracht haben, liegt folgende Überlegung nahe: Was passt hervorragend zu ausgezeichneten Weinen? Ausgezeichneter Käse natürlich. Wir wären nicht die Inspiration Lounge, wenn wir nicht unsere Fühler ausgestreckt hätten, um einen besonderen Schatz zu finden. Et voilà – es hat uns zu diesem Zweck an einen Ort verschlagen, bei dessen Namen wir zuerst nicht zwingend an Käse dachten: Hockenheim. Doch tatsächlich: In Hockenheim liegt nicht nur ein wahres Käseparadies, nein, wir trafen dort auch ihn – den Käsepapst Lothar Müller. Doch halt, jetzt der Reihe nach.

Lothar Müller, Ex-Manager, Jazz Drummer und leidenschaftlicher Motorradfahrer, entschließt sich vor 15 Jahren, die gesicherten Gefilde des Prokuristendaseins zu verlassen. Auslöser war u.a. ein längerer Aufenthalt in Asien, der es dem Betriebswirt und Molkereimeister nach seiner Ankunft in Deutschland unmöglich machte, weiter so zu arbeiten wie bisher. Für ihn gab es nur eine Entscheidung: Alles Käse. Auf der Basis seines umfassenden Know-hows, seiner Erfahrung und Entwicklungsbereitschaft gründete er die Käsemanufaktur.

Mit der Käsemanufaktur verfolgt er ein einfaches Credo: Nur die besten Zutaten, regionale Milch von ausgesuchten Bio-Milchhöfen aus der direkten Umgebung oder kurz gesag: nur beste Qualität verarbeiten, nur beste Qualität produzieren. Er nennst sich selbst einen leidenschaftlichen Wahnsinnigen, produziert über 20 verschiedene Käsesorten, entwickelt die Käsekunst mit viel Ideenreichtum und besonderem Augenmaß permanent weiter und wird schon seit langem von Feinschmecker und Gault Millau mit Auszeichnungen überschüttet. Man ernennt ihn nicht nur zum deutschen Käsepapst und Käsebotschafter, auch die weltweit wichtigste Käsegilde, die Guilde Fromagers St. Uguzon, inthronisiert ihn zum Garde et Jure.

Nun, wir hatten nicht nur das Glück beim Papst eine Audienz zu erhalten, sondern wurden nach einer äußerst fachkundigen und persönlichen Einführung in die Welt der erstklassigen Käseherstellung mit einem Querschnitt von Lothar Müllers Meisterwerken verköstigt. Mein persönlicher Favorit: Das Paprika-Chili Wunder. Kerstins persönlicher Favorit: alle.

Ach ja, neben dem Käse machen jammt Lothar Müller als Drummer und spielt u.a. mit Werner Goos und Dave King in einer Band. Die kann natürlich keinen anderen Namen haben als: Pope of Cheese.

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Quo vadis, fluegel.tv_ein Interview mit Robert Schrem

25. Februar 2011 von Kerstin
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Es bringt nichts, im eigenen Saft zu schwimmen.

Als wir Robert Schrem zum ersten Mal interviewten, waren die Diskussionen um S21 auf dem Höhepunkt, ständig fanden Großdemonstrationen statt und fluegel.tv war, wie auch am 30.9.2010 im Stuttgarter Schlosspark, live dabei.

Nach den Schlichtungsverhandlungen und dem Schlichterspruch von Heiner Geißler schien dann, zumindest aus einiger Distanz betrachtet, wieder etwas Ruhe eingekehrt. Zumindest ebbten die Berichterstattungen über das Großprojekt S21 in Fernsehen und Presse deutlich ab, obwohl auch weiterhin regelmäßig Demonstrationen vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof stattfinden.

Wie geht es in dieser Situation nun mit fluegel.tv weiter, fragten wir Robert Schrem in einem Skype-Interview. Wohin wird sich der Online-Sender und Pionier der Live-Übertragung aller wichtigen Geschehnisse um S21 in Zukunft entwickeln? Sind jetzt, nach den Schlichtungsverhandlungen neue Sendeformate und Themen geplant? Wird fluegel.tv weiter ausgebaut?

Und wie ist eigentlich die Stimmungslage in Stuttgart: Sind die S21-Konflikte beigelegt oder schwelt es weiter? Besteht nach wie vor Interesse und Engagement für mehr Bürgerbeteiligung und neue Formen politischen Austauschs?

Robert Schrem schildert im Interview, warum die Auseinandersetzung der S21-Gegner mit den politisch Verantwortlichen so schwierig ist und es wohl länger als gedacht dauern wird, politische Beteiligungs- und Kommunikationsstrukturen zu ändern. Er erklärt außerdem, warum sich fluegel.tv jetzt, kurz vor der Wahl in Baden-Württemberg, zu zahlreichen Landpartien aufmacht, ganz gemäß dem Motto: es bringt nichts, im eigenen Saft zu schwimmen.

