Alles bleibt anders

05. Oktober 2011 von Chris

»Lass doch einfach mal den Zucker weg.« Diese Mini-Formel hat bei mir, dem alten Toast-Gewohnheitsfrühstücker eine interessante Reaktion ausgelöst. Ich achtete genauer auf die versteckten Mengen Zucker, die ich mir so alltäglich zuführte. Bei einem 1,8 % Fruchtjoghurt kam es zu meinem »Aha-Erlebnis«. Man kennt sie ja, diese 250 g Becher. Ich las mir etwas deutlicher die Zusamensetzung und Kaloriengehalttabelle durch. Klar, dass ist ja immer nur auf 100 g ausgezeichnet. Dann habe ich schnell auf  250 g den tatsächlichen Zuckeranteil umgerechnet und kam auf 34,4 g. Diese Menge Zucker  habe ich spaßeshalber in einen Messbecher gefüllt. Mir fielen fast die Augen raus. Das ist verdammt viel. Und wohlgemerkt: in 250 g Fruchtjoghurt mit 1,8% Fett. Von da an überprüfte ich jede Nährwerttabelle von Produkten und trennte mich erst einmal von meinem seit 40 Jahren geliebten und bewährten Frühstückstoast (Hauptbestandteil: Zucker). Doch was sollte die Alternative sein? »Mach doch mal ein Obstfrühstück mit Nüssen und etwas Naturjoghurt«, hallten mir noch die Worte von unserem Sportwissenschaftler Felix Klemme im Ohr.

Und das mir.

Also testete ich an einem Morgen folgendes an: 1/2 Apfel, 1/2 Birne, 1/2 Aprikose etwas Mango, ein paar Heidelbeeren, kleingehackte Mandeln, etwas feingeschnittener Ingwer (genial frisch und herb), Zitronenmelisse und einen Klecks Naturjoghurt. Mürrisch betrachtete ich mein Werk – 15 min Kleinschnibbelei ist morgens nicht jedermanns Sache. Nachdem ich dann aber von diesem sehr farbenfrohen Teller gegessen habe, verflog meine Skepsis recht schnell. Das Zeug schmeckte krass. Normalerweise hielt mein 2-Toast-Frühstück max. 3 Std. an, bevor die mittägliche Hungerattacke mich plagte.  Diese nährstoff-und vitaminreiche Alternative schaffte es, mich mindestens 6 Std. hungerfrei durch den halben Tag zu bringen. Und der Witz: ich fühlte mich irgendwie besser und fitter.

(frühstück_birne)

(frühstück_birne_apfel_feige_aprikose_ingwer)

(frühstück_birne_apfel_feige_aprikose_ingwer_joghurt_mandeln)

Durch diese Erkenntnis des Experiments angefixt, durchforstete ich weitere meiner alten und beliebten Essgewohnheiten. Ich verabschiedete mich von einigen Kohlehydrat-Freunden wie Nudeln, Reis und Brot, die aufgrund ihres hohen Kohlehydratgehalts schnell in Zucker umgewandelt werden und so dem Körper nur kurzfristig Energie zuführen. Konkret hieß das: ich stellte meinen kompletten Wochen-Ernährungsplan um und machte mir zur Aufgabe, mal für einen Monat anders zu essen. Der Wochenplan enthielt das wie vorhin beschriebene Frühstück, wenig bis kein Brot, Reis oder Nudeln, dafür sehr viel regionales und saisonales Gemüse, abgerundet mit tierischem Eiweiß in Form von Rindersteak, Hühnerbrust oder Fisch. Fleisch und Fisch jeweils ein Mal pro Woche. Konsequent 3 x am Tag essen, keine zusätzlichen Zwischenmahlzeiten; keine Schokolade, Kuchen etc. Getränke: Tee und Wasser. Ich dachte: »Das hältst du nie durch, und wenn du zwischendurch nichts Süsses bekommst oder hungrig bist, dann wirst du grantig«. Nichts von alledem passierte. Weder war ich hungrig, noch grantig – gut, vielleicht die ersten 3 Tage.

Aber was anderes fiel mir auf. Mein Allgemeinbefinden änderte sich. Ich war weitaus konzentrierter und fühlte mich im Ganzen besser. Hinzu kam unser ergänzendes Sportprogramm von max. 4 Übungseinheiten à 2 min, also 8 min. Sport am Tag. Eigentlich kaum der Rede wert, aber sehr effektiv. Das Lustige an diesen Sportübungen ist, dass man sie komplett in den Alltag integrieren kann, im Office genauso wie auf dem Spaziergang mit dem Hund – eine Parkbank reicht aus um zu improvisieren. Bei mir hat dieser Prozess tatsächlich dazu geführt, alte Verhaltensmuster und Gewohnheiten zu überdenken und sie neu zu justieren. Nun wende ich dieses Ess- und Sportprogramm schon seit knapp 2 Monaten an. Ich muss schon gar nicht mehr groß darüber nachdenken, weil es zu einem festen Bestandteil meines Alltags geworden ist.

Übrigens, alles ohne Zwang. Ich fange nicht an, mich in irgendeiner Weise zu beschneiden. Wenn es mich doch mal überkommt, dann esse ich eben auch eine große Portion Spaghetti mit Tomatensauce oder zwischendurch ein Snickers. Für mich geht es vor allem darum, die Dinge bewusster zu machen. Was mich dabei insgesamt fasziniert ist, wie man selbst mit kleinen Änderungen beginnend, in meinem Fall das Weglassen des Zuckers, eine Menge gute Veränderungen in Gang bringen kann – und zwar ganz einfach.

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