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Interview mit Lukas Roth

10. Februar 2011 von Kerstin
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»In die Fotografie bin ich reingefallen.«

Lukas Roth ist Architekturfotograf und Künstler. In die Fotografie reingefallen ist er schon in jungen Jahren. »Ich hatte eine für Fotografie begeisterte Großmutter. Es war deshalb nicht schwer, die eigene Faszination für den Bereich zu entdecken.«

Sein zeitgleiches Interesse für Architektur legte schon während seines Studiums an der Ecole Nationale de la Photographie in Arles die Spezialisierung auf Architekturfotografie nahe. Seit 1991 arbeitet Lukas Roth als freischaffender Fotograf. Die Zusammenarbeit mit Architekturbüros wie u.a. Christian Bauer Architects, Paul Bretz Architects, Peter Kulka sowie Massimiliano Fuksas, Peter Zumthor und Sir Norman Foster führt seitdem zu besonderen Fotografien von besonderer Architektur. Für Lukas Roth bedeutet Architekturfotografie dabei, gebaute, dreidimensionale Architektur in zweidimensionale Abbilder zu übersetzen. Die Architektur durch die Fotografie zu erklären heißt für ihn, Charakteristiken, die ein Bauwerk kennzeichnen, anhand des fotografischen Abbilds deutlich zu machen, hervorzuholen – das Wesen eines Gebäudes und damit Ideen und Entwurf des Architekten zu zeigen und nah zu bringen. »Mit meiner Architekturfotografie schaffe ich Dokumente von Bauwerken, die klare und wahre Aussagen über Architektur treffen.«

Seit 2002 nimmt sich Lukas Roth neben der Architekturfotografie auch wieder Zeit für seine künstlerische Arbeit. In seinen Werken geht es Lukas Roth, im Gegensatz zum rein Dokumentarischen darum, seine eigenen Kopfbilder umzusetzen. D.h., er bildet seine persönlichen Eindrücke von Orten und Situationen ab, die mit der normalen Fotografie nicht festgehalten werden können. Um dies zu bewerkstelligen, sind nach dem Entstehen eines Kopfbildes in der Umsetzung zahlreiche Einzelfotografien notwendig, die in aufwändiger Kombination und Bilderbearbeitung zusammengefügt werden. Ziel von Lukas Roth ist es dabei Bilder zu erzeugen, die dem Betrachter zunächst und mit Abstand logisch erscheinen, obwohl nichts stimmt. »Wenn ich ein Bild von einem bestimmten Ort, wie beispielsweise dem Pont du Gard mache, verwende ich daher nur Fotografien von diesem Ort. Bilder mit unbestimmter Ortsangabe kombinieren dagegen häufig Fotos, die ich an verschiedenen Orten gemacht habe. Trotzdem werde ich von Betrachtern dieser Bilder immer wieder gefragt: wo ist das?«

Zeigt die Frage einerseits ein offensichtliches Bedürfnis nach Verortung und Einordnung, weist sie doch gleichzeitig darauf hin, wie sehr das Medium der Fotografie heute noch immer zu dem Gedanken verleitet, die Wirklichkeit werde abgebildet. Und so sehr beispielsweise Lukas Roths Bild vom Pont du Gard begeistert, weil man vielleicht sogar selbst schon ein solches Erinnerungsbild hat, so sehr legt es auch nah, genau hinzusehen, weil nichts so ist, wie es scheint.

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Interview mit Veit Landwehr

16. Dezember 2010 von Kerstin
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»Ich bin total verspielt.«

Veit Landwehr ist Architekt, entwarf und baute Häuser, gründete eine Filmproduktion, verdiente seine Brötchen als Schlagzeuger und arbeitet heute u.a. als Architekturfotograf. Kurz gesagt in seinen Worten: »Ich habe, glaube ich, schon so ziemlich alles gemacht, womit man Geld verdienen kann.«

Seit 2002 ist Veit Landwehr »in der Mitte von all dem« Bildender Künstler. Seine Arbeiten werden national und international ausgestellt. Auch im Bereich Kunst macht sich seine Leidenschaft bemerkbar, immer wieder in neue Themen einzusteigen und sich auf diese Weise ständig neues Know-how anzueignen. Das Spektrum seiner Werke ist absolut vielfältig. Es umfasst zweidimensionale Arbeiten auf Papier und anderen Materialien, Fotografien, Film- und Videoprojekte sowie zahlreiche Installationen.

Gemeinsame Ausgangspunkte der verschiedenen Werke von Veit Landwehr sind dabei seine genaue Beobachtung des alltäglichen Umfelds und eine ordentliche Portion Spieltrieb, von dem auch das Publikum ein ums andere Mal angesteckt wird. Wer hat sich hier beispielsweise noch nie gewünscht, endlich die Klingel am Hauptportal des Kölner Doms zu drücken, auf dass sich der Dicke Pitter oder sogar Kardinal Meissner höchstpersönlich in Bewegung setzen mögen? Und überhaupt: zeigt sich nicht gerade an vielen verschiedenen Orten der Republik, dass so mancher von uns gerne endlich mehr mitspielen würde, wenn er nur dürfte? Die Arbeiten von Veit Landwehr beantworten diesen Wunsch mitzumachen immer wieder genauso klar und deutlich, wie sie ihn ansprechen.

Da Veit nach eigener Aussage Sachen immer nur so lange macht, bis er sie gut kann, um dann etwas Neues zu machen, ist völlig klar: Veit Landwehr wäre nicht Veit Landwehr, wenn er nicht schon wieder neue Ideen realisieren würde. Und so wurde ich während des Interviews nicht nur ganz offiziell zur Pappnase. Gemeinsam mit Tom May hat Veit Landwehr inzwischen auch den mit einsatzbereiter Table Dance-Stange versehenen Tisch MOD.011 entwickelt, der in diesem Jahr auf der Art Cologne vorgestellt wurde. Produkt, Kunst, Kulturstatement…

Seht selbst.

